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Vorschau 79. Paris-Nizza

Schachmann trifft auf den Giro- und auf den Vuelta-Sieger

Foto zu dem Text "Schachmann trifft auf den Giro- und auf den Vuelta-Sieger"
Szene aus Paris-Nizza 2020 | Foto: Cor Vos

07.03.2021  |  (rsn) - Wie im vergangenen Jahr auch beginnt Paris-Nizza mit einer hügeligen Auftaktetappe, die das Feld auseinanderreißen und an deren Ende ein Ausreißer das erste Gelbe Trikot überziehen könnte. Das gelang damals dem Berliner Maximilian Schachmann (Bora - hansgrohe), der in Plaisir triumphierte und danach das maillot jaune bis nach Nizza verteidigte, wo er als fünfter deutscher Profi das erste bedeutende Mehretappenrennen der Saison für sich entschied.

Bei der 79. Auflage von Paris-Nizza tritt der 27-jährige Schachmann mit der Startnummer 1 an und hofft auf eine erfolgreiche Titelverteidigung. Zwar bekommt er es mit starker Konkurrenz zu tun - der abwechslungsreiche Streckenverlauf mit Flachetappen, einem Einzelzeitfahren sowie hügeligen und bergigen Teilstücken müsste dem Allrounder allerdings entgegenkommen.

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Das Peloton besteht aus 23 Teams. Zu den 19 Mannschaften aus der World Tour kommen Alpecin - Fenix als bestes ProTeam 2020 sowie die mit Wildcards ausgestatteten französischen Zweitdivisionäre B & B Hotels, Arkéa - Samsic und Total Direct Energie.

Ein Vierteljahrhundert ohne französischen Gesamtsieg

Zwar liegt der letzte Triumph eines heimischen Profis nicht ganz so lange zurück wie bei der Tour de France. Doch seit Laurent Jalabert 1997 den letzten seiner drei Gesamtsiege en suite einfuhr, sind immerhin schon 24 Jahre vergangen - und dass Pierre Latour (Total Direct Energie), Guillaume Martin (Cofidis), Warren Barguil (Arkéa - Samsic) oder David Gaudu (Groupama - FDJ) die erfolglose Zeit werden beenden können, erscheint doch eher fraglich. Martin etwa zeigte sich auf die Frage nach seinen Ambitionen eher zurückhaltend. “Der Beginn der Woche ist schon entscheidend, ich muss Stürze vermeiden, um ein gutes Klassementergebnis einzufahren. Andernfalls muss ich mich mehr auf einen Etappensieg konzentrieren”, legte der 27-Jährige vorsichtshalber schon einen Alternativplan vor.

Sein neuer Teamkollege Simon Geschke nannte gegenüber radsport-news.com auch den Grund dafür. “Guillaume ist erst zwei Rennen gefahren, die sind nicht ganz so gut gelaufen. Er hatte auch einen Sturz im Training, wir wissen deshalb nicht ganz genau, wie sein Level ist. Und das Niveau hier ist ja fast so hoch wie bei der Tour. Ich denke, es wird sich schnell herauskristallisieren, wie er sich fühlt und danach wird der Fahrplan entschieden“, sagte der Freiburger, der davon ausgeht, dass auch er einige Freiheiten erhalten wird.

Titelverteidiger Schachmann, der wieder auf die Unterstützung des Österreichers Felix Großschartner bauen kann, wird eher Konkurrenten wie Primoz Roglic (Jumbo - Visma) oder Tao Geoghegan Hart und Richie Porte (beide Ineos Grenadiers) im Auge haben müssen. “Zu Saisonbeginn muss man immer schauen, wie es läuft. Das Höhentrainingslager auf Teneriffa verlief wie geplant und ich will mich in den kommenden Rennen in bestmöglicher Verfassung zeigen”, sagte Vuelta-Sieger Roglic, der wie Schachmann auch sein Saisondebüt geben wird.

Deutlich offensiver äußerte sich sein Sportdirektor: “Wir fahren mit Roglic auf Gesamtsieg”, kündigte Grischa Niermann an. Mit Steven Kruijswijk, George Bennett und Neuzugang Sam Oomen verfügt Roglic jedenfalls über eine erstklassig besetzte Helferriege, die bereits bei der ersten Bergankunft am vierten Tag zum Zuge kommen dürfte. Tags zuvor wird der Slowene im Einzelzeitfahren schon zeigen können, in welcher Verfassung er ist. ”Nach der 3. und 4. Etappe werden wir wissen, ob wir eine Führung verteidigen oder auf den Schlussetappen attackieren müssen”, prognostizierte Niermann.

Gibt es ein Duell Jumbo vs. Ineos?

Mit einem ähnlich stark besetzten Aufgebot wie Jumbo - Visma Ineos Grenadiers an. Giro-Gesamtsieger Geoghegan Hart und der zweimalige Paris-Nizza-Champion Porte führen das Team an. ”Ich habe tolle Erinnerungen an 2019, als Egan (Bernal) das Rennen gewann. Natürlich wird es schwer, so was zu wiederholen, aber wir kommen mit einem super super starken und ausgeglichenen Team”, sagte der 25-jährige Geoghegan Hart vor seinem zweiten Rennen dieses Jahres.

