RSNplusWorldTeams 2024: Decathlon - AG2R La Mondiale

Mit mehr Budget zu mehr Erfolg?

Von Sebastian Lindner

Foto zu dem Text "Mit mehr Budget zu mehr Erfolg? "
Decathlon - AG2R La Mondiale bei der Tour Down Under | Foto: Cor Vos

16.01.2024  |  (rsn) – In den letzten Monaten ist im Team von Vincent Lavenu viel passiert, allerdings mehr oder weniger im Hintergrund. Das fängt schon damit an, dass Decathlon – AG2R La Mondiale, wie die Equipe seit Jahresbeginn heißt, eigentlich gar nicht mehr sein Team ist. Zumindest auf dem Papier hat Lavenu, der den Rennstall 1992 gegründet hat, den Posten des Managers an den aus dem Motorsport kommenden Dominique Serieys abgetreten und fungiert nun als Sportdirektor.

Zu managen galt es in erster Linie den Sponsorenwechsel. Nach dem Rückzug des Autobauers Citroen als Namenssponsor klaffte im Budget eine Lücke von sechs Millionen Euro. Verschiedenen Quellen zufolge soll sogar das Aus gedroht haben. Gut, dass der ambitionierte Sportartikelhersteller und -vermarkter Decathlon einsprang. Aus einem drohenden Minus von sechs wurde dann sogar ein Plus von drei Millionen Euro, so dass der Etat für 2024 nun bei insgesamt 26 Millionen Euro liegen soll. Damit sollte sich Decathlon – AG2R La Mondiale im vorderen Drittel aller WorldTeams wiederfinden.

___STEADY_PAYWALL___

Nun gilt es, die finanziellen Möglichkeiten auch in Erfolge umzuwandeln. Denn die Saison 2023 beendete das Team laut UCI-Weltrangliste nur auf Position 18. Mit Arkea - Samsic und Astana Qazaqstan waren nur zwei Konkurrenten aus der WorldTour schwächer. Zudem konnte für 2024 kein Topstar ins Team geholt werden. Immerhin ist mit Victor Lafay nach dessen Etappensieg bei der letztjährigen Tour de France ein französischer Shootingstar neu dabei. Insgesamt stehen sechs Neuzugänge sieben Abgängen gegenüber. Namhaftester Verlust ist der von Greg van Avermaet. Der Belgier und Olympiasieger von 2016 konnte aber schon längst nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen und beendete im Alter von 37 Jahren seine Karriere.

Felix Gall wird Decathlon – AG2R La Mondiale bei der Frankreich-Rundfahrt 2024 anführen. | Foto: Cor Vos

Der Top-Transfer 2024:

Insgesamt jedoch dürfte sich Decathlon durchaus verstärkt haben. Den uneingeschränkten Leader gibt es allerdings nicht. Neuzugang Lafay und Benoit Cosnefroy werden ihr Team bei den hügeligen Klassikern anführen und dort um Spitzenergebnisse kämpfen. Rundfahrt-Kapitäne sind Ben O’Connor, der den Giro d’Italia in Angriff nehmen wird, und Felix Gall. Der Österreicher wird nach seinem Etappensieg und Platz acht in der Gesamtwertung der Tour 2023 beim wichtigsten Rennen des Jahres diesmal die alleinige Führungsrolle übernehmen.

Die Entwicklungskurve von Victor Lafay zeigte in den vergangenen Jahren konstant nach oben. Vorläufiger Höhepunkt war sein Etappensieg bei der Tour 2023. Für die neue Saison hat sich der 27-Jährige die erfolgreiche Teilnahme an den Ardennenklassikern auf die Fahnen geschrieben. Den Flèche Wallonne beendete er bereits einmal als Sechster. Doch ein bisschen mehr darf es 2024 werden, wie der extrovertierte Franzose zuletzt meinte. Die Tour steht ebenfalls wieder in seinem Programm.

