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Vorschau 71. Tour de Pologne

Sorgt Majka für Jubel bei den polnischen Fans?

Von Wolfgang brylla

Foto zu dem Text "Sorgt Majka für Jubel bei den polnischen Fans?"
Rafal Majka (Tinkoff-Saxo), Gewinner des Bergtrikots der 101. Tour de France | Foto: Cor Vos

03.08.2014  |  (rsn) . In der Geschichte Polens spielt der August 1980 eine sehr wichtige Rolle. In dem damals von den Kommunisten regierten Staat brach eine Streikwelle aus. Die Arbeiter demonstrierten gegen die wirtschaftlichen Missstände und die Preiserhöhungen für Lebensmittel.

In der Danziger Werft drohtedamals die Lage zu eskalieren, der legendäre Führer der Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, sprang über den Zaun, um seine Kollegen und Kolleginnen im Kampf gegen das Regime zu unterstützen. Mit der Solidarnosc fing die Machtbasis der Kommunisten zu bröckeln an, Walesa wurde zum Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit.

34 Jahre später beginnt am Sonntag nur einige hundert Meter von dem Einfahrtstor zur Danziger Werft entfernt die 71. Polen-Rundfahrt. Walesa, der in den 1990er Jahren zum Staatspräsidenten gewählt wurde, übernahm die Schirmherrschaft über das einzige polnische WorldTour-Rennen. Renndirektor Czeslaw Lang wird dem Friedensnobelpreisträger auch den offiziellen Startschuss überlassen. Am Sonntag wird das aus 21 Mannschaften bestehende Feld sich nach Bydgosz auf den Weg machen.

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Die diesjährige Auflage ist nicht nur wegen der Anwesenheit von Walesa von besonderem Interesse. Vor 25 Jahren kam es in Polen zu den ersten freien Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg. An dieses bahnbrechende Ereignis möchte die Tour de Pologne erinnern, die in dieser Saison übrigens nicht mehr im Race Appeal-Modus ausgetragen wird. Im Vorjahr wurden auf Empfehlung des Radsportweltverbandes UCI erstmals nur sechsköpfige Teams zum Start zugelassen, und auf den Etappen konnte man an den einzelnen Sprint- und Bergwertungen Punkte sammeln, die später in Zeitbonifikationen für die Gesamtwertung umgerechnet wurden.

Das Organisatoren-Team vergab diesmal nur drei Wildcards, über die sich die russische Equipe RusVelo, der polnische Zweitdivisionär CCC Polsat und die polnische Nationalmannschaft freuen konnten.

Die Strecke: 2013 machte die Polen-Rundfahrt einen Abstecher in die italienischen Dolomiten, im kommenden Jahr, so wird gemunkelt, wird das Rennen in Kroatien gestartet. „Die Starts im Ausland sollen nur eine Ausnahme bilden und nicht die Regel“, erklärte Lang dazu. Desshalb wird 2014 die Tour de Pologne weitgehend nur über heimische Straßen führen.

Nach der 1. Etappe von Gdansk in die Speicherstadt Bydgoszcz, wo der Meereswind für einiges Durcheinander im Peloton sorgen kann, werden die Rennfahrer am darauffolgenden Tag sich in der Innenstadt von Torun versammeln, wo im 16. Jahrhundert Nikolaus Kopernikus seine heliozentrische Theorie des Sonnensystems schuf. Aus Torun stammt außerdem Michal Kwiatkowski (Omega Pharma-Quick Step), der allerdings auf die Teilnahme beim Heimspiel verzichtete.

Der 24-Jährige erklärte, er sei erschöpft nach der langen Saison und wolle sich jetzt ein paar freie Tage gönnen. In Warschau wird der Tagesabschnitt zu Ende gehen, den Etappenssieg werden vermutlich die Sprintermannschaft unter sich ausmachen. Die Hauptstadt-Etappe hat auch eine symbolische Bedeutung: Am 1. August jährte sich zum 70. Mal der Warschauer Aufstand, in dem sich die polnische Heimatarmee gegen die deutschen Besatzer auflehnte.

Die nächsten beiden Etappen nach Rzeszow und Katowice werden entweder im Massensprint entschieden oder es gelingt einem Ausreißer seinen hauchdünnen Vorsprung ins Ziel zu retten. Wie man das Feld auf den Schlussrunden düpieren kann, zeigte 2013 Taylor Phinney (BMC), der in Katowice gewann.

