Interview

Schweda: Wir wollen einen Klassiker gewinnen

06.02.2007  |  (Ra) - Gemeinsam mit Jens Heppner leitet Raphael Schweda die Geschicke des einzigen deutschen Professional Continental Teams Wiesenhof-Felt. Radsport aktiv sprach mit dem 30-jährigen Teammanager über den personellen Umbruch im Team, die Erwartungen für 2007, die Verpflichtung von Steffen Wesemann und über das Fernziel Tour de France.

Herr Schweda, das Team Wiesenhof kann auf ein erfolgreiches Jahr 2006 zurückblicken. Dennoch wurde fast der komplette Kader ausgetauscht. Wieso kam es zu diesem Schritt?

Schweda: Im letzten Jahr haben wir viel auf den Nachwuchs gesetzt und hatten damit auch viel Erfolg. Leider mussten wir unsere jungen Talente wie Gerald Ciolek, Marcel Sieberg, Tim Klinger oder Carlo Westphal abgeben und haben dafür nichts bekommen. Das hat sowohl uns von der Teamleitung als auch unsere Sponsoren hart getroffen. So mussten wir natürlich schauen, wie es bei uns weitergeht, welche Richtung wir einschlagen würden. Da die großen ProTour Teams ihre Mannschaften deutlich verjüngen wollten, war es natürlich schwer talentierte Fahrer zu uns zu locken. Dafür standen auf einmal ein paar große Namen auf der Straße. Da haben wir dann zugeschnappt.

Mit Gerald Ciolek (zu T-Mobile) und Marcel Sieberg (zu Milram) haben die zwei stärksten Fahrer der vergangenen Saison das Team verlassen, mit Steffen Wesemann, Olaf Pollack, Jörg Ludewig und Stefan van Dijk kamen starke und erfahrene Fahrer ins Team. Ist Wiesenhof 2007 stärker als in der vergangenen Saison?

Schweda: Wir waren 2006 schon sehr erfolgreich. Radsport ist aber nicht nur Sport, sondern auch ein Show-Event, über das geredet wird. Vor allem mit Steffen Wesemann und Jörg Ludewig haben wir sehr medienwirksame Fahrer geholt. Fahren die beiden oder andere in der kommenden Saison Erfolge ein, dann wird das Medieninteresse an uns dementsprechend groß sein.

Durch die Verpflichtung von Steffen Wesemann hoffen Sie auf Wildcards für Paris-Roubaix, die Flandern-Rundfahrt und das Amstel Gold Race. Wie ist der aktuelle Stand im Hinblick auf diese Rennen?

Schweda: Noch haben wir keine definitiven Startzusagen. Die Wildcards sind aber auch nicht vergeben worden. Ich bin jedoch sehr zuversichtlich, dass es klappen wird.

In der letzten Saison hatte Wiesenhof die Wildcard für die Flandern Rundfahrt so gut wie sicher, wurde aber kurz vor dem Rennen dann doch wieder ausgeladen. Haben Sie Angst, dass dies auch in diesem Jahr wieder passieren könnte? Was waren damals die Gründe?

Schweda: Die Gründe für unsere Nichtberücksichtigung kenne ich nicht. Vielleicht waren wir einfach zu unbekannt. Speziell in Belgien wird sehr großer Wert auf das rein Sportliche gelegt. Deshalb bin ich auch sehr zuversichtlich, dass es in diesem Jahr klappen wird. Im Fahrerfeld befinden sich ja nur noch sehr wenige Flandern-Rundfahrt-Sieger, mit Steffen Wesemann haben wir einen davon in unseren Reihen. Auch bei Paris-Roubaix war er häufig einer der Protagonisten. Wir haben ein starkes Team, deshalb haben wir sportlich gesehen sehr gute Chancen.

Wie sieht sonst der Rennkalender des Teams zu Saisonbeginn aus?

