RSNplusRSN-Rangliste, Platz 16: Justyna Czapla

Im zweiten Jahr als Helferin die hohen Ziele nur teilweise erreicht

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Im zweiten Jahr als Helferin die hohen Ziele nur teilweise erreicht"
Im WM-Zeitfahren der U23 von Ruanda wurde Justyna Czapla Siebente. | Foto: Cor Vos

16.12.2025  |  (rsn) – Nachdem sich ihr erstes Jahr in der WorldTour noch so angefühlt hatte, “als hätte man mich ins kalte Wasser geschmissen“, konnte sich Justyna Czapla in ihrer zweiten Profisaison – um im Bilde zu bleiben – doch relativ gut freischwimmen. “Sie war definitiv besser als die letzte. Ich habe gemerkt: Da war einfach mehr da“, sagte Czapla.

Vor allem mehr Leistung. Aber auch mehr auf technischer Seite, was etwa die Positionierung im Feld angeht. Letztlich zahlten sich beide Punkte in mehr Hilfe für ihre Teamkolleginnen bei Canyon – SRAM – zondacrypto aus. Und genau darum ging es für die 21-Jährige auch fast ausschließlich: helfen. “Ich habe gemerkt, dass ich am Berg länger mithalten konnte, um meine Leaderinnen zu unterstützen“, so Czapla im Gespräch mit RSN. ___STEADY_PAYWALL___

Und so schlecht kann es nicht gewesen sein, was Czapla ablieferte. Für Canyon fuhr sie den Giro d`Italia und die Vuelta Espana, die Tour de Suisse und Itzulia, dazu einige Eintagesrennen. Aus dem Giro nahm sie als kleinen Ehrenpreis die Auszeichnung als beste junge Fahrerin nach dem Mannschaftszeitfahren mit, was für sie jedoch kaum der Rede wert war. “Im Moment sind eigene Ergebnisse erstmal eher unwichtig. Für die Zukunft würde ich mir schon auch wünschen, dass ich mal eine Chance bekomme. Aber in diesem Jahr ging es nochmal darum, reinzukommen in die WorldTour, dazuzulernen und mich zu verbessern.“

Titelverteidigung im Zeitfahren, auf der Straße besser als erwartet

Lediglich im U23-Zeitfahren der Deutschen Meisterschaften Ende Juni musste sich Czapla um keine Teamkollegin kümmern. Im Resultat stand dann auch die Titelverteidigung. “Ich habe schon damit gerechnet, dass ich es wieder schaffe. Es war keine Bestleistung von mir. Die Konkurrenz in Deutschland ist aber auch nicht so ausgeprägt, das muss man schon dazu sagen", ordnete sie ihren Sieg ein.

Lehrjahre sind Helferjahre: Justyna Czapla verbrachte ihre Saison im Trikot von Canyon - SRAM - zondacrypto fast ausschließlich im Dienste ihre Leaderinnen. | Foto: Cor Vos

Schon eher überraschend war dann ihr vierter Platz im Straßenrennen, das sie in der Elite-Kategorie bestritt. Neben dem U23-Titel war es ihr bestes Saisonergebnis. “Das war hingegen schon eine meiner besseren Leistungen. Ich hätte nicht erwartet, dass ich da bis zum Ende vorne mitfahren kann, nachdem ich ja auch noch Antonia (Niedermaier) geholfen habe. Das war schon ein Highlight", betonte Czapla.

Weitere Höhepunkte hätten ab August folgen sollen, als Czapla nur noch mit dem Bundesadler auf dem Trikot unterwegs war. Zunächst bei der Tour de l`Avenir. Die beendete sie als 13. und damit auf einem Platz, mit dem sie sich nicht zufrieden zeigte. 

“Die Top 10 waren schon das Ziel. Und es sah auch ganz gut aus, nachdem ich auf der Bergetappe Neunte wurde. Dann kam noch das Bergzeitfahren, und da hatte ich auch auf ein gutes Ergebnis gehofft“, so Czapla, die eigentlich ihre Stärken im Kampf gegen die Uhr hat, wenngleich es noch mal etwas anderes ist, wenn es dabei nur bergauf geht. Doch der Plan ging nicht auf. “Ich bin jetzt nicht enttäuscht“, ergänzte sie, da sie glaubt, zu wissen, woran es gelegen hat.

