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18.07.2013 | (rsn) - Vorhang auf für das große Finale der 100. Tour de France: Mit der heutigen Etappe haben die Verantwortlichen der ASO bei der Strecken-Präsentation der Tour im vergangenen Herbst bereits für großes Erstaunen gesorgt. Denn vor den Fahrern liegt eine Etappe, die man so jahrelang nicht für möglich gehalten hatte: Es geht zwei Mal an einem Tag nach Alpe d’Huez hinauf. Schwerer als viele andere Hochgebirgsetappen der Vergangenheit ist das 18. Teilstück aber trotzdem nicht.
Die Strecke: 172,5 km, Bergankunft, 2 Berge der Ehrenkat., 3 Berge der 2. Kat., 1 Berg der 3. Kat.
Nach dem kurzen Abstecher an den Serre-Poncon-Stausee für das Einzelzeitfahren starten die Fahrer heute wieder in der Stadt, in der sie vorgestern angekommen sind: Gap. Und als ob das nicht genug wäre, fahren sie gleich zu Beginn der Etappe auch noch genau dort hinauf, wo sie am Dienstag zum Ziel heruntergefahren sind: auf den Col de Manse. Dort wird nach 13 Kilometern, wovon 6,6 den durchschnittlich 6,2 Prozent steilen Anstieg bilden, die erste Bergwertung (2. Kat.) abgenommen.
Anschließend führt die Strecke in nordwestlicher Richtung leicht abschüssig am Fluss Drac entlang zur „Rampe du Motty“ (2,4 km, 8 %, 3. Kat.) bei Kilometer 45 – ja, so heißt der Anstieg zur zweiten Bergwertung wirklich. Von dort geht es wellig weiter nach Le Périer, wo der Anstieg zum Col d’Ornon (5,1 km, 6,7 %, 2. Kat.) allmählich beginnt und das Kletter-Festival dieses 18. Juli endgültig einleitet.
Vom Ornon-Pass nämlich führt eine 13 Kilometer lange Abfahrt hinunter ins Romanche-Tal, und nach knapp vier flachen Kilometern durch Bourg d’Oisans, wo die Sprintwertung abgenommen wird, beginnt der Anstieg nach Alpe d’Huez. Gleich zu Beginn warten zwei über zehn Prozent steile Kilometer in den Ort La Garde, doch auch wenn die Steigung anschließend für sieben Kilometer einstellig bleibt, einfach wird es nicht mehr. Nach der Durchfahrt der Ortschaft Huez, 1.426 Meter über dem Meer gelegen, klettern die Steigungsprozente dann auf 11,5 Punkte an und sinken bis zur Bergwertung der Ehrenkategorie (12,3 km, 8,4 %) am Ortseingang von Alpe d’Huez kaum noch.
Normalerweise würde es an dieser Stelle nun links ab und in Richtung der nur noch 1,5 Kilometer entfernten Ziellinie gehen. Doch in diesem Jahr führt die Straße geradeaus durch den unteren Teil von Alpe d’Huez hindurch und östlich aus dem Ort hinaus auf eine unscheinbare und schmale Passstraße mit rauem Asphalt. Es geht zunächst leicht aufwärts, dann leicht abwärts in eine scheinbar völlig verlassene Gegend. Schließlich beginnt die Straße sechs Kilometer außerhalb von Alpe d’Huez in einer Senke plötzlich wieder ernsthaft anzusteigen.
Nach drei Kilometern bei knapp achtprozentiger Steigung erreichen die Fahrer den Col de Sarenne (2. Kat.) und stürzen sich in eine enge und vor allem oben steile Abfahrt durch mehrere Serpentinen in ein Seitental, durch das der Gebirgsbach Ferrand hinunter in den Lac du Chambon am fließt. Im unteren Teil ist die Abfahrt gut asphaltiert und führt oft lange geradeaus, doch den oberen Teil hat Tony Martin nach dem Critérium du Dauphiné, wo diese Passage ebenfalls schon gefahren wurde, scharf kritisiert. „Die Straße ist alt, schmal, die Fahrbahn schlecht, keine Leitplanken, bei einem Fahrfehler geht es direkt 30 Meter im freien Fall runter. Uns dort lang zu schicken, ist verantwortungslos“, befand der Deutsche.
Wenn hoffentlich alle Fahrer unverletzt am Chambon-Stausee angekommen sind, wo übrigens auch der Anstieg nach Les Deux Alpes beginnt, wird die Straße wieder breiter und führt weitere 16 Kilometer hinunter zurück nach Bourg d’Oisans und an den Fuß des Schlussanstiegs nach Alpe d’Huez. Noch einmal müssen die 21 Kehren absolviert werden, und diesmal dürfen die Fahrer am Ende auch im Zielort bleiben.
