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28.12.2025 | (rsn) – Auftakt in Australien, zum Abschluss noch Japan: Mauro Schmid (Jayco – AlUla) hat im Grunde die längste Saison hinter sich, die der internationale Rennkalender hergibt. Weil er zwischendurch auch noch bei den Weltmeisterschaften in Ruanda war und die Übersee-Rennen in Kanada und den USA mitgenommen hat, dürfte auch kaum ein Profi mehr Reisekilometer gesammelt haben als der Schweizer.
Klingt stressig, war aber über weite Strecken auch erfolgreich. “Grundsätzlich kann man wahrscheinlich schon sagen, dass wir 2025 den besten Mauro seiner bisherigen Karriere gesehen haben“, sagte der 26-Jährige für den RSN-Jahresrückblick. “Ich konnte gute Fortschritte machen und auch von den Ergebnissen her war es wahrscheinlich mein bestes Jahr“, resümierte er da.
Gleich der Start Down Under in sein zweites Jayco-Jahr verlief für Schmid nach Maß. Beim Cadel Evans Great Ocean Race konnte er am Zielstrich die Arme hochreißen und den ersten seiner drei Saisonsiege bejubeln. Die gesamten Umstände machten das WorldTour-Rennen früh zu einem seiner besten Momente des Jahres. “Es war ein Heimrennen für das Team, der erste Sieg für die Mannschaft bei diesem Rennen überhaupt. Und dann auch noch die Sache, dass ich vor zwei Jahren nur knapp am Sieg vorbeigefahren bin und es dieses Mal mit der gleichen Taktik geschafft habe“, zählte Schmid die Faktoren auf, die das Cadel-Evans-Race “von den Emotionen her ganz speziell machten.“ ___STEADY_PAYWALL___
Einen ähnlich hohen Stellenwert hatten für Schmid aber die beiden nationalen Titel, die er sich sowohl im Straßenrennen als auch gegen die Uhr sichern konnte. “Es ist riesengroß für mich, das nochmal zu gewinnen“, sagte Schmid über den Titel auf der Straße, den er verteidigen konnte. Aus einer Vierergruppe heraus verwies er im Sprint Marc Hirschi auf den zweiten Platz und darf damit ein weiteres Jahr das weiße Kreuz auf rotem Grund tragen. Weil er im Zeitfahren auch schneller als Stefan Bissegger gewesen war, gilt das auch für diese Disziplin.
Start nach Maß für Mauro Schmid. In der australischen Heimat seines Teams Jayco - AlUla feierte er den Gewinn des Cadel Evans Great Ocean Race. | Foto: Cor Vos
Das Besondere an diesem Titel: Schmid errang ihn auf den Straßen, auf denen er aufgewachsen ist. Die knapp 19 Kilometer rund um Steinmaur sind die Straßen seiner Jugend. Beim ortsansässigen Veloclub liegen seine radsportlerischen Wurzeln, keine zehn Rennrad-Minuten entfernt in Bülach wurde er geboren. “Ich hatte mich schon gut vorbereitet und wollte ein gutes Rennen zeigen. Ich wusste, dass mir der Kurs gut liegt, weil er nicht so lang war. Oft ist es länger. Und mein Vorteil war, dass ich die Strecke in- und auswendig kenne. Am Rand war alles voller Freunde und Familie. Das wird den Unterschied gemacht haben“, sagte der Schweizer Doppelmeister. Jener Unterschied belief sich letztlich auf eine Sekunde Vorsprung auf den favorisierten Bissegger.
Die Siege in der Schweiz und in Australien seien in ihren Grundsätzen komplett gegensätzlich gewesen. Und es fehlte nicht viel, um diesbezüglich noch ein drittes Kontrastprogramm zu fahren. Bei seiner ersten Tour de France verpasste Schmid rund um Toulouse auf der 11. Etappe den Tagessieg nur knapp, nachdem er den ganzen Tag gemeinsam mit Jonas Abrahamsen (Uno-X Mobility) eine Spitzengruppe gebildet hatte, im Zielsprint aber das Nachsehen gegen den Norweger hatte.
“Ich bin mit dem Ziel in die Tour gegangen, in der besten Form der Saison anzutreten und eine Etappe zu gewinnen. Formtechnisch ist mir das auch gelungen. Aber ich habe gemerkt, dass man bei der Tour andere Erfahrungen macht und das Rennen im Großen und Ganzen wahrscheinlich ein bisschen anders angehen muss als andere“, so Schmid, der ausführte: “Vielleicht muss man es etwas ruhiger angehen lassen und länger warten. Es hat meistens extrem lange gedauert, bis mal eine Gruppe entstanden ist.“
Schmids großer Tag in Toulouse war da fast die Ausnahme. “Ich bin von Kilometer 0 an Vollgas gefahren und musste auch mal über mein Limit hinausgehen. Und als dann von hinten die Gruppe mit (Mathieu) van der Poel kam, habe ich mich vielleicht ein wenig zu gut gefühlt und mir gesagt, ich will heute um den Sieg fahren, deshalb halte ich sie auf Distanz. Da habe ich vielleicht etwas zu viel investiert. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, etwas zu sparen, sie rankommen zu lassen und dann aus der Gruppe zu sprinten. Vielleicht hätte ich auch etwas mehr die Nerven behalten müssen oder es mit einem richtigen Antritt versuchen müssen, nochmal wegzukommen", erzählte er und betonte: "Ich glaube jedenfalls im Nachhinein, dass ich durchaus hätte gewinnen können. Aber es war auch so ein Supertag. Ich bin zufrieden mit meiner Tour, aber auch motiviert, nächstes Jahr zurückzukommen und aus dem zu lernen, was passiert ist.“
In Toulouse verpasste Mauro Schmid seinen ersten Sieg bei der Tour de France im Sprint gegen Jonas Abrahamsen nach langer Flucht nur um Haaresbreite. | Foto: Cor Vos
Zwischen der Tour und den Siegen in der Schweiz und Australien lag noch das Ardennen-Triple – “für mich auch ein heimliches Highlight“. Für einen Eintagesspezialisten, zu denen sich Schmid selbst zählt, wenngleich seine Zeitfahrstärke auch zu Siegen bei kleineren Rundfahrten führen kann, ist das aber auch keine Seltenheit, wenn es über hügeliges Terrain geht. “Ich wusste schon immer, dass mir diese Rennen liegen. Aber in den Jahren zuvor war meist etwas schiefgegangen. Entweder war ich krank oder die Form passte nicht.“
Beim Amstel Gold Race konnte Schmid seinen Kapitän Michael Matthews bis ins tiefe Finale hinein unterstützen und sich selbst noch Rang 15 sichern, beim Flèche Wallonne reichte es als Zehnter für sein erstes Top-10-Ergebnis überhaupt in den Ardennen.