Canyon-Eigengewächs Justyna Czapla mit Teammanager Ronny Lauke. Vor ihrer Zeit im Elite-Team fuhr die 21-Jährige schon in der Devo-Mannschaft. | Foto: Cor Vos

“Ich habe auf den flachen Etappen für Linda (Riedmann) gearbeitet und das hat mich schon bis zu einem gewissen Punkt beeinflusst. Es wäre etwas anderes gewesen, wenn ich mich die ganze Zeit geschont hätte anstatt im Wind zu sein. So habe ich über die Woche schon viele Körner verschwendet. Eigentlich war meine Form nicht schlecht, es wäre schon mehr drin gewesen", befand sie.

Erst krank, dann vom Winde verweht

Dann kamen die Weltmeisterschaften in Ruanda. “Definitiv eine besondere Erfahrung. Es war gut, zu sehen, wie die Menschen dort leben und wie begeistert sie auch waren.“ Sportlich lief es dann aber nicht wie erhofft, wenngleich Platz 7 im U23-Zeitfahren wahrlich kein schlechtes Resultat war. 

Davon versuchte sie hinterher auch der Bundestrainer zu überzeugen. “Ich habe mit Korffi (André Korff) gesprochen. Er war mit dem Ergebnis zufrieden, dann habe ich versucht, mir zu sagen, dass ich es auch sein kann.“ Doch das stellte sich als eine Herausforderung heraus die ähnlich groß wie der Wettkampf selbst war. “Ich hatte mir hohe Ziele gesetzt und schon aufs Podium gehofft. Ich wusste, dass es nicht unmöglich war. Am Ende hatte ich aber nicht die Beine. Ich bin am Tag danach auch krank geworden. Vielleicht war die Erkältung schon beim Rennen drin.“

Das war dann auch in der Mixed-Staffel und im Straßenrennen zu spüren. Und so ging es weiter zu den Europameisterschaften, die aber auch nicht die erhofften Spitzenplatzierungen brachten. Der sechste Platz im U23-Zeitfahren “passt vom Ergebnis nicht. Aber das lag am enormen Wind. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt schon mal so starken Wind erlebt habe. Ich wurde von links nach rechts geschoben“, erinnert sich Czapla zurück. “Mit meinem Gewicht bin ich dafür nicht geeignet. Am Ende bin ich sogar 20-Minuten-Bestleistung gefahren, aber es ist nichts dabei herausgekommen“, ärgerte sie sich.

“Das Team sieht mich als GC-Fahrerin“

Genau jenes Gewicht soll ihr künftig aber vielleicht sogar zum Vorteil gereichen. “Das Team meinte, dass sie mich als GC-Fahrerin sehen und mich dahin entwickeln wollen“, gab Czapla einen Ausblick in die Zukunft. Trotzdem werde auch 2026 noch mal im Zeichen der Helferschaft stehen. “Vielleicht bekomme ich aber auch irgendwo selbst mal die Chance, ich soll ja in Rundfahrten auch Erfahrungen sammeln.“ Insgesamt sollen aber weniger Renntage als die 46 in 2025 auf dem Programm stehen.

Justyna Czapla absolvierte 2025 46 Renntage und war auch bei der Vuelta dabei. Die fährt sie im kommenden Jahr nicht. Der Giro wird ihre einzige Grand Tour. | Foto: Cor Vos

“Ich bin dieses Jahr viel mehr gefahren als in dem davor. Es ging Schlag auf Schlag und ich hatte schon das Gefühl, dass es irgendwann zu viel wurde und mir die Erholung gefehlt hat. Das habe ich dann so kommuniziert. Deswegen fahre ich nächstes Jahr nur eine Grand Tour. So lässt sich dann die Form auch besser fokussieren", sagte sie. 