Schweda: Wir starten mit der Algarve-Rundfahrt in die Saison. Danach splitten wir unser Team. Ein Teil wird unter anderem die belgischen Rennen wie Het Volk, Kuurne Brüssel Kuurne oder Nokere Koerse bestreiten, der andere Teil wird in Südafrika unter anderem beim Giro del Capo an den Start gehen. Highlights sind für uns sicherlich Rund um Köln und Rund um den Henninger Turm.

Einige Fahrer des Teams haben die Hoffnung auf einen Vuelta-Start gehen könnte. Ist das realistisch?

Schweda: Derzeit ist das noch nicht realistisch. Da scheinen unsere Fahrer sehr zuversichtlich zu sein. Ich finde es aber sehr gut, dass die Fahrer Ziele vor Augen haben. Zurzeit gehe ich aber nicht davon aus. Sollte sich es ergeben, werden wir die Einladung aber auch nicht ausschlagen.

Das Team ist für die Klassiker sehr gut besetzt. Auf wen setzen sie bei den Rundfahrten?

Schweda: Bei den Rundfahrten werden wir uns vornehmlich auf Etappensiege konzentrieren. Holt man bei einer fünftägigen Rundfahrt einen Etappensieg, ist man zumeist aber auch automatisch in der Gesamtwertung recht weit vorne. Für größere Rundfahrten ruhen unsere Hoffnungen auf den Velits-Zwillingen.

Von den routinierten Fahrern weiß man , was man erwarten kann. Wie sieht es mit den jungen Hoffnungen aus? Von wem erwarten Sie einen Leistungssprung?

Schweda: Artur Gajek wird sicherlich stark fahren. Er hatte schon einen guten Herbst. Auch von Christian Leben kann man sicherlich einiges erwarten. Dazu kommen noch die bereits angesprochenen Velits-Zwillinge Peter und Martin, die bestimmt ein paar gute Ergebnisse einfahren werden.

Von T-Mobile wechselten gleich vier Fahrer zu Wiesenhof. Standen die Wechsel in irgendeiner Verbindung oder ist das eher Zufall?

Schweda: Da gab es keine Verbindung untereinander. Dass bei uns jetzt vier ehemalige T-Mobile Fahrer unter Vertrag stehen ist Zufall.

Steffen Wesemann dürfte trotz seiner bald 36 Jahre ein begehrter Fahrer auf dem Transfermarkt gewesen sein. Wie ist Ihnen dieser Coup gelungen?

Schweda: Das war eine Mischung von Perspektive, Vertrauen und dem guten persönlichen Verhältnis zwischen Jens Heppner, Steffen Wesemann und mir.

Was müsste geschen, damit Sie am Ende des Jahres die Saison 2007 als eine erfolgreiche bezeichnen?

Schweda: Wenn wir Wildcards für zwei große Eintagesrennen bekommen, bin ich zufrieden. Dazu wäre ein Etappensieg bei der Deutschland Tour sehr gut. Das gleiche gilt für einen Podiumsplatz bei Rund um Köln oder Rund um den Henninger Turm.

Wenn man die Fahrer befragt, würden diese mit Wiesenhof gerne in der ProTour fahren.Ist das ein Ziel auch für Sie und Jens Heppner?

Schweda: Vom Potenzial her könnten wir sicherlich ProTour fahren. Wenn wir unseren Kader erweitern würden, wäre das qualitativ sicherlich möglich. Allerdings ist ja gar nicht sicher, wie es mit der ProTour weiter gehen wird, deswegen ist es kein primäres Ziel in der ProTour zu fahren. Wir haben ein starkes Team und wollen uns qualitativ weiter verbessern. Unser großes Ziel ist es in Zukunft bei der Tour de France zu starten und einen großen Klassiker zu gewinnen. Die ProTour ist da für uns keine Pflicht. Hauptsache, wir können die großen Rennen fahren.

Mit Raphael Schweda sprach Christoph Adamietz

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