RSNplusDoppelspitze Ackermann - Bauhaus

Deutsches Team im EM-Rennen mit Plan A und Plan B

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Deutsches Team im EM-Rennen mit Plan A und Plan B"
Pascal Ackermann (li. bei der EM 2019), bildet gemeinsam mit Phil Bauhaus in München eine deutsche Sprint-Doppelspitze. | Foto: Cor Vos

12.08.2022  |  (rsn) – Bei der Tour de Pologne kämpften Pascal Ackermann (UAE Team Emirates) und Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) nicht nur um Etappensiege, sondern auch um die Kapitänsrolle für das am 14. August in München anstehende EM-Straßenrennen.

Nachdem die beiden Sprinter je ein Teilstück der Rundfahrt für sich entscheiden konnten, entschied sich der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), bei dem 208 Kilometer langen und vom oberbayerischen Murnau in die bayerische Landeshauptstadt führenden Rennen mit einer Doppelspitze anzutreten. “Beide Fahrer sind in Top-Form und haben Medaillenchancen“, hieß es erklärend in einer Pressemitteilung.

___STEADY_PAYWALL___ “Wir haben zwei Fahrer am Start, die in Form sind, die beide Chancen haben. Das macht uns für die Konkurrenz unberechenbar“ zeigte sich der Sportliche Leiter Jens Zemke davon überzeugt, dass diese Konstellation sich von Vorteil für das deutsche Team erweisen wird.

Ackermann wird mit dem Kölner Phil Bauhaus, der zuletzt eine Etappe der Polen-Rundfahrt gewann, eine Doppelspitze bilden. | Foto: Cor Vos

Dagegen setzen die meisten anderen der aussichtsreichen Nationen bei den kontinentalen Titelkämpfen auf jeweils nur einen Kapitän: die Franzosen auf Arnaud Démare, der die Schlussetappe in Polen gewann, die Niederländer auf Tour-Etappensieger Fabio Jakobsen, die Belgier auf Tim Merlier, die Iren auf Sam Bennett, die Dänen auf Ex-Weltmeister Mads Pedersen und die Norweger auf Routinier Alexander Kristoff, den Europameister des Jahres 2017, der zuletzt den Circuit Franco-Belge für sich entschied. Nur die Italiener schicken mit den früheren Titelträgern Matteo Trentin (2018) und Giacomo Nizzolo (2020) sowie dem aufstrebenden Alberto Dainese gleich drei potenzielle Medaillenkandidaten ins Rennen.

Ohne Funk im Rennen ist Degenkolb besonders gefragt

Da dort kein Funk eingesetzt werden darf, kommt dem Road Captain am Sonntag eine ganz besondere Bedeutung zu. Im deutschen Team dafür vorgesehen ist John Degenkolb, der diese Aufgabe seit dieser Saison auch bei seinem Team DSM übernommen hat. “John hat Rennübersicht, ist ein Fahrer, der sich Platz im Feld verschafft und der ein Rennen steuern kann“, vertraut Zemke auf die Qualitäten des 33-jährigen Oberurselers.

Überhaupt kann der Wiesbadener, der als Sportdirektor bei Bora – hansgrohe unter Vertrag steht, diesmal eine deutlich erfahrenere Truppe an den Start schicken als noch 2021 im italienischen Trento. “Im letzten Jahr mussten wir noch Fahrer aus den nationalen Sportgruppen dazu nehmen, diesmal gab es genügend WorldTour-Profis, die Interesse hatten, in München zu fahren“, erklärte Zemke und fügte an: “Wir mussten harte Entscheidungen treffen, weil wir nicht alle berücksichtigen konnten.“

Mit seiner Erfahrung soll der 33-jährige John Degenkolb das deutsche EM-Team als Road Captain anführen. | Foto: Cor Vos

Nominiert wurden neben Ackermann, Bauhaus und Degenkolb noch der Deutsche Meister Nils Politt (Bora - hans–rohe) und Degenkolbs DSM-Teamkollege Nico Denz, die als Tempobolzer vorgesehen sind. Der eigentliche Sprintzug besteht aus Roger Kluge, Michael Schwarzmann (beide Lotto Soudal) und Alexander Krieger (Alpecin – Deceuninck), der sich zuletzt bei bei der Tour de France als Anfahrer des zweimaligen Etappengewinners Jasper Philipsen in bestechender Form präsentierte – und auch Degenkolb wird im Finale gefragt sein.

Zemke betont: "Wir ziehen alle an einem Strang"

Dennoch bleibt offen, welcher der beiden deutschen Top-Sprinter schließlich in München im zu erwartenden Zielsprint am Odeonsplatz um die Medaille kämpfen wird. “Darüber machen wir uns heute noch keine Gedanken. Wir haben im Rennen 207 Kilometer Zeit zu sprechen“, sagte der 28-jährige Ackermann, der 2019 und 2020 jeweils EM-Bronze gewann.

Dagegen wird der nur wenige Monate jüngere Bauhaus sein EM-Debüt geben. “Es ist eine große Ehre für mich dabei zu sein. Das ist ein hoch angesehener Titel, den es da zu gewinnen gibt, ein Rennen mit hohem Stellenwert“, sagte der Kölner, der wie Ackermann in dieser Saison bisher zwei Rennen gewann, aber mehr Spitzenergebnisse vorzuweisen hat als der Pfälzer, der in seinem ersten Jahr bei UAE durch Verletzungen und Erkrankungen zurückgeworfen wurde. Dennoch betonte Bauhaus: “Um den Sieg mitfahren können wir nur als Mannschaft.“

Auch Ackermann zeigte sich zuversichtlich, dass die BDR--Auswahl im Finale die richtige Entscheidung treffen wird. “Wir haben viele Karten dabei, welche wir ziehen, zeigt sich am Sonntag.“ Und der Sportliche Leiter Zemke ergänzte: “Wir haben acht Fahrer für dieses Rennen nominiert, die alle an einem Strang ziehen.“

Jens Zemke sitzt als Sportlicher Leiter des deutschen Teams am Sonntag im Begleitfahrzeug . | Foto: Cor Vos

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