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Degenkolb und Kristoff wieder auf zwei und drei

Eschborn-Frankfurt: Philipsen mit Kriegers Vorarbeit zum Sieg

Foto zu dem Text "Eschborn-Frankfurt: Philipsen mit Kriegers Vorarbeit zum Sieg"
Alpecin-Jubel bei Eschborn-Frankfurt, v.l.: Alexander Krieger, Japser Philipsen, Silvan Dillier | Foto: Cor Vos

19.09.2021  |  (rsn) - Jasper Philipsen (Alpecin – Fenix) ist bei Eschborn-Frankfurt ein perfektes Debüt gelungen. Auch dank der cleveren Vorarbeit seines Anfahrers Alexander Krieger sicherte sich der 23-jährige Belgier die 60. Auflage von Eschborn-Frankfurt und wurde damit Nachfolger von Pascal Ackermann (Bora - hansgrohe), der die bisher letzte Ausgabe des hessischen Klassikers vor zwei Jahren gewonnen hatte.

Philipsen ließ über 187,5 Kilometer von Eschborn durch den Taunus nach Frankfurt vor der dortigen Alten Oper in einem wilden Sprint den Oberurseler John Degenkolb '(Lotto Soudal) und den Norweger Alexander Kristoff (UAE Team Emirates) hinter sich. Beide hatten bereits 2019 in dieser Reihenfolge das Podium komplettiert. Ackermann musste sich diesmal noch hinter dem Italiener Andrea Pasqualon (Intermarché - Wanty-Gobert) mit Rang fünf begnügen und war darüber sichtlich angefressen.

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Auch Degenkolb, der das Rennen bei seinem Debüt vor genau zehn Jahren gewinnen konnte, war zunächst tief enttäuscht und ließ seinen Tränen freien Lauf. Kurz darauf aber konnte sich der 32-Jährige bereits über seine Leistung freuen, auch wenn er gegen Philipsen chancenlos war.

“Ich bin sehr froh über den Sieg bei diesem großen WorldTour-Eintagesrennen. Im Mittelteil des Rennens habe ich gar nicht über einen Sieg nachgedacht, weil ich so sehr gelitten habe. Ich wurde sogar abgehängt, aber das Team hat einen tollen Job gemacht und mich wieder nach vorne gefahren“, kommentierte der Alpecin-Sprinter seinen insgesamt zwölften Profisieg. “Im Sprint hatte ich mit Alexander Krieger einen starken Lead-Out-Fahrer, dem ich absolut vertraue, er hat mich in eine gute Position gebracht. Dann ist Degenkolb einen starken Sprint gefahren und ich musste meinen neu starten. Wie es genau gelaufen ist, habe ich gar nicht so recht auf dem Schirm. Das muss ich mir noch mal anschauen", gestand Philipsen ein.

Degenkolb mit Krämpfen auf den zweiten Platz

“300 Meter vor dem Ziel sagte ich mir: alles oder nichts. Ich hatte schon Krämpfe und habe dann noch mal alles in die Waagschale geworfen. Ich hatte im Augenwinkel noch gesehen, dass Jasper auch in einer guten Position war“, sagte Degenkolb in einer ersten Reaktion, der Philipsens Überlegenheit anerkannte: “Am Ende war es ein verdienter Sieg.“

Reichte es beim 32-Jährigen nicht zum zweiten Triumph, so verpasste Kristoff seinen fünften Sieg vor der Alten Oper. Nach seinem erneuten dritten Platz in Folge kündigte der 34-Jährige allerdings bereits an, es 2022 wieder versuchen zu wollen. “Mein Team hat einen tollen Job gemacht und dafür gesorgt, dass wir am Ende um den Sieg sprinten konnten. Leider hat es in diesem Jahr nicht für den fünften Sieg gereicht, aber ich komme im nächsten Jahr wieder. Hoffentlich regnet es dann wieder am 1. Mai, das kommt mir mehr entgegen", so Kristoff, der dann aber im Trikot von Intermarché -Wanty-Gobert starten wird.

Nachdem Ackermann zunächst nicht für ein Interview zur Verfügung stand, hatte sich kurz darauf der Ärger bei dem Pfälzer wieder gelegt. “Ich habe versucht, mich vorne zu halten und an einem guten Hinterrad zu positionieren, war aber nach der letzten Kurve zu weiten hinten. Ich konnte auch gar nicht richtig losfahren, weil einfach kein Platz für mich war. Ich bin schon etwas enttäuscht, auch wenn wir uns als Team heute nichts vorwerfen können“, sagte der 27-Jährige in einer Pressemitteilung seines Teams.