Die eine Grand Tour wird der Giro sein. Los geht Czaplas Saison aber schon im Januar in Australien. “Wir sind drei Wochen dort. Ich werde auch ein paar Rennen fahren, aber es ist schon eher so eine Art Trainingslager", erzählte sie.

Weil es von Teamseite im laufenden Jahr keines mehr gibt, hält sich Czapla aus eigenem Antrieb aktuell in Calpe auf, um dem deutschen Winter zu entfliehen und in Spanien unter besseren Bedingungen die Grundlagen für das kommende Jahr legen zu können. Auf ein Jahr, in dem sie nochmal in den U23-Wettbewerben angreifen und den verpassten Medaillen hinterherjagen will.

Mehr Informationen zu diesem Thema

31.12.2025Reusser in neuen Sphären: “Glück ist Realität minus Erwartung“

(rsn) – Mehr als doppelt so viele Punkte wie die nun zweitplatzierte Vorjahresgewinnerin Elise Chabbey (FDJ – Suez): Marlen Reusser (Movistar) war 2025 die unangefochtene Nummer 1 im RSN-Jahresran

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Frauen 2025

(rsn) – Seit dem Jahr 2013 blicken wir am Ende der Straßenradsaison neben der Jahresrangliste der Männer auch auf das Jahr der Frauen mit entsprechendem RSN-Ranking zurück. Berücksichtigt werden

31.12.2025Die Strassacker-Trophäe zur RSN-Jahresrangliste 2025

(rsn) – Seit inzwischen 18 Jahren blicken wir von radsport-news.com in Form unserer RSN-Jahresrangliste auf die Saison der Radprofis aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zurück u

30.12.2025Tour-Bergtrikot, erster Rundfahrtsieg und zwei Holzmedaillen

(rsn) – Elise Chabbey (FDJ - Suez) machte 2025 in der Weltrangliste einen großen Sprung bis auf den sechsten Platz. Schon in den vergangenen Jahren gehörte die Schweizerin zu den weltbesten Klas

29.12.2025Giro-Siege, Flandern-Podium und ein bitteres Saisonende

(rsn) – Den Deutschen Meistertitel musste sie zum zweiten Mal in Folge Franziska Koch (Picnic – PostNL) überlassen und krankheitsbedingt endete die Saison 2025 für Liane Lippert (Movistar) bei d

28.12.2025Saisonstart-Spezialistin mit Top-Frühjahr und gutem Herbst

(rsn) – Sie war die fleißigste Punkte- und Ergebnissammlerin des Frauenradsports in den ersten zweieinhalb Monaten der Saison 2025: Als das Peloton aus Italien von Mailand-Sanremo zurück nach Belg

27.12.2025Windkante und Magenkrämpfe verhinderten das i-Tüpfelchen

(rsn) – Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM – zondacrypto) hatte hohe Erwartungen an ihre dritte WorldTour-Saison, wie sie es RSN noch im März dieses Jahres anlässlich eines langen Interviews

26.12.2025Mit Uno-X bei den Topsprinterinnen angeklopft

(rsn) – Linda Zanetti (Uno-X Mobility) ist 2025 zu einem der Shootingstars im internationalen Peloton geworden. Nach zwei Jahren beim UAE-Team und einem bei Human Powered Health schloss sich die Sch

25.12.2025In Chongming um den WorldTour-Sieg gebracht

(rsn) – Zum dritten Mal in ihrer Karriere eroberte Kathrin Schweinberger (Human Powered Health) das Trikot der Österreichischen Meisterin, nachdem sie sich im Burgenland aus einer frühen Gruppe he

24.12.2025In einem Bilderbuchjahr “mich immer wieder selbst überrascht“

(rsn) – Wenn man dem Begriff ´Beständigkeit´ im deutschen Profiradsport in den letzten Jahren einen Namen geben sollte, dann sicherlich den von Franziska Koch (Picnic – PostNL). Mittlerweile g

23.12.2025Manche Dinge “stimmten voll zufrieden, manche halt gar nicht“

(rsn) – Seit Jahren gehört Christina Schweinberger (Fenix – Deceuninck) zu den Aushängeschildern des österreichischen Radsports. Sie sorgt für Topergebnisse in der WorldTour, aber auch im Trik