In den Bergen wird auch diesmal wieder das Gesamtklassement gemacht. Die 5. Etappe führt von Zakopane auf die slowakische Seite des Tatra-Gebirges. So richtig weiß keiner, was man von der Ankunft in Strebske Pleso erwarten soll. Der finale Anstieg ist zehn Kilometer lang, die Durchschnittssteigung auf den letzten drei Kilometern beträgt 4,5% (max. 16%). Im Gegensatz dazu ist das Streckenprofil der 6. Etappe vielen Fahrern und Fans bestens bekannt. Mit acht kategorisierten Anstiegen der 1. Kategorie werden es die Fahrer auf den Runden um Bukowina Tatrz. zu tun bekommen. Berüchtigt neben der Zab-Passage ist vor allem der Gliczarow-Anstieg mit maximalen Steigungsgraden von 23%.

Im abschließenden Zeitfahren in Krakau wird dann der Gesamtsieger ermittelt. Die Zeitunterschiede zwischen den Favoriten werden nach den beiden Bergabschnitten vermutlich nicht allzu groß sein, mögliche Rückstände wird man dann im Kampf gegen die Uhr wettmachen können. Dank einer guten Leistung im Zeitfahren hat der Niederländer Pieter Weening (Orica-GreenEdge) im vergangenen Jahr die Gesamtwertung gewonnen.

Die Favoriten: Der Titelverteidiger ist auch in diesem Jahr mit von der Partei, ebenso wie Moreno Moser (Cannondale), der 2012 die Rundfahrt vor Kwiatkowski für sich entschied. Orica-GreenEdge setzt darüber hinaus in den Sprints auf Michael Matthews, der im Mai sechs Tage lang das Maglia rosa beim Giro d’Italia trug und Schnellster auf der Etappe nach Montecassino war.

Die französische Ag2r-Equipe wird durch unter anderem durch Christophe Riblon – Etappensieger der Tour de Pologne 2013 in Passo Pordoi – vertreten sein, Belkin kommt mit Robert Gesink nach Danzig angereist, der nach seiner Heroperation im Frühjahrins Renngeschehen zurückkehrt. Im Aufgebot des holländischen Rennstalls sind auch Sprinter Theo Bos und der Deutsche Paul Martens zu finden, der bei all seinen Teilnahmen an der Polen-Rundfahrt gut abschnitt. Ein starkes Team nach Polen schickt BMC mit Thor Hushovd, der im vergangenen Jahr zwei Etappen gewann, Dominik Nerz, Peter Velits, Samuel Sanchez und Steve Morabito. FDJ.fr wird von Alexander Geniez angeführt, Lampre-Merida nominierte den Polen Przemyslaw Niemiec, Damiano Cunego und den schnellen Sprinter Sacha Modolo.

Hoffnungen auf gute Platzierungen macht sich auch die Sportliche Leitung von Movistar. Igor Anton, Adriano Malori und der Lokalmatador Sylvester Szmyd sollen es auf den unterschiedlichen Terrains krachen lassen. Thomas De Gendt, Wout Poels und Petr Vakoc werden versuchen, für Omega Pharma-Quick Step einige sehenswerte Resultate zu holen. In der britischen Sky-Mannschaft gibt es keinen nominellen Kapitän, aber der Kader mit dem talentierten Sebastien Henao, Edvald Boasson Hagen oder Ben Swift, der in den Sprints mitreden will, kann sich sehen lassen.

Ganz auf Tageserfolge auf den Flachetappen ist Giant-Shimano ausgerichtet, und zwar mit Luka Mezgec und Nikias Arndt. Vielleicht wird der junge Franzose Warren Barguil in den Bergen zeigen, was er drauf hat. Den Sieger der Bergwertung beim diesjährigen Giro, Julian David Arredondo, bringt Trek mit, Tinkoff-Saxo schaut auf Roman Kreuziger, der nach den Unregelmäßigkeiten im Biologischen Pass wieder startberechtigt ist, und natürlich Rafal Majka.

Der Pole wird nach seinen Etappensiegen bei der Tour de France als Nationalheld gefeiert. „Ich verspreche zu kämpfen, ich kann aber nicht versprechen, dass ich das Rennen gewinnen werde“, sagte der 24-jährige Majka, der sich auf seinen Landsmann Pawel Poljanski verlassen kann. CCC Polsat setzt auf Davide Rebellin, Marek Rutkiewicz, den zweifachen König der Berge bei der Polen-Rundfahrt, Tomasz Marczynski, sowie Maciej Paterski.

Die Strecke der Polen-Rundfahrt 2014:

1. Etappe, 3. August: Gdansk – Bydgoszcz, 226 km
2. Etappe, 4. August: Torun – Warschau, 234 km
3. Etappe, 5. August: Kielce – Rzeszow, 180 km
4. Etappe, 6. August: Tarnow – Kattowitz, 236 km
5. Etappe, 7. August: Zakopane - Strbskie Pleso (Slowakei), 178 km
6. Etappe, 8. August: Bukowina – Bukowina, 174 km
7. Etappe, 9. August: Krakau – Krakau, 25 km, EZF

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