KulTour - Die Region: „Berg der Holländer“ für einen guten Zweck
Seit den 1980er Jahren tragen die berühmten „21 Kehren“ von Bourg d’Oisans hinauf nach Alpe d’Huez den Spitznamen „Berg der Holländer“, weil zwischen 1976 und 1989 bei 13 Etappenankünften der Tour dort oben acht gleich niederländische Siege gefeiert wurden. Und auch wenn in den 1990er Jahren bei sieben Ankünften sechs italienische Siege folgten, der Spitzname blieb bestehen. Für die holländischen Fans ist dieser Berg so etwas wie ihre zweite Heimat, was vor allem in „Kehre 7“ am Renntag besonders deutlich wird. Wer dort nicht orange trägt, fällt auf.
Doch die Niederländer zelebrieren ihren Berg nicht nur während der Tour. Seit 2006 wird hier von holländischen Organisatoren Jahr für Jahr eine Veranstaltung abgehalten, um Spenden für den Kampf gegen den Krebs zu sammeln. 8.000 Radfahrer versammelten sich anlässlich dieses Events auch am 5. und 6. Juni dieses Jahres wieder in Bourg d’Oisans, um den Anstieg sechs Mal zu bewältigen und die TV-Zuschauer so zum Spenden zu animieren. Bis 2012 kamen auf diese Weise unglaubliche 32 Millionen Euro zusammen.
ReTour - Tour-Historie: Der Alpe-Sieg verträgt sich nicht mit dem Gelben Trikot
Dass Alpe d’Huez der wohl größte Mythos der Tour ist, begründet sich weniger in der zweifellos großen Schwierigkeit, diese Straße hinaufzufahren, als vielmehr historisch. An der Skistation auf 1.850 Metern nämlich wurde 1952 die erste Bergankunft in der Geschichte der Frankreich-Rundfahrt ausgefahren. Fausto Coppi gewann als Solist, übernahm das Gelbe Trikot und gab es bis Paris nicht mehr ab.
Trotzdem kam die „Große Schleife“ anschließend 24 Jahre lang nicht in den Retorten-Skiort. Erst 1976 holte Félix Lévitan, als Grenoble als Etappenort zurückzog, die Alpe zurück in den Streckenplan, aus dem sie in den Jahren danach aber kaum noch wegzudenken war. Zwischen 1976 und 1989 endeten 13 Etappen am Ende der berüchtigten „21 Kehren“ und auch bis heute wurde der Rhythmus kaum verringert.
20 Fahrer konnten bei 27 Ankünften in Alpe d’Huez bislang triumphieren. Doch neben Coppi war der Sieger hier oben nur ein anderes Mal auch der spätere Gewinner das Gelben Trikots in Paris: Carlos Sastre im Jahr 2008.
Die Radsport-News-Prognose: Favoriten werden bis zum Finale warten
Die Tour-Organisatoren haben gelernt. Anstatt eine 220 Kilometer lange Marathon-Etappe über Col de la Madeleine, Col du Telegraphe und Col du Galibier an der Alpe enden zu lassen und so die möglicherweise brutalstmögliche Kletter-Tour der französischen Alpen in die 100. Frankreich-Rundfahrt einzubauen, schicken sie die Fahrer heute über „nur“ 168,5 Kilometer und setzen vor den d’Huez-Anstieg keinen der höheren und längeren Berge.
Die ASO will auf der Alpe ein Spektakel erleben und hat dieses mit der zweifachen Befahrung des wohl berühmtesten Anstiegs der Welt perfekt inszeniert: Knapp eine Million Zuschauer werden ein Radsportfest der Superlative zelebrieren. Sportlich allerdings dürfte die erste Passage der „21 Kehren“ nicht allzu viel Bedeutung haben, denn die knapp 30 Kilometer lange Abfahrt zurück an den Fuß des Berges dürfte vorher lancierte Attacken ersticken.
Im Schlussanstieg aber werden die Favoriten das Visier dann herunterklappen und sich mit voller Wucht attackieren. Wer jetzt schwächelt, der verliert mehrere Minuten und somit alle Chancen auf Gelb oder sogar auf das Podium in Paris. Sicher darf man sich außerdem wohl auch sein, dass der Etappensieg an einen der großen Top-Favoriten gehen wird. Denn der Sieg nach zweimaliger Alpe d’Huez-Passage ist zu prestigeträchtig, als dass man ihn an einen Ausreißer verschenken würde. Nach seinen bisherigen Vorstellungen würde es niemanden überraschen, wenn sich Christopher Froome (Sky) auch heute in Alpe d’Huez den Sieg holen würde.
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