Michael Schweizers Jahresrückblick / Teil 1

Als Ergebnislieferant und "alter Hase" nach Australien

Von Michael Schweizer

Foto zu dem Text "Als Ergebnislieferant und
Michael Schweizer (African Wildlife Safaris) | Foto: Lunchboxpictures

20.11.2015  |  (rsn) - Das Jahr 2015 habe ich mit dem australischen Team African Wildlife Safaris aus Melbourne verbracht. Den Kontakt hat Pat Lane vermittelt, mein australischer Teamkollegen aus Baku-Zeiten. Melbourne hatte ich 2014 schon für einige Wochen besucht, und es hat mir so gut gefallen, dass ich unbedingt zurück wollte. Da auch meine Freundin mich auf dieser Reise begleiten wollte, fiel die Entscheidung leicht, mal etwas völlig neues zu probieren und nach Australien zu reisen.

Da ich Anfang März noch eine Klausur für mein Studium zu schreiben hatte, verpasste ich die ersten Rennen des Jahres, die Herald Sun Tour und das Cadel Evans Race, und flog erst am 16. März nach Melbourne. Die ersten Wochen wohnten wir bei einem meiner Teamkollegen, bevor Teamchef Steve Waite uns eine eigene Wohnung organisierte. Diese lag zwar ca. 30 Auto-Minuten außerhalb der City, war aber zum Training optimal. Und da wir das Auto des Teamchefs oder das Teamfahrzeug benutzen durften, war auch der touristische Aspekt von dort aus sehr einfach zu realisieren.

Unser Rennkalender umfasste die NRS, die nationale Rennserie in Australien, in etwa vergleichbar mit der Bundesliga. Die Serie bestand in diesem Jahr aus elf Rennen, von denen dann zwei ausfielen und eines dafür neu dazu kam. Den Beginn machte die Tour de Perth, einen "kurzen", fünfstündigen Flug von Melbourne entfernt. Ich hatte angeboten, das Teamauto nach Perth zu fahren, wurde aber von allen ausgelacht. Nach dem Flug wusste ich dann auch warum. Entfernungen in Australien sind sehr einfach zu unterschätzen…

Da ich keine Ahnung hatte, wie die Australier Rennen fahren und welche Fahrer und Teams gut sind, brauchte ich ein paar Etappen, um Selbstvertrauen aufzubauen und zu sehen, wie alles läuft. Auf der letzten Etappe in Perth, einem Kriterium über 60 Minutenn, hatte ich dann aber den Dreh raus und fuhr im Sprint auf den zweiten Platz, und das trotz eines Sturzes zu Beginn des Rennens. Der erste von vielen zweiten Plätzen im Laufe des Jahres…

Die Rennen in der NRS glänzen sicher nicht durch ihre Distanz, in Perth etwa war die längste Etappe 120 Kilometer lang. Aber dafür ist meistens das Wetter sehr gut. In Perth waren wir als Team noch nicht gut. Meine Aufgabe in diesem Jahr sollte es sein, nicht nur Ergebnisse einzufahren, sondern als „alter Hase“ auch die jungen Fahrer anzuleiten und ihnen Tipps zu geben.

Das zweite Rennen war die Tour de Adelaide, vier Etappen über insgesamt 323 Kilometer. Dort fuhren wir als Team schon besser zusammen, was sich auch gleich in den Ergebnissen widerspiegelte. So eroberten wir mehrere Trikots und ich sammelte zwei weitere zweite Plätze. Am letzten Tag klappte das Teamwork leider nicht so gut, und wir verloren alle Wertungstrikots wieder. Nach Adelaide folgte eine sechswöchige Pause, so dass viel Zeit war, um zu trainieren und die Umgebung von Melbourne touristisch zu erkunden.

Die folgenden beiden Rennen waren die besten des Jahres, geographisch und ergebnistechnisch gesehen. Auch die Distanzen waren vernünftig. Beide Rennen wurden an der Grenze von New South Wales und Queensland, dem Sunshine State, ausgetragen. Deshalb gab's gutes Wetter und beim zweiten Rennen auch viel Strandzeit zum Entspannen.

Die Tour of Toowoomba, das erste der beiden Rennen, sah das AWS-Team sehr viel besser als zu Beginn des Jahres aufgestellt. Gleich zu Beginn der Tour haben wir als Team dem Rennen unseren Stempel aufgedrückt. Das setzte sich über die ganze Woche fort und endete mit drei weiteren zweiten Plätzen. Viel wichtiger aber war, dass ich die Gesamtwertung der Tour gewinnen konnte. Das war der erste Rundfahrtsieg der Teamgeschichte, dementsprechend glücklich und zufrieden waren alle.

Als kleines Extra konnte ich danach auch die Führung in der Gesamtwertung der NRS übernehmen, und durfte das folgende Rennen im Leadertrikot fahren. Bei der Battle on the Border hatten wir als Team natürlich viel Selbstvertrauen, und fuhren ein wirklich gutes Rennen. Ich gewann jeden Zielsprint, leider waren jedoch immer ein oder zwei Fahrer als Ausreißer vor uns im Ziel. Aber mit dem Gewinn des Punkttrikots konnte ich doch zufrieden sein.

Nun stand die Winterpause vor der Tür: Zehn Wochen ohne Rennen boten sich für eine lange Australienreise an. Das letzten Rennen endete an der Goldcoast, das Team brauchte jemanden, der den Van nach Melbourne fahren konnte, wobei egal war, wann der Van ankam. Also durften meine Freundin und ich einen echten Roadtrip machen. Wir fuhren von der Goldcoast nach Cairns im Norden. Dort verbrachten wir dreieinhalb Wochen, und fuhren anschließend in fünf Wochen mit vielen Stops die gesamt Ostküste runter bis nach Melbourne.

Teil 2 folgt morgen.

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