Victor Lafay wurde durch seinen Sieg auf der 2. Etappe der Tour de France 2023 zum Shootingstar der Franzosen. | Foto: Cor Vos

Da will auch Sam Bennett gerne wieder hin. Der Ire ist im Winter ebenfalls zu Decathlon gewechselt. Die Leistungskurve scheint beim mittlerweile 33-jährigen Sprinter allerdings nach unten zu zeigen. Bei Bora - hansgrohe wurde ihm erneut die Tour verwehrt, weil zuvor Erfolge ausgeblieben waren. Inwieweit sich das nun ändern wird, bleibt abzuwarten.

Ein weiterer Neuer im Team ist Bruno Armirail. Der französische Zeitfahrmeister von 2022 kommt vom nationalen Konkurrenten Groupama - FDJ. Beim Giro d’Italia 2023 fuhr Armirail einige Tage in Rosa und steigerte dadurch seinen Marktwert. Ein Sieggarant ist der 29-Jährige mit bisher zwei Karriereerfolgen zwar nicht, aber durchaus ein erstklassiger Helfer. Nach der späten Verpflichtung des Norwegers Edvald Boasson Hagen, der mit seinen 36 Jahren viel Erfahrung ins Team bringt, besteht das Aufgebot aus den maximal erlaubten 30 Fahrern.

Im Fokus:

Pierre Gautherat wird 2024 in seine zweite Saison als Profi gehen. In der ersten konnte der 20-Jährige Franzose bereits beweisen, dass in ihm Klassikerpotenzial schlummert. Mit Platz fünf beim Heitse Pijl, einem siebten Platz bei Le Samyn und Rang neun bei Cholet – Pays de la Loire (alle 1.1) machte Gautherat auf sich aufmerksam.

Pierre Gautherat (r.) konnte bereits 2023 vor allem auf Klassikerprofilen überzeugen. | Foto: Cor Vos

Einen Ausflug mit der französischen Nationalmannschaft zum Nachwuchsrennen Course de la Paix Grand Prix Jeseníky beendete er mit zwei Etappensiegen. Bei der Polen-Rundfahrt (2.UWT) schließlich zeigte er mit einem siebten Platz im Sprint, dass er sich auch auf höchstem Niveau nicht verstecken muss. Sollte Gautherat diese Ergebnisse nur wiederholen, wäre das schon aller Ehren wert.

Das Aufgebot:
Bruno Armirail (Frankreich / 29 Jahre), Alex Baudin (Frankreich / 22), Sam Bennett (Irland / 33), Clément Berthet (Frankreich / 26), Franck Bonnamour (Frankreich / 28), Geoffrey Bouchard (Frankreich / 31), Benoit Cosnefroy (Frankreich / 28), Dries De Bondt (Belgien / 32), Sander De Pestel (Belgien / 25), Stan Dewulf (Belgien / 26), Felix Gall (Österreich / 25), Pierre Gautherat (Frankreich / 20), Dorian Godon (Frankreich / 27), Jaako Hänninen (Finnland /26), Jordan Labrosse (Frankreich / 21), Victor Lafay (Frankreich / 27), Paul Lapeira (Frankreich / 23), Oliver Naesen (Belgien / 33), Ben O`Connor (Australien / 28), Aurélien Paret-Peintre (Frankreich / 27), Valentin Paret-Peintre (Frankreich / 22), Nans Peters (Frankreich / 29), Gianluca Pollefliet (Belgien / 21), Nicolas Prodhomme (Frankreich / 26), Valentin Retailleau (Frankreich /23), Damien Touzé (Frankreich / 27), Bastien Tronchon (Frankreich / 21), Andrea Vendrame (Italien / 29), Larry Warbasse (USA / 33)

Davon Neuzugänge:
Bruno Armirail (Groupama-FDJ), Sam Bennett (Bora - hansgrohe), Dries De Bondt (Alpecin-Deceuninck), Sander de Pester (Flanders-Baloise), Victor Lafay (Cofidis), Gianluca Pollefliet (Lotto Dstny Development)

Teamleitung:
Manager: Dominique Serieys
Sportdirektor: Vincent Lavenu
Sportliche Leiter: Alexandre Abel, Stephen Barrett, Laurent Biondi, Cyril Dessel, David Giraud, Stéphane Goubert, Nicolas Guillé, Sébastien Joly, Didier Jannel, Julien Jurdie, Arturas Kasputis, Jean-Baptiste Quiclet

