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17.07.2012 | (rsn) - Vor dem Start der 69. Polen-Rundfahrt, die am Montag in Krakau zu Ende ging, hatte wohl keiner Moreno Moser auf dem Zettel. Der junge Italiener konnte zwar schon mehrmals in dieser Saison seine gute Form unter Beweis stellen, aber niemand traute ihm den Sieg bei dem einzigen polnischen WorldTour-Rennen zu. Der Neffe des legendären Francesco Moser, mit dem Moreno übrigens nach jedem Erfolg telefoniert, gab zu, dass der Triumph bei der Tour de Pologne auch ihn selbst überrascht habe.
,,Wir sind angereist mit dem Ziel, für Elia Viviani zu arbeiten, der um Etappensiege kämpfen wollte. Aber am ersten Tag verirrte sich Viviani und war im Finale nicht mehr da", sagte der 21 Jahre alte Moser. ,,Ich musste für ihn in die Bresche springen. Mit meinem Sieg in Jelenia Gora ergab sich die Chance, auf die Gesamtwertung zu fahren. Man gibt solche Chance nicht so einfach aus der Hand", sagte der Neoprofi selbstbewusst.
Das Streckenprofil der diesjährigen Polen-Rundfahrt war auf Fahrer wie den endschnellen Italiener zugeschnitten. Moser, auf dessen Karriere sein Bruder einen enormen Einfluss ausgeübt hatte, fühlt sich außerdem auch stark am Berg. ,,Allerdings dürfen die Anstiege nicht so steil und lang sein. Mit den Kletterpartien in Polen kam ich deshalb gut zurecht, weil sie mir sehr passten", ergänzte Moser.
Mit dem Paukenschlag auf der Königsetappe in Bukowina setzte er noch einen drauf. Der Liquigas-Cannondale-Profi, der im letzten Jahr zwei schwere Abschnitte bei GiroBio für sich entschied und der in dieser Saison einen Sieg beim Rund um den Finanzplatz davontrug, verwies seinen härtesten Konkurrenten Michal Kwiatkowski (Omega Pharma) in die Schranken und holte sich das Leadertrikot zurück, das er zwischenzeitlich an den fast gleichaltrigen Polen hatte abgeben müssen.
In Krakau galt es dann, den knappen Vorsprung von fünf Sekunden auf Kwiatkowski zu verteidigen. Mit perfekter Mannschaftsarbeit und auch dank einiger Wetterkapriolen verteidigte Moser sein Gelbes Trikot. Kwiatkowski griff nämlich im Finale nicht mehr an, weil der Himmel seinen Schleusen geöffnet hatte.
,,Vor der letzten Etappe sagte ich mehrmals, dass ich nicht aufgeben und kämpfen werde. Das habe ich auch gemacht. Aber die zwei Punktewertungen, auf denen ich Zeitgutschriften holen konnte, gingen an eine Ausreißergruppe und im Finale goss es in Strömen und ich hatte Angst zu stürzen. Ich konnte das Rennen nicht mehr gewinnen, aber bestimmt verlieren", argumentierte Kwiatkowski, der schon am Dienstag Sportanzüge und andere Accessoires bekam, die er für die Olympischen Spiele brauchen wird.
Kwiatkowski wurde neben seinem Teamkollegen Michal Golas und Maciej Bodnar (Liquigas), der paradoxerweise Moser zum Sieg verhalf, in das polnische Aufgebot nominiert.
Außer Moser und Kwiatkowski trumpften in Polen auch andere junge und talentierte Fahrer auf. Der Brite Ben Swift (Sky) gewann zwei Etappen und die Punktewertung, in Kattowitz musste er sich im Sprint dem Litauer Aidis Kruopis (GreenEdge) geschlagen geben. In Cieszyn freute sich der tschechische ehemalige Cross-Weltmeister Zdenek Stybar (Omega Pharma) über seinen zweiten Sieg auf der Straße. Zum zweiten Mal in Folge konnte sich das Trikot des aktivsten Fahrers der Pole Adrian Kurek (Utensilnord) überstreifen. Und als bester Bergfahrer wurde sein Landsmann Tomasz Marczynski (Vacansoleil-DCM) ausgezeichnet.
Auch aus deutscher Sicht endete die Rundfahrt mit einem dicken Plus auf der Habenseite. In Krakau konnte John Degenkolb seine Pechsträhne abstreifen. Der Argos-Fahrer gewann nach toller Vorarbeit von Roger Kluge die Abschlussetappe. Im Gesamtklassement wurde Linus Gerdemann(RadioShack-Nissan) als bester Deutscher auf Rang fünf geführt (+0:28), was in Anbetracht dessen, dass der 29-jährige Münsteraner mit keinen großen Absichten an den Start ging, eine sehr respektable Leistung ist.
Dagegen musste sich sich auf dem Weg nach Bukowina (6. Etappe) Fabian Wegmann von seiner Top 4-Platzierung verabschieden. Letztendlich landete der Garmin-Profi auf Rang 20.
2013 soll die Polen-Rundfahrt erstmals in ihrer über 80-jährigen Geschichte im Ausland beginnen. Es sieht so aus, als ob die Rennkolonne die ersten beiden Tage in der italienischen Region Trentino verbringen wird. Die Veranstaltung kehrt auch zu ihrem angestammten Platz im Rennkalender zurück. In dieser Saison musste die Polen-Rundfahrt wegen der Olympischen Spiele vom August auf Mitte Juli vorverlegt werden. Der neue Termin hat niemandem geschadet, auch wenn das Rennen dadurch parallel zur Tour de France ausgetragen wurde.
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