108. Tour de France - Die Chancen der Jungprofis

Pogacar allein auf weiter Flur

Von Kevin Kempf

Foto zu dem Text "Pogacar allein auf weiter Flur "
Tadej Pogacar (UAE Emirates) gewann bei der letztjährigen Tour das Weiße Trikot. | Foto: Cor Vos

23.06.2021  |  (rsn) - Bei der 108. Tour de France wird eine ganze Reihe von Jungprofis um das Weiße Trikot kämpfen. Wir stellen die aussichtsreichsten Kandidaten vor und bewerten ihre Chancen.

Tadej Pogacar (UAE Emirates)
Teilnahmen: 1 – Etappensiege: 3 - Bestes Ergebnis Weißes Trikot: Platz 1

Der Titelverteidiger ist auch in der Nachwuchswertung der zu schlagende Mann .  Einen ernstzunehmenden Konkurrenten hat der 22-jährige Slowene im Kampf um das Weiße Trikot aber nicht. Kommt Pogacar ohne schweren Sturz oder Erkrankung durch die Tour,  wird er sich auch dieses Mal in Paris das Maillot Blanc überstreifen dürfen. Das Pogacar auch heißer Anwärter auf Gelb ist, werden sich seine Gegner nur Hoffnung darauf machen können, das Weiße Trikot leihweise tragen zu dürfen. Sogar ein Durchmarsch des Jungstars scheint möglich, da es schon im Finale der 1. Etappe bergauf geht.

Chance auf Weißes Trikot: 100%

_______________________________________________________________

David Gaudu (Groupama - FDJ)
Teilnahmen: 3 – Etappensiege: 0 - Bestes Ergebnis Weißes Trikot: Platz 2

Zweimal fuhr der Franzose die Tour de France bisher zu Ende, Platz zwei (2019) und Platz vier (2018) sprangen dabei im Kampf um das Weiße Trikot hinaus. Der zweite Platz scheint für Gaudu auch dieses Jahr reserviert. Der 24-jährige Kletterspezialist ist stabiler als in den Vorjahrenund startet in Abwesenheit von Thibaut Pinot als Kapitän seiner Mannschaft. Eine Platzierung unter den besten Zehn der Gesamtwertung ist das Ziel. Da er auch in den kurzen, steilen Anstiegen keine Probleme hat, könnte Gaudu zumindest Pogacars Durchmarsch verhindern und dem Slowenen zumindest im ersten Teil der Tour Paroli bieten.

Chance auf Weißes Trikot: 20%

_______________________________________________________________

Lucas Hamilton (BikeExchange)
Teilnahmen: 0

Seit er 2017 Profi wurde, hat sich der Australier stetig verbessert. In dieser Saison ist der 24-Jährige endgültig in der Weltelite angekommen. Seine ersten drei WorldTour-Rundfahrten des Jahres beendete Hamilton unter den besten Zehn, die vierte, die Tour de Suisse, musste er als Gesamtsechster krankheitsbedingt aufgeben. Bei seinem Tour-Debüt tritt der Kletterspezialist gemeinsam mit Simon Yates und Esteban Chaves an. Da der Brite den Giro d'Italia in den Beinen hat und ebenso wie der Kolumbianer eher auf Etappenjagd gehen wird, dürfte Hamilton freie Fahrt erhalten. Die Top Ten in Paris scheinen nicht unmöglich..

Chance auf Weißes Trikot: 10%

_______________________________________________________________

Brandon McNulty (UAE Emirates)
Teilnahmen: 0

Der US-Amerikaner soll einer von Pogacars Edelhelfern werden. McNulty ist nicht nur stark am Berg, sondern kann auch Zeitfahren. Gegen den Tour-Debütanten spricht - neben der Tatsache, dass er als Helfer eingeplant ist - seine Unbeständigkeit in den Bergen.

