Ö-Tour: Belgier schlüpft mit Sieg ins Führungstrikot

Hermans vor Hermann am Kitzbüheler Horn

Von Peter Maurer vom Kitzbüheler Horn

Foto zu dem Text "Hermans vor Hermann am Kitzbüheler Horn"
Ben Hermans (Israel Cycling Academy) hat die 3. Etappe der 70. Österreich-Rundfahrt gewonnen. | Foto: Jürgen Feichter/EXPA

09.07.2018  |  (rsn) – 2015 beendete Ben Hermans die Österreich Rundfahrt als Gesamtzweiter. Damals wurde der Belgier Etappenzweiter am Kitzbüheler Horn. Mit seiner Israel Cycling Academy kehrte Hermans nun zur Tour zurück und gewann in beeindruckender Manier den ersten Gradmesser der Rundfahrt 2018 vor Hermann Pernsteiner (Bahrain-Merida/+ 0:08) und Dario Cataldo (Astana/+ 0:14).

"Es lief perfekt. Zum Glück kannte ich das Kitzbüheler Horn schon, denn 2015 wurde ich hier Zweiter und zuvor war ich auch schon mehrere Male hier. Ein Sieg auf diesem bedeutenden Berg ist etwas ganz Besonderes für einen Radprofi", erklärte Hermans völlig ausgepumpt im Ziel. Der 32-Jährige aus Hasselt schlüpfte damit auch in das Rote Trikot des Gesamtführenden und nimmt einen Vorsprung von 18 Sekunden in die 4. Etappe mit.

Seit 2000 gastiert die Österreich Rundfahrt jährlich am Kitzbüheler Horn. Der 7,6 Kilometer lange Schlussanstieg hat sich als echter Gradmesser für die Klassementfahrer entwickelt. So landete der Sieger dieser Bergankunft zumeist unter den besten Drei im Schlussklassement. Die 3. Etappe der 70. Austragung führte vom WM-Startort Kufstein über 133,6 Kilometer zum Alpenhaus auf 1.670 Metern.

Drei Sprintwertungen und zwei Berge der 3.Kategorie waren auf der Anfahrt zur ersten Bergankunft der höchsten Kategorie zu bewältigen. Die Bergwertungen teilte sich die neu gefundenen Freunde Aaron Gate (Aqua Blue Sport) und Davide Orrico (Vorarlberg-Santic) auf. Seit den ersten Metern der Rundfahrt fighten die beiden um das rot-weiß-karierte Trikot der Ö-Tour. Der Teamkollege des späteren Siegers Roy Goldstein sicherte sich beide Sprintwertungen. Gemeinsam mit Andreas Graf (Hrinkow Advarics), Arjen Livyns (Willem’s Verandas), Andi Bajc (MyBike-Stevens) und Gregor Gazvoda (Adria Mobil) war das Trio gleich zu Beginn der Etappe ausgerissen. Ihr maximaler Vorsprung auf das erneut von Bahrain-Merida angeführte Hauptfeld betrug über vier Minuten.

20 Kilometer vor dem Ziel wurde die Gruppe aber vom Peloton geschluckt und es begann der Kampf um die beste Position durch die enge Anfahrt zur Mautstraße hinauf zum Alpenhaus. Besonders Bahrain-Merida und die Israel Cycling Academy drückten aufs Tempo und mit 65 km/h ging es durch Kitzbühel. Gleich auf den ersten Metern des Schlussanstiegs erfolgte die erste Selektion und nur mehr 40 Fahrer konnten dem Gesamtführenden Giovanni Visconti folgen, der sich für seinen Kapitän Hermann Pernsteiner fast den ganzen Weg bis zum Gipfel einspannte.

Auf den letzten 3.000 Metern attackierte dann Matteo Badilatti (Vorarlberg-Santic). Der Schweizer, zuletzt Gesamtzweiter bei der Savoyen-Rundfahrt, konnte sich von der Spitzengruppe absetzen, nachdem Visconti aus der Führung ausscherte. Sein Versuch wurde aber dann von Mark Padun beendet, der die klein gewordene Gruppe der Topfavoriten wieder an den ausgerissenen Badilatti heranführte. Danach übernahm Hermans die Initiative und erhöhte das Tempo. Nur mehr Pernsteiner und Cataldo konnten ihm auf dem steilsten Abschnitt folgen. In dieser Reihenfolge überquerten sie die Ziellinie. Dahinter folgten mit einem Abstand von 25 Sekunden die beiden Vorarlberg-Profis Badilatti und  Schelling.

"Es war eine richtig harte Etappe. Speziell vor Kitzbühel ging es schon richtig zur Sache. Mein Team hat einen Topjob abgeliefert. Mohoric machte den Leadout in den Berg und danach hat Visconti ja fast bis zu den letzten Kehren die Tempoarbeit erledigt. Mark Padun blieb mir bis zum Ende zur Seite", erklärte Pernsteiner, der sich vor allem vom Etappensieger beeindruckt zeigte: "Ben Hermans war richtig stark. Auf den letzten Metern wollte ich noch ranfahren, aber auch ich war richtig am Limit. Mit dem Ergebnis bin ich aber super zufrieden".

Die zweite heimische Hoffnung in der Gesamtwertung, der Oberösterreicher Riccardo Zoidl, verlor eine Minute auf den Tagessieger aus Belgien als Zwölfter. Mit Janez Brajkovic (Adria Mobil) und Louis Meintjens ließ aber auch er prominente Begleiter hinter sich: "Es ging mir nicht schlecht, aber leider ist mir 1.500 Meter vor dem Ziel dann das Gas ausgegangen. Es ist nichts verloren und die Ankünfte in den nächsten Tagen dürften mir gut liegen", so Pernsteiner.

Ergebnis 3. Etappe:
1. Ben Hermans (Israel Cycling Academy) 3:30:11
2. Hermann Pernsteiner (Bahrain-Merida) + 0:09
3. Dario Cataldo (Astana) + 0:15
4. Matteo Badilatti (Vorarlberg-Santic) + 0:25
5. Patrick Schelling (Vorarlberg-Santic) + 0:25

Gesamtwertung nach 3 von 8 Etappen:
1. Ben Hermans (Israel Cycling Academy) 11:26:33
2. Hermann Pernsteiner (Bahrain-Merida) + 0:18
3. Dario Cataldo (Astana) + 0:26
4. Patrick Schelling (Vorarlberg-Santic) + 0:40
5. Matteo Badilatti (Vorarlberg-Santic) + 0:40

Bergwertung:
1. Aaron Gate (Aqua Blue Sport) 47 Punkte

Sprintwertung:
1. Giovanni Visconti (Bahrain-Merida) 31 Punkte

 

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