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30.03.2021 | (rsn) - Mit Hilfe einer Ernährungsumstellung gelang Michael Gogl (Qhubeka – Assos) der Sprung in die Weltklasse, was er in dieser Saison unter anderem mit einem sechsten Platz bei Strade Bianche eindrucksvoll unter Beweis stellte. Nun will der Österreicher, der seit eineinhalb Jahren auf vegetarisches Essen setzt, auch bei den großen Klassikern um Spitzenplätze kämpfen.
“Eigentlich waren es ethische Gründe, die anfangs mich und meine Freundin zur Umstellung bewogen“, erzählte der 27-Jährige im Gespräch mit radsport-news.com. Das sportliche Paar, seine Freundin Susanne Walli ist 400-Meter-Läuferin und vertrat Österreich zuletzt bei den Halleneuropameisterschaften in Polen, entschied sich in der Winterpause 2019/20 zum Verzicht auf Fleisch- und Fischprodukte. “Wir sind gemeinsam zu dem Punkt gekommen, dass täglicher Fleischkonsum alles andere als normal ist. Wenn man sich mit der Geschichte beschäftigt, dann findet man raus, dass das nicht immer so war“, führte Gogl weiter aus.
Fleisch sei früher ein Luxusgut gewesen, was man etwa von einem kompletten Huhn, das im Supermarkt für nicht mal zwei Euro gekauft werden kann, nicht mehr behaupten kann. “Und da kann sich jeder Konsument selbst ausdenken, wie schnell das Tier fett und schwer werden muss und mit welcher Qualität es gefüttert wird, um einen solchen Preis zu haben“, sagte Gogl.
Ethische und sportliche Gründe für vegetarische Ernährung
Außerdem sei es auch schwierig, auf eine gute Qualität zu achten, wenn man sich das gesamte Jahr über in verschiedensten Ländern aufhalte. “Auch wenn die ethischen Gründe für die Umstellung im Vordergrund standen, haben wir dann schnell herausgefunden, dass vegetarische Ernährung für den Sport auch Vorteile hat. Das gab dann noch zusätzliche Motivation und seitdem ist es weiter bergauf gegangen für uns beide“, führte der Wolfsegger weiter aus.
“Bei vielen Sportlern rund Sportlerinnen kann man beobachten, dass sie sich nach der Umstellung auf eine vegetarische Ernährung besser fühlen“, kommentierte Ernährungsberaterin Judith Haudum gegenüber radsport-news.com Gogls Erfahrungen. “Häufig kommt es daher, dass sie damit automatisch mehr Kohlenhydrate aufnehmen, etwas, was davor vielleicht nicht der Fall war. Durch Gemüse und viel Eiweiß kommen die Kohlenhydrate oft zu kurz. Bei pflanzlichen Eiweißquellen konsumiert man aber meist Kohlenhydrate und Eiweiß gemeinsam, das heißt, mit dem Eiweiß kommt immer auch eine gesunde Portion Kohlenhydrate mit.
Als Spitzensportler arbeitet Gogl intensiv an allen Punkten, in denen er sich noch verbessern kann: “Willst du mit den Besten der Welt mithalten, dann musst du deinen Sport 24 Stunden am Tag leben und dich in akribischer Kleinstarbeit auf eine Saison vorbereiten.“ Wie wichtig eine auf den eigenen Körper perfekt abgestimmte Ernährung ist, erfuhr er im vergangenen Jahr bei der Dauphiné-Rundfahrt am eigenen Leib. “Die Form war gut und auf einmal bin ich auf einer Etappe völlig eingebrochen. In der Analyse bin ich dann draufgekommen, dass es mit einem Gel zusammenhing, welches ich im Anstieg zu mir nahm“, berichtete Gogl, der am Ende jenes Tages eine detaillierte Analyse vornahm.
