Die Sprinter des 107. Giro d’Italia

Merlier und Kooij führen die Riege der schnellen Männer an

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Merlier und Kooij führen die Riege der schnellen Männer an"
Tim Merlier (Soudal - Quick-Step, vorn) und Olav Kooij (Visma - Lease a Bike, dahinter) sidn die favorisierten Sprinter des 107. Giro d´Italia. | Foto: Cor Vos

03.05.2024  |  (rsn) – Beim 107. Giro d’Italia wird es für die Sprinter kein gemütliches Einrollen geben. Am Samstag beginnt die erste Grand Tour des Jahres in Venaria Reale nördlich von Turin mit einer schweren Etappe und am Sonntag geht es mit der ersten Bergankunft weiter. Die Männer mit den schnellen Beinen könnten erstmals am Montag in Erscheinung treten – insgesamt werden sich ihnen wohl sieben Chancen auf Etappensiege bieten.

Sowohl auf der 3. als auch der 4. Etappe warten allerdings im Finale einige kleine Hügel. Einen Tag später könnte der sehr schwere Beginn des Teilstücks den Sprintern ein Schnippchen schlagen, gleiches gilt für den elften Abschnitt. Den ersten tellerflachen Abschnitt gibt es auf der 13. Etappe, die 18. ist kaum schwieriger und das Finale in Rom kommt ebenfalls ohne topografische Schwierigkeiten aus.

So werden die hügelfesten Sprinter rund doppelt so viele Möglichkeiten haben wie die Flachlandsprinter um Tim Merlier (Soudal – Quick-Step). Der Belgier steht mit sieben Saisonsiegen gemeinsam mit Tadej Pogacar (UAE Team Emirates), Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike), Mads Pedersen (Lidl – Trek) und André Drege (Coop – Repsol) an der Spitze der Siegesrangliste. Dazu benötigte Merlier lediglich elf Massensprints, womit seine Siegquote in den Spurts bei 64 Prozent liegt.

Einen besseren Wert vorzuweisen hat nur Olav Kooij (Visma – Lease a Bike), der bei sechs Versuchen lediglich einmal geschlagen wurde. Das war auf der 3. Etappe der UAE Tour (2.UWT), wo Merlier schneller war. Für den Niederländer spricht nicht nur seine 83-prozentige Siegquote in Massensprints, der 22-Jährige kommt auch sehr gut über die Hügel. Gegen Kooij spricht seine Unerfahrenheit, er wird nämlich beim Giro sein Grand-Tour-Debüt geben. Mit Christophe Laporte hat er einen namhaften Anfahrer, schneller als der Franzose dürfte aber Merliers junger Teamkollege Luke Lamperti sein.

Stark besetzte zweite Reihe

Hinter den beiden Topsprintern tummeln sich viele weitere Anwärter auf Tagessiege. Die größten Namen sind Caleb Ewan (Jayco – AlUla) und Fabio Jakobsen (dsm-firmnich – PostNL). Während beim Australier zuletzt wenig zusammenlief, feierte der Niederländer bei der Türkei-Rundfahrt (2.Pro) zuletzt den ersten Sieg für sein neues Team. Überraschend dabei war allerdings, dass sein Teamkollege Tobias Lund Andresen gleich drei Etappen im Massensprint abräumte. Der Däne wird auch in Italien an Jakobsens Seite auftreten – wer letztendlich der Kapitän sein wird, bleibt abzuwarten.

Mit Jonathan Milan (Lidl – Trek), Fernando Gaviria (Movistar), Alberto Dainese (Tudor), Kaden Groves (Alpecin – Deceuninck) und Juan Sebastian Molano (UAE Team Emirates) sind fünf weitere Fahrer beim Giro dabei, die Massenspurts bei Grand Tours für sich entschieden haben. Milan und Groves kommen ebenfalls gut über die Hügel. Der Alpecin-Australier kam diese Saison aber nicht ins Rollen und gehört deswegen wie die beiden Kolumbianer nicht zu den ersten Anwärtern auf die Siegerblumen.

Dainese hat in den letzten beiden Jahren bewiesen, zum Giro in Topform zu sein. Der 26-Jährige konnte ohne viele Vorleistungen sowohl 2022 als auch 2023 einmal als Erster über den Zielstrich sprinten. Sein Landsmann Milan gewann bei der letzten Ausgabe eine Etappe und das Punktetrikot. Er hat sich bei Lidl – Trek schnell akklimatisiert und sich nicht nur in den Sprints, sondern auch bei den Klassikern stark präsentiert.

