RSN-Rangliste 2009, Platz 38: Bradley Wiggins (Garmin)

"Ich bin besser als Lance"

Von Christoph Adamietz

Foto zu dem Text "

Bradley Wiggins (Garmin-Slipstream) auf der 9. Etappe der Tour de France

>

Foto: ROTH

09.12.2009  |  (rsn) – Lange Zeit machte Bradley Wiggins nur als Bahn- und Prologspezialist von sich reden. In diesem Jahr mutierte der Brite allerdings zum erstklassigen Rundfahrer mit ungeahnten Kletterqualitäten. Vor allem bei der Tour de France sorgte der Garmin-Kapitän für Furore.

Schon zu Saisonbeginn stand Wiggins auf dem Podium. Zum Auftakt der Katar-Rundfahrt (Kat. 2.1) gewann Garmin-Slipstream das Mannschaftszeitfahren und Wiggins, der sein Team ins Ziel geführt hatte, übernahm das Trikot des Gesamtführenden. Seine erste persönliche Spitzenplatzierung holte der Brite bei Paris-Nizza, wo er sich im Prolog nur dem Spanier Alberto Contador (Astana) geschlagen geben musste.

Auch im Zeitfahren des Criterium International (Kat. 2.HC) wurde Wiggins Zweiter. Kurz darauf gelang ihm im Zeitfahren der Drei Tage von De Panne (Kat. 2.HC) der erste Saisonsieg. „Ich wusste, dass die Form gut war. Bei de Panne hat mir die Distanz des Kurses und die Topographie aber besser gelegen als bei Paris-Nizza und dem Criterium International“, so der Sieger zu cyclingnews.com.

Allrounderqualitäten bewies der Olympiasieger in der Einzel- und Mannschaftsverfolgung bei seinen Klassiker-Einsätzen. Sowohl bei Gent-Wevelgem (23.) als auch bei Paris-Roubaix (25.) überraschte der 29-Jährige. „Nach den Klassikern habe ich mir gedacht: Nächstes Jahr möchtest du bei Roubaix in die Top Ten fahren“, so Wiggins zu velonews.

Doch das Hauptaugenmerk des im belgischen Gent geborenen Wiggins lag eindeutig auf den Rundfahrten. Beim Giro d`Italia überzeugte der Garmin-Neuzugang vor allem im Kampf gegen die Uhr, als er einmal Siebter und einmal Zweiter wurde.

Für eine echte Sensation sorgte Wiggins im Sommer bei der Tour de France. Platz drei im Zeitfahren von Monaco war ein Auftakt nach Maß, der die meisten Experten aber noch nicht überraschte. Dagegen hatte wohl niemand damit gerechnet, dass der ehemalige Columbia-Profi auch auf den Bergetappen mit den Allerbesten mithielt und regelmäßig unter die ersten Zehn fuhr. Wiggins biss sich im Hochgebirge an seinen Rivalen regelrecht fest und zeigte kaum Schwächen.

Mit seiner Kombination von starken Zeitfahrlesitungen und Kämpferqualitäten bergauf hätte es der Garmin-Profi sogar fast auf das Podium in Paris geschafft. Aber auch Platz vier der Gesamtwertung war mehr als eine Überraschung. „Beim Tour-Start in Monaco habe ich gesagt, ich will unter die Top-20 und viele haben gedacht, das ist unrealistisch", kommentierte Wiggins voller Genugtuung seinen Auftritt. "Jetzt weiß ich, auf welche Art von Rennen ich mich in Zukunft konzentrieren werde.“

Bei der Konkurrenz rief die Leistungssteigerung allerdings auch Zweifel hervor. „Man kann nur hoffen, dass die UCI und die WADA genau hingucken", wurde ein Sportlicher Leiter, der nicht genannt werden möchte, in "sport.ard.de" zitiert. Um alle Zweifel auszuräumen ließ der Garmin-Kapitän Auszüge seiner Blutwerte ins Internet stellen, die allesamt unter denen des Vorjahres lagen. „Es wäre hilfreich, auch die Angaben über die Retikulozyten zu erhalten", sagte dazu der Nürnberger Anti-Doping-Experte Fritz Sörgel. Die Information über die Anzahl der jungen roten Blutkörperchen veröffentlichte Garmin aber nicht.

Während die Tour-Stars nach der Frankreich-Rundfahrt in erster Linie regenerierten und die Saison locker ausrollen ließen, fuhr Wiggins, getriebenen vom neu gewonnenen Selbstvertrauen, auch eine starke zweite Saisonhälfte. Bei der Eneco Tour holte er im Zeitfahren einen vierten Platz und sicherte sich im Anschluss bei den Britischen Meisterschaften den Titel im Kampf gegen die Uhr.