Auch bei Qhubeka - Assos ernähren sich mehrere Fahrer vegetarisch
“Am Ende ist die Fruktose übriggeblieben und wir haben herausgefunden, dass ich eine Intoleranz dagegen habe. Das war ein Faktor, der mich in meiner Entwicklung definitiv behindert hat. Früher dachte ich bei einem solchen Schwächegefühl, dass ich am Limit bin, aber eigentlich war es die Unverträglichkeit, die meinem Körper so zusetzte“, erklärte der Qhubeka-Profi. Gemeinsam mit dem Ernährungsberater seiner südafrikanischen Mannschaft und den Teamausstattern entwickelte er eigene Verpflegungspacks und Getränke, die er mittlerweile in den Rennen einsetzt.
“Das Management ist recht einfach! In den Betreuerautos gibt es extra für mich vorbereitete Flaschen und auch in der Verpflegungszone halten die Soigneure für mich eigene Flaschen und Beutel bereit. Ich setzt da auf Maltrodextrin bei den Getränken. Je weniger drin ist, desto leichter ist es für den Körper zu verarbeiten. Die Geschmacksverstärker, die normalerweise in den Energiegetränken zu finden sind, braucht der Körper ja nicht“, erzählte Gogl.
Während die fruktoselose Renndiät für seine Teamkollegen eher kein Vorteil wäre, so würden sich nach Gogls Worten einige der Qhubeka-Fahrer nun ebenfalls vegetarisch ernähren: “Da bin ich nicht mehr der einzige und unsere Teamköche zaubern da immer tolle Menüs für uns.“ Wie Haudum, die mehrere Profis berät und auch schon für das ehemalige BMC-Team arbeitete, erklärte, sei das nicht in allen Mannschaften die Regel.
“Ein Unterschied zu anderen: Michael wird im Team dabei auch unterstützt, dass er alles bekommt, was er braucht.“ Mögliche Einschränkungen, wie etwa bei der Proteinzunahme, gibt es laut Gogl nicht. "Man findet genug Protein in anderen Lebensmitteln wie Eiern, Linsen, Kichererbsen oder auch Haferflocken. Der Ernährungsplan ist einfach zu managen und es fehlt wirklich an nichts“, so Gogl, der lediglich das Vitamin B12 zusätzlich zuführen muss.
Der Veganer Geschke gab wertvolle Tipps
Tipps zur Umstellung holte er sich auch vom Deutschen Simon Geschke (Cofidis), der sich seit Jahren schon vegan ernährt und der dennoch zu den weltbesten Profis gehört. “Seitdem ich auf vegetarisches Essen setze, ist meine Leistungsfähigkeit immer mehr angewachsen. Auch mit dem Gewicht habe ich keine Probleme, aber da habe ich einfach auch von den Genen einen großen Vorteil. Denn auch meine Brüder sehen wie richtige Straßenprofis aus“, betonte Gogl.
Grundsätzlich weise eine vegetarische Ernährungsweise diverse Vorteile auf, ergänzte Haudum. “Wir wissen aus zahlreichen Studien, dass sie für unsere Gesundheit besser ist. Es ist nachgewiesen, dass das Risiko für chronische Erkrankungen geringer ist, dass auch Übergewicht weniger häufig auftritt und Vegetarier tendenziell eine bessere Körperzusammensetzung haben“, sagte sie. “Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, auch in diesem Zusammenhang schneidet eine vegetarische Ernährung besser ab.“ Allerdings passe “mäßiger Konsum von hochwertigem Fleisch durchaus ins Konzept der Nachhaltigkeit“, fügte sie an.
Zudem sei es wissenschaftlich nicht belegt, dass vegetarische Ernährung auch zu Leistungssteigerung führen würde. “Wir haben eine Reihe von Anekdoten und Berichte von Sportlern, aber letztendlich sind das alles Einzelbeispiele und keine großen Datenpools, aus denen man einen tatsächlichen Vorteil ableiten könnte“, sagte Haudum. “Wenn man weiß, was man fürs tägliche Training braucht, lässt sich Vegetarismus gut mit Leistungssport verbinden. Es ist aber bis heute nicht nachgewiesen, dass jemand, der Fleisch isst, Nachteile hat, wenn die Ernährung auf das Training abgestimmt und ausgewogen ist“, fügte sie an.
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