Bauhaus die größte deutsche Sprinthoffnung

Aus deutscher Sicht sind Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) und Max Kanter (Astana Qazaqstan) die aussichtsreichsten Kandidaten. Der Astana-Neuzugang feierte jüngst bei der Türkei-Rundfahrt seinen ersten Profisieg, wird es im Giro-Feld aber schwer haben. Kanters Vorteil ist, dass er durchaus hügelfest ist. Das lässt sich von Bauhaus nicht sagen. Der 29-Jährige wird nur auf den flachen Teilstücken punkten können. Dort aber ist Bauhaus durchaus chancenreich, denn der fünfmalige Sieger von WorldTour-Etappen beweist seit mehreren Jahren immer wieder, auch die Topstars des Massensprints auf höchstem Niveau schlagen zu können.

Der Tübinger Marius Mayrhofer wird bei seinem zweiten Giro als Anfahrer für Dainese eingesetzt werden. Sollte der Italiener aber abgehängt werden, könnte die Stunde des 23-jährigen Deutschen schlagen. Mayrhofer hat bei seinem Giro-Debüt 2023 bewiesen, dass er vorn mithalten kann.

Bora – hansgrohe verzichtete auf den zuletzt schwachen Sam Welsford und hofft stattdessen auf Danny van Poppel. Der Niederländer tritt im Normalfall als Anfahrer in Erscheinung, kann aber die Chancen, die er als teaminterne Nummer 1 bekommt, immer wieder in gute Ergebnisse ummünzen. Auch van Poppel lässt sich an guten Tagen an mittelschweren Hügel nicht abschütteln.

Die favorisierten Giro-Sprinter:

***** -
**** Kooij , Merlier
***  Milan, Jakobsen, Bauhaus
**   Lund Andresen, Dainese, Ewan, Groves
*    Girmay, Kielich, van Poppel, Vernon, Pithie, Gaviria

Mehr Informationen zu diesem Thema

05.06.2024Kanter “super motiviert“, Fragezeichen hinter der Form

(rsn) – Sein Giro-Debüt musste Max Kanter bereits nach der 9. Etappe beenden. Der Sprinter von Astana Qazaqstan musste wie zahlreiche weitere Profis auch wegen eines grippalen Infekts das Rennen au

28.05.2024Gianetti: “Jetzt sind wir bereit für die Tour de France“

(rsn) – Den ersten Teil seines großen Plans, als erster Fahrer nach Marco Pantani 1998 im Lauf einer Saison das Double aus dem Giro d’Italia und der Tour de France zu gewinnen und damit ein weite

28.05.2024Grande Partenza 2026 in Albanien?

(rsn) – Kurz nach dem Finale des 107. Giro d’Italia, der am Sonntag in Rom mit dem überlegenen Gesamtsieg von Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) endete, kursieren bereits zahlreiche Berichte über

27.05.2024Martinez macht beim Giro einen Kindheitstraum wahr

(rsn) - Trotz eines fünften Platzes beim Giro d’Italia 2021 galt Daniel Martinez bisher eher als Mann für einwöchige Rundfahrten. Mit seinem zweiten Rang bei der 107. Italien-Rundfahrt hat der Ne

27.05.2024O´Connor zeigte beim Giro große Grand-Tour-Klasse

(rsn) – Viele Jahre galt Ben O´Connor (Decathlon AG2R La Mondiale) als Rohdiamant im Hinblick auf dreiwöchige Landesrundfahrten. Nach vielversprechenden Leistungen aber gelang es ihm bislang nur s

27.05.2024Bora-Teamchef Denk bestätigt Abschied von Buchmann

(rsn) – Nach den Verwerfungen im Zusammenhang mit der Giro-Ausbootung von Bora – hansgrohe war bereits über einen bevorstehenden Abschied von Emanuel Buchmann berichtet worden. Nun bestätigte Te

27.05.2024Giro-Debütant Steinhauser: “Grand Tours sind was für mich“

(rsn) – Mit einem Etappensieg und zwei dritten Plätzen kehrt Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) von seinem Grand-Tour-Debüt zurück. Der 22-jährige Allgäuer gehörte zu den großen Ü

27.05.2024Giro-Entdeckung Pellizzari auf dem Weg zu Bora - hansgrohe

(rsn) – Neben Georg Steinhauser (EF Education – EasyPost) war er die Entdeckung dieses Giro d´Italia: Giulio Pellizzari (VF Group – Bardiani CSF). Der 20-jährige Italiener aus den Marken fuhr

26.05.2024Liste der ausgeschiedenen Fahrer / 21. Etappe

(rsn) - 176 Profis aus 22 Teams sind am 4. Mai zum 107. Giro d’Italia (2.UWT) angetreten, darunter auch zwölf Deutsche, vier Österreicher, zwei Schweizer und ein Luxemburger. Hier listen wir a

26.05.2024Highlight-Video der 21. Etappe des Giro d´Italia

(rsn) – Mit einem spektakulären Sprintfinale ist der 107. Giro d’Italia in Rom zu Ende gegangen. Nach 125 Kilometern durch die italienische Hauptstadt holte sich Tim Merlier (Soudal - Quick Step)

