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Giro Rosa: Die Grand Tour der Frauen mit vier Deutschen

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "Giro Rosa: Die Grand Tour der Frauen mit vier Deutschen"
Das Team Rabobank-Liv belegte 2014 alle drei Podestplätze. | Foto: Cor Vos

03.07.2015  |  (rsn) - Am Samstag beginnt die Tour de France, doch schon am heutigen Freitagabend fällt in Ljubljana der Startschuss zum Giro Rosa, der einzigen „Grand Tour" des Frauen-Kalenders. Das zehntägige Rennen, das zum ersten Mal außerhalb Italiens startet, beinhaltet in diesem Jahr alles, was eine große Rundfahrt ausmacht: einen Prolog, Sprintankünfte, ein langes Einzelzeitfahren, hügelige Etappen, zwei Bergankünfte und sogar TV-Übertragungen: Jeden Tag um 18 Uhr läuft eine Zusammenfassung auf Rai Sport, der Prolog ist dort heute um 19:30 Uhr sogar live zu sehen - auch online im Stream auf rai.tv.

Der Kurs: Los geht es mit einem zwei Kilometer kurzen Prolog in Ljubljana, auf den am Samstag eine weitgehend flache 1. Etappe in Slowenien folgt, die ebenfalls in der Hauptstadt endet. Nach einem ersten größeren Transfer steht am Sonntag die 3. Etappe in der Region Treviso auf dem Programm, mit Start in Gaiarine und Ziel in San Fior sowie zwei Hügeln im Etappenfinale bei Vittorio Veneto. Tag vier hält eine typische Sprintankunft in Mantua bereit, bevor der nächste längere Transfer in Richtung Mailand folgt. Dort wartet am fünften Tag mit der 4. Etappe ein weiteres flaches Teilstück ohne Bergwertung, das in Pozzo d'Adda endet.

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Die 5. Etappe eröffnet dann den Kampf um den Gesamtsieg. Vom Fluss Adda geht es in nordöstlicher Richtung in die Alpen zur ersten Bergankunft in Aprica. Am nächsten Tag folgt eine schwierige Etappe mit drei Anstiegen von Trevisio nach Morbegno, wobei der Weg von der letzten Bergwertung zum Ziel aber relativ lang ist - Ausreißer-Terrain vermutlich. Der letzte Kilometer in Morbegno führt leicht bergauf.

Vor der 7. Etappe folgt über Nacht noch einmal ein längerer Transfer an die ligurische Küste, wo von Arenzano nach Loano gefahren wird, jedoch bei Savona ein Schlenker ins Hinterland gemacht wird, der zwei schwere Anstiege beinhaltet. Erst in Finale Ligure kommt das Peloton ans Meer zurück - dann wahrscheinlich stark ausgedünnt.

Wieder geht es ins Auto und zurück nach Norden, an Mailand vorbei ins Piemont an den Lago Maggiore, wo am vorletzten Tag des Giro ein welliges und teilweise sehr technisches, 21,7 Kilometer langes Einzelzeitfahren mit Start in Pisano und Ziel in Nebbiuno wartet. Die Entscheidung im Kampf um Rosa fällt jedoch erst am Schlusstag, wenn von Verbania, wo auch der Männer-Giro dieses Jahr zu Gast war, im dritten Jahr in Folge die steile Schlusssteigung nach San Domenico di Varzo angesteuert wird - auf 8,5 Kilometern werden dort knapp 900 Höhenmeter überwunden.

Die Trikots & Das Preisgeld: Was wäre ein Giro ohne Rosa Trikot? Auch beim Frauen-Giro trägt die Gesamtführende diese Farbe. Hinzu kommen Lila für die Punktewertung, Grün für die Bergwertung, Weiß für die Nachwuchswertung und Blau für die beste Italienerin - ziemlich genau die klassischen Giro-Farben, allerdings mit weniger hochklassigen Belohnungen. Die Gesamtsiegerin beispielsweise bekommt 525 Euro - beim von einem anderen Veranstalter ausgetragenen Männer-Giro gibt es 115.668 Euro.

450 Euro gehen an die beste Klettererin, 350 Euro bekommen die Siegerinnen der Punkte- und der Nachwuchswertung und 300 Euro die beste Italienerin. Relativ gesehen besser bezahlt sind die einzelnen Etappen: Für jeden Tagessieg gibt es 269 Euro - außer im Prolog, wo es 162 Euro gibt. Zwei Etappen sind also bereits mehr wert, als der Gesamtsieg. Übrigens: Für den Kampf um Rosa gibt es an den Zwischensprints (3-2-1 Sekunden) und im Tagesziel (10-6-4) jeweils Bonifikationssekunden zu gewinnen.