Als letzter großer Saisonhöhepunkt war das WM-Zeitfahren eingeplant. In Mendrisio lag Wiggins bis kurz vor Schluss auf Medaillenkurs. Ein Defekt auf den letzten Kilometern machte den Traum vom Podium aber zunichte. Wütend schleuderte Wiggins seine Zeitfahrmaschine in die Landschaft und beendete das Rennen auf einem Ersatzrad auf Rang 21.

Doch auch nach der WM war die Wiggins' Saison noch nicht beendet. Bei der australischen Herald Sun Tour (Kat. 2.1) gewann er das Zeitfahren und sicherte sich zudem den Gesamtsieg. Erst Mitte Oktober verabschiedete sich der Aufsteiger der Saison in den verdienten Urlaub.

Mit seinem herausragenden Tour-Auftritt hatte Wiggins auch andere Teams auf sich aufmerksam gemacht, vor allem den neuen britischen Sky-Rennstall, der ihn als Rundfahrt-Kapitän verpflichten wollte. Plötzlich wollte auch der heftig Umworbene selbst vorzeitig aus seinem noch bis Ende 2010 laufenden Vertrag bei Garmin aussteigen. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich mal zwei Teams um sich streiten würden. Doch die Tour hat alles verändert“, begründete Wiggins gegenüber velonews seine Wechselabsichten. "Es ist, wie wenn man die Champions League gewinnen will – dafür musst du bei Manchester United spielen, aber ich bin derzeit bei Wigan, also muss ich diesen Schritt gehen. Ich hatte ein gutes Jahr bei Garmin, aber die Zeiten haben sich geändert."

Garmin-Teamchef Jonathan Vaughters betonte aber mehrfach, dass er nicht gewillt sei, seinen neuen Star vorzeitig abzugeben. Ganz gleich, für welches Team Wiggins 2010 fahren wird - man darf gespannt sein, ob er die in diesem Jahr bei der Tour gezeigten Leistungen wiederholen kann. Selbstvertrauen hat der Engländer jedenfalls genügend getankt. „Ich bin ein besserer Fahrer als Lance und noch ein paar andere Jungs“, lautete Wiggins Kampfansage an die Konkurrenten.

Mehr Informationen zu diesem Thema

30.12.2009Damoklesschwert über einer exzellenten Saison

(rsn) – Auch 2009 hat Alejandro Valverde (Caisse d`Epargne) bewiesen, dass er derzeit der konstanteste, aber zugleich auch der umstrittenste Radprofi ist. Neben seinen acht Saisonsiegen, darunter de

30.12.2009Auf dem Weg zum Tour-Seriensieger

(rsn) – Auch 2009 hat Alberto Contador (Astana) unter Beweis gestellt, dass er der derzeit beste Rundfahrer der Welt ist. Der Spanier gewann im Sommer souverän die Tour de France und sicherte sich

30.12.2009Die Radsport News Jahresrangliste 2009

(rsn) - Im November und Dezember präsentiert Radsport News seinen Lesern die Jahresrangliste 2009. Hier finden Sie den Überblick über die Platzierungen aller deutschen Fahrer sowie der 100 besten i

29.12.2009Starke Saison, fulminantes Finale

(rsn) – Philippe Gilbert blickt auf die erfolgreichste Saison seiner bisherigen Karriere zurück. Für sein neues Silence-Lotto-Team fuhr der Belgier insgesamt sieben Siege sowie zahlreiche weitere

28.12.2009Regenbogentrikot statt Maillot Jaune

(rsn) – Die Tour de France 2009 war für Cadel Evans eine einzige Enttäuschung. Mit einem starken Vuelta-Auftritt und dem Gewinn der Goldmedaille im WM-Straßenrennen von Mendrisio bescherte sich d

27.12.2009Meister der Beständigkeit

(rsn) – Auch wenn Samuel Sanchez im abgelaufenen Jahr nur ein einziger Sieg gelang, kann der Euskaltel-Kapitän mit seiner Saison zufrieden sein. Der Baske zeigte konstant gute Leistungen und verpas

27.12.2009Ein wahrer Alleskönner

(rsn) – Mit gerade einmal 22 Jahren hat Edvald Boasson Hagen (Columbia-HTC) eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er auch in großen Rennen ein Siegfahrer ist. Der Norweger feierte 13 Siege, sec

