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29.11.2025 | (rsn) – Satolas-et-Bonce und Saint-Maurice-L’Exil – zwei Gemeinden im Départmenet Isère in Frankreich mit zusammengenommen rund 9000 Einwohnern. Abgesehen von dieser überschaubaren Personenzahl verbinden wohl wenige Menschen mehr mit diesen Namen als Moritz Kretschy (Israel – PremierTech Academy). Bei der Alpes Isère Tour (2.2) gewann er in diesem Jahr jeweils eine Etappe in diesen Ortschaften, Saint-Maurice-L’Exil verließ er sogar im Gelben Trikot.
"Ich habe endlich auf internationaler Ebene zwei Etappen gewonnen", sagte Kretschy im Gespräch mit RSN nun beim Blick zurück auf die Saison 2025. "Ich bin konstant durch die Saison gekommen und es war auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung nach einer durchwachsenen Vorsaison." Das Jahr begann mit zwei Top-Ten-Plätzen bei der Tour du Rwanda (2.1) schon erfolgreich, bei der Tour de Taiwan (2.1) lief es für den 23-Jährigen noch besser. ___STEADY_PAYWALL___
Nach den Plätzen drei und vier auf der 2. und 3. Etappe ging er als Gesamtführender in die letzten beiden Teilstücke. Am Ende wurde es Platz zwei in der Gesamtwertung – zeitgleich mit seinem Teamkollegen Brady Gilmore. Dieser erste Höhepunkt verwandelte sich direkt im Anschluss in ein kompliziertes Frühjahr für Kretschy.
"Nach Taiwan wurde ich direkt zur Settimana Internazionale Coppi e Bartali geschickt", erzählte Kretschy. "Das war im Nachhinein nicht so sinnvoll. Nach 36 Stunden Anreise und nur zwei vollen Tagen zwischen Taiwan und Coppi konnte das nur in die Hose gehen. Ich habe dadurch letztlich zwei Wochen verloren. Eigentlich hatte ich eine sehr gute Form aber musste dann noch einmal komplett rausnehmen, weil mein Körper nicht mitgemacht hat."
Moritz Kretschy bei der Settimana Coppi e Bartali (2.1), die er wenige Tage nach der Tour du Taiwan in Angriff nehmen musste. | Foto: Cor Vos
Das spürte er vor allem in der Nacht vor der Tour of the Alps (2.Pro), eigentlich ein Höhepunkt im Rennkalender des Sachsen. "In der Nacht vor dem Start hat es mich richtig erwischt", sagte er. "Ich habe eine Woche komplett krank im Bett verbracht, das hatte ich schon richtig lange nicht mehr. Aber dann konnte ich wieder gut trainieren."
Ein notwendiger "Reset" für Kretschy, was sich Ende Mai bei der Alpes Isère Tour richtig auszahlte. "Mein Ziel war eigentlich in der Gesamtwertung gut abzuschneiden, Etappensiege hatte ich gar nicht so auf dem Schirm", sagte er über die fünf Tage in Frankreich.
Es kam letztlich anders, weil Kretschy mit guten Beinen und clever durch das Department Isère fuhr. "Beide Siege habe ich mit Köpfchen eingefahren. Ich habe mich schlau verhalten, ging nie über mein Limit. Dann habe ich den richtigen Moment erkannt und bin clever gesprintet." So ließ Kretschy den ersten Etappensieg Revue passieren, bei dem er Maxime Decomble (Groupama – FDJ Development) – später im Jahr immerhin WM-Dritter im Zeitfahren und EM-Zweiter im Straßenrennen der U23 - im Sprint schlug. Zwei Tage später folgte der nächste Sieg, diesmal als Solist. "Das technische Finale kam mir entgegen, ich konnte die Kurven richtig gut ausfahren und Meter machen", so Kretschy.
Beinahe war auch das Ziel Gesamtwertung in Reichweite, den Schlusstag nahm er mit dem Gelben Trikot in Angriff. Mit mehr als 18 Minuten Rückstand, fiel er aber im Endklassement noch auf Platz 30 zurück. "Die Luft war raus, ich konnte gar nicht ums Trikot kämpfen, es ging einfach nichts mehr", analysierte Kretschy. Die beiden Tagessiege seien aber am Ende höher einzuschätzen als eine Top-Fünf-Platzierung in Frankreich.
Positive Fan-Interaktion im Spätsommer in Belgien: Moritz Kretschy schreibt Autogramme. | Foto: Cor Vos
Auf diesem Erfolg will Kretschy auch im kommenden Jahr aufbauen. Inzwischen hat er die Gewissheit, dass er im Development-Team seiner Equipe verbleiben kann – die nun auf den Namen NSN hört. Die zweite Saisonhälfte war für die Mannschaft von heftiger Kritik, Anfeindungen und Protestaktionen gegen Israel geprägt. Im Trainingsalltag sei er kaum betroffen gewesen, sagte Kretschy, aber eine unangenehme Situation gab es doch:
"Bei der Volta a Portugal war schon vor der Schlussetappe eine Aktivistengruppe angekündigt. Die haben uns dann auch Drohnachrichten auf Instagram geschrieben, aber das haben wir nicht so sehr an uns herangelassen. Wir können schließlich nichts dafür", schilderte der 23-Jährige, der froh ist, dass es zu einer Namensänderung kam, so dass hoffentlich Normalität einkehren kann.
In einem "normalen" 2026 hofft Kretschy auf weitere Einsätze bei den Profis, so wie er sie auch 2025 erleben durfte. Gegen weitere Siege gäbe es aber natürlich aus seiner Sicht auch nichts einzuwenden.
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