Offener Brief von Mike Kluge

"Der Radsport sollte unterstützt und nicht bekämpft werden"

Foto zu dem Text "

Mike Kluge

Foto: ROTH

14.11.2008  |  (rsn) - In einem Offenen Brief an den Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich Ex-Profi Mike Kluge, Trainer und Lebensgefährte von Crossweltmeisterin Hanka Kupfernagel, zum Thema „Sperrung der Haushaltmittel für den Bund Deutscher Radfahrer" geäußert. Radsport news veröffentlich den Brief im Wortlaut: 

Sehr geehrter Herr Winfried Hermann,

vielen Dank, dass Sie sich zum Thema Dopingkontrollen im Radsport äußern. Nur unterliegen Sie einem kleinen Denkfehler und das ist keine gute Sache, weil Sie ein Politiker sind. Denken braucht etwas Zeit, etwa so: Wenn im Männer-Profi-Radsport (Straße) Dopingfälle auftauchen und Sie deshalb den ganzen Radsport abstrafen wollen, dann bestrafen Sie beispielsweise auch den Nachwuchs, den Frauen-Radsport, den Mountainbike- und Bahnradsport und diverse andere Radsportdisziplinen.

"Erschieße alle, dann fällt bestimmt auch der Schuldige", das ist kein gutes Motto für einen Politiker. Nein, Herr Hermann, das ist auch so gar kein Motto für einen grünen Politiker, das ist eines für's Wirtshaus. Bei näherem Nachdenken werden Sie nämlich finden, dass wir eher die aufwändigen Anti-Dopingaktivitäten des Radsports breiter anlegen müssen, hinüber in andere Sportarten. Erfahrungen, die wir hier im Anti-Dopingkampf machen, können übertragen werden und so auf das Denken aller Sportler, auch der Freizeitsportler, Einfluss nehmen. Das Finden und Aufzeigen von Übeltätern ist zudem eine Form von Vorbeugung! Vorbeugende Instrumente sollten wir doch nicht aus der Hand geben, nicht wahr? Das heisst, der Radsport sollte unterstützt und nicht bekämpft werden.

Wir im Radsport haben eine intensives, funktionierendes Dopingkontrollsystem* und deshalb finden wir auch was, was ja gut ist. Das ist wie mit der Polizei, die funktioniert auch, deshalb findet die auch was, nämlich die Übeltäter und dann freuen sich alle. Also, Herr Hermann, wenn wir wieder einen unserer Übeltäter finden, dann freuen Sie sich einfach mit uns, denn Sie wissen dann, dass der Radsport genau das tut, was Sie und wir alle ja eigentlich wollen: den Radsport sauber halten. Wenn aber immer wieder ein neuer Übeltäter nachwächst, macht nichts, Herr Hermann, Sie wissen nun, wir haben eine funktionierende Polizei, Pardon, Dopingkontrolle, deren Erfahrung wir nutzen für alle solche Fälle, auch für zukünftige.

So, jetzt haben wir nachgedacht. Und wenn die Polizei wieder einmal einen Kriminellen fängt, werden wir nicht gleich die Abschaffung des ganzen Staates mit seinen öffentlichen Fördergeldern fordern, in dem diese Menschen herangewachsen sind, oder, Herr Hermann?

Mike Kluge

* Nur im Radsport gehören Blutkontrollen zum Standard und nur im Radsport gibt es für die Sportler die Pflicht zum Gesundheitspass, wo über alle wichtigen Parameter Buch geführt wird. Auf Ihrer Internet-Seite loben Sie die "Antidoping-Politik der Spiele (die Olympischen Spiele von Peeking, d. Red.). Es habe weniger Dopingfälle gegeben, als ursprünglich befürchtet. Dazu gebe ich Ihnen folgende interne Information: Blutkontrollen wurden in Peking zwei Tage vorher bekannt gegeben! Und das ist nach deutschen und internationalen Kontrollstandards eigentlich nicht zulässig. Wozu dies führen kann, überlasse ich Ihrer Phantasie.

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