RSNplusRSN-Rangliste, Platz 6: Max Kanter

Ziel nach starkem Jahr: “Die zweiten Plätze in Siege umwandeln“

Von Matthias Seng

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Max Kanter (XDS - Astana) | Foto: Cor Vos

26.12.2025  |  (rsn) – Das sei verraten: So weit vorne wie Max Kanter (XDS – Astana) landete in der RSN-Jahresrangliste 2026 kein anderer deutscher Sprinter. Das liegt zum einen daran, dass lange Zeit dominierende Profis wie Pascal Ackermann (Israel – Premier Tech) oder Phil Bauhaus (Bahrain Victorious) in der abgelaufenen Saison aus unterschiedlichen Gründen ihre Bestform nicht erreichten und nachrückende Talente wie Tim Torn Teutenberg (Lidl – Trek) oder Henri Uhlig (Alpecin – Deceuninck) sich noch im Entwicklungsprozess befinden.

Andererseits machte der mittlerweile 28 Jahre alte Kanter einen weiteren Schritt nach vorn, was unter anderem seine insgesamt 17 Top-Ten-Ergebnisse belegen. Auch wenn darunter nur ein Sieg war, bilanzierte der zweimalige Deutsche U23-Meister gegenüber RSN positiv: “Ich bin sehr zufrieden mit meiner Saison 2025.“ ___STEADY_PAYWALL___

Die begann bereits Ende Januar auf Mallorca, wo Kanter im Rahmen der dortigen Challenge bei der Trofeo Ses Salines (6.) und der Trofeo Palma (5.) früh erste Ausrufezeichen bei 1.1-Events setzte. Ebenfalls in Spanien verpasste er bei der Clasica Almeria (1.Pro) gegen den Belgier Milan Fretin (Cofidis) nur knapp seinen ersten Saisonsieg, den er dann rund drei Monate später Anfang Mai in Belgien feierte. Dort entschied er die Famenne Ardenne Classic (1.1) vor seinem Teamkollegen Cees Bol für sich . “Das war mein Highlight dieses Jahr“, sagte Kanter, der bereits zuvor bei hochklassigen Rennen wie der Classic Brugge-De Panne (1. UWT / 6.) und dem Scheldepreis (1. Pro / 7.) jeweils weit vorne gelandet war.

Bei der Classic-Brugge De Panne mischte Max Kanter (XDS – Astana) bei den Großen mit und wurde am Ende starker Sechster. | Foto: Cor Vos

“Aber auch der Giro d Italia war eine sehr tolle Erfahrung. Wir konnten als Team eine starke Leistung zeigen und ich persönlich konnte einige Topplatzierungen einfahren“, sagte er mit Blick auf seine Top-Ten-Ergebnisse auf drei Etappen. XDS - Astana hatte aber noch mehr Grund zum Jubeln – schließlich gewann Christian Scaroni auf denkwürdige Weise vor Teamkollege Lorenzo Fortunato in San Valentino die Bergankunft der 16. Etappe. In der Giro-Bergwertung tauschten die beiden Italiener dann die Plätze: Fortunato holte sich das Blaue Trikot des besten Kletterers vor Scaroni.

“Ich glaube, wir haben in diesem Jahr einige Leute überrascht“, sagte Kanter und meinte damit nicht nur die Italien-Rundfahrt, sondern die Leistungen über den gesamten Saisonverlauf hinweg, in dem XDS – Astana nicht weniger als 32 Siege gelangen, was zu Platz vier in der UCI-Weltrangliste in der WorldTour führte.

Astana mit Glaube an sich selbst und neuem Sponsor erfolgreich

Mit dem noch zu Saisonbeginn zu befürchtenden Abstieg aus der WorldTour hatte der kasachische Rennstall dann auch nichts zu tun. “Es gab viele Personen, die es nicht mehr für möglich gehalten haben, dass wir den WorldTour-Status behalten“, sagte Kanter und fügte als Erklärung für die phänomenale Entwicklung des großteils neu zusammengestellten Teams an: “Ausschlaggebend dafür war, dass wir als Team daran geglaubt haben, es schaffen zu können und wir durch XDS einen sehr starken Sponsor dazu bekamen, der uns bei diesem Ziel unterstützt hat.“