So lief das Rennen:

Bei angenehmen Wetterbedingungen formierte sich schon auf den ersten fünf Kilometern die Gruppe des Tages, die auf Initiative von Erik Resell (Uno-X) zustande kam und der neben dem Norweger noch sein Landsmann Mathias Norsgaard (Movistar), der Australier Luke Durbridge (BikeExchange), der Italiener Simone Velasco (Gazprom - RusVelo) und der Belgier Boris Vallee (Bingoal Pauwels Sauces WB) angehörten.

Das zunächst von Bora - hansgrohe angeführte Feld ließ die Ausreißer ohne Widerstand ziehen und gestattete dem Quintett schnell einen vergleichsweise komfortablen Vorsprung, der nach knapp 30 Kilometern bereits rund 6:30 Minuten betrug. Danach spannte sich auch Alpecin -Fenix in die Verfolgungsarbeit ein, so dass sich der Rückstand im elf Kilometer langen Anstieg zum Feldberg halbierte.

Bei den danach folgenden Überquerungen des Ruppertshainer Bergs und des bis zu 23 Prozent steilen Stichs zum Mammolshainer Berg, der insgesamt viermal bewältigt werden musste, änderte sich nichts an der Konstellation. Allerdings fiel Vallee am Mammolshainer aus der Gruppe heraus. Der Vorsprung gegenüber den Verfolgern blieb bis zur Rennhälfte unverändert. An der folgenden Doppelsteigung Mammolshainer/Billtalhöhe verlor Resell den Anschluss an seine Begleiter, die von da an zu Dritt ihren Vorsprung von nur noch rund zwei Minuten gegenüber den Verfolgern verteidigten.

Der Tempoverschärfung an der Billtalhöhe fielen im Feld zahlreiche Fahrer zum Opfer - darunter zeitweise auch Philipsen - und der Vorsprung der Spitze schrumpfte auf unter eine Minute zusammen. Mittlerweile waren auch die Trikots von Cofidis und Jumbo - Visma an der Spitze des Feldes versammelt, das die letzten drei Ausreißer rund 60 Kilometer vor dem Ziel bei der dritten Fahrt über den Mammolshainer stellte.

Matthews gewaltiger Antritt am Mammolshainer läutet das Finale ein

Hier sprengte Michael Matthews (BikeExchange) mit einem fulminanten Antritt das zu diesem Zeitpunkt noch knapp 90-köpfige Feld, aus dem heraus sich eine neue, größere Spitzengruppe formierte. Im oberen Teil des Mammolshainers lösten sich zwar Dylan Teuns (Bahrain Victorious) und Ben Hermans (Israel Start-Up Nation). Sie wurden aber schnell wieder eingefangen, so dass insgesamt 16 Fahrer die neue Spitze bildeten, darunter waren mit Georg Zimmermann (Intermarché - Wanty-Gobert) und Simon Geschke (Cofidis) auch zwei deutsche Profis.

Dagegen war kein Fahrer aus Kristoffs Team mit dabei, so dass der viermalige Eschborn-Gewinner seine Helfer an die Spitzen des Felds schickte, um die Ausreißer wieder zurückzuholen. Nachdem der Abstand bei der vierten und letzten Mammolshainer-Überquerung noch rund 40 Sekunden betragen hatte, stellte UAE mit einer imponierenden kollektiven Leistung und mit Unterstützung von Bora - hansgrohe die gefährliche Gruppe bereits 30 Kilometer vor dem Ziel.

Kurz vor dem Zusammenschloss machten sich allerdings Zimmermann und Cristian Scaroni (Gazprom - RusVelo) aus der Spitzengruppe auf und davon und behaupteten vor allem dank der Tempoarbeit des Augsburgers einen knappen Vorsprung von rund 15 Sekunden. Das Duo wurde in der Innenstadt von Frankfurt nach zähem Widerstand auf der zweiten der drei sogenannten Mainschleifen neun Kilometer vor dem Ziel vom noch rund 70 Fahrer großen Feld gestellt.

Zu Beginn der 6,7 Kilometer langen Schlussrunde übernahmen Matthews und seine Helfer die Spitze, die sie bis zu den letzten beiden Kilometern behaupteten. Dann positionierten sich auch die weiteren Sprinterteams vorne und kämpften um die aussichtsreichsten Positionen für ihre Kapitäne.

Das gelang Alpecin - Fenix am besten: Alexander Krieger liefert seinen Kapitän Philipsen perfekt ab und der Belgier konnte Degenkolbs starken Antritt auf den letzten Metern kontern. Dagegen waren Titelverteidiger Ackermann und der Kristoff im hektischen Finale schlecht platziert. Während es für den Skandinavier wie schon 2019 noch zu Rang drei reichte, rollte der tief enttäuschte Ackermann als Fünfter über den Zielstrich.

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