Bei seiner neunten Paris-Nizza-Teilnahme will sich Ineos-Rückkehrer Porte allerdings in den Dienst der Mannschaft stellen und als Edelhelfer von Geoghegan Hart agieren. “Wir haben ein sehr starkes Team dabei“, sagte der Australier. “Ich will vor allem eine gute Rolle als Teil des Teams spielen und ihm helfen, das Rennen zu gewinnen, durch wen auch immer. Ich bin gerade aus Australien angekommen und selbst unter normalen Bedingungen ist es ein äußerst schwer zu gewinnendes Rennen. Ich weiß einfach nicht, in welcher Form ich sein werde“, betonte der 36-Jährige

Dieses Fragezeichen setzt auch Schachmann, dennoch hat er das Ziel “Titelverteidigung“ ausgegeben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Vorjahrssieger ohne Rennpraxis antreten muss, nachdem die Valencia-Rundfahrt Anfang Februar abgesagt werden musste. “Das ist nicht die perfekte Vorbereitung für solch ein Rennen. Es wäre von Vorteil gewesen, wenn ich zuvor schon ein Rennen gefahren wäre, aber diesmal wird es wahrscheinlich vielen anderen Fahrern auch so ergehen“, meinte Schachmann gegenüber radsport-news.com. “Zum Glück konnten wir trotz der Covid-Situation unser Trainingsprogramm durchziehen. Ich bin die gesamte Saisonpause durch gesund geblieben und konnte viel aus meinen drei Trainingslagern mitnehmen. Ich bin also optimistisch“, fügte er zuversichtlich an.

DSM mit dem Nizza- und dem Giro-Zweiten

Gespannt sein darf man auf DSM, das zweite deutsche WorldTeam, das mit Tiesj Benoot nicht nur den Vorjahreszweiten stellt, sondern bei dem auch der Giro-Zweite Jai Hindley sein Saisondebüt geben wird. Benoot musste sich im Vorjahr in einem engen Duell Schachmann nur knapp geschlagen geben, ähnliches gilt für Hindley bei der Italien-Rundfahrt, bei der er erst im abschließenden Zeitfahren sein Rosa Trikot an an Geoghegan Hart abtreten musste.

Teamkollege SörenKragh Andersen entschied 2020 das Zeitfahren von Paris-Nizza für sich und wird auch diesmal den Kampf gegen die Uhr besonders ins Visier genommen haben und bekommt es dabei unter anderem mit dem zweimaligen Zeitfahrweltmeister Rohan Dennis (Ineos Grenadiers) und natürlich mit Roglic zu tun.

Ackermann wird gegen Bennett & Co. schwer zu kämpfen haben

Erstklassig besetzt ist das Feld der Sprinter, in dem es Schachmanns Teamkollegen Pascal Ackermann nicht leicht fallen dürfte, seinen ersten Saisonsieg einzufahren - zumal die Abstimmung im nach wie vor personell geschwächten Sprintzug bisher zu wünschen übrig ließ. Besser läuft es dagegen schon bei Deceuninck - Quick-Step, das mit Sam Bennett den zu Saisonbeginn wohl schnellsten Mann aufbietet.

Auf Erfolge in den Sprintfinals hoffen zudem die französischen Hoffnungen Arnaud Démare (Groupama - FDJ), Christophe Laporte (Cofidis), Bryan Coquard (B&B Hotels), der von Max Walscheid unterstützte Europameister Giacomo Nizzolo (Qhubeka Assos), der Australier Michael Matthews (BikeExchange), der Belgier Jasper Philipsen (Alpecin - Fenix), der Niederländer Cees Bol (DSM), Kuurne-Sieger Mads Pedersen (Trek - Segafredo), das UAE-Duo Alexander Kristoff und Matteo Trentin, der Oberurseler John Degenkolb (Lotto Soudal), der Hürther André Greipel (Israel Start-Up Nation) sowie der Kölner Phil Bauhaus und der Italiener Sonny Colbrelli (beide Bahrain Victorious).

Die Sprinter können zum Auftakt, auf der 2. Etappe sowie der 5. Etappe zum Zug kommen. Allerdings hängt an den beiden ersten Tagen viel vom Wind ab, der für Turbulenzen und Teilungen im Feld sorgten könnte. Auf der 3. Etappe steht ein 14,5 Kilometer langes Einzelzeitfahren an bevor es am vierten Renntag ins Mittelgebirge geht.

Entscheidung in La Colmiane?

Am Schlusswochenende wird rund um Nizza um den Gesamtsieg gekämpft - mit der Vorentscheidung am 16 Kilometer langen und sechs Prozent steilen Schlussanstieg von La Colmiane auf der vorletzten Etappe. Und auch die Schlussetappe durch das Hinterland von Nizza dürfte vielen bekannt vorkommen, da sie derselben Strecke folgt wie 2019 - also über Cote de Peille und Col d'Eze. Damals entwickelte sich am Eze ein heißer Kampf um den Gesamtsieg. Bernal wurde von allen Seiten attackiert, behauptete aber sein Gelbes Trikot, das er am Vortag am Col de Turini erobert hatte.

Der Turini spielt diesmal zwar keine Rolle, dafür aber geht es am wohl vorentscheidenden Samstag zum dritten Mal in vier Jahren hinauf nach La Colmiane, wo 2018 Simon Yates und 2020 Nairo Quintana siegreich waren. Beide sind diesmal allerdings nicht dabei.

Eurosport überträgt täglich die jeweils letzten beiden Rennstunden von Paris-Nizza, Radsport News ist in der entscheidenden Phase mit dem Live-Ticker dabei.

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