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12.06.2007 | Der öffentliche Kampf gegen das Doping im Radsport bringt immer wieder neue Auswüchse hervor. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele das Hype-Thema inzwischen zur eigenen Profilierung nutzen.
Neuester Fall ist der Streit zwischen Ex-Rad-Profi Kai Hundertmarck und Thriathlon-Veranstalter Kurt Denk. Die Internetplattform www.x-athlon.de hat den Fall dokumentiert, den wir ihnen nicht vorenthalten wollen. Mit der freundlichen Genehmigung von www.x-athlon.de drucken wir den Artikel nach:
DENK VERHÄNGT LEBENSLANGES STARTVERBOT GEGEN KAI HUNDERTMARCK
Kai Hundertmarck wird nach dem Willen von Kurt Denk und Kai Walter "keinerlei Starterlaubnis mehr für die IRONMAN-Rennen in Deutschland" erhalten. Hundertmarck habe angeblich die geforderte Anti-Doping-Erklärung nur in modifizierter Fassung unterzeichnet und gleichzeitig einen Startverzicht bekannt gegeben.
Wir haben uns mit dem ehemaligen Radprofi ausführlich unterhalten, um die Hintergründe zu erfahren. Zusammen mit den Informationen von Xdream ergibt sich heute folgendes Bild.
Von Arne Dyck
Kai Hundertmarck hat seine Teilnahme am Ironman in Frankfurt abgesagt.
Um Spekulationen über mögliches Doping in früheren Jahren entgegen zu treten, unterschrieb er trotzdem die von Ironman-Veranstalter Kurt Denk aus einer privaten Initiative kurzfristig geforderte Anti-Doping-Erklärung. Etwas überraschend wurde Kai Hundertmarck nun von Kurt Denk für alle künftigen Ironman-Wettbewerbe in Deutschland gesperrt.
Als Begründung gab er an, Hundertmarck habe die geforderte Erklärung zwar unterschrieben, sie jedoch vorher in entscheidenden Passagen eigenmächtig verändert. Dies gäbe "Anlass zu neuen Spekulationen. Unter diesen Umständen werden wir Kai Hundertmarck in der Zukunft keinerlei Starterlaubnis mehr für die IRONMAN-Rennen in Deutschland erteilen", heißt es auf der Website von www.ironman.de.
Dass ein "Anlass zu Spekulationen" mit einer lebenslangen Sperre wie ein Dopingfall geahndet wird, ist neu. Wir haben daher versucht, alle Fakten zusammengetragen um hier ein genaues Bild der tatsächlichen Vorgänge zu zeichnen. Dazu wurden folgende Quellen ( siehe x-athlon.de).
berücksichtigt:
1. Die Berichte der FAZ und der Frankfurter Rundschau
2. Die Erklärung von Kurt Denk und Kai Walter auf www.ironman.de
3. Die Pressemeldung von Kai Hundertmarck
4. Die eidesstattliche Erklärung von Kai Hundertmarck gegenüber Kurt Denk
5. Telefongespräch mit Kai Hundertmarck am heutigen Freitag, 8. Juni 2007
6. Die zweite Pressemeldung von Kai Hundertmarck vom 9. Juni 2007.
Die Chronologie der Ereignisse
1. Akt:Kai Hundertmarck meldet sich beim Ironman Frankfurt an
Dies geschah ohne Antrittsgeld seitens des Veranstalters und damit auch ohne Vertrag. Vorgespräche im Dezember über eine vertragliche Verpflichtung des Athleten samt Antrittsgeld seien, so Hundertmarck, enttäuschend verlaufen. Für Denk sei ein Start des ehemaligen Telekom-Stars unwichtig, daher wolle er kein Geld für den Eppsteiner Athleten ausgeben. Er sei, so Denk, ohne seine Hilfestellung nie dorthin gekommen, wo er jetzt sei. Trotz dieser Brüskierung meldete sich Hundertmarck beim Rennen an, wenn auch sehr spät. "Für meine Fans und für die Charity-Aktion 'Eiserner Kilometer' wollte ich in Frankfurt starten", teilte der Sieger des Henninger Turms auf unsere Anfrage mit. Zur Not eben auch ohne Antrittsprämie, was bedeutet: der Start und die Pastaparty sind gratis, darüber hinaus gibt es nichts vom Veranstalter.
