--> -->
08.09.2011 | (rsn) - Wenn es in die zweite Hälfte der dritten Woche einer großen Rundfahrt geht, dann hat man das Ziel ja vor Augen und es ist ein Klacks auch in Madrid, Paris oder Mailand anzukommen – so sollte man zumindest meinen.
Aber das genaue Gegenteil ist wahr! Klar haben die Gesamtwertungsanwärter schon einiges an Körnern verschossen, das konnten wir ja täglich am Fernseher verfolgen aber was ist denn mit denen, die man seit Tagen nicht mehr gesehen hat? Die, die hinten sind (wo es sich schwerer fährt als vorne) und es gar nicht bis vor die Linsen der Kameramänner schaffen, weil sie bei den ersten Schwierigkeiten durchsacken, abfallen und sich mit weit mehr Fahrzeit als der Etappensieger ins Ziel kämpfen. Dazu gehören die angeschlagenen, evtl. leicht kränkelnden Wasserträger, die von den Bergen zermürbten Sprinter und alle deren Moral am Boden ist, weil sie wissen, dass es dem Körper ebenso geht.
Am eigenen Leib musste ich das 2 Mal erfahren – in den ersten beiden Wochen des Giro 1998 habe ich mehr Kilometer im Wind gefahren als in meiner gesamten Karriere, weil der Adjutant von unserem Leader Zülle sich am Tag 2 das Handgelenk brach. Also täglich 150km vorne im Wind, und wenn dann ein 10 km Pass kam, war ich oben alleine - hinten! Und nur noch 60km bis ins Ziel, tolle Sache.
Als wir mit einer Gruppe von 45 Fahrern bei der ersten Dolomitenetappe der letzten Woche (gut 6 Stunden im Regen) das Zeitlimit um 45 Sekunden verfehlten war ich fast froh – denn im Gegensatz zu anderen im Grupetto hätte ich keine 20 Sekunden schneller fahren können… Das zweite Mal war quasi gestern in Spanien – mittwochs vor Madrid wurde ich auf einer 225 km langen Etappe gleich am Anfang mit nur einem weiteren Fahrer abgehängt und da ich das Punktetrikot trug war kein "wieder ran fahren im Windschatten des Materialfahrzeugs“ möglich. Genau wissend, dass wir das Zeitlimit nicht schaffen würden stieg ich aus und als die Kommisäre nach vorne verschwunden waren schaffte es mein Wegbegleiter doch noch die verlorenen Minuten "ganz alleine“ ;-) wieder zuzufahren…
Gerade bei Etappen wie heute und morgen, wenn es nach langer Pause wieder ins niemals flache Baskenland geht, ist es enorm schwer sich irgendwie durchzuhangeln. Immer rauf und runter, jeder versucht dranzubleiben und kein Grupetto in Sicht. Wenn dazu noch der Kampf in der Gesamtwertung entbrennt, dann kann man nur hoffen, dass man genügend Leidensgenossen findet und vor allem, dass es nicht ewig dauert bis die „richtige“ Ausreißergruppe es schafft sich entscheidend vom Feld zu lösen.
Das bittere daran ist, dass man nicht agiert, sondern bestenfalls reagiert. Aber auch nur dann, wenn physisch noch irgendwie möglich. Als Rennfahrer am Limit ist man konstant den anderen im Feld ausgeliefert und auf Dauer hinterlässt das auch psychisch seine Spuren. Wenn man dann noch nicht weiß, was in der kommenden Saison ist, weil der Vertrag noch nicht unter Dach und Fach ist, dann ist auch der Nachtschlaf nicht so erholsam wie er es sein sollte…auf Spanisch heißt das "circulo vicioso" – ein Teufelskreis eben...
Das und vieles mehr passiert eben auch auf der Vuelta und anderswo – nur kriegt’s kaum einer mit, denn die sind ja schon fast in Madrid…quasi…
Ciao
Marcel Wüst
Marcel Wüst, hat Spanien bei seinen Vuelta - Teilnahmen und insgesamt 12 Etappensiegen kennen und lieben gelernt. Neben seiner journalistischen Arbeit organisiert der Kölner seit 3 Jahren High End Radcamps in seinem eigenen Landhaus im Südosten Mallorcas.
In seiner Casa Ciclista sind vom Anfänger bis zum ambitionierten Rennfahrer alle willkommen.