Material:
Rahmenhersteller: Van Rysel
Gruppe: Shimano
Laufräder: Swiss Side
Reifen: Continental
Trikot: Rosti
Helm: Van Rysel

Mehr Informationen zu diesem Thema

06.02.2024Auch für die Ära nach Roglic und Jumbo gut gerüstet

(rsn) – Jumbo und Primoz Roglic verließen zum 31. Dezember Visma - Lease a Bike. Die Supermarktkette war seit 2015 einer der beiden Namenssponsoren der Mannschaft, der Slowene kam ein Jahr später

05.02.2024Dank Pogacar wieder die Nummer 1 der Weltrangliste

(rsn) – Vorhang auf für das offiziell beste Team der Welt! Zwar könnte man vermuten, dass Visma – Lease a Bike mit seinen drei Grand-Tour-Titeln diese Auszeichnung verdient hätte, aber die Welt

02.02.2024Der gescheiterten Fusion folgte die Verjüngungskur

(rsn) – Eine mögliche Fusion zwischen Jumbo – Visma und Soudal – Quick-Step sorgte im Herbst 2023 einige Wochen lang für Schlagzeilen. Letztendlich scheiterten die Bemühungen. Allerdings hatt

31.01.2024Bei Quintanas Rückkehr viel Bewegung im Kader

(rsn) – Genau ein Drittel seiner Fahrer hat Movistar in dieser Transferperiode ausgewechselt. Nachdem die spanische Mannschaft das Jahr 1 nach Alejandro Valverde als Zwölfter der Weltrangliste eini

27.01.2024Guercilena spielt Grand: Buben sind Trumpf

(rsn) – Aus jedem Dorf ein Hund. Skatspieler kennen diesen Ausdruck und fragen sich dann: Was ist eigentlich Trumpf? Ähnlich ist bei Lidl - Trek die Ausgangslage für 2024. Das Team war schon in de

26.01.2024Mit mehr Sprintpower und neuen Impulsen

(rsn) - Bei der australischen Equipe wird man mit gemischten Gefühlen auf die Vorsaison zurückschauen. Bei den Grand Tours verkaufte man sich teuer: Simon Yates erreichte Platz vier bei der Tour de

25.01.2024Mit bewährten Kräften zurück in die Erfolgsspur?

(rsn) – Im Jahr 2022 gelang dem belgischen Intermarché-Team der unerwartete Durchbruch in die Reihe der Topteams. Biniam Girmay gewann im Frühjahr Gent-Wevelgem und dann noch eine Giro-Etappe. Mit

23.01.2024Super-Team der Vergangenheit setzt auf die Zukunft

(rsn) – Von 2012 bis einschließlich 2019 konnte nur Vincenzo Nibali die Sky- beziehungsweise Ineos-Übermacht bei der Tour de France stören. Mit Bradley Wiggins, Chris Froome, Geraint Thomas und E

22.01.2024Jahr 1 nach Pinot: Erfolgsdruck ruht auf jungen Schultern

(rsn) – Bei Groupama - FDJ beginnt eine neue Zeitrechnung. Es ist das Jahr 1 nach Thibaut Pinot. Frankreichs ehemals größte Hoffnung auf den Sieg bei der Tour de France hat seine Karriere beendet,

18.01.2024Die Grand-Tour-Bilanz muss aufpoliert werden

(rsn) – Nicht nur vom Outfit her bleibt EF Education – EasyPost in der Saison 2024 der bunteste Haufen im Peloton. Die Die 30 Fahrer im Kader gehören 16 verschiedenen Nationen an, alle Kontinente

17.01.2024Mit Jakobsen als neuem Taktgeber zu mehr Konstanz

(rsn) - In den vergangenen Jahren gab es kaum Kontinuität im Kader der niederländischen Mannschaft. Und auch zur Saison 2024 hat sich rund ein Drittel der Mannschaft verändert: Zwölf Fahrer verlie