Chance auf Weißes Trikot: 5%

_______________________________________________________________

Sergio Higuita (EF Education - Nippo)
Teilnahmen: 1 – Etappensiege: 0 - Bestes Ergebnis Weißes Trikot: -

Der Kolumbianer ist erst 23 Jahre alt, scheint aber seine beste Zeit schon hinter sich zu haben. Zuletzt konnte er nämlich nicht annähernd an seine Ergebnisse aus dem Jahr 2019, als er etwa eine Vuelta-Etappe gewann. Bis zu Paris-Nizza 2020 war Higuita erfolgreich unterwegs, nach der Corona-Pause jedoch fand er nicht mehr zu seiner Topform zurück. So ist zu erwarten, dass der kleine Kletterer höchstens in Ausreißergruppen auf sich aufmerksam machen kann. Vornehmlich wird Higuita jedoch Helferdienste für seinen Kapitän und Landsmann Rigoberto Uran verrichten müssen.

Chance auf Weißes Trikot: 5%

_______________________________________________________________

Jonas Vingegaard (Jumbo - Visma)
Teilnahmen: 0

Der 24-Jährige ist eine der Entdeckungen dieser Saison. Vingagaard hat bereits vier Siege auf dem Konto und glänzte nicht nur in den Bergen, sondern auch in Zeitfahren. Für die Zukunft sollte man den Dänen unbedingt auf dem Zettel haben, bei dieser Tour de France allerdings wird er zu 100 Prozent als Helfer seines Kapitäns Primoz Roglic eingesetzt. Raum für eigene Ambitionen gibt es da nicht.

Chance auf Weißes Trikot: 0%

_______________________________________________________________

Aurelien Paret-Peintre (AG2R - Citroën)
Teilnahmen: 0

Der 25-Jährige klettert stark wie nie und hat bei seinem Sieg beim GP de la Marseillaise bewiesen, dass er auch noch endschnell ist. Teamintern muss Paret-Peinte auf niemanden warten und mit seinem neunten Platz bei Paris – Nizza hat er bewiesen, dass er inzwischen auch bei großen Rennen aufs Klassement fahren kann. Die Form stimmt auch, das Critérium du Dauphiné beendete der Franzose auf Rang 13.

Chance auf Weiß: 5%

_______________________________________________________________

Marc Hirschi (UAE Emirates)
Teilnahmen: 1 – Etappensiege: 1 - Bestes Ergebnis Weißes Trikot: Platz 8

Der Schweizer ist der dritte Nachwuchsfahrer iim UAE-Team. Hirschi schaffte  bei der Grande Boucle 2020 den Durchbruch in die Weltspitze. Der Berner kletterte so beeindruckend, dass man davon ausgehen konnte, dass er künftig sogar mit Klassementsambitionen bei der Tour starten würde.Nach seinem Wechsel zu Pogacars Team sind solche Ambitionen aber erstmal auf Eis gelegt. Hirschi wird bei dieser Tour keine Freiheiten genießen. Zudem ist beim 22-Jährigen nach wie vor ein wenig der Wurm drin. Nach einer Verletzung und dem heiß diskutierten Transfer von DSM zu UAE hat Hirschi noch nicht zur Form des Vorjahrs gefunden.

Chance auf Weißes Trikot: 0%

_______________________________________________________________

Valentin Madouas (Groupama - FDJ)
Teilnahmen: 1 – Etappensiege: 0 - Bestes Ergebnis Weißes Trikot: Platz 3

Als der Franzose beim Giro d’Italia 2019  Dreizehnter wurde, hoffte die "Grande Nation", einen neuen Rundfahrer von Format entdeckt zu haben. Der Sohn von Ex-Profi Laurent Madouas zeigte sich stark am Berg und bewies außerdem Zeitfahrpotenzial und sogar eine gewisse Sprintstärke. Die erhoffte Entwicklung blieb danach aber aus. Der 24-Jährige deutet sein Potential immer mal wieder an, ohne wirklich große Erfolge einfahren zu können. Abzuwarten ist, welche Rolle Madouas bei seiner zweiten Tour bekommen wird. Kapitän bei Groupama - FDJ  ist zweifellos Gaudu, trotzdem sollte Madouas in den Bergen genug Freiheiten erhalten, um auch auf eigene Rechnung fahren zu können.

Chance auf Weißes Trikot: 5%


RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • The Larry H.Miller Tour of (2.Pro, USA)