Kommentar zum Teamfunkverbot in der Bundesliga

Wie ein Fischen im Trüben

Von Christoph Adamietz

Foto zu dem Text "Wie ein Fischen im Trüben"
Hat mit dem Mann im Ohr gut lachen: Sonny Colbrelli (Bahrain - Merida) | Foto: Cor Vos

17.06.2019  |  (rsn) – Es macht die Rennen spannender und das taktische Geschick der Fahrer wird geschult. So lauten die Hauptargumente der Verfechter eines Teamfunk-Verbots. In der Praxis sieht es aber oft ganz anders aus. Ohne Funkverbindung zu den Sportlichen Leitern ist es für die zumeist jungen Sportler bei den Bundesliga-Rennen und UCI-Wettbewerben der Kategorie 2, bei denen Funkverbot herrscht, eher ein Fahren auf Verdacht.

Es gibt zwar Radio-Tour, von dem die Sportlichen Leiter ihre Informationen zum Rennverlauf erhalten. An die Fahrer können die aber nur in den seltensten Fällen weitergegeben werden. Zwar werden Zeitabstände auf Schiefertafeln angezeigt, auf denen auch die Startnummern der Mitglieder einer Spitzengruppe stehen. Allerdings müssten die Fahrer allerdings die Startnummern den Konkurrenten zuordnen können, um zu wissen, ob von einer Gruppe eine "Gefahr" ausgeht. Bei einem Feld von rund 150 Fahrern nicht so einfach. Gerade in unübersichtlichen Rennsituationen wäre es für die Fahrer sinnvoll, diese Informationen direkt aufs Ohr zu bekommen.

Oftmals aus Angst, das Rennen in die falsche Richtung zu bewegen, verzichten Fahrer etwa bei den Bundesliga-Rennen auf Attacken, es ist ein ständiges Belauern, das die Rennen auch für die Zuschauer zu einem Geduldsspiel und damit eben nicht attraktiver macht.

Und hat sich eine Ausreißergruppe dann doch einmal früh im Rennen gelöst, so wird es auch nicht besser. Vor allem auf Rundkursen können die Sportlichen Leiter dann nicht zur Spitzengruppe vorfahren und müssen auf den engen Straßen hinter dem Feld herschleichen und haben keine Infos über ihrer Fahrer . Ginge es ihm schlecht, könnte der Verantwortliche im Auto dies per Funk an die Teamkollegen weitergeben, die dann im Feld die Tempoarbeit übernehmen könnten, um das Rennen nicht komplett aus der Hand zu geben. So bleibt für die Sportchefs in den Begleitwagen nur Hoffen und gegebenenfalls Beten.

Bei anderen Mannschaftssportarten können die Trainer während des Spiels auch Kontakt mit ihren Sportlern aufnehmen, im Fußball gibt es noch die Halbzeitpause, im Handball, Eishockey oder Basketball können zudem Auszeiten genommen werden, in denen die Verantwortlichen je nach Spielverlauf die Taktik umstellen können. Diese taktischen Finessen fallen im Radrennen weg, wenn der Sportliche Leiter aus dem Auto heraus praktisch gar nicht mehr auf das Geschehen einwirken kann.

Teilweise müssen die Sportlichen Leiter erfinderisch werden und während des Rennens mit Betreuern am Streckenrand telefonieren, so dass diese den Fahrern beim Vorbeifahren Informationen zurufen können. So liefen Radrennen vor 50 Jahren, heutzutage ist das einfach nicht mehr zeitgemäß.

Dass der Funk die Attraktivität des Radsports nicht beschneidet und Ausreißergruppen immer noch die Chance haben, sich auf Flachetappen vor den Sprintern ins Ziel zu retten, zeigen die Rennen der WorldTour oder auch der Kategorien HC und 1, wo der Teamfunk erlaubt ist.

Zum Auftakt der Belgien-Rundfahrt etwa narrte Jan Willem van Schip mit einem langen Solo die Sprinter, am Sonntag bei der Tour de Suisse rettete Luis Leon Sanchez ebenfalls einen knappen Vorsprung vor den schnellen Männern ins Ziel. Denn letztlich entscheiden immer noch die Fahrer die Rennen. Der Mann im Ohr macht die Pedaleure nicht schneller. Deshalb sollten bei allen UCI-Rennen und Wettbewerben der Rad-Bundesliga Teamfunk erlaubt sein. Ansonsten laufen solche Radrennen wie ein Fischen im Trüben ab.

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