Die Aufgebote der Tour-Teams

Team Sunweb: Mit Notfallplan nach Frankreich

Von Daniel Brickwedde

Foto zu dem Text "Team Sunweb: Mit Notfallplan nach Frankreich"
Das Tour-Aufgebot von Team Sunweb Foto: Cor Vos

30.06.2019  |  (rsn) – Wie bereits nach dem ersten Ruhetag, so gibt es auch nach der zweiten Pause eine Sprinteretappe zum Reinfinden. Einziges Argument gegen einen Massensprint könnte der Wind sein.

Team Sunweb


Rückblick 2018: Einen frühen Rückschlag erlebte das Team bereits nach der 4. Etappe mit dem krankheitsbedingten Ausstieg von Michael Matthews, 2017 Gewinner der Punktewertung. Sein Aus fiel im Nachhinein durch den guten Auftritt von Tom Dumoulin jedoch nicht allzu sehr ins Gewicht. Der Niederländer präsentierte sich gut erholt von einem strapaziösen Giro d’Italia und beendete auch die Tour als Gesamtzweiter – sein Rückstand auf den Sieger Geraint Thomas betrug am Ende 1:51 Minuten. Einen Tagessieg verbuchte Dumoulin zudem im Einzelzeitfahren der 20. Etappe nach Espelette. Treue Helferdienste erwiesen ihm über drei Wochen die deutschen Profis Simon Geschke und Nikias Arndt, außerdem führte Sören Kragh Andersen zu Beginn der Tour für sieben Tage das Klassement der Nachwuchsfahrer an.

Aufgebot 2019: Sören Kragh Andersen, Nikias Arndt, Cees Bol, Chad Haga, Lennard Kämna, Wilco Kelderman, Michael Matthews, Nicholas Roche

Aussichten: Dumoulin sollte das Tour-Aufgebot erneut anführen und um den Gesamtsieg fahren, erst recht, nachdem er den Giro d’Italia frühzeitig nach Sturz und Kniebeschwerden aufgeben musste. Doch das Knie spielte auch im Anschluss nicht mit: Es folgte im Juni kurzfristig eine Operation, die Absage des Höhentrainingslagers und schließlich die wenig überraschende Nachricht, dass der Niederländer auf die Tour verzichten muss. Für das Team ein Fiasko, schließlich war der Großteil der Saison auf die Ambitionen mit dem niederländischen Kapitän beim Giro und der Tour ausgerichtet gewesen.

Die anstehende Frankreich-Rundfahrt wird nun eine ganz andere: Der Kapitän fehlt, seine Unterstützer müssen nun das bestmöglich aus der Situation machen. Der Notfallplan sieht als neues Ziel Etappensiege vor.

Dafür kommt an erster Stelle Sprinter Matthews in Frage. Beim letzten Härtetest vor der Tour, der Tour de Suisse, überzeugte der Australier allerdings nur bedingt: In den Massensprints fehlte ihm ein gutes Stück zu den Besten, immerhin reichte es auf der welligen Etappe nach Arlesheim zu einem zweiten Platz. Womöglich wird sich das Team eher auf die welligen und selektiven Ankünfte konzentrieren, Épernay (3. Etappe), Saint-Etiennes (8. Etappe), Brioude (9. Etappe) und Albi (10. Etappe) sind hier zu nennen. Möglicherweise ist Matthews auch ein Kandidat für Fluchtgruppen – 2016 gewann er auf diese Weise seine erste Tour-Etappe.

Denkbar ist zudem, dass Cees Bol eine gute Alternative für die eine oder andere Sprintetappe ist. Bei der Kalifornien-Rundfahrt feierte der Niederländer zuletzt gegen namhafte Konkurrenten wie Peter Sagan einen Etappensieg. Generell dürfte der Tour-Debütant aber eher die Rolle des Anfahrers für Matthews übernehmen. Allerdings bestritten beide in dieser Saison noch keine Sprintankünfte zusammen.

