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14.03.2013 | (rsn) - Mailand-San Remo eröffnet am Sonntag die Reihe der großen Klassiker. Die Primavera ist mit 298 Kilometern das längste der fünf Radsport-Monumente, zum Kreis der Favoriten zählen wie in den vergangenen Jahren sowohl Klassikerspezialisten als auch Sprinter. Und möglicherweise gibt es auch einen Überraschungssieger wie Simon Gerrans 2012. Radsport News stellt die Sieganwärter vor.
Matthew Goss (Orica-GreenEdge / Australien/ 26 Jahre)
Form: Nach drei zweiten Plätze bei der Tour Down Under und der Oman-Rundfahrt platzte bei Goss in italien der Knoten. Auf der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico konnte er im strömenden Regen über die Mammutdistanz von 232 Kilometern gegen die versammelte Sprinterelite seinen ersten Saisonsieg einfahren. „Mit dem Sieg hat er gezeigt, dass er zur Zeit in überragender Verfassung ist“, urteilte sein Teamkollege Simon Gerrans, der Mailand-San Remo im Vorjahr gewonnen hat.
Für Goss selbst, der 2012 fast immer den Kürzeren gegen Cavendish, Greipel und Co gezogen hatte, war der Tirreno-Erfolg auch ein Sieg für die Moral. „Gegen solche Fahrer zu gewinnen gibt mir viel Auftrieb für Mailand-San Remo“, lautete sein Kommentar nach seinem Coup auf der Klassikeretappe. Für Goss spricht, dass er auf eine reibungslose Saisonvorbereitung ohne Verletzungen und Krankheiten schauen kann. Nach eigenen Angaben hat er sogar sein Niveau von 2011 wieder erreicht - damals gewann er unter anderem Mailand-San Remo.
Erfahrung: Am Sonntag wird Goss zum vierten Mal bei Mailand-San Remo am Start stehen. Seine Streckenkenntnisse hervorragend, denn der WM-Zweite von 2011 wohnt in der Gegend. Nachdem er 2010 bei seiner Premiere vorzeitig vom Rad steigen musste, gelang Goss im Jahr darauf der große Coup, als er aus einer kleinen Spitzengruppe heraus den größten Sieg seiner Karriere erringen konnte. Im vergangenen Jahr gewann der Australier bei der Primavera allerdings nur den Sprint des großen Feldes, was Rang 15 bedeutete. Das konnte Goss aber verschmerzen, da Teamkollege Gerrans den Sieg einfuhr.
Team: Zwar steht auch der Titelverteidiger im Aufgebot von Orica-GreenEdge. Doch wird der 32-jährige Gerrans – auch aufgrund eines grippalen Infektes, den er sich letzte Woche eingefangen hatte - die Kapitänsrolle an Goss abtreten und als Joker ins Rennen gehen. „So haben wir es auch im letzten Jahr gehandhabt. Die Art und Wiese, wie ich im letzten Jahr das Rennen gewonnen habe – mit einer späten Attacke – ist für das Rennen eher ungewöhnlich. Wir haben mehrere Karten zu spielen, aber unser Ass wird Gossy sein“, kündigte Gerrans an.
Für die Tempoarbeit sollen zunächst entweder der Niederländer Jens Mouris oder der zuletzt bei Tirreno-Adriatico an Grippe erkrankte Kanadier Svein Tuft sorgen. Die Teamleitung will kurzfristig entscheiden, wer von beiden starten wird.
Als Arbeitstiere für die ersten 240 Kilometer stehen die australischen Routiniers Stuart O`Grady und Baden Cooke bereit. Im Finale sollen dann der Südafrikaner Daryl Impey, der Belgier Jens Keukeleire und der Niederländer Sebastian Langeveld für Goss das Finale vorbereiten. Fehlen wird hingegen der Schweizer Michael Albasini, zuletzt Etappensieger bei Paris-Nizza, der bei der am Montag beginnenden Katalonien-Rundfahrt seinen Titel verteidigen will.
Wünsche: Man weiß nicht, was eher nach Goss` Geschmack wäre - der Sprint eines relativ großen Feldes oder der einer kleinen Gruppe. Bei seinem Sieg vor zwei Jahren stellte der Sprinter seine Hügel-Festigkeit unter Beweis, als er am Poggio der Attacke von Philippe Gilbert folgen konnte. Im Sprint der schließlich sieben Fahrer starken Gruppe zeigte Goss, dass er auch nach knapp 300 Kilometern noch sprintstarke Klassikerasse wie Fabian Cancellara, Gilbert oder Filippo Pozzato abhängen kann. Einen Wunsch hat der Primavera-Sieger von 2011 aber doch: „Ich möchte vermeiden, mit einer kleinen Gruppe, in der sich Sagan befindet, auf die Zielgeraden einzubiegen. Ich weiß, dass ich ihn aus einer größeren Gruppe heraus schlagen kann“, so Goss gegenüber SBS.
Ganz nach dem Geschmack des Australiers dürfte das Wetter sein. So werden die Bedingungen wohl denen der 2. Etappe von Tirreno-Adriatico ähneln, als er aus einer großen Gruppe heraus erfolgreich war und dabei auch Sagan schlagen konnte. Gegen ein ähnliches Szenario hätte Goss wohl auch am Sonntag nichts einzuwenden.
Risikofaktor: Sollte Gerrans noch nicht topfit sein und im Finale keine Rolle spielen, so wird Goss in Abwesenheit von Albasini wohl auf sich allein gestellt sein, denn seine Helfer sind eher Sprinter als Hügelspezialisten. In einem schnellen Finale darf der Orica-Kapitän also nicht allzu viel Unterstützung erwarten. Und Sagan an einem der späten Anstiege loszuwerden, dürfte fast unmöglich sein.
Prognose: Matthew Goss ist auch in diesem Jahr wieder ein Kandidat für das Podium in San Remo. Für einen zweiten Primavera-Coup wird es aber wohl nicht reichen.
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