25.12.2009Saison mit sieben Siege(l)n

(rsn) – Das siebte Jahr bei Quick Step war für Tom Boonen ein verflixtes. Zwar gelangen dem Belgier sieben Siege, darunter mit seinem dritten Triumph bei Paris-Roubaix und dem Gewinn der belgi

25.12.2009Zu den Saisonhöhepunkten in Gala-Form

(rsn) – In der abgelaufenen Saison ist Andy Schleck endgültig aus dem Schatten seines Bruders Fränk gefahren und hat eindrucksvoll gezeigt, dass er sowohl bei den Ardennenklassikern als auch bei

24.12.2009In der Weltspitze angekommen

(rsn) – Heinrich Haussler war der Aufsteiger der Saison 2009. Nach durchwachsenen Jahren im Gerolsteiner-Dress gelang dem Deutsch-Australier beim Cervélo TestTeam der große Durchbruch. Während ih

23.12.2009In den Sprints das Maß aller Dinge

(rsn)- In der abgelaufenen Saison hat Mark Cavendish eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er derzeit der beste Sprinter der Welt ist. Insgesamt feierte der Columbia-Sprinter 23 Siege - so viele s

23.12.2009Eine fast perfekte Saison

(rsn) – Abgesehen von einer enttäuschenden Tour de France lieferte Filippo Pozzato (Katjuscha) eine nahezu perfekte Saison ab. Bei den Frühjahrsklassikern kämpfte der Italiener bei allen großen

Weitere Radsportnachrichten

01.01.2026Neuaufbau um van der Poel und Philipsen herum

(rsn) – Nicht nur der zweite Namenssponsor wird bei Alpecin in der neuen Saison ein anderer sein, auch das Aufgebot des belgischen Rennstalls wird viele neue Gesichter aufweisen. Auf Deceuninck folg

01.01.2026Bestätigt: Barré für drei Jahre zu Visma – Lease a Bike

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

31.12.2025Edmondson und Miles Scotson beenden ihre Karrieren

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

31.12.2025Hollmann gibt jeden Tag sein Bestes, um wieder fit zu werden

(rsn) – Mehr als sieben Monate nach seinem schlimmen Sturz beim Giro d’Italia, bei dem er auf der 6. Etappe gegen ein Verkehrsschild geprallt war und sich den Arm und das Becken gebrochen hatte, t

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Männer 2025

(rsn) – Es ist inzwischen RSN-Tradition. Und auch wenn sich mit Christoph Adamietz der Vater der Idee vor einem Jahr aus unserem Autoren-Team verabschiedet hat, so soll diese Tradition fortgesetzt w

31.12.2025Lipowitz: “Meine Werte waren bei Dauphiné besser als in der Tour“

(rsn) – Erleichtert wirkt Florian Lipowitz, als er am späten Nachmittag des 10. Dezember die Halle der Central Studios in Binissalem auf Mallorca verlässt. In den letzten drei Stunden musste der 2

31.12.2025Pogacar beendet ein weiteres Jahr der Superlative

(rsn) – Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) war – mal wieder – der überragende Fahrer der Saison. Der Slowene gewann im Sommer zum vierten Mal die Tour de France und verteidigte im Herbst

31.12.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Frauen 2025

(rsn) – Seit dem Jahr 2013 blicken wir am Ende der Straßenradsaison neben der Jahresrangliste der Männer auch auf das Jahr der Frauen mit entsprechendem RSN-Ranking zurück. Berücksichtigt werden

31.12.2025Reusser in neuen Sphären: “Glück ist Realität minus Erwartung“

(rsn) – Mehr als doppelt so viele Punkte wie die nun zweitplatzierte Vorjahresgewinnerin Elise Chabbey (FDJ – Suez): Marlen Reusser (Movistar) war 2025 die unangefochtene Nummer 1 im RSN-Jahresran

31.12.2025Die Strassacker-Trophäe zur RSN-Jahresrangliste 2025

(rsn) – Seit inzwischen 18 Jahren blicken wir von radsport-news.com in Form unserer RSN-Jahresrangliste auf die Saison der Radprofis aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz zurück u

30.12.2025Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026

(rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan

30.12.2025Van Aert: Cross-WM nur bei Chance auf den Titel

(rsn) – Wout van Aert (Visma – Lease a Bike) wird kurz vor den Belgischen Cross-Meisterschaften über einen möglichen WM-Start entscheiden. Das bestätigte sein Trainer Mathieu Heijboer gegenübe

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Antwerp Port Epic (1.1, BEL)
  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)