Der andere Debütant im Team ist Lennard Kämna, der sich vor allem aufgrund seiner Vielseitigkeit und seines guten Auftritts zuletzt bei der Tour de Suisse das Tour-Ticket erkämpfte. In der Schweiz überzeugte der 22-Jährige aus Wedel mit starken Leistungen in den Bergen und Platz 17 im Gesamtklassement, in Frankreich machen ihn aber auch seine Qualitäten in der Sprintvorbereitung und im Zeitfahren zur wertvollen Unterstützung. In erster Linie gehört seine erste Tour aber zum Lernprozess. Die eine oder andere Bewährungschance in Fluchtgruppen dürfte er dennoch bekommen.

Mit Nikias Arndt befindet sich ein weiterer deutscher Profi im Aufgebot. Der 27-Jährige nimmt wie im Vorjahr die Rolle des Capitaine du Route ein und soll seine Kollegen sicher durch Frankreich führen. Ansonsten ist er als vielseitiger Helfer unterwegs.

Wird das Terrain bergiger, baut Sunweb auf das Trio Wilco Kelderman, Sören Kragh Andersen und Nicholas Roche. Keldermann wäre sogar eine gute Endplatzierung zuzutrauen, immerhin erreichte der Niederländer 2017 einen vierten Gesamtrang bei der Vuelta a Espana. Allerdings kehrte Kelderman nach Sturz bei der Katalonien-Rundfahrt mit Schlüsselbein- und Halswirbelbruch erst zur Tour de Suisse ins Renngeschehen zurück und blieb dort mit Platz 29 eher unauffällig. Sollte er im Tour-Verlauf sein Leistungsniveau erreichen, bildet er auf Bergetappen zusammen mit Roche ein handlungsfähiges Duo aus Fluchtgruppen. Einziges Manko: Roches letzter Einzelsieg datiert aus dem Jahr 2016, der von Kelderman sogar aus dem Jahr 2013. Andersen ist hingegen auf Etappen mit Klassikeranstrich zuhause und besitzt mit zwei Erfolgen 2018 wohl das ausgeprägteste Sieger-Gen dieses Trios.

Aufgrund der ursprünglichen Ausrichtung auf Dumoulin befinden sich mit Matthews, Kelderman, Kämna, Arndt, Andersen und Chad Haga, der zuletzt das Abschlusszeitfahren des Giro d’Italia gewann, viele ordentliche bis sehr gute Zeitfahrer im Aufgebot. Deshalb gehört Sunweb im Mannschaftszeitfahren am zweiten Tag in Brüssel zu den Favoriten.

Fazit: Durch die Ausrichtung auf und den Ausfall durch Dumoulin sind die Möglichkeiten des Teams natürlich limitiert. Matthews gibt zwar auf dem Papier nach wie vor einen hervorragenden Rennfahrer ab, allerdings scheint dem 28-Jährigen etwas die Durchschlagskraft vergangener Jahre abhanden gekommen zu sein. Er braucht die richtige Gruppe und den richtigen Tag für einen Etappensieg. Roche und Kelderman gelten zwar als gute Kletterer, allerdings nicht als ausgewiesene Siegfahrer. Andersen mag in der Hinsicht möglicherweise die vielversprechende Option sein. Das Mannschaftszeitfahren in Brüssel könnte Sunweb die Bilanz retten: Gelingt dort der Sieg, möglicherweise verbunden mit dem Gelben Trikot, wäre die Tour ein Erfolg und der Rest Bonus. Wenn nicht, wird Sunweb drei Wochen kämpfen müssen, um einigermaßen Eindruck in Frankreich zu hinterlassen.

Eckdaten:
Land: Deutschland
Hauptsponsor: Sunweb
Branche: Reiseanbieter
Teamchef: Iwan Spekenbrink
Radausrüster: Cervélo

Mehr Informationen zu diesem Thema

04.07.2019Team Ineos: Topfavorit mit kleinen Abstrichen

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

03.07.2019AG2R La Mondiale: Alle Kräfte für Bardet

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

03.07.2019Arkea - Samsic: Barguil als Hoffnungsträger

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

03.07.2019EF Education First: Erwischt Uran wieder ein gutes Jahr?

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

03.07.2019Bahrain - Merida: Rätselraten um Nibalis Ambitionen

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

03.07.2019Dimension Data: Mit Erfahrung zum Erfolg?