22.12.2025Die Puzzleteile fügen sich langsam zu einem Ganzen zusammen

(rsn) – Ganze acht Rundfahrten mit 51 Renntagen im Sattel werden nicht viele Profis im Frauen-Peloton in der vergangenen Saison absolviert haben. Für Petra Stiasny, die bis zum Jahresende noch bei

Weitere Radsportnachrichten

08.01.2026Als ProTeam: Tudor legt den Fokus auf die Grand Tours

(rsn) – Zum Medientag im spanischen Moraira war die leichte Verstimmung, die vor allem Miteigentümer Fabian Cancellara zum Ende der abgelaufenen Saison ab und an anzumerken war, verflogen. Das durc

08.01.2026Nach starker Saison startet erneut die Jagd auf den “Heiligen Gral“

(rsn) – Sechs Neuverpflichtungen nahm FDJ - Suez für das Jahr 2025 unter Vertrag und krempelte das Team damit maßgeblich um. Vom siebten Platz 2024 arbeitete sich die französische Mannschaft zum

08.01.2026Dumoulin wird Renndirektor beim Amstel Gold Race

(rsn) - Ex-Profi Tom Dumoulin wird neuer Renndirektor des Amstel Gold Race. Der 35-jährige Niederländer übernimmt den Job von Leo van Vliet, allerdings erst zur Austragung 2027. Es wird die 61. sei

07.01.2026Simon Yates beendet Karriere

(rsn) – Der amtierende Giro-Sieger Simon Yates hat am Mittwochmittag völlig überraschend und mit sofortiger Wirkung seine Karriere beendet. “Ich habe die Entscheidung getroffen, mich vom profess

07.01.2026Pidcock und Pinarello-Sextett zieht es nach Chile

(rsn) – Dass Radsportler vor Saisonbeginn ins Höhentrainingslager ziehen, ist nichts Besonderes. Dass ein Septett von Pinarello einen Monat nach Südamerika reist, ist dann aber doch sehr ungewöhn

07.01.2026Paret-Peintre verlängert mit Soudal

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

07.01.2026Roodhooft: Van der Poel “war einfach so, wie er sein musste“

(rsn) – In der Weihnachtsperiode hat Niels Vandeputte zwei Crossrennen im Trikot von Alpecin – Deceuninck und im neuen Jahr dem von Alpecin – Premier Tech gewonnen. Doch Fahrer der belgischen Ma

07.01.2026Die Hoffnung auf Healy und Highlights

(rsn) – Auf dem Papier war die Saison 2025 eine durchschnittliche für das Team EF Education – EasyPost. Zehn Siege lagen unter der Norm für die US-amerikanische Equipe, Rang zwölf im UCI-Rankin

06.01.2026Mit “Mont Ventoux Norwegens“ und Finale an den Hängen der Ski-WM

(rsn) – Während es 2026 keine Tour of Norway geben wird, weil die öffentlichen Förderungen gestrichen wurden, steht das Arctic Race of Norway (2.Pro) auch in diesem Jahr wieder im Rennkalender. I

06.01.2026Diese WorldTour-Profis haben noch keinen Vertrag für die neue Saison

(rsn) – Das neue Jahr hat begonnen, doch noch immer stehen einige WorldTour-Profis ohne neuen Vertrag da. Nicht alle Fahrer, die 2025 noch in der Elite-Liga des Radsports angestellt waren, werden

06.01.2026Chirurg erwartet drei Monate Pause für van Aert

(rsn) - Ludovic Robeet kann seine Karriere als Radprofi fortsetzen. Der Belgier in Diensten von Cofidis, der im September 2025 einen Schlaganfall erlitten hatte, teilte die guten Nachrichten via Insta

06.01.2026Healy legt Fokus in den kommenden beiden Jahren wieder auf die WM

(rsn) – Etappensieger bei der Tour de France, Träger des Gelben Trikots, Dritter im Straßenrennen der Weltmeisterschaften von Ruanda und auch bei Lüttich-Bastogne-Lüttich: Ben Healy (EF Educatio

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)