Bei Lüttich-Bastogne-Lüttich dagegen hätte wie auch bei der Tour “ein bisschen mehr Erfahrung geholfen. Bei meinen ersten beiden Malen habe ich es nie bis auf die letzten 100 Kilometer vor dem Ziel geschafft. Zu wissen, wie es da abläuft, hätte aber nicht geschadet. Ich war ein paar Mal in der Verfolgergruppe, wurde aber wieder eingeholt", sagte er und fügte an: "Mit einer besseren Position in La Redoute hätte ich sicher ums Podium mitfahren können und für jemanden wie mich wäre das ein Riesenergebnis.“
Zu Buche stand letztlich Rang 22, aber vor allem ein großer Gewinn an Erfahrung, der im kommenden Jahr helfen soll.
Seine Erfahrungen hat Schmid später im Jahr dann auch in Ruanda gesammelt. Es waren allerdings keine guten. “Die Weltmeisterschaften waren fast schon der Tiefpunkt der Saison“, sagte er leicht geknickt. “Ich hatte nach der Tour noch viel investiert und große Motivation für die WM.“ Vielleicht hatte er es auch zu gut gemeint, war nach der Tour noch in San Sebastian und in Plouay und dann in Nordamerika bei den Eintagesrennen in Maryland, Québec und Montréal im Einsatz.
“Bei dem ganzen Reisen war es schon schwer, dazwischen noch vernünftig zu trainieren. Aber ich hatte schon noch ein einigermaßen gutes Gefühl und bin auch motiviert ins Zeitfahren gegangen“, so Schmid. Das fuhr er als ersten von drei Wettkämpfen in Kigali auch zu Ende, doch gelaufen war das Rennen schon viel früher.
Mauro Schmid eilte 2025 von einem WorldTour-Rennen zum nächsten. Im kommenden Jahr soll mehr Platz für Pausen sein - oder zumindest für kleinere Rennen, die ebenfalls als Vorbereitung dienen können. | Foto: Cor Vos
“Ich war nach zwei Kurven bereits gestürzt", berichtete er. "Das hat die ganze WM aus der Balance gebracht. Die ganze Vorbereitung aufs Zeitfahren war für Nichts. Und ohne das Zeitfahren hätte ich mich vielleicht ganz anders aufs Straßenrennen vorbereitet oder später anreisen können. Der Tag war kaputt, ich hatte durch die Woche Schmerzen und es drückte irgendwie aufs Gemüt, sodass ich für Sonntag nicht mehr in meinen guten Rhythmus kam.“
In der WM-Bilanz stand für Schmid Rang 29 im Zeitfahren, ein 'DNF' im Straßenrennen und Bronze in der Mixed-Staffel, was letztlich durch den Defekt bei Marlen Reusser aber auch nur der Trostpreis war.
Neben vielen guten Ergebnissen stand auch die fünfte Saison in der WorldTour unter dem Motto, dass es viel zu lernen gab. Die Tour, Lüttich, vor allem aber auch der volle Rennkalender, der im Grunde einen Hochkaräter an den nächsten reihte. “Ich bin fast nur WorldTour-Rennen gefahren“, rekapitulierte Schmid. 72 Renntage stehen unter dem Strich, lediglich sieben davon gehörten nicht dem höchsten Niveau an oder waren Meisterschaftsrennen.
“Vielleicht braucht es im nächsten Jahr etwas mehr Mix, damit ich auch ein paar Wettkämpfe als Vorbereitung fahren kann. Und vielleicht auch mal eine kleine Pause im Frühling“, überlegte er. Mehr als zehn Tage ohne Rennen gab es für Schmid nur im Mai und Anfang Juni – nach den Klassikern und vor der Tour-Vorbereitung.
Zumindest seine Winterpause wird wieder eine kurze, denn erneut wird Schmid seine Saison in Australien starten. “Erstes Highlight sind dann die Ardennen und die Romandie-Rundfahrt als Abschluss der ersten Phase, bevor es wieder mit der Tour-Vorbereitung losgeht. Ein weiteres Highlight soll dann wieder die WM werden, die mir eigentlich gut liegen sollte", gab er abschließend Einblicke in seinen Rennkalender 2026.
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