Radsport News stellt die Giro-Teams vor / Teil 5

Saxo Bank: Der Lack ist ab

Foto zu dem Text "Saxo Bank: Der Lack ist ab"
Saxo Bank bei der Giro Team-Präsentation | Foto: ROTH

05.05.2012  |  (rsn) – Das Saxo Bank-Team darf sich beim 95. Giro d`Italia auf ein Heimspiel freuen, schließlich führen die ersten drei Etappen der Italien-Rundfahrt durch Dänemark. Dazu startet die erste GrandTour des Jahres am Samstag in Herning, der Heimatstadt von Teamchef Bjarne Riis. Das wird für zusätzliche Motivation sorgen, aber ob es für das letztplatzierte Team der WorldTour-Rangliste ausreicht, um auch im Rennen erfolgreich zu sein?

Ohne den gesperrten Alberto Contador - dem der Giro-Sieg 2011 mittlerweile aberkannt wurde -  ist die Erwartungshaltung äußerst gering. Trotzdem träumt Riis zum Auftakt vom Rosa Trikot. Das soll im Zeitfahren von Herning Manuelo Boaro holen. Der 25-jährige Italiener überzeugte zwar zuletzt als Neunter beim Prolog der Tour de Romandie und wurde zudem Zweiter im Zeitfahren der Sarthe-Rundfahrt. Beim Giro-Debüt scheint ein Coup aber unwahrscheinlich.

Die Ergebnisse soll vor allem Sprinter Juan José Haedo einfahren. Der 31 jahre alte Argentinier, 2011 Etappensieger bei der Vuelta, holte beim GP Denain seinen bisher einzigen Saisonsieg und will nun bei seiner dritten Giro-Teilnahme  das ein oder andere Mal auf dem Podium landen. Sportliche und moralische Unterstützung erhält Haedo von seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Lucas Sebastian, der bei seinem zweiten Giro in der Sprintvorbereitung eine wichtige Rolle spielen wird.

Die anderen Fahrer des Teams werden entweder ebenfalls für den "großen" Haedo fahren oder die Fluchtgruppen abdecken. Chancen haben dabei noch am ehesten der Australier Luke Roberts (35) und der Italiener Matteo Tosatto, der im Verlauf der Rundfahrt seinen 38. Geburtstag feiern wird. Roberts, der vor seinem zweiten Giro nach 2010 steht – damals im Milram-Dress - und Tosatto, der zum zehnten Mal teilnimmt, sind beide äußerst erfahrene Kempen, tempofest und lrecht endschnelle Routiniers – beste Voraussetzungen für die Abteilung Attacke. Während Roberts sowohl auf flachem als auch auf hügeligem Terrain Akzente setzen kann, ist Tosatto wohl nur ein Kandidat für die Flachetappen. Ein zweiter Etappensieg nach 2001 würde das Spätwerk des Italieners, der 2000 auch drei Tage in Rosa fuhr, krönen. Tosattos letzter großer Coup liegt bereits knapp sechs Jahre zurück, als er bei der Tour de France als Ausreißer einen Etappensieg feierte.

Der wohl beste Kletterer im Aufgebot ist der 35-jährige Ukrainer Volodymir Gustov. Allerdings zeigte der Routinier in der Vergangenheit seine besten Leistungen als Edelhelfer. Komplettiert wird das Aufgebot von drei Dänen, die sich vor allem auf den Auftakt in ihrer Heimat freuen werden. Jonas Aaen Jörgensen (26) bestreitet seinen ersten Giro und kann über Attacken zum Erfolg kommen. Erst bei der Türkei-Rundfahrt  zeigte Jörgensen mit einem zweiten Etappenplatz seine Stärken als Ausreißer. Sein Landsmann Anders Lund bestreitet zwar schon seinen vierten Giro, auf einen großen Sieg wie Jörgensen,  der 2011 den GP Isbergues gewann, kann der 27-jährige Allrounder noch nicht zurückblicken.

Mads Christensen bestritt seinen ersten und bis dato letzten Giro vor sieben Jahren. Der 28-Jährige kann passabel klettern - was er in diesem Jahr mit dem Gewinn des Bergtrikots bei der Baskenland-Rundfahrt unterstrich - und ist  ein guter Zeitfahrer. Diese Kombination macht Christensen aber nicht automatisch auch zu einem guten Rundfahrer. Seine einzige Chance, bei diesem Giro auf sich aufmerksam zu machen, wird auch in einer Ausreißaktion liegen.

Fazit: Die Zeiten, in denen Saxo Bank bei den dreiwöchigen Rundfahrten um den Gesamtsieg mitkämpft, sind erst mal vorbei. Mit diesem Aufgebot wird es schwer werden, beim 95. Giro d'Italia einen Blumentopf zu gewinnen. Haedo wird in den Sprints sicherlich gute Ergebnisse einfahren, zu einem Sieg wird es aber nicht langen. Seine Teamkollegen müssen darauf hoffen, es mit Glück und Geschick in die Gruppe des Tages zu schaffen. Echte Siegkandidaten hat Riis aber auch für solche Situationen nicht im Aufgebot.

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