12.09.2011Alle habe fertisch(rsn) - Alle habe fertisch… …und sinde jetz Flasche läär. So ist zumindest das Gefühl am Ziel einer dreiwöchigen Rundfahrt. Natürlich schwimmen die Sieger und Topplatzierten noch auf ei
05.09.2011Wiedersehen macht Freude(rsn) - Die letzten Tage haben mir einige Begegnungen beschert, über die ich mich auf ganz unterschiedliche Art und Weise gefreut habe. Alle haben mit Radsport und vor allem mit der Vuelta zu tun und
29.08.2011Zeitfahren auf die eine oder andere Art(rsn) Wer schon einmal mitbekommen hat, wie sich Zeitfahrspezialisten auf ihre Paradedisziplin vorbereiten, der weiß, dass bei wichtigen Rennen nichts dem Zufall überlassen bleibt. Vom Kennenlernen
24.08.2011The heat is on...(rsn)- Im August in Andalusien Rennrad zu fahren hat einen großen Nachteil, vor allem wenn man sich im Fahrerfeld der Vuelta befindet. Haben Hobbyradler doch die Wahl früh, und damit meine ich so fr
19.08.2011Benidorm – besoffene Touries und spanische Radsportfans(rsn) - Gerade bei Rennen in südlichen Gefilden treffen oftmals ganz unterschiedliche Menschen aufeinander, und wenn es dann in Touristenhochburgen wie Benidorm geht, dann sind die Unterschiede ganz
19.08.2011Marcel Wüst führt Vuelta-Blog auf Radsport News (rsn) - Marcel Wüst wird in den kommenden drei Wochen in einem Blog auf Radsport News die 66. Spanien-Rundfahrt begleiten und analysieren. Der 44 Jahre alte Kölner fuhr in seiner zwölfjährigen Pro
11.01.2026Coupland überrascht und holt sich gleich zwei Titel (rsn) - Mackenzie Coupland (Liv – AlUla – Jayco) hat die Konkurrenz überrascht und sich in ihrem dritten Sieg als Profi zur Australischen Meisterin gekürt. In Perth kam die 20-Jährige nach 109
11.01.2026Im Stream: Deutsche Crossmeisterschaften in Bensheim (rsn) - Bei den Deutschen Crossmeisterschaften im südhessischen Bensheim werden am Sonntag die Elite-Rennen der Frauen und Männer im Livestream des Hessischen Rundfunks zu sehen sein sein – das de
10.01.2026Eike Behrens holt sich in Bensheim U23-Titel im Cross (rsn) – Eike Behrens (Stevens) hat sich bei den Deutschen Crossmeisterschaften im südhessischen Bensheim mit einem souveränen Auftritt den U23-Titel gesichert. Der jüngere Bruder des früheren U2
10.01.2026Trotz schwachem Start: Norbert Riberolle Belgische Crossmeisterin (rsn) – Marion Norbert Riberolle (Crelan – Corendon) hat bei den Belgischen Crossmeisterschaften ihren Titel im Eliterennen der Frauen verteidigt. Die 27-Jährige, die in dieser Saison bereits die
10.01.2026Zeitung: Evenepoel nimmt die UAE Tour in sein Programm (rsn) – Frühe Planänderung bei Remco Evenepoel)? Der neue Start von Red Bull – Bora – hansgrohe hat die UAE Tour (16. – 22. Februar) noch in sein Programm genommen. Ursprünglich stand für
10.01.2026Nach Visma-Vertragsangebot: Jorgenson zögerte monatelang (rsn) – Matteo Jorgenson hat gezögert, als er zu Beginn des vergangenen Jahres von Visma - Lease a Bike ein ebenso attraktives wie langfristiges Vertragsangebot erhalten hatte. Wie der 26-jährige
10.01.2026Jakobsen vor dem nächsten Neuanfang (rsn) - Nach zwei enttäuschenden Jahren bei Picnic - PostNL hofft Fabio Jakobsen im Vertragsjahr endlich wieder an seine früheren Leistungen anknüpfen zu können. In seiner Zeit bei Quick-Step gela
10.01.2026Wohin geht es in der Ära nach Madiot? (rsn) – In Frankreich endet eine Ära. Marc Madiot, der 1997 das Team Francaise des Jeux gründete und seitdem als Manager die Geschicke der Equipe leitete, wird zum April des Jahres aus dem aktiven
10.01.2026Bei Autounfall: Soudal – Quick-Step hilft (rsn) - Als Unfallhelfer in Aktion traten die sich derzeit im spanischen Calpe auf die Saison 2026 vorbereitenden Profis von Soudal – Quick-Step. Wie das belgische Team in den Sozialen Medien schri
10.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die Saison 2026 (rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden in
10.01.2026Ries beendet mit 27 seine Profikarriere (rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr
10.01.2026Verschneite Querfeldein-Titelkämpfe in Bensheim (rsn) – Am kommenden Wochenende werden im südhessischen Bensheim die Deutschen Meisterschaften im Cross ausgetragen. Wie schon 2018 finden die Titelkämpfe rund um den Bikepark am Berliner Ring im