Die Favoritinnen: Im vergangenen Jahr dominierte Rabobank-Liv nach frühem Defekt- und Sturzpech von Emma Pooley den Giro nach Belieben. Obwohl die Britin drei Bergetappen und das Bergtrikot gewann, machten die Niederländerinnen das Podium unter sich aus: Marianne Vos gewann vor Pauline Ferrand-Prevot und Anna Van der Breggen. Vos ist diesmal verletzungsbedingt nicht dabei, doch ihr Team hat trotzdem drei heiße Sieganwärterinnen, weil die Polin Kasia Niewiadoma zur Weltspitze aufgeschlossen hat.

Allerdings scheint der Kampf um den Sieg in diesem Jahr offener zu werden, denn erstens war auch Ferrand-Prevot im Frühjahr verletzt, und zweitens haben sich die Gesamtvierte und -fünfte des Vorjahres zusammengeschlossen: Die zweifache Giro-Siegerin Mara Abbott aus den USA wechselte zu Wiggle-Honda und bildet dort jetzt eine Doppelspitze mit Lokal-Matadorin und Flandern-Siegerin Elisa Longo Borghini.

Zum engsten Kreis der Favoritinnen gehört außerdem das US-Duo Megan Guarnier und Evelyn Stevens (Boels-Dolmans), das in niemand geringerem als der neuen Weltranglistenersten Elizabeth Armitstead seine Edelhelferin hat.

In Richtung Podium schielen außerdem die Südafrikanerin Ashleigh Moolman-Pasio, ihre niederländische Teamkollegin Annemiek Van Vleuten (Bigla) sowie die Weißrussin Alena Amialiusik (Velocio-SRAM) und mit Sicherheit auch die italienische Zukunftshoffnung Rossella Ratto (Inpa Sottoli Giusfredi).

Die Deutschen: Claudia Lichtenberg (Liv-Plantur) geht nach ihrer langen Pause im Frühjahr wegen einer schweren Gehirnerschütterung mit gedämpften Erwartungen an den Start. Lichtenberg erklärte radsport-news.com nach den Deutschen Meisterschaften (Video-Interview ist unten verlinkt), die sie auf Rang zwei beendete, dass ihr zur Spitze noch einiges fehle. Gut möglich, dass sie ihre Kapitänsrolle bei Liv-Plantur daher bereits früh an die Niederländerin Sabrina Stultiens abtritt.

Neben der Giro-Siegerin von 2009 stehen drei weitere Deutsche am Start. Romy Kasper (Boels-Dolmans) wird als Helferin für Guarnier, Stevens und Armitstead fungieren, die 19-jährige Clara Koppenburg (Bigla) soll bei ihrem ersten Giro viel lernen und die neue Deutsche Zeitfahrmeisterin Mieke Kröger (Velocio-SRAM) nimmt auf der einen Seite ebenfalls eine Helferrolle ein, wird sich andererseits  in den beiden Zeitfahrprüfungen aber mit Sicherheit nicht zurückhalten.

Alle Teams: Rabobank-Liv, Wiggle-Honda, Orica-AIS, Boels-Dolmans, Alé Cipollini, Astana-Acca Due O, Nationalteam Mexiko, Tre Colli-Forno d'Asolo, Servetto Footon, Top Girls Fassa Bortolo, Liv-Plantur, Lotto-Soudal, S.C. Michela Fanini Rox, Aromitalia Vaiano, BTC City Ljubljana, BePink LaClassica, Bigla, Inpa Sottoli Giusfredi, Velocio-SRAM

Alle Etappen (891,5 km):
Prolog, 3. Juli: Ljubljana-Ljubljana (2 km)
1. Etappe, 4. Juli: Kamnik - Ljubljana (102,5 km)
2. Etappe, 5. Juli: Gaiarine - San Fior (121,5 km)
3. Etappe, 6. Juli: Curtatone - Mantua (127,5 km)
4. Etappe, 7. Juli: Pioltello - Pozzo d'Adda (103 km)
5. Etappe, 8. Juli: Trezzo sull'Adda - Aprica (128,4 km)
6. Etappe, 9. Juli: Trevisio - Morbegno (102,5 km)
7. Etappe, 10. Juli: Arenzano - Loano (89,7 km)
8. Etappe, 11. Juli: Pisano - Nebbiuno (21,7 km), Einzelzeitfahren
9. Etappe, 12. Juli: Verbiana - San Domenico di Varzo (92,7 km)

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