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09.03.2007 | (Ra) - Marcus Burghardt gehört zu den großen deutschen Radsporttalenten. Nach einem "Seuchenjahr" möchte der 23-jährige T-Mobile-Profi in dieser Saison vor allem bei den Klassikern wieder voll durchstarten. Radsport aktiv sprach mit Burghardt über seine momentane Form, seine Ziele und seine Rolle im Team.
Marcus, du bist am Wochenende bei Omloop Het Volk und Kuurne-Brüssel-Kuurne sehr gut gefahren. Bist du mit deiner Form zufrieden?
Burghardt:In der abgelaufenen Saison konnte ich in der zweiten Jahreshälfte wegen Verletzungen kein Rad fahren. Deshalb bin ich mit meiner momentanen Form sehr zufrieden. Ich hätte nicht gedacht, dass es schon so gut gehen würde.
Am Wochenende steht mit Paris-Nizza für dich das erste ProTour Rennen auf dem Programm. Was hast du dir vorgenommen?
Burghardt:Ich möchte schauen, wie ich mit etwas längeren, anspruchsvolleren Rundfahrten zurecht komme. Da wird sich zeigen, ob ich schon die Kraft habe, um bei solchen Wettbewerben am Schluss noch mit den Besten mithalten zu können.
Aufgrund des Streits zwischen UCI und ASO hättet ihr bei Paris-Nizza beinahe nicht starten können. Wie geht ihr Fahrer mit diesem Zwist um?
Burghardt:Paris-Nizza ist für uns Klassiker-Fahrer sehr wichtig. Es wäre schade gewesen, wenn wir hätten nicht starten können. Dann hätten wir uns nach Alternativen umschauen müssen. Die drei Tage von Westflandern und ein Trainingslager wären Möglichkeiten gewesen. Ich habe immer gehofft, dass es zu einer Einigung kommt. Ich bin von einem Start bei Paris-Nizza fest ausgegangen.
Wie geht es für dich nach Paris-Nizza weiter?
Burghardt:Nach Paris-Nizza habe ich zehn Tage Luft. In der Zeit trainiere ich nur. Danach kommen die Klassiker Dwars door Vlaanderen, E3 Prijs und dann die Flandern- Rundfahrt.
Was werden deine Highlights in der Saison 2007 sein?
Burghardt:Ich konzentriere mich auf die oben genannten Klassiker Dwars door Vlaanderen, E3 Prijs, Flandern Rundfahrt und Paris-Roubaix.
Bist du für diese Rennen als Helfer vorgesehen oder wirst Du auch mal auf Sieg fahren können?
Burghardt:Bei Dwars door Vlaanderen habe ich in der Vergangenheit gezeigt, dass mir das Rennen liegt. Dort kann ich auch auf Sieg fahren. Ich habe viel dazu gelernt. Das wird mir zugute kommen. Bei der Flandern- Rundfahrt oder Paris-Roubaix ist es schwer zu sagen. Da muss ich abwarten, wie ich mit den langen Distanzen zurecht komme. So 250 Kilometer sind schon brutal, gerade nach meiner längeren Wettkampfpause. Bei Paris-Roubaix gehört zudem sehr viel Glück dazu, um vorne mitfahren zu können.
T-Mobile ist nun stärker auf die Klassiker ausgerichtet und hat viele neue Fahrer für diesen Bereich geholt. Siehst du darin einen Vor- oder einen Nachteil?
Burghardt:Das ist kein Nachteil, eher ein Vorteil. So haben wir stärkere Fahrer am Start. Im letzten Jahr gab es Klassiker, bei denen wir nur wenige Spezialisten an den Start schicken konnten und im Finale schließlich keine Rolle spielten.
Wirst du auch eine große Landesrundfahrt bestreiten?
Burghardt:So weit habe ich noch nicht voraus geplant. Ich bin jetzt erst mal zufrieden, dass ich wieder Rennen fahren kann und das macht mir großen Spaß. Ich schaue jetzt aber von Rennen zu Rennen. Ob ich eine große Landesrundfahrt fahre oder nicht, ist für mich nicht wichtig. Im Moment bin ich einfach nur glücklich, dass ich wieder Rad fahren kann.
Du hattest eine gute Neo-Profi Saison, aber im vergangenen Jahr lief es, auch verletzungsbedingt, nicht rund bei dir. So hat man bei T-Mobile lange mit einem neuen Vertrag gezögert. Warst du darüber etwas enttäuscht?
Burghardt:Die Ungewissheit war kein schönes Gefühl. Ich hatte wegen meiner Verletzung natürlich nicht die beste Ausgangsposition. Aber für meine Operation konnte ich ja nichts. Wenn man nicht Radfahren kann, hat man es halt nicht selbst in der Hand sich durch gute Ergebnisse für einen neuen Vertrag zu empfehlen.
Wie wäre es für dich weitergegangen, hätte T-Mobile den Vertrag nicht verlängert?
Burghardt:Natürlich habe ich mich nach anderen Teams umgeschaut. Aber zum Glück gab es eine Einigung mit T-Mobile. Ich bin sehr froh, dass ich bleiben konnte.
Bei T-Mobile gab es vor der Saison viele Umstrukturierungen. Worin unterscheidet sich das neue Team vom alten?
Burghardt:Sportlich gesehen versuchen wir nun offensiver und offener zu fahren. Es gibt nicht nur einen Kapitän, sondern viele Fahrer bekommen die Chance, gute Ergebnisse einzufahren. Außerdem hat sich der Teamgeist verbessert. Es wird viel gelacht. Vor allem die Australier haben durch ihre lockere Lebensweise einen positiven Einfluss.
Du zählst zu den großen deutschen Klassikerhoffnungen. Was traust du dir für die Zukunft zu?
Burghardt:Natürlich werde ich mich weiterhin auf die belgischen Klassiker wie Het Volk, Dwars door Vlaanderen aber auch Flandern Rundfahrt und Paris-Roubaix konzentrieren. Bei diesen Rennen möchte ich irgendwann auch um den Sieg mitfahren. Das geht aber nicht von heute auf morgen. Ich muss viel lernen. Es geht darum, bei solchen Rennen so wenig Fehler wie möglich zu machen. Je besser man die Rennen kennt, umso weniger Fehler macht man auch. Das kommt mit dem Alter.
Woran musst du noch arbeiten?
Burghardt:Die Klassiker sind extrem lang, bis zu 260 Kilometer. Da muss ich noch an meinem Stehvermögen für die letzten 50 Kilometer arbeiten. Das wird aber mit den Jahren fast automatisch kommen.
Mit Marcus Burghardt sprach Christoph Adamietz
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