2. Akt: Kurt Denk und der Einfall der eidesstattlichen Erklärung
Einen Monat vor dem Rennen fordern Kurt Denk und Kai Walter eine, wie sie es nennen, "eidesstattliche Erklärung" von den Profiathleten, die beim Ironman in Frankfurt starten wollen. (Anmerkung: eidesstattliche Erklärungen können nur gegenüber staatlichen Organen abgegeben werden, nicht jedoch gegenüber Privatpersonen oder Firmen. Es handelt sich also nach unseren Informationen unabhängig von der Namensgebung schlicht um einen Vertrag). Wer von den Profis nicht unterschreibt, darf nicht starten. Eine Ausnahme bilden die Topstarter, die bereits einen Startvertrag mit Xdream haben. Diese dürfen auch ohne die Anti-Doping-Erklärung starten. Auf freiwilliger Basis steht es ihnen jedoch frei, ebenfalls zu unterschreiben.
Die Initiative Denks wird von den meisten Medien begrüßt, stößt aber bei einigen betroffenen Athleten auf Skepsis. Wir kennen zum derzeitigen Stand keinen einzigen Athleten, der die Erklärung bereits unterschrieben hätte.
3. Akt: Kai Hundertmarck unterschreibt die Anti-Doping-Vereinbarung
Hundertmarck sieht sich durch Kurt Denk einer üblen Nachrede ausgesetzt. Das müsse er sich nicht bieten lassen, findet der langjährige Sportprofi und meldete sich wieder ab. Um Spekulationen entgegenzutreten, er habe "Angst, dass wir noch schärfer auf Doping kontrollieren" (Denk), gibt er die verlangte Anti-Doping-Erklärung ab. Dabei ändert er eine Passage im Text des Vertrages, woraufhin Denk eine lebenslange Sperre für die deutschen Ironman-Veranstaltungen ausspricht. Was genau wurde verändert?
Wir geben hier die Darstellung von Kai Hundertmarck wieder:
Hundertmarck strich folgenden einleitenden Satz aus dem Vertrag:
"Laut beiliegendem Startvertrag vom 05.06.2007 habe ich mich gegenüber der Xdream Sports & Events GmbH (Veranstalter) dazu verpflichtet, bei der Veranstaltung 'IRONMAN European Championship' in Frankfurt am Main und / oder IRONMAN Germany 70.3 in Wiesbaden teilzunehmen. In Ergänzung zu dieser Vereinbarung gebe ich die nachfolgende"
(Eidesstattliche Versicherung) – Text in Klammern nicht gestrichen.
Da Hundertmarck nicht startet, strich er naheliegenderweise diese Passage, die seinen Start zusichert. Das PDF mit dem Vertragstext samt Streichung ist im Foto oben rechts verfügbar.
Die restliche Erklärung ist überschrieben mit dem Satz: "Eidesstattliche Versicherung gegenüber Herrn Kurt Denk". Laut Darstellung des Veranstalters auf der Website www.ironman.de sollte die Erklärung nicht gegenüber Denk, sondern seiner Firma Xdream abgegeben werden, da diese Vertragspartner von Hundertmarck sei.
Dies wird durch Xdream wie folgt erläutert: "Da Doping aber noch nicht strafbar ist, sondern nur Betrug, müsste eine Vermögensverfügung (Geld oder geldwerter Vorteil) vorliegen. Das käme auch im Fall Hundertmarck zum tragen, aber nur gegenüber dem Veranstalter (Agentur Xdream). Nicht gegenüber einer Privatperson. Gegenüber einer Privatperson (in diesem Falle Kurt Denk) ist dies nicht der Fall, da dieser kein Geld oder geldwerten Vorteil gibt."
Dies wurde von den Anti-Doping-Vorreitern Denk und Walter als "Täuschungsmanöver" bezeichnet.
4. Akt: Kurt Denk und Kai Walter schließen Hundertmarck auf Lebenszeit von ihren beiden Veranstaltungen aus
Nach Angaben von Hundertmarck hat man ihn nicht um erneute Übersendung der Erklärung, diesmal jedoch mit korrekten Adressaten, gebeten, um ein mögliches Missverständnis oder Versehen auszuschließen. Stattdessen sahen sich Denk und Walter veranlasst, Kai Hundertmarck auf Lebenszeit von deutschen Ironman-Veranstalltungen auszuschließen. Grund dafür ist die von Kai Hundertmarck gewählte Adressierung an "Kurt Denk" anstelle von "Xdream".
