Vorschau 56. Tirreno-Adriatico: Wer holt den Dreizack?

Pogacar vs. Bernal, aber aufpassen auf van der Poel und Van Aert

Von Felix Mattis

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Die in den Sommer verlegte 2020er Auflage von Tirreno-Adriatico gewann Simon Yates (Mitchelton - Scott). | Foto: Cor Vos

09.03.2021  |  (rsn) – Schon in den vergangenen Jahren lief Tirreno-Adriatico dem parallel laufenden Paris-Nizza allmählich den Rang ab. Doch so deutlich besser besetzt wie 2021 war das 'Rennen zwischen den zwei Meeren' im Vergleich zum 'Rennen zur Sonne' selten. In Italien geben sich die größten Rundfahrer und auch zahlreiche Top-Klassikerfahrer ab Mittwoch die Klinke in die Hand:

Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) führt die Favoritenliste an, Egan Bernal (Ineos Grenadiers) steht am Start und auch Weltmeister Julian Alaphilippe (Deceuninck – Quick-Step) sowie Mathieu van der Poel (Alpecin – Fenix) und Wout Van Aert (Jumbo – Visma) pinnen am Mittwoch in Lido di Camaiore ihre Startnummern ans Trikot.

Einzig in Sachen Top-Sprinter ist das RCS-Rennen weniger gut besetzt, als die französische Konkurrenz der ASO – bei ähnlich sprinterunfreundlicher Streckenführung.

Die Strecke: Insgesamt 1.109 Rennkilometer sind zwischen dem traditionellen Startort Lido di Camaiore im Nordwesten der Toskana und San Benedetto del Tronto an der Adria zu bewältigen – darunter das in diesem Jahr leicht veränderte Schlusszeitfahren über zehn Kilometer, was dafür sorgt, dass an den anderen sechs Tagen 1.099 Kilometer zu absolvieren sind und somit ein recht hoher Tagesdurchschnitt. Drei Etappen sind länger als 200 Kilometer – klar: RCS will die Fahrer auf Mailand-Sanremo mit seinen 299 Kilometern vorbereiten, das nur vier Tage nach dem Ende von Tirreno-Adriatico wartet.

Den Auftakt ins Rennen macht eine Flachetappe mit Start und Ziel am Strand von Camaiore. Insgesamt dreimal könnten die Sprinter zum Zuge kommen, wobei die 3. Etappe nach Gualdo Tadino im Finale auf den letzten 20 Kilometern ständig leicht ansteigt und die 6. Etappe zum Lido di Fermo an der Adria auf dem finalen Rundkurs einen giftigen Hüge beinhaltet.

Dazwischen warten auf der 2. Etappe ein Teistück für Puncheure mit einem zwar 7,5 Kilometer langen, aber nur 3,6 Prozent steilen Schlussanstieg nach Chiusdino, und auf der 4. Etappe eine schwere Bergankunft am Prati di Tivo (14,7 km bei 7%). Etappe 5 wird eine Angelegeheit für die explosivsten Fahrer im Feld, die auch bergauf kommen: Rund um Castelfidardo geht es ständig auf und ab über kurze Anstiege und die bis zu 18 Prozent steile Muro di Castelfidardo. Mehr zur Strecke lesen Sie hier.

Die Favoriten: Nach seinem Triumph bei der UAE Tour ist Tour de France-Sieger Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) auch in Italien Top-Favorit. Doch der Slowene muss sich bei Tirreno-Adriatico einer noch härteren Konkurrenz stellen als beim WorldTour-Auftakt: Egan Bernal (Ineos Grenadiers) kommt mit der Empfehlung seines dritten Platzes bei Strade Bianche mit überraschend starker Form zur Fernfahrt, Simon Yates (BikeExchange) möchte seinen Titel verteidigen und auch dem Deceuninck-Duo Joao Almeida und Julian Alaphilippe ist alles zuzutrauen.

Zum erweiterten Favoritenkreis gehören außerdem Nairo Quintana (Arkéa – Samsic), Jakob Fuglsang (Astana – Premier Tech), Mikel Landa und Pello Bilbao (beide Bahrain Victorious) sowie Patrick Konrad (Bora – hansgrohe) und Vincenzo Nibali (Trek – Segafredo). Ein Auge werfen sollte man auch auf Thibaut Pinot (Groupama – FDJ), weil der Franzose zuletzt noch immer mit Rückenschmerzen kämpfte. Geht es ihm nun besser?

Besonders spannend wird außerdem der Auftritt von Mathieu van der Poel (Alpecin – Fenix) und Wout Van Aert (Jumbo – Visma), die beide auf Etappenjagd gehen könnten, aber mit Sicherheit auch bei der Bergankunft am Prati di Tivo einmal antesten wollen, wie lange sie bei den Besten mithalten können. Normalerweise sollten beide dort in Probleme geraten, doch verlieren sie nicht zu viel Zeit, wäre sogar der erste WorldTour-Rundfahrtsieg eines der beiden Cross-Überflieger nicht unmöglich. Das Zeitfahren in San Benedetto del Tronto und vor allem die weiteren Etappen für Puncheure liegen beiden.

In den Sprints ist Caleb Ewan (Lotto Soudal) der Mann, den es zu schlagen gilt. Der Australier hat mit Jasper De Buyst und Roger Kluge seine beiden wichtigsten Anfahrer an Bord und mit seinem Tagessieg auf der Schlussetappe der UAE Tour auch schon Form bewiesen. Ihn fordern die Lokalmatadore Davide Ballerini (Deceuninck – Quick-Step) und Elia Viviani (Cofidis) sowie Fernando Gaviria (UAE Team Emirates) und Max Kanter (DSM) sowie Tim Merlier (Alpecin – Fenix) heraus – wobei es bei letzterem wohl auch auf Mathieu van der Poel und darauf ankommt, was der Niederländer eigentlich genau vor hat: sprinten, klettern oder beides?

Die Teams: BikeExchange, Ag2r – Citroen, Alpecin – Fenix, Androni Giocattoli – Sidermec, Astana – Premier Tech, Bahrain Victorious, Bora – Hansgrohe, Cofidis, Deceuninck – Quick-Step, EF Education – Nippo, Eolo – Kometa, Gazprom – RusVelo, Groupama – FDJ, Ineos Grenadiers, Intermarché – Wanty – Gobert, Isreal Start-Up Nation, Jumbo – Visma, Lotto Soudal, Movistar, Arkéa – Samsic, DSM, Qhubeka Assos, Total Direct Energie, Trek – Segaredo , UAE Team Emirates

Die Etappen:
1. Etappe, 10.3.: Lido di Camaiore - Lido di Camaiore (156 km)
2. Etappe, 11.3.: Camaiore - Chiusdino (226 km)
3. Etappe, 12.3.: Monticiano - Gualdo Tadino (189 km)
4. Etappe, 13.3.: Terni - Prati di Tivo (148 km)
5. Etappe, 14.3.: Castellalto - Castelfidardo (205 km)
6. Etappe, 15.3.: Castelraimondo - Lido di Fermo (169 km)
7. Etappe, 16.3.: San Benedetto del Tronto - San Benedetto del Tronto (11,1 km / EZF)

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