--> -->
18.03.2023 | (rsn) – Etwas ungläubig schlug sich Mathieu van der Poel auf den Helm, als er die Ziellinie von Mailand-Sanremo überquerte, nachdem er die letzten Meter zuvor schon jubelnd genießen konnte. Der 28-Jährige entschied die 114. Austragung des Traditionsrennens als Solist für sich. Er ist erst der vierte Radprofi der Niederlande, der das erste Monument des Jahres gewinnen konnte - und der zweite Radprofi seiner Familie. Vor 62 Jahren hatte sein Großvater Raymond Poulidor in San Remo ebenfalls als Solist triumphiert.
Mit einer beherzten Attacke kurz vor der Kuppe des Poggios schüttelte der Cross-Weltmeister van der Poel seine Kontrahenten Filippo Ganna (Ineos Grenadiers), Wout Van Aert (Jumbo – Visma) und Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) ab, die in dieser Reihenfolge mit 15 Sekunden Rückstand die Plätze zwei bis vier unter sich ausmachten.
Als Fünfter führte der Teamkollege des Siegers, der Däne Sören Kragh Andersen, den Rest der Top Ten mit 26 Sekunden Rückstand ins Ziel. Weitere sechs Sekunden dahinter kamen der Österreicher Marco Haller (Bora - hansgrohe auf Rang 17 unf mit Nikias Arndt (18.) und Nils Politt (21.) die besten Deutschen an.
“Das ist eines der Rennen, das ich unbedingt gewinnen wollte“, sagte van der Poel im Ziel. “Ich hatte aber nicht erwartet, dass es heute passieren würde“, so der Sieger nach knapp sechseinhalb Stunden im Sattel und der mit 45,77 km/h zweitschnellsten Austragung aller Zeiten.
“Ich sagte dem Team, dass sich meine Beine an der Cipressa noch richtig frisch angefühlt haben. Durch den Gegenwind dort sind wir auch nicht so hart raufgefahren wie in den letzten Jahren“, schilderte er die entscheidenden Momente im Rennverlauf. “Ich wollte am Ende des Poggio eine Attacke starten, habe dann eine Lücke gefunden.“ In der Abfahrt ließ er sich nicht mehr einholen.
Während sich Sieger van der Poel ausnahmslos glücklich zeigte, wandelte Ganna zwischen den Gefühlen. “Ich bin enttäuscht mit Rang zwei, aber glücklich über den Tag“, sagte der Italiener, der sich im Sprint gegen die vermeintlich höher eingeschätzten Van Aert und Pogacar behauptete: “Ich habe auf der Zielgeraden die besten Werte in meiner Karriere abgeliefert. Ich habe schon ein paar zweite Plätze geholt, aber der heute ist sehr speziell für mich.“
Der Drittplatzierte Van Aert konnte hingegen gut mit seinem Ergebnis leben. “Ich bedauere nicht, wie das Rennen gelaufen ist. Mathieu hat jedem gezeigt, wie stark er ist. Er hat im richtigen Zeitpunkt angegriffen.“
Bei sonnigen Bedingungen und wenig Wind machten sich am Morgen 175 Fahrer auf den Weg aus dem Mailänder Vorort Abbiategrasso – erstmals wurde nicht direkt in der Mode-Metropole gestartet – zur legendären Via Roma in San Remo, wo das Rennen nach 294 Kilometern endete.

Neun Ausreißer, Alexandr Riabushenko (Astana Qazhaqstan), Mirco Maestri, Samuele Rivi (beide EOLO Kometa), Alessandro Tonelli, Samuele Zoccarato (beide Green Project - Bardiani CSF - Faizane), Negasi Haylu Abreha (Q36.5 Pro Cycling), Alexandre Balmer, Jan Maas (beide Jayco AlUla) und Alois Charrin (Tudor Pro Cycling) waren mutig genug, den größten Teil des Rennens an der Spitze zu bestreiten. Kurz nach dem Auftakt gestartet, waren aber nie mehr als gut drei Minuten Vorsprung drin. Kurz vor der Cipressa wurden die letzten Ausreißer gestellt.
Bis zu den drei Bergen Capi Mele, Cerve und Berta lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei mehr als 45 km/h und damit auf Rekordkurs. Am ersten der drei Anstiege zeigte die Spitzengruppe erstmals Zerfallserscheinungen. Die gab es bis dato nur am Passo del Turchino, da allerdings im Hauptfeld und verschuldet durch einen Sturz. Julian Alaphilippe (Soudal Quick-Step) zählte zu den Fahrern, die zu Fall kamen. Er kämpfte sich im Laufe der Kilometer aber zurück ins Feld.