Bei der Famenne Ardenne Classic (1.1) triumphierte Kanter (re.) vor seinem Teamkollegen Cees Bol. | Foto: Cor Vos

Auch Kanter selbst profitierte von der allgemeinen Aufwärtstendenz. Zwar gelang ihm in seinem zweiten Jahr bei XDS – Astana kein weiterer Sieg mehr. Doch sei es für ihn “wichtig zu sehen, dass ich in den letzten Jahren stets einen Aufwärtstrend hatte.“ Dabei wolle er sich “ungern mit anderen Fahrern“ vergleichen, antwortete Kanter auf die Frage, wo er sich mit seinen Qualitäten im Vergleich zu den weltbesten Sprintern wie Tim Merlier, Jasper Philipsen oder Jonathan Milan sehen würde.

Vielmehr nehme er aus den Ergebnissen des zu Ende gehenden Jahres “sehr viel Selbstvertrauen mit. Es ist immer ein bisschen undankbar, als Zweiter über die Linie zu fahren“, gab er zu, “aber die Namen, hinter denen ich ins Ziel gefahren bin, sind absolute Weltspitze: Arnaud De Lie, Tim Merlier und Paul Magnier“, sagte Kanter und meinte damit den Herbst, in dem er sich bei den beiden Eintagesrennen Omloop van het Houtland (1.1 / Merlier) und Paris-Chauny (1.1 / De Lie) sowie zum Auftakt der Tour of Guangxi (2.UWT / Magnier) hinter den drei Weltklassesprintern jeweils mit Rang zwei begnügen musste.

“Kann in beiden Arten von Sprints starke Resultate erzielen“

Das gewachsene Selbstvertrauen wird aber auch darin deutlich, dass Kanter sich mittlerweile auf ganz unterschiedlichen Terrains wohlfühlt, was seine Erfolgschancen künftig weiter erhöhen dürfte. “Ich habe in den letzten Jahren bewiesen, dass ich in beiden Arten von Sprints starke Resultate erzielen kann. Ich sehe es definitiv als Stärke von mir, dass ich anspruchsvollere Parcours gut überstehen und dennoch einen starken Sprint fahren kann“, erklärte er.

Auch im Herbst präsentierte Kanter (re.) sich noch in Form: Zum Auftakt der Tour of Guangxi musste er sich nur dem beim WorldTour-Finale groß auftrumpfenden Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) geschlagen geben. | Foto: Cor Vos

Das sieht ganz offensichtlich auch sein Team so, denn im Oktober gab XDS – Astana bekannt, dass der Vertrag mit seinem Top-Sprinter um weitere zwei Jahre verlängert worden sei. “Mein Ziel ist es, die zweite Plätze in Siege umzuwandeln“, sagte Kanter zu RSN mit Blick auf seine dann achte Saison seiner Profi-Karriere, die 2019 bei Sunweb begonnen hatte und die ihn über die Zwischenstation Movistar Ende 2023 zu Astana geführt hatte.

Das Tour-Debüt wäre die Verwirklichung eines Traums

Dort kam der gebürtige Cottbuser bisher auf zwei Grand-Tour-Einsätze: 2024 und 2025 jeweils beim Giro d’Italia, den er insgesamt viermal in seiner Laufbahn bestritten hat. Sein Grand-Tour-Debüt hatte er bereits 2020 bei der Vuelta a Espana gegeben – die Frankreich-Rundfahrt dagegen fehlt noch in seinem Kalender. “Die Tour zu fahren, wäre ein absoluter Kindheitstraum“, erklärte Kanter, der aber noch nicht sagen konnte, ob sich dieser Traum in der Saison 2026 wird erfüllen lassen: “Wir besprechen das Rennprogramm in der kommenden Zeit.“

Klar sei dagegen bereits, dass er 2026 wieder bei der Mallorca Challenge am Start stehen werde, gefolgt von einem Höhentrainingslager im Februar. “Anschließend soll ich bei Kuurne-Brüssel-Kuurne in die Klassikersaison starten“, so der Astana-Sprinter, der bei bisher vier Teilnahmen an dem belgischen Eintagesrennen einen 23. Platz aus dem vergangenen Jahr als bestes Ergebnis vorzuweisen hat.

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