26.05.2024Pogacar: “Das Rosa Trikot ist eine verrückte Erfahrung“

(rsn) – Mit einem spektakulären Sprintfinale ist der 107. Giro d’Italia in Rom zu Ende gegangen. Nach 125 Kilometern durch die italienische Hauptstadt holte sich Tim Merlier (Soudal - Quick Step)

26.05.2024Merlier holt sich in Rom vor Milan seinen dritten Etappensieg

(rsn) – Der schnellste Sprint-Gladiator auf der Schlussetappe des 107. Giro d´Italia war Tim Merlier (Soudal – Quick Step). Der Belgier verwies nach 125 Kilometern in Rom auf der Zielgeraden am K

Weitere Radsportnachrichten

25.06.2024Degenkolb als Road Captain und Jakobsen-Helfer zur Tour

(rsn) – Die am 29. Juni in Florenz beginnende Tour de France markiert ein Jubiläum für John Degenkolb (dsm-firmenich – PostNL). Der 35-jährige Oberurseler wird zum zehnten Mal in seiner langen

25.06.2024Die Aufgebote für die 111. Tour de France

(rsn) – Am 29. Juni beginnt im italienischen Florenz die 111. Tour de France. Auf der Startliste stehen insgesamt 176 Profis aus 22 Teams, die in der toskanischen Metropole die zweite Grand Tour des

24.06.2024Geschke nimmt seine 12. Frankreich-Rundfahrt in Angriff

(rsn) - Bei seiner Abschiedstour macht Simon Geschke das Dutzend voll. Der 38-jährige Freiburger steht im Cofidis-Aufgebot zur 111. Frankreich-Rundfahrt, die am 29. Juni in Florenz gestartet wird. An

24.06.2024Brenner: Selbstbewusst vom Super Junior zur weißen Hose

(rsn) – Zwei Monate und vier Tage vor seinem 22. Geburtstag ist Marco Brenner (Tudor) am Sonntag in Bad Dürrheim zum jüngsten Deutschen Meister der Elite seit Gerald Ciolek 2005 in Mannheim geword

24.06.2024DM-Kampf um Bronze ohne echten Verlierer

(rsn) – “Ich kann mit dem Verlauf des Rennens sehr zufrieden sein“, das waren die Worte des drittplatzierten Kim Heiduk (Ineos Grenadiers) gegenüber RSN im Ziel der Deutschen Meisterschaft in B

23.06.2024Bora gibt sich früh zufrieden und nutzt die Optionen nicht

(rsn) – 2016 André Greipel, 2020 Marcel Meisen und 2024 nun Marco Brenner: Alle vier Jahre gewinnt bei den Deutschen Straßen-Meisterschaften ein Fahrer, der nicht das Trikot von Bora – hansgrohe

23.06.2024Ethan Hayter holt Titel für Ineos zurück, Hajek lässt Bora jubeln

(rsn) – Die vorletzte Juniwoche ist den Nationalen Meisterschaften vorbehalten. Zunächst standen die Wettbewerbe im Zeitfahren an, ehe nun die Straßenrennen folgen. Wir liefern hier eine Zusammen

23.06.2024Olympia-Kandidaten neutralisierten sich bei DM gegenseitig

(rsn) – Zwar dominierte die frühe Ausreißergruppe um den späteren Deutschen Meister Marco Brenner (Tudor) das Straßenrennen von Bad Dürrheim, doch auch die Nominierung der fünf deutschen Olymp

23.06.2024Video-Interviews zum DM-Titelkampf der Männer

(rsn) – Das Straßenrennen der Männer bei den Deutschen Meisterschaften 2024 in Bad Dürrheim war schon früh vorentschieden: Bereits 180 Kilometer vor dem Ziel, am ersten Anstieg des Tages, setzte

23.06.2024Jan Ullrich bei der DM in Bad Dürrheim willkommen

(rsn) - Die Deutschen Meisterschaften in Bad Dürrheim waren auch so etwas wie das Comeback von Jan Ullrich in der Radsport-Familie. Überall, wo der bislang einzige deutsche Toursieger sich im Zielbe

23.06.2024Van den Broek-Blaak, Kiesenhofer und Kopecky holen Titel

(rsn) – Die vorletzte Juniwoche ist den Nationalen Meisterschaften vorbehalten. Zunächst standen die Wettbewerbe im Zeitfahren an, ehe nun die Straßenrennen folgen. Wir liefern hier eine Zusammenf

23.06.2024Albrecht entthront in Bad Dürrheim Vorjahressieger Fietzke

(rsn) – Vorjahressieger Paul Fietzke (Team Grenke – Auto Eder) hat sich diesmal im Juniorenrennen der Deutschen Meisterschaften mit Silber zufrieden geben müssen. Der 18 Jahre alte Vizeweltmeiste

RADRENNEN HEUTE
  • Keine Termine