In der Anfahrt zur Cipressa kam es zu weiteren Stürzen. So war für Sam Bennett und Cesare Benedetti (beide Bora – hansgrohe) das Rennen vorzeitig gelaufen, auch Michal Kwiatkowski, der Ineos-Grenadiers-Kapitän, kam zu Fall und spielte danach keine Rolle mehr. Der Ausfall von Boras Sprintkapitän bedeutete freie Fahrt für Nils Politt, der auf dem Flachstück nach der Cipressa eine Attacke lancierte, nachdem UAE Team Emirates im Anstieg keine Vorentscheidung herbeiführen konnte. Doch Bahrain Victorious setzte rechtzeitig nach, der Deutsche Meister konnte seine maximal 200 Meter große Lücke aber nicht entscheidend ausbauen. Deshalb ließ er sich wieder zurückfallen.
Bahrain Victorious war es auch, dass für Kapitän Matej Mohoric mit Tempo in den Poggio fuhr. Doch der Vorjahressieger hatte Mühe, sodass die Arbeit seines Teams verpuffte und stattdessen zur Vorbereitung für den Angriff seines Landsmannes wurde. Tim Wellens erledigte für seinen Kapitän Pogacar die Tempoarbeit, ehe der Slowene acht Kilometer vor dem Ziel selbst aus dem Sattel ging. Zunächst konnten sieben Fahrer folgen, neben van der Poel, Van Aert und Ganna waren das Kragh Andersen, Mads Pedersen (Trek - Segafredo), Mohoric und Neilson Powless (EF Education - EasyPost). Anderthalb Kilometer vor der Kuppe des Poggios halbierte sich die Spitze erneut.
Kurz vor dem Gipfel des Anstiegs ging van der Poel aus dem Sattel und riss eine kleine Lücke zu seinen ärgsten Verfolgern Pogacar, Ganna und Van Aert, die auf der Abfahrt größer wurde und bis ins Ziel Bestand haben sollte. Van Aert war es, der den Berg hinunter die Tempoarbeit für die Verfolger machte. Ganna hingegen, eigentlich schon am Limit, hielt sich lange im Windschatten und zog auf den letzten 200 Metern noch am Belgier und dem erneut geschlagenen Pogacar vorbei.

Results powered by FirstCycling.com
16.03.2024Sobrero durfte kurz vom Sieg auf der Via Roma träumen(rsn) - Wie ein Lausbub freute sich Matteo Sobrero am Ende dieser Primavera. Gut, das Ergebnis mit Platz zwölf beim 115. Mailand-Sanremo war keine Eilmeldung wert. Aber der italienische Neuzugang bei
16.03.2024Van der Poel lotst Philipsen auf den Primavera-Thron(rsn) – Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck) hat die 115. Ausgabe von Mailand-San Remo (1.UWT) gewonnen und seinen ersten Sieg in einem Monument gefeiert. Dabei profitierte der Belgier von der
14.11.2023Mohoric: Gravel-WM-Titel mehr wert als Sanremo-Sieg(rsn) – Matej Mohoric (Bahrain Victorious) hat mit einer Aussage gegenüber dem britischen Magazin Rouleur den Straßenradsport-Romantikern mitten ins Herz gestochen. Der Slowene erklärte, dass er
21.03.2023Van der Poel klopfte vor seiner Attacke freundlich an(rsn) – Mathieu van der Poels Angriff kurz vor dem Ortsschild von Poggio am gleichnamigen Anstieg war unwiderstehlich und bärenstark. Der Niederländer von Alpecin – Deceuninck ließ kurz vor der
19.03.2023An der Cipressa gingen bei den DSM-Rookies die Lichter aus(rsn) – John Degenkolb (DSM) führte beim 114. Mailand-Sanremo (1.UWT) eine Rookie-Bande um Marius Mayrhofer ins Rennen – und erwies sich schließlich als der stärkste Fahrer eines Teams, das in
19.03.2023Van der Poels Traum-Szenario: Solo-Sieg wie einst der Opa(rsn) – Nach einer erfolgreichen Cross-Saison mit sieben Siegen und dem fünften Elite-Weltmeistertitel verlief der Auftakt der Straßensaison nach einem Monat Rennpause für Mathieu van der Poel (A
19.03.2023Sagans Abschiedstournee wird wohl keine Erfolgstour(rsn) – Mailand-Sanremo (1.UWT) ist kein Sprinterklassiker mehr. Das Fazit, das sich nach dem ersten Monument der Saison bereits in den vergangenen Jahren ziehen ließ, hat sich auch bei der 114. Au
18.03.2023Starker Politt frustriert: “Zur falschen Zeit am falschen Ort“(rsn) – Marco Haller und Nils Politt sind ein starkes Mailand-Sanremo (1.UWT) gefahren, am Ende aber stand für den deutschen WorldTour-Rennstall Bora – hansgrohe beim ersten Monument der Saison t
18.03.2023Ganna die neue Hoffnung der Tifosi auf Primavera-Sieg?(rsn) – Erstmals seit fünf Jahren konnte sich wieder ein Fahrer aus Italien auf dem Podium von Mailand-Sanremo präsentieren. 2018 siegte Vinzenzo Nibali, nun fand der Hai von Messina mit dem Stun
18.03.2023Van Aert: “Ich bedaure nicht, wie das Rennen gelaufen ist“(rsn) - Die 114. Ausgabe von Mailand-Sanremo hat die Erwartungen erfüllt. Nach einem spannenden Finale entschied Mathieu von der Poel (Alpecin – Deceuninck) das erste Monument des Jahres in beeindr
17.03.2023Mohoric: “Ich habe noch ein paar Asse im Ärmel“(rsn) - Mit Mailand-Sanremo steht am Samstag das erste Monument der Straßensaison auf dem Programm. radsport-news.com hat vor dem Start die Stimmen der Protagonisten zusammen getragen. Hier können
17.03.2023Degenkolb führt Rookie-Bande um Mayrhofer nach San Remo(rsn) – Acht Jahre ist es her, dass John Degenkolb auf der Via Roma beide Arme in die Höhe riss und vor Titelverteidiger Alexander Kristoff mit Mailand-Sanremo (1.UWT) sein erstes Monument gewann.