5. Akt: Kai Hundertmarck unterschreibt die "eidesstattliche Erklärung" zusätzlich gegenüber der Agentur Xdream.
Dazu verfasst er folgende Pressemeldung:
"Stellungnahme zu meiner Absage beim Ironman Germany und den von Herrn Kurt Denk und der Agentur XDREAM vorgenommenen Äußerungen in den Medien
Bezugnehmend auf die Angriffe auf meine Person und die Unterstellung der „Trickserei“ durch Herrn Kurt Denk und die Agentur XDREAM in mehreren Zeitungsartikeln der Tagespresse und im Internet stelle ich folgendes klar:
1. Hiermit versichere ich gegenüber Herrn Kurt Denk und gegenüber der Agentur XDREAM als Veranstalter des Ironman Germany, an Eides statt, dass ich zu keiner Zeit, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart, gegen die Richtlinien der nationalen und internationalen Anti-Doping Agentur verstoßen habe. Da ich jedoch meine Startzusage zum Ironman Germany bereits am 07.06.2007 gegenüber dem Veranstalter zurückgezogen habe und auch aufgrund der persönlichen und unsportlichen Angriffe gegen mich kommuniziert habe, dass ich nicht mehr bei Veranstaltungen von XDREAM starten werde, habe ich die eidesstattliche Versicherung gegenüber Herrn Kurt Denk persönlich abgegeben.
Daß er jetzt in der Öffentlichkeit meine Absage mit der an ihn gerichteten eidesstattlichen Versicherung als „Trickserei“ bezeichnet, kann ich nur als Rufschädigung und gekränkte Eitelkeit werten. Nachdem ich bereits meinen Start bei ihm abgesagt habe, verstehe ich nicht, wie er mich lebenslang für seine Wettbewerbe sperren will?
Der Vorwurf, dass die eidesstattliche Versicherung gegenüber Herrn Denk juristisch wertlos und nichtig sei, ist schlichtweg falsch. Daß ich natürlich den Absatz über der eigentlichen eidesstattlichen Versicherung mit der vorgenommenen Startzusage durchgestrichen habe, ergibt sich aus der Entscheidung bei Veranstaltungen von XDREAM nicht mehr starten zu wollen, auch nicht in Wiesbaden, was ich zu keiner Zeit in Erwägung gezogen habe.
Das aktuelle Verhalten von Herrn Denk und seiner Agentur XDREAM bestätigt mich und unterstreicht meinen Eindruck von ihm.
Damit er jedoch endlich aufhört zu versuchen, mich in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, gebe ich die von ihm geforderte eidesstattliche Versicherung auch gegenüber XDREAM ab.
Die entsprechende Erklärung finden Sie im beigefügten Dokument.
Ich gehe davon aus, dass er nunmehr die rufschädigenden Äußerungen gegen mich unterlässt, da ich nun absolut alles getan habe, um seinen unbegründeten Forderungen nachzukommen und mich nunmehr wieder auf meinen Sport konzentrieren möchte.
Ich bin der Meinung, dass Herr Denk mit seiner Medienpräsenz als Veranstalter des Ironman Germany seine Zeit besser dafür einsetzen sollte, den Triathlon-Sport zu fördern, als persönliche Kreuzzüge gegen mich zu führen."
6. Akt: Die Sportsendung "heimspiel!" im Hessischen Rundfunk
(von Radsport-aktiv fortgeführt)
Montagabend rückten weder Kurt denk noch Kai Hundertmarck in der Sportsendung "heimspiel!" im Hessischen Rundfunk von ihren Positionen ab.
In der Debatte der beiden Kontrahenten wurde indes auch klar, dass es neben dem Streit um die Anti-Doping-Erklärung schon seit rund einem halben Jahr Unstimmigkeiten zwischen dem Sportler und den Veranstaltern gibt. Auslöser ist wohl, dass Denk Hundertmarck schon im Dezember mitteilte, ihm bei einem Start in Frankfurt kein Antrittsgeld mehr zu zahlen. "Wir bezahlen nach Leistung", erklärte Denk am Montagabend. Und die sei von Hundertmarck in der Vergangenheit nicht mehr erbracht worden.
Der aus Kelsterbach stammende Hundertmarck sieht sich damit aber in seiner Rolle als hessischer Lokalmatador unter Wert verkauft. Wie er am Montagabend erklärte, habe er zunächst trotzdem an den Start gehen wollen – bis er in den vergangenen Tagen und Wochen von Denk mehrfach mit Doping in Zusammenhang gebracht wurde.
Auf dieses Thema angesprochen erklärte der Triathlet und langjährige Telekom-Radprofi erneut: "Ich bin mir keiner Schuld bewusst. Ich habe nie gedopt."
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