Team Dimension Data Rückblick 2018: Für die Mannschaft von Teamchef Douglas Ryder war es eine Tour zum Vergessen. Sprinter Mark Cavendish zeigte sich außer Form und beendete nur eine Etappe unter d

03.07.2019CCC Team: Nichts zu verlieren

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

02.07.2019Total Direct Energie: Alle für einen, einer für alle

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

02.07.2019Bora - hansgrohe: Bereit für weitere Großtaten

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

02.07.2019Mitchelton - Scott: Besser gerüstet als im Vorjahr

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

02.07.2019Trek - Segafredo: Bedenken um Hoffnungsträger Porte

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

02.07.2019Cofidis: Sehnsucht nach einem Etappensieg

(rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowi

Weitere Radsportnachrichten

03.04.2025Flandern-Rundfahrt im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Die Flandern-Rundfahrt bildet für Radsport-Fans gemeinsam mit Paris-Roubaix das Highlight der Klassikerwochen eines jeden Frühjahrs. Das belgische Monument, am 25. Mai 1913 erstmals ausgetra

03.04.2025Niewiadoma hofft bei der Ronde auf die Power aus dem Vorjahr

(rsn) - Diese Szene gefiel Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – zondacrypto) beim gestrigen Dwars door Vlaanderen (1.Pro) überhaupt nicht: Als Elisa Longo Borghini (UAE - ADQ) zu ihrem letztendlich

03.04.2025Fraile hängt am Jahresende das Rad an den Nagel

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

03.04.2025Die Aufgebote für die 109. Flandern-Rundfahrt

(rsn) – Mit der Flandern-Rundfahrt (1.UWT) steht am Sonntag der Höhepunkt der flämischen Klassikerwochen an. Die 109. Ausgabe der “Ronde“ führt über 269 Kilometer Wochenende von Brügge nach

03.04.2025Die Strecke der Flandern-Rundfahrt 2025

(rsn) – Ein paar Änderungen an der Strecke gibt es immer. Da macht auch die Flandern-Rundfahrt 2025 keine Ausnahme. Doch neben dem jährlichen Wechsel zwischen den Startorten Antwerpen und Brügge,

03.04.2025Evenepoel startet bei der Tour de Romandie

(rsn) - Remco Evenepoel (Soudal – Quick) wird am Start der diesjährigen Tour de Romandie stehen, wie die Organisatoren der am 29. April mit einem Prolog in Saint-Imier beginnenden Schweizer WorldTo

03.04.2025Erholt sich Visma-Kapitänin Vos rechtzeitig zur Flandern-Rundfahrt?

(rsn) – Wenn es am kommenden Sonntag bei der 22. Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) auf der Zielgerade in Oudenaarde zum finalen Sprint einer kleineren Gruppe kommen sollte, könnte Marianne Vos

03.04.2025Niedermaier: “Wünsche mir, beim Giro ganz oben zu stehen“

(rsn) - Nach ihrem ersten Rennblock, der mit Rang 37 bei der Trofeo Alfredo Binda (1.WWT) endete, nahm sich Antonia Niedermaier die Zeit, um mit RSN über ihren Saisoneinstieg, ihre veränderte Rolle

03.04.2025Lungenentzündung: Bettiol sagt für Flandern-Rundfahrt ab

(rsn) - Alberto Bettiol (XDS – Astana) wird am Sonntag nicht zur Flandern-Rundfahrt antreten können. Wie der Italienische Meister auf der Website seines Teams erklärte, habe er sich eine Lungenent

03.04.2025Die Aufgebote für die 22. Flandern-Rundfahrt der Frauen

(rsn) – Zum mittlerweile 22. Mal steht die Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) im Programm. Rund um Oudenaarde müssen die Fahrerinnen aus 24 Teams insgesamt 168,9 Kilometer absolvieren, wobei zwÃ

03.04.2025Flandern-Rundfahrt der Frauen: Die letzten zehn Jahre

(rsn) – Die Flandern-Rundfahrt der Frauen ist das älteste durchgängig ausgetragene unter den Monumenten im Frauen-Kalender – und nach der Trofeo Alfredo Binda sowie dem Flèche Wallonne und dem

02.04.2025Highlight-Video des 13. Dwars door Vlanderen der Frauen

(rsn) - Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ) ist bereit für die Titelverteidigung bei der am Sonntag anstehenden Flandern-Rundfahrt. Das bewies die Italienische Meisterin eindrucksvoll bei der 13. Aus

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour of Hellas (2.1, GRE)