09.01.2026SD Worx verabschiedet sich für 2026 von Grand-Tour-Ambitionen (rsn) – Understatement oder neue Realittät? Danny Stam, Sportdirektor von SD Worx – Protime, hat bei der Präsentation des Teams in Antwerpen angekündigt, dass ein Grand-Tour-Sieg in der kommend
09.01.2026Mit Ritzeln und Kette in Gold: Red Bull präsentiert neues Evenepoel-Rad (rsn) - Unauffällig ist anders. Red Bull - Bora - hansgrohe hat das neue Arbeitsgerät von Remco Evenepoel präsentiert. Und eigentlich können alle Beteiligten nur hoffen, dass der 25-Jährige nicht
09.01.2026Picnic – PostNL setzt voll auf Poole und Bittner (rsn) – Auch nach dem Abgang des Tour-de-France-Vierten Oscar Onley will sich das Team Picnic – PostNL im kommenden Jahr auf Gesamtwertungen konzentrieren. Der 22 Jahre alte Max Poole soll die Rol
09.01.2026Medien: Onley mindestens doppelt so teuer wie Evenepoel (rsn) - Offizielle Bestätigungen gibt es nicht, doch wie mehrere Medien nun berichten, hat Ineos Grenadiers mehr als doppelt so viel Geld auf den Tisch gelegt, um Oscar Onley aus seinem Vertrag bei P
09.01.2026Verschneite Querfeldein-Titelkämpfe in Bensheim (rsn) – Am kommenden Wochenende werden im südhessischen Bensheim die Deutschen Meisterschaften im Cross ausgetragen. Wie schon 2018 finden die Titelkämpfe rund um den Bikepark am Berliner Ring im
09.01.2026Mit Kool weniger Druck für Pieterse und Kastelijn (rsn) – Das Top-Frauenteam der Gebrüder Philip und Christoph Roodhooft bestach in seinem dritten WorldTour-Jahr vor allem wieder durch eines - die Konstanz der beiden Leistungsträgerinnen Puck Pie
09.01.2026Die Trikots der Women´s WorldTour-Teams für die Saison 2026 (rsn) – 14 Rennställe umfasst die Women´s WorldTour in der Saison 2026. Doch wie treten diese 14 Mannschaften im neuen Jahr auf? Welche Farben zieren ihre Trikots, welche Art von Designs werden ge
09.01.2026Die Trikots der WorldTour-Teams für die Saison 2026 (rsn) - Wie sieht das Peloton 2026 aus? Welche Farben werden in der kommenden Saison vorherrschend sein? Nach und nach stellen die WorldTour-Rennställe ihre Trikots für das neue Jahr vor - den Anfan
09.01.2026Eine Reise ins Universum des japanischen Keirin (rsn) – Im Keirin geht es um Olympia-Medaillen. Der sogenannte ´Kampfsprint´ ist in Europa, Australien und Amerika längst angekommen und für spannende Rennen bekannt. Doch in seiner Heimat Japan
08.01.2026Iserbyt muss seine Karriere beenden (rsn) – In einem emotionalen Video auf Instagram hat Eli Iserbyt (Pauwels Sauzen – Altez) das Ende seiner Karriere erklärt. Seit Februar 2025 hat er ehemalige Weltranglistenerste kein Rennen mehr
08.01.2026Soudal - Quick-Step bindet auch Magnier langfristig (rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr
08.01.2026Soudal bleibt Titelsponsor bis 2030, Dumoulin wird Renndirektor (rsn) - Ex-Profi Tom Dumoulin wird neuer Renndirektor des Amstel Gold Race. Der 35-jährige Niederländer übernimmt den Job von Leo van Vliet, allerdings erst zur Austragung 2027. Es wird die 61. sei