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05.05.2012 | (rsn) – Das mit 27 Siegen bis dato erfolgreichste Team der Saison tritt beim Giro d`Italia mit der B-Mannschaft an. So fehlen neben dem Klassiker-Überflieger Tom Boonen auch das deutsche Trio Tony Martin, Gerald Ciolek und Bert Grabsch sowie der Slowake Peter Velits und der noch immer verletzte US-Amerikaner Levi Leipheimer. Dennoch ist Omega Pharma-Quickstep auch mit dieser Formation ein Tagessieg zuzutrauen.
Einziger echter Sprinter im Aufgebot ist der Italiener Francesco Chicchi. Der 31-Jährige hat in dieser Saison mit bereits fünf Siegen mächtig Selbstvertrauen getankt und will bei seiner zweiten Giro-Teilnahme seinen ersten Erfolg bei einer großen Landesrundfahrt einfahren. Auf den komplett flachen Etappen hat der QuickStep-Kapitän gute Chancen auf das Podium, auf den leicht welligen Etappen wird er aber bereits seine Probleme bekommen. Auf das Trikot des Punktbesten - beim Giro sowieso keine wirkliche Angelegenheit für die Sprinter - wird es Chicchi auch nicht abgesehen haben. In seiner Karriere konnte er noch nie eine große Landesrundfahrt zu Ende fahren.
Für die Gesamtwertung sind der Italiener Dario Cataldo (27) und der Belgier Serge Pauwels (28) vorgesehen. Allerdings ist Cataldo eher der Typ Ausreißer, der auf anspruchsvollen Etappen einen Tagessieg ergattern kann, und Pauwels eher Edelhelfer als Kapitän. Cataldo fuhr seinen bis dato stärksten Giro im vergangenen Jahr, als er bei seiner vierten Teilnahme Zwölfter der Gesamtwertung wurde. 2010 hatte er nach einem langen Ausreißversuch als Etappenzweiter nur ganz knapp seinen bis dato größten Karriereerfolg verpasst.
Pauwels war 2009 auf der 15. Etappe auf dem Weg zum Giro Etappensieg, als ihn sein damaligen Cervélo-Team zu Kapitän Carlos Sastre zurückbeorderte und ihm so letztlich nur der zweite Etappenrang blieb. In diesem Jahr hätte der Belgier freie Fahrt auf den schweren Etappen, allerdings scheint die Form nicht optimal zu sein. Unwahrscheinlich ist, dass ausgerechnet beim Giro der erste Profisieg gelingen sollte. Letztlich wird Pauwels bei seiner zweiten Giro-Teilnahme doch eher den Helfer für Cataldo geben.
Ein Mann für den Prolog ist der Pole Michal Kwiatkowski. Der erst 21-Jährige trumpfte im Vorjahr im Dress von RadioShack groß auf - so etwa bei der Tour du Poitou Charentes mit Rang zwei und als Dritter im Kampf gegen die Uhr bei den Drei Tagen von Westflandern. In diesem Jahr setzte er noch einen drauf und gewann den Zeitfahrwettbewerb in Westflandern. Da das Profil auch am Samstag in Herning ähnlich und auch von der Länge her vergleichbar ist, gehört der Pole zumindest zum erweiterten Favoritenkreis. Ansonsten wird Kwiatkowski bei seiner ersten dreiwöchigen Landesrundfahrt Helferdienste in der Sprintvorbereitung leisten und gegen Ende der Rundfahrt in die Fluchtgruppen gehen.
Wie Kwiatkowski hatte auch der Belgier Julien Vermote bei den Drei Tagen von Westflandern seinen großen Auftritt. Der 22-Jährige hatte beim Prolog Platz zwei belegt, durfte sich aber letztlich über den Gesamtsieg und den damit größten Erfolg seiner Karriere freuen. Beim Giro, seiner ersten großen Landesrundfahrt, ist ein solcher Coup ein gutes Stück entfernt, das Hauptziel des jungen Zeitfahrspezialisten lautet: in Mailand ankommen. Im kurzen Zeitfahren könnte er sich aber zumindest unter den besten Zehn platzieren, so wie es ihm bei der Generalprobe bei der Tour de Romandie gelang, als er dort zum Auftakt im Zeitfahren Sechster wurde.
Dritter Belgier im Bunde ist Nikolaes Maes (26). Bei der Vuelta 2010 holte er einen siebten Etappenrang; dass er auch gut sprinten kann, zeigte Maes bei der Spanien-Rundfahrt 2011, als er auf der Schlussetappe Rang fünf belegte. Auf solche Ergebnisse hofft Maes auch bei seiner Giro-Premiere.
Zweiter Pole im Aufgebot ist Michal Golas, ein endschneller Allrounder, der beim beim Giro zum einen in der Sprintvorbereitung eine wichtige Rolle spielen wird, aber auch aus Ausreißergruppen heraus eine vordere Platzierung einfahren kann. Im vergangenen Jahr bestritt der Gewinner der Bergwertung der Polen-Rundfahrt sowohl den Giro als auch die Vuelta. Beide Male musste er aber vorzeitig aufgeben - den Giro verließ er vorzeitig wegen seiner Hochzeit.
Während sich sein Zwillingsbruder Peter auf die Tour vorbereitet, steht Martin Velits beim Giro am Start, und das zum ersten Mal, nachdem er vier Mal in Folge die Vuelta bestritt. Der Slowake ist ein Mann für die Frühjahrsklassiker, somit verfügt er über die nötige Tempohärte, um beim Giro als Ausreißer bestehen zu können. Aber auch bei der Sprintvorbereitung ist Velits, der im Vorjahr mit Rang zwei auf der Schlussetappe der Österreich-Rundfahrt sein bis dato bestes Karriereergebnis herausfuhr, ein wichtiger Mann.
Vervollständigt wird das neunköpfige Aufgebot vom Italiener Marco Bandiera. Der 27-Jährige hat seine Stärken im Sprint und wird bei seiner ersten Giro-Teilnahme ein wichtiger Helfer in den Etappenfinals sein, um seinen Kapitän Chicchi in die richtige Position zu fahren.
Fazit: Mit Chicchi für die Sprints sowie Vermote und Kwiatkowski für das kurze Zeitfahren hat Omega Pharma-Quickstep drei Fahrer dabei, die realistische Chancen auf Podiumsplatzierungen haben. Im Hochgebirge wird nur Cataldo einigermaßen mithalten können. Seinen zwölften Platz aus dem Vorjahr wird der Italiener aber kaum verbessern können. Eher ist ihm eine erfolgreiche Flucht auf einer mittelschweren Etappe zuzutrauen. Um die Siegesserie des Frühjahres weiter auszubauen, müssten Chicchi und Cataldo aber schon über sich hinauswachsen.
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