Müllers Tour de Banyuwangi-Tagebuch

Die Stimmung war besser als bei jedem Rennen in Deutschland

Von Robert Müller

Foto zu dem Text "Die Stimmung war besser als bei jedem Rennen in Deutschland"
Robert Müller und seine Teamkollegen bei der Teampräsentation der Tour de Banyuwangi Ijen | Foto: Robert Müller

26.09.2019  |  (rsn) - Hallo aus Banyuwangi, Java Timur, Indonesien! Der Tag heute begann bereits um 5:30 Uhr mit dem Frühstück, da wir einen zweistündigen Transfer zum Start im Konvoi, der von der Polizei abgesichert wurde, hinter uns bringen mussten. Es lohnte sich allerdings, denn der Startbereich lag in einem Nationalpark in einem Wald direkt an einem sehr schönen leeren Strand. Da noch genug Zeit war, ging ich dort spazieren und sammelte Muscheln. Ich hatte große Lust, zu baden, verkniff es mir aber und ging nur mit den Beinen ins Wasser. Am liebsten wäre ich dort geblieben und gar nicht zur Etappe gestartet.

Die 2. Etappe führte über 150 Kilometer und die Hauptschwierigkeit war die einzige Bergwertung etwa 25 Kilometer vor dem Ziel, wo es in Stufen knapp 500 Höhenmeter hinauf ging. Mein Plan war daher, in die Gruppe des Tages zu gehen, um mit Vorsprung am Anstieg anzukommen. Deshalb stellte ich mich wieder ganz vorne in die Startaufstellung, um nach der Neutralisation gleich mit attackieren zu können und nicht eingebaut zu sein, denn die Straße im Wald war sehr schmal.

Das klappte gut und ich ging die erste ernstzunehmende Attacke mit. Zu viert konnten wir uns absetzen und ich hatte schon die Hoffnung, dass sie uns fahren lassen würden, was aber leider nicht der Fall war. Die Gruppe war hart umkämpft und auf den ersten 30 Kilometern gab es Angriffe und Gruppen ohne Ende. Mein Teamkollege Loic und ich deckten den Großteil der Attacken mit ab, aber irgendwann konnten wir beide nicht mehr, und so ging die Gruppe wieder ohne uns. Im Feld kehrte daraufhin nur kurz Ruhe ein.

Die Straße war heute meist schmal und schlecht und mit vielen Kurven versehen. Die Zuschauer standen wieder in Massen an der Strecke und die Stimmung war grandios, ich behaupte mal besser als bei jedem Radrennen in Deutschland, inklusive der Deutschland Tour. Es stehen nämlich unglaublich viele Schulklassen am Straßenrand, die laute Musik machen, wie bei einem Laufmarathon in einer Großstadt. Außerdem wird man im Start- und Zielbereich von Menschen umlagert, die alle gerne ein Foto mit einem der Fahrer machen wollen.

Zur Mitte des Rennens war die Gruppe nicht mehr weit weg und es ging auf einmal wieder voll zur Sache. Es konnte sich eine vierköpfige Gruppe mit Loic absetzen, die es allerdings nicht nach vorne schaffte und 20 Kilometer später wieder eingeholt wurde. Den Beginn des Anstiegs erreichten wir dann als geschlossenes Feld und es gab harte Positionskämpfe, als es auf eine schmale und schlechte Straße ging. Mein Zimmerkollege Konstantin gab das Tempo an der Spitze vor und ich konnte noch gut mithalten.

Als in einigen steilen Passagen die Bergfahrer jedoch Ernst machten, wurde ich wie ich erwartet hatte abgehängt. Zum Glück kannte ich die folgende lange Abfahrt und konnte mit etwas Risiko noch einige Fahrer wieder einholen. In einer engen, nicht einsehbaren Kurve hatte es weiter vorne einen Sturz gegeben und als ich dort entlang kam krachte ich beinahe in die noch am Boden liegenden Fahrer. Am Ende kam ich mit einer 20 Fahrer großen Gruppe, in der es nur noch um Platz 20 ging, ins Ziel. Eine Gruppe weiter vorne fuhr Loic um Platz 10 mit und wurde 13.

Im Auslauf nach dem Ziel sind immer beidseitig Duschen aufgebaut, durch die man dann durchfährt und ich drehe stets nochmal um und stelle mich kurz darunter. Danach geht es zu den Zelten, von denen jedes Team ein eigenes hat, und die mit Stühlen und sogar Radständern ausgestattet sind. Dort gibt es eisgekühlte Getränke und einen Snack. Anschließend fahren wir zum Ausfahren die acht Kilometer zurück ins Hotel, wo dann Mittagessen und der Pool auf uns warten.

Morgen muss ich mein tägliches Programm etwas ändern, denn der Start erfolgt aufgrund des muslimischen Freitagsgebets erst am Nachmittag. Dann geht es auf einem welligen, neun Kilometer langen Rundkurs in der Stadt über zwölf Runden mit drei Sprintwertungen. Ich tippe auf einen Massensprint und hoffe, es findet sich ein Team, das ihn ordentlich anfährt, damit es nicht so ein gefährliches Chaos gibt.

Morgen gleiche Stelle, gleiche Welle

Gez. Sportfreund Radbert

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