Teo Tigers Tour-Tagebuch - 7. Juli - 7. Etappe: Tombelaine – Planche des Belles Filles

Bradley Wiggins: Less is More

Von Teo Tiger

Foto zu dem Text "Bradley Wiggins: Less is More"
Der kleine Tiger auf dem Weg nach - ja wohin denn nun? | Illustration: Janosch film & medien AG

09.07.2012  |  (rsn/tt) – Wird auch Zeit, dachte sich der kleine Tiger am Samstag, als der große Bradley Wiggins bei der ersten Bergankunft der Tour im „Bett der schönen Mädchen“, äh sorry, auf dem harten Brett der Mädels (La Planche des Belles Filles – klingt auf Französisch irgendwie weicher...) in den Vogesen endlich ins Gelbe Trikot fuhr.

„It's about time“, sagt der Brite da: Der letzte Landsmann in Gelb war vor schon zwölf Jahren David Millar. Immerhin war Wiggins bei der Tour 2009 ja schon etliche Tage Dritter der Gesamtwertung. So freute sich der in Gent in Belgien geborene Brite nun umso mehr: "Davon habe ich schon als Kind geträumt, als ich daheim in Kilburn (ein Londoner Stadtteil; d. Red.) auf meinem Hometrainer gesessen bin und Miguel Indurain im Fernsehen zugeschaut habe.“

Da Wiggins heuer bereits das „Critérium du Dauphiné“ gewann, gewissermaßen die Tour-Generalprobe, zählt er nun wohl zu den großen Favoriten auf den Gesamtsieg. Glaubt nicht nur der Tiger.

Gewese ums Gewicht
Ein wenig gewundert hat sich der Tiger allerdings um das Gewese, das wieder um Wiggins' Gewicht gemacht wurde. Sein Verzicht auf Bier (nach eigenen Angaben seit Januar) und vor allem, dass der Bahn-Olympia-Sieger von Athen angeblich über sechs Kilo abgenommen hat, waren wieder ein großes Thema.

Dabei hat Wiggins doch schon vor drei Jahren abgespeckt, und nicht nur das. Eigentlich hat er seinen Körper komplett umgebaut: Vom athletischen Bahn-Sprinter, der auf vier Kilometern alles geben muss, zum drahtigen Allrounder, der 200 Kilometer fährt. Und das drei Wochen lang.

Wie hat der Brite das gemacht? Offensichtlich hat er nicht die Koteletts reduziert. Die wuscheln immer noch wild und rot an seinen Wangen. Oder waren das die Koteletten? Egal…

Der Tiger hat mal wieder entbehrungsreiche Recherchen unternommen, die ihn sicher auch zwei Kilos gekostet haben: Wiggins hat seine Ernährung umgestellt. Komplett. Bier sowie Fish and Chips weggelassen, stattdessen gab's Wasser und Reis. Oder so. (Details verrät Ihnen Ihre Ehefrau/ Freundin/ Geliebte. Fragen Sie einfach mal – ein dankbares Thema bei den Damen;-)

„Radprofis arbeiten jeden Tag an ihrem Gewicht" (Wiggins)
Und Wiggins hat viel am Berg trainiert. Hat er während der Tour 2009 in einem Interview verraten. Der 1,90-Meter-Mann wiegt nun 69 Kilo – zehn Kilo weniger als zu seinen Bahn-Zeiten (und nicht nur sechs Kilo, wie derzeit kolportiert wird). Wiggins hat dabei weniger Fett (das fand schon vorher kaum an seinem Körper Halt), sondern deutlich an Muskeln verloren. "Das es war ein kalkulierter Prozess“, sagte der Sky-Chef 2009 der Frankfurter Rundschau: „Radprofis arbeiten jeden Tag an ihrem Gewicht. Es ist das wichtigste Thema.“

Aha. Hatten wir das nicht auch mal, vor ein paar Jahren? Bei einem bekannten deutschen Tour-Sieger, fällt dem Tiger dazu ein. Der mal angegeben hat, sein „Normalgewicht“ sei 73 Kilo. Allerdings bei nur 183 Zentimetern Körpergröße. Wiggins: Aktuell 69 Kilo bei Einsneunzig. Über Ulles Weihnachts-Problem will der Tiger hier garnicht reden. Da wog der Rostocker Renner auch mal 79 Kilo. Wenn die Feiertags-Menüs recht lecker waren. Und die Plätzchen.

In den Bergen macht sich nun mal jedes Kilo bemerkbar. Weiß der Tiger aus eigener leidvoller Erfahrung. Und erlaubt sich hier mal ein wenig Spekulation: Hätte Jan Ullrich im Jahr 2000 einen ähnlich harten Einschnitt gewagt wie 2009 Bradley Wiggins – wer weiß? Vielleicht wäre Ulle (nicht nur) ein weiterer Tour-Sieg gelungen. Immerhin war auch „Tourminator“ Armstrong vor seiner Krebs-Erkrankung deutlich athletischer. Aber erst erfolgreich, als er Muskeln und Gewicht abgebaut hatte.

Tempi passati, vorbei ist vorbei. Denkt auch der Tiger. Genug spekuliert. Er wünscht dem Briten mit dem eindrucksvollen Tiger-Backenbart auf jeden Fall viel Erfolg für das erste lange Zeitfahren am Montag in Besancon. Da sind ein paar Kilo weniger ja auch kein Schaden...

Das war's für heute. Vielen Dank, dass Sie bis hierher mitgewichtelt haben. Und klicken Sie auch morgen wieder rein, wenn Teo Tiger sich so seine Gedanken macht. Dann garantiert Fett-frei. Versprochen.

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