RSNplus“Florian ist an Primoz´ Seite“

Aldag beruhigt in Kapitänsfrage und glaubt ans Tour-Podium

Von Felix Mattis und Tom Mustroph aus Bayeux

Foto zu dem Text "Aldag beruhigt in Kapitänsfrage und glaubt ans Tour-Podium"
Rolf Aldag (Red Bull - Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

10.07.2025  |  (rsn) – Nach dem Einzelzeitfahren von Caen hat sich der Eindruck aus den ersten Tagen dieser Tour de France verfestigt, dass die Form von Florian Lipowitz derzeit besser ist als die von Kapitän Primoz Roglic. Der 24-jährige Deutsche war im Kampf gegen die Uhr 21 Sekunden schneller als der Zeitfahr-Olympiasieger von 2021 und rückte auch in der Gesamtwertung wieder auf eine Sekunde an den Slowenen heran.

Mit 2:30 Minuten beziehungsweise 2:31 Minuten Rückstand auf das Gelbe Trikot von Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und eben 42 Sekunden weniger auf Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) sind Roglic und Lipowitz Achter und Neunter der Gesamtwertung.

___STEADY_PAYWALL___ Ob sich nun die Rollenverteilung bei Red Bull – Bora – hansgrohe ändern werde, war daher die Frage, die anschließend in der Luft lag. Lipowitz betonte gleich im Ziel des Zeitfahrens, dass sich für ihn aber nichts verändere und weiterhin der erfahrene Roglic der Leader sei. Sportchef Rolf Aldag bezog zu der Thematik vor dem Start der 6. Etappe in Bayeux gegenüber radsport-news.com aber auch nochmal ganz konkret Stellung.

"Es hat sich nichts geändert. Wir haben immer gesagt: Florian ist an der Seite von Primoz. Das war ja mit Bedacht gewählt, unser Statement, nicht zu sagen er ist der Helfer oder der letzte Mann, oder sonstwas, sondern er fährt die Tour an der Seite von Primoz", erklärte der 56-Jährige die Nuancen.

Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) war im ersten Tour-Zeitfahren stärker als sein Teamkollege Primoz Roglic. | Foto: Cor Vos

"Solange wir das aufrecht erhalten können, werden wir das aufrecht erhalten. Denn ich glaube, das ist ein guter Ansatz, dass man nicht irgendeine Erwartungshaltung schürt, zu sagen wir haben jetzt den nächsten Tour-de-France-Sieger hier, sondern ihm etwas den Druck fernzuhalten."

Aldag erklärte außerdem, dass auch in der Hektik der ersten Tour-Woche für Roglic und Lipowitz ähnliches gelte, dass sie beide nicht "die großen Reinhalter" seien und eher auf Risikovermeidung fahren. Das hat sich vor allem auf den Etappen 1, 2 und 4 ja auch gezeigt.

De facto war Lipowitz auf der 2. Etappe nach Boulogne-sur-Mer in den letzten Anstiegen ganz klar als Helfer aufgetreten, als er auf den schlechter positionierten Roglic erst wartete – Lipowitz drehte sich dort mehrmals nach dem Slowenen um - und dann seine Gruppe wieder an das enteilte Sextett um Pogacar, Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) und Evenepoel heranführte. Allerdings: Zu diesem Zeitpunkt war eben auch kein anderer Red-Bull-Helfer mehr da und in der Lage, diesen Job zu übernehmen. Was hätte man also auch anderes tun sollen?

Aldag sieht keinen Grund zur Beunruhigung

Der Eindruck, dass Lipowitz leistungstechnisch momentan stärker ist, verfestigte sich trotzdem dort schon und bekam im Zeitfahren nochmal eine Bestätigung – mit dem umgekehrten Eindruck wiederum auf Etappe 4 in Rouen, wo Roglic beim Höllentempo von UAE und Visma auf einem winkligen Kurs mit vielen kurzen Rampen trotz defekten Umwerfers besser mithielt als Lipowitz.

Roglic ist nach den ersten fünf Tagen Achter der Tour-Gesamtwertung, liegt aber nur eine Sekunde vor seinem Teamkollegen Lipowitz. | Foto: Cor Vos

Trotzdem sind der Kampf gegen die Uhr und auch die hügeligen Finals der ersten Etappen in Bestform etwas, was Roglic sehr gut liegen sollte, und dass er dort bereits Zeit auf seine Kontrahenten im Kampf um Podium oder Top 5 verlor, ist nicht ideal. Zumal der Slowene sich noch Anfang Mai beim ersten Giro-Zeitfahren in Tirana deutlich stärker präsentiert hatte.

