RSNplusHead of Performance im Interview

Lorang: “Setzen Kohlenmonoxid-Test nicht systematisch ein“

Von Tom Mustroph aus Gap

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Dan Lorang betreut, Head of Performance bei Red Bull - Bora - hansgrohe | Foto: Felix Mattis

18.07.2024  |  (rsn) – In den vergangenen Tagen schlägt das Thema “Kohlenmonoxid“ hohe Wellen bei der Tour de France. Wie bekannt wurde, nutzen die Teams UAE Emirates, Visma und Israel – PremierTech Kohlenmonoxid-Kreislaufgeräte, um so die Blutvolumina ihrer Fahrer etwa nach Höhentrainingslagern zu messen. In einem Artikel schrieb das US-amerikanische Radsport-Portal "Escape Collective", dass selbst beim kontrollierten Inhalieren von Kohlenmonoxid theoretisch leistungssteigernde Wirkung erzeugt werden könnte – was aber auch die Gesundheit der Fahrer gefährden könnte.

RSN befragte vor dem Start der 18. Etappe der Tour de France Dan Lorang, Head of Performance bei Red Bull – Bora – hansgrohe, unter anderem zu diesem Thema.

Das Team hat sich von der Tour deutlich mehr versprochen. Woran lag es?
Dan Lorang: Es ist eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Zum einen sind die Gruppen bisher noch nicht so angekommen. Und gestern etwa gewinnt mit Richard Carapaz ein Bergfahrer, da braucht man jemanden wie Jai Hindley in der Gruppe. Dennoch muss man nach der Tour schauen, wo war jeder Fahrer am Start der Tour und dann schauen, war jeder auf seinem Maximum? Bis jetzt konnte noch keiner über sich hinauswachsen, das lässt sich jetzt schon sagen. Und das muss man analysieren. Primoz war auf jeden Fall da, wo er sein sollte, er war topfit am Start, schade, dass er nicht mehr dabei ist.

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Mit dem Ziel Tour-Sieg trat Red Bull – Bora – hansgrohe zur 111. Tour de France an. | Foto: Cor Vos

Gibt es etwa von Seiten von Red Bull Druck, dass die Vorbereitung nicht gestimmt haben könnte?
Lorang: Wir sind ja seit 1. Juli Red Bull und wir machen das gemeinsam. Wir verfügen über das Radsportwissen und machen uns da genügend selber Druck, angefangen von den Athleten über die Trainer bis zu allen, die daran beteiligt sind, inklusive mir. Wir wollen natürlich immer das Beste. Wenn wir sehen, dass die Athleten teilweise ihre besten Werte nicht erreichen, dann muss man ganz offen darüber reden und gemeinsam Lösungen finden. Für jeden war die Vorbereitung einsehbar, wir haben das nach bestem Wissen gemacht. Aber es wäre nicht Leistungssport, wenn man das nicht kritisch hinterfragen würde.

Die letzten Tage ging das Thema “Kohlenmonoxid-Test“ um. Braucht man diesen Test überhaupt?

Lorang: Es geht um das Blutvolumen – und der Test ist der Goldstandard, mit dem man das Blutvolumen bestimmt. Das wurde schon vor vielen Jahren gemacht, etwa als ich 2010 beim Cervelo Test Team war. Das ist also nichts Neues. In diesem Artikel geht es darum, dass das Einatmen von Kohlenmonoxid vielleicht genutzt werden könnte, um den Körper zu veranlassen, mehr rote Blutkörperchen zu produzieren. Davon trennen möchte ich die Methode zur Blutvolumenbestimmung an sich. Sie ist schon sehr alt und sie wurde nur verfeinert, damit der Sportler nicht so viel davon einatmen muss, um keine Gesundheitsschädigungen zu riskieren.

Kapitän Primoz Roglic musste dann aber nach zwei Stürzen binnen 24 Stunden aufgeben. | Foto: Cocr Vos

Setzt Ihr Team dieses Verfahren auch ein?
Lorang: Wir haben die Blutvolumenbestimmung bisher nicht systematisch eingesetzt, wir haben den einen oder anderen Fahrer, der das schon gemacht hat. Aber wenn man Höhentraining macht, will man natürlich überprüfen, wie effektiv das Ganze ist und da kann man die Leistung nehmen – das ist der wichtigste Parameter. Man kann aber auch schauen, was hat sich im Blut getan und da ist das Blutvolumen der Parameter. Im Idealfall macht man das mit allen Fahrern, wobei das logistisch nicht so einfach ist. Andere Teams machen das mit mehr Fahrern als wir bisher. Bei uns ist es auch ein Thema, ob wir das in Zukunft vermehrt machen, um zu schauen, wie das Training tatsächlich wirkt. Wir haben uns bisher mehr die Performance angeschaut und weniger die Blutparameter. Diese Blutvolumenmessung ist tatsächlich das genauste Verfahren. Aber da muss man schauen, wie man seine Ressourcen einsetzt. Jetzt haben wir mehr Ressourcen und werden das vielleicht auch verstärkt einsetzen.

Wer von den Jungs hier wird zur Vuelta a Espana fahren?
Lorang: Jetzt warten wir mal ab, bis alle in Nizza angekommen sind und dann müssen wir mit jedem Fahrer und den Trainern reden. Wir haben ja noch 22 andere Fahrer, die dafür in Frage kommen. Deshalb machen wir uns auch keinen Stress, sondern schauen, wie die Jungs hier erstmal rauskommen.

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