15.01.2024Die Messlatte liegt hoch

(rsn) - Im vergangenen Juli dürfte Teamchef Cedric Vasseur das Grinsen nicht mehr aus seinem Gesicht bekommen haben. 15 Jahre musste seine Equipe bei der Tour de France auf einen Etappensieg warten â

Weitere Radsportnachrichten

03.04.2025Flandern-Rundfahrt im Rückblick: Die letzten zehn Jahre

(rsn) - Die Flandern-Rundfahrt bildet für Radsport-Fans gemeinsam mit Paris-Roubaix das Highlight der Klassikerwochen eines jeden Frühjahrs. Das belgische Monument, am 25. Mai 1913 erstmals ausgetra

03.04.2025Niewiadoma hofft bei der Ronde auf die Power aus dem Vorjahr

(rsn) - Diese Szene gefiel Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – zondacrypto) beim gestrigen Dwars door Vlaanderen (1.Pro) überhaupt nicht: Als Elisa Longo Borghini (UAE - ADQ) zu ihrem letztendlich

03.04.2025Fraile hängt am Jahresende das Rad an den Nagel

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

03.04.2025Die Aufgebote für die 109. Flandern-Rundfahrt

(rsn) – Mit der Flandern-Rundfahrt (1.UWT) steht am Sonntag der Höhepunkt der flämischen Klassikerwochen an. Die 109. Ausgabe der “Ronde“ führt über 269 Kilometer Wochenende von Brügge nach

03.04.2025Die Strecke der Flandern-Rundfahrt 2025

(rsn) – Ein paar Änderungen an der Strecke gibt es immer. Da macht auch die Flandern-Rundfahrt 2025 keine Ausnahme. Doch neben dem jährlichen Wechsel zwischen den Startorten Antwerpen und Brügge,

03.04.2025Evenepoel startet bei der Tour de Romandie

(rsn) - Remco Evenepoel (Soudal – Quick) wird am Start der diesjährigen Tour de Romandie stehen, wie die Organisatoren der am 29. April mit einem Prolog in Saint-Imier beginnenden Schweizer WorldTo

03.04.2025Erholt sich Visma-Kapitänin Vos rechtzeitig zur Flandern-Rundfahrt?

(rsn) – Wenn es am kommenden Sonntag bei der 22. Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) auf der Zielgerade in Oudenaarde zum finalen Sprint einer kleineren Gruppe kommen sollte, könnte Marianne Vos

03.04.2025Niedermaier: “Wünsche mir, beim Giro ganz oben zu stehen“

(rsn) - Nach ihrem ersten Rennblock, der mit Rang 37 bei der Trofeo Alfredo Binda (1.WWT) endete, nahm sich Antonia Niedermaier die Zeit, um mit RSN über ihren Saisoneinstieg, ihre veränderte Rolle

03.04.2025Lungenentzündung: Bettiol sagt für Flandern-Rundfahrt ab

(rsn) - Alberto Bettiol (XDS – Astana) wird am Sonntag nicht zur Flandern-Rundfahrt antreten können. Wie der Italienische Meister auf der Website seines Teams erklärte, habe er sich eine Lungenent

03.04.2025Die Aufgebote für die 22. Flandern-Rundfahrt der Frauen

(rsn) – Zum mittlerweile 22. Mal steht die Flandern-Rundfahrt der Frauen (1.WWT) im Programm. Rund um Oudenaarde müssen die Fahrerinnen aus 24 Teams insgesamt 168,9 Kilometer absolvieren, wobei zwÃ

03.04.2025Flandern-Rundfahrt der Frauen: Die letzten zehn Jahre

(rsn) – Die Flandern-Rundfahrt der Frauen ist das älteste durchgängig ausgetragene unter den Monumenten im Frauen-Kalender – und nach der Trofeo Alfredo Binda sowie dem Flèche Wallonne und dem

02.04.2025Highlight-Video des 13. Dwars door Vlanderen der Frauen

(rsn) - Elisa Longo Borghini (UAE Team ADQ) ist bereit für die Titelverteidigung bei der am Sonntag anstehenden Flandern-Rundfahrt. Das bewies die Italienische Meisterin eindrucksvoll bei der 13. Aus

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour of Hellas (2.1, GRE)