Doch Aldag sieht keinen Grund zur Beunruhigung: "Idealerweise hätten wir etwas weniger Rückstand, gerade zu den Podiumskandidaten, zu Remco Evenepoel. Aber wir sind noch im Plan, nämlich ihn gesund und heil, relativ entspannt in Etappe 11 zu bringen", betonte er noch einmal, dass die hektische erste Tour-Woche eben nicht der Moment sei, um mit Roglic Zeit herauszuholen, sondern eher Schadensbegrenzung angesagt sei. "Intern haben wir uns Zeitrückstände gesetzt und gesagt, dass wir in die Bergetappen mit nicht mehr Rückstand kommen wollen, als X. Da sind wir absolut auf der Linie jetzt und so lange das so ist, ist alles gut und wir versuchen Stress und Risiken zu vermeiden."

"Ziel bleibt immer noch das Podium"

Es ist eine schwere Aufgabe, für die Verantwortlichen bei Red Bull – Bora – hansgrohe, in dieser ersten Tour-Woche die augenscheinlichen Rückschläge durch Zeitverluste zu erklären, dabei ruhig zu bleiben und immer wieder beruhigend anzudeuten, dass der eigene Plan eben eher auf Woche zwei und drei abzielt, wenn es um Zeitgewinne geht.

Die ersten vier Tour-Tage verliefen nicht nach Wunsch von Red Bull – Bora - hansgrohe. | Foto: Cor Vos

"Ziel bleibt immer noch das Podium und wir glauben auch weiterhin, dass das realistisch ist. Wir schauen einfach aufs letzte Jahr und sehen: Der zweite war über sechs Minuten zurück, der Dritte neun Minuten. Im Moment haben wir auf das Podium weniger als zwei Minuten und zur Erinnerung: Das ist durchaus ein Abstand, der in der Dauphiné an schweren Bergen innerhalb von zwei Tagen entstanden ist. Deshalb warten wir die ersten zwei schweren Bergetappen ab und schauen dann, ob das Podium realistisch ist", so Aldag.

Und nach diesen ersten schweren Bergetappen wird man dann wohl auch erkennen, ob der Eindruck aus den ersten Tour-Tagen richtig und Lipowitz stärker ist als Roglic, oder eben nicht. Bis dahin hängt das Thema in der Luft und Sportchef Aldag wird es weiter jeden Tag in aller Seelenruhe abmoderieren dürfen.

Mehr Informationen zu diesem Thema

12.11.2025Arensman: “Letztendlich ist Radsport nur eine Nebensache“

(rsn) – Bei der vergangenen Tour de France feierte Thymen Arensman (Ineos Grenadiers) die bisher größten Erfolge seiner Karriere. Aber nicht die auf der 14. Und 19. Etappe eindrucksvoll herausgef

04.11.2025Wellens erzählt von Pogacars Knieproblemen bei der Tour

(rsn) – Tim Wellens hat in einem Interview mit der französischen Sporttageszeitung L´Equipe konkreter über die Schwierigkeiten von Teamkollege Tadej Pogacar in der Schlusswoche der Tour de France

11.08.2025Gianetti: “Pogacar zu sein ist schön, aber nicht einfach“

(rsn) – Mauro Gianetti, der Teamchef von UAE – Emirates – XRG hat sich zum kommenden Rennkalender und zum Vuelta-Verzicht von Tadej Pogacar geäußert. Am Ende der Tour de Pologne sagte er gege

03.08.2025Liste der ausgeschiedenen Fahrerinnen / 9. Etappe

(rsn) - 154 Profis aus 22 Teams sind am 26. Juli im westfranzzösischen Vannes zur 4. Tour de Frances Femmes (2.WWT) angetreten, darunter sieben Deutsche, sechs Schweizerinnen und drei Österreicheri

31.07.2025Pogacar “langweilte“ sich in der zweiten Hälfte der Tour

(rsn) – Neben dem Gelben und dem Gepunkteten Trikot sicherte sich Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) bei der Tour de France 2025 vier Etappensiege. Den letzten davon feierte der Slowene ab

30.07.2025Häuslicher Unfall: Vauquelin bricht sich den Knöchel

(rsn) – Spätestens mit seinem siebten Platz bei der 112. Tour de France hat Kevin Vauquelin (Arkéa – B&B Hotels) auch international seinen Bekanntheitsgrad deutlich erhöht. Die Freude über das

