Mein Radsport-Ereignis 2015

"Big mistake" im Interview mit Boonen

Von Christoph Adamietz

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Tom Boonen (Etixx-Quick-Step) hat das 99. Rund um Köln gewonnen. | Foto: Cor Vos

20.12.2015  |  (rsn) - Wie schon im vergangenen Jahr schreiben die Mitarbeiter der Redaktion von Radsport News über ihr Radsport-Ereignis 2015. Christoph Adamietz hatte in diesem Jahr bei "Rund um Köln" einen Einsatz ohne Hindernisse, musste sich aber von Tom Boonen eines Besseren belehren lassen.

2014 konnte ich erstmals Rund um Köln journalistisch begleiten. Aus diversen Gründen hatte ich mir  geschworen, dass dies auch meine letzte Teilnahme gewesen sein sollte, doch das Radsportherz setzte sich dann doch durch, so dass ich mich im Juni auf nach Gummersbach machte, wo die 99. Austragung des rheinischen Klassikers gestartet wurde.

Ganz oben auf meiner "To-do-Liste" standen kurze Interviews mit Tom Boonen und Marcel Kittel. Zu Boonen recherchierte ich nochmals dessen Ergebnisse anhand einer einschlägigen Radsport-Onlinedatenbank und stellte fest: Der Belgier hatte noch kein einziges Rennen in Deutschland gewonnen. Also war dies gleich meine erste Frage. Darauf schaute mich Boonen an und sagte mit einem Lächeln: „Big mistake“. Ich verstand zunächst gar nicht, worauf er hinauswollte. Doch dann berichetet er, dass er ja 2004 zwei Etappen der Deutschland Tour gewonnen habe. Da stand ich erst mal da.

Nach dem Interview checkte ich erst nochs die Datenbank und musste feststellen, dass in seiner mehr als 100 Siege umfassenden Erfolgsliste die der Deutschland-Tour fehlten. Auf einer anderen Website wurde ich dann aber fündig. Doppelt recherchieren hält dann eben doch besser.

Danach stand noch das Interview mit Marcel Kittel an, in dem ich ihn zu seinen Tourchancen befragte. Dabei gab sich der Erfurter locker und war auch zu Späßen aufgelegt. Auf meine Frage, ob der Druck auf ihn durch die Medien erhöht worden sei, meinte Kittel: „Wodurch? Durch die Mädchen?“

Als auch dieses Missverständnis geklärt war, setzte sich zunächst das Feld und danach auch ich in Bewegung Richtung Köln. Für meinen Weg in die Domstadt befürchtete ich schon das Schlimmste. Im Vorjahr hatte ich geschlagene 90 Minuten nach einem Parkplatz gesucht (Presseparkplätze waren nicht ausgewiesen worden!) und mir dabei mehrmals geschworen, dass ich mir dies nicht noch mal antun würde.

Doch diesmal war alles anders. Direkt im ersten Anlauf fand ich einen Parkplatz und lief frohen Mutes in Richtung Pressezentrum. Doch die gute Stimmung war nur von kurzer Dauer. Denn kaum aus dem Auto austgestiegen, wollte ich eine Straßenseite wechseln und kollidierte dabei mit einem Insekt, das mir direkt ins Auge flog und zustach. „Hätte ich doch länger nach dem Parkplatz suchen sollen“, dachte ich mir nur.

So führte mein erster Weg nicht ins Pressezentrum, sondern ins Sanitätszelt. Zum Glück war der Stich nicht im Auge, sondern knapp darunter, so dass ich mit einem Kühlpad von dannen ziehen konnte.

So wollte ich dann endlich das Pressezentrum aufsuchen, das im letzten Jahr in einem naheliegenden Hotel befunden hatte. Dort wusste man aber nichts von einem Pressezentrum, so dass meine Suche aufs Neue begann. Schließlich fragte ich einen Ordner, der mir bereitwillig Auskunft gab. „Sehen Sie den Bus in gut 30 Metern? Dort ist es.“ Ungläubig frage ich nach, ob wirklich DORT das Pressezentrum sei. Der gute Mann bejahte.

Spätestens als mich dort Pressesprecher Stephan Flock begrüßte, wusste ich, dass ich hier richtig war. Die Einrichtung des Pressebusses war aber eine gute Entscheidung der Veranstalter, befand man sich doch viel näher an der Strecke. Zudem lief in Sachen Internetanschluss alles glatt - im Vorjahr hatte sich mein Lamptop partout nicht in das Wlan-Netzwerk des Hotels einwählen wollen, und ich musste bis kurz vor Rennschluss ohne Internetzugang auskommen. Diesmal hatte ich   rechtzeitig zum Finale all meine Interviews abgetippt und konnte mich auf das Rennen konzentrieren, das Boonen im Sprint einer kleinen Ausreißergruppe gewann.

Wäre das eine tolle Geschichte gewesen, hätte der Etixx-Kapitän tatsächlich zum ersten Mal in seiner Karriere in Deutschland gejubelt.. Aber auch so war das Ergebnis sicherlich ganz nach dem Geschmack von "Mr. Rund um Köln" Arthur Tabat.

 

 
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