29.07.2025Zwei Tage nach der Tour: Aldag verlässt Red Bull - Bora - hansgrohe

(rsn) – Rolf Aldag und Red Bull – Bora – hansgrohe gehen ab sofort getrennte Wege. Das kündigte der deutsche WorldTour-Rennstall überraschend zwei Tage nach Ende der Tour de France an, bei der

28.07.2025Lipowitz: “Manchmal ist der Sportchef nicht glücklich mit mir“

(rsn) - Nur Florian Lipowitz (Red Bull – Bora – hansgrohe) konnte in den Bergen der Tour de France ansatzweise mit Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) und dem Zweitplat

28.07.2025Im Überblick: Alle Gelbe Karten bei der 112. Tour de France

(rsn) – Drei Tage hat es gedauert, bis die UCI-Jury bei der Tour de France 2025 zum ersten Mal hart durchgegriffen und Gelbe Karten verteilt hat: Im Sturzchaos von Dünkirchen bestraften die Kommiss

28.07.2025Angst, natürlicher Schwund und finanzielle Ungleichheit

(rsn) – Die Tinte in den Radsport-Geschichtsbüchern ist gerade erst getrocknet: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat bei der Tour de France 2025 im direkten Duell mit seinem großen Widersa

28.07.2025Vingegaards “merkwürdige Tour“ endet auf Platz zwei

(rsn) – Das große Ziel hat Visma – Lease a Bike bei dieser Tour de France verfehlt. Jonas Vingegaard musste in Paris mit der zweiten Stufe auf dem Podium vorliebnehmen, der ewige Rivale Tadej Po

28.07.2025Montmartre wirklich einmalig? Prudhomme zieht Tourmalet-Vergleiche

(rsn) – Es sollte etwas Besonderes werden. Immerhin gab es ja auch einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 50 Jahren endete die Tour de France erstmals in Paris auf den Champs-Élysées, Ex-Telekom-T

Weitere Radsportnachrichten

06.01.2026Mit “Mont Ventoux Norwegens“ und Finale an den Hängen der Ski-WM

(rsn) – Während es 2026 keine Tour of Norway geben wird, weil die öffentlichen Förderungen gestrichen wurden, steht das Arctic Race of Norway (2.Pro) auch in diesem Jahr wieder im Rennkalender. I

06.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die neue Saison

(rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden

06.01.2026Chirurg erwartet drei Monate Pause für van Aert

(rsn) - Ludovic Robeet kann seine Karriere als Radprofi fortsetzen. Der Belgier in Diensten von Cofidis, der im September 2025 einen Schlaganfall erlitten hatte, teilte die guten Nachrichten via Insta

06.01.2026Gee macht Lidl-Trek komplett

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

06.01.2026Healy legt Fokus in den kommenden beiden Jahren wieder auf die WM

(rsn) – Etappensieger bei der Tour de France, Träger des Gelben Trikots, Dritter im Straßenrennen der Weltmeisterschaften von Ruanda und auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich: Ben Healy (EF Educatio

06.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

06.01.2026Regenbogenpower für die neue Saison

(rsn) – Erst 2024 gegründet, steigt EF Education - Oatly schon im dritten Jahr die WorldTour auf. Zwar gab es von 2005 bis 2023 mit EF Education - Tibco SVB bereits ein amerikanisches Frauen-Team,

06.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge

05.01.2026Mehr Aerodynamik: Milan mit veränderter Position auf dem Rad

(rsn) - Jonathan Milan (Lidl - Trek) hat während der Saisonpause an seiner Position auf dem Rad gearbeitet - und einige Änderungen vorgenommen. "Es ging um die Verbesserung meiner Position", sagte

05.01.2026Van der Poel: “Bin noch nicht in Topform“

(rsn) – Er kam, sah und siegte – neun Mal in drei Wochen. Mathieu van der Poel dominierte die Szene seit seinem Einstieg in die Cyclocross-Saison 2025/26. Nach einer perfekten Bilanz mit neun S

05.01.2026Teambudgets und -gehälter steigen auch 2026 weiter an

(rsn) – Das Budget der WorldTour-Teams der Männer und Frauen ist auch für das Jahr 2026 wieder stark angewachsen. Laut der Gazzetta dello Sport, die sich auf UCI-Zahlen beruft, stieg es um 4,5 Pr

05.01.2026Mit neuer Führung in ein richtungsweisendes Jahr

(rsn) – Nach dem Aus des Ceratizit-Teams ist Canyon – SRAM – zondacrypto das einzig verbleibende deutsche Team in der Women´s WorldTour. Der in Leipzig beheimatete Rennstall erreichte 2024 mit

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)