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28.06.2019 | (rsn) - 22 Teams nehmen am 6. Juli in der belgischen Hauptstadt Brüssel die 106. Tour de France in Angriff. Wir stellen alle Aufgebot vor und beurteilen die Chancen der 18 WorldTour-Mannschaften sowie der vier Zweitdivisionäre.
Rückblick 2018: Die vergangene Saison war eine makellose Erfolgsgeschichte, die Tour de France machte da keine Ausnahme. Gleich die 1. Etappe nach Fontenay-le-Comte bescherte dem Team durch Fernando Gaviria den ersten Tagessieg und das Gelbe Trikot. Zwar verlor der Kolumbianer tagsdrauf nach einem Sturz die Gesamtführung, doch in Sarzeau auf der 4. Etappe schlug Gaviria ein weiteres Mal zu. In den Alpen musste er dann aber vom Rad steigen. Einen neuen Erfolgsgaranten hatte Deceuninck da allerdings bereits in Julian Alaphilippe gefunden, der zunächst die 10. Etappe nach Le Grand-Bornand gewann und später auch in Bagnères-de-Luchon (16. Etappe) erfolgreich war. Der Franzose stieg zum nationalen Liebling auf und sicherte sich mit ausgewählten Auftritten in Fluchtgruppen mit großem Vorsprung den Sieg in der Bergwertung. In der Gesamtwertung erreichte Bob Jungels einen ordentlichen elften Platz.
Aufgebot 2019: Julian Alaphilippe, Kasper Asgreen, Dries Devenyns, Yves Lampaert, Enric Mas, Michael Mørkøv, Maximiliano Richeze, Elia Viviani
Aussichten: Deceuninck – Quick-Step hätte wohl auch zwei schlagkräftige Aufgebote an den Start der Tour bringen können. Da aber nur acht Fahrer zugelassen sind, waren Härtefälle in der Selektion vorprogrammiert. Letztendlich nominierte man etwas überraschend jene sieben Fahrer, die zusammen die Tour de Suisse bestritten, aus dem Kader des Critérium du Dauphiné kam noch nur Alaphilippe dazu. Damit fehlt unter anderem Routinier Philippe Gilbert, aber auch Rémi Cavagna und Petr Vakoc gingen trotz couragierter Auftritte bei der Dauphiné leer aus.
An Erfolgsgaranten wimmelt es trotzdem im Aufgebot, an erster Stelle ist natürlich Alaphilippe zu nennen. Der Franzose vereint Angriffslust, Kletterstärke, Spritzigkeit und mehr als nur passable Sprintfähigkeiten mit einer enormen Siegermentalität und ist damit auf fast jedem Terrain gefährlich. Zehn Saisonsiege feierte er im bisherigen Saisonverlauf und zeigte sich auch bei der Tour-Generalprobe bestens aufgelegt: Beim Critérium du Dauphiné gehörte er auf jeder Bergetappe zur Fluchtgruppe, feierte einen Tagessieg und gewann am Ende mit großem Vorsprung das Bergtrikot. Gleiches wird Alaphilippe auch für die anstehende Tour anpeilen und aktuell ist nur schwer vorstellbar, wer dem 27-Jährigen in dieser Sonderwertung ernsthaft Paroli bieten soll. Folgt Alaphilippe seiner bewährten Taktik, wird er sich gleich auf der ersten Bergetappe nach La Planche des Belles Filles (6. Etappe) in die Fluchtgruppe begeben und das Bergtrikot holen. Danach könnte er sich auf ausgewählten Etappen aktiv zeigen, um seine Führung zu zementieren oder auszubauen. Der eine oder andere Tagessieg dürfte dabei zusätzlich möglich sein.
Da Alaphilippe ohne große Unterstützung auskommt, kann sich Deceuninck – Quick-Step erlauben, mit Elia Viviani und Enric Mas zwei weitere Kapitäne ins Rennen zu schicken. Viviani zeigte lange Zeit kein besonderes Interesse an der Frankreich-Rundfahrt. Da die Teamleitung aber traditionell gerne einen Sprinter mitnimmt, kommt der Italiener nach dem Abgang von Fernando Gaviria nun zu seiner ersten Tour seit 2014. Viviani ist nach Siegen der erfolgreichste Sprinter der vergangenen 18 Monate und holte sich nach enttäuschenden Giro d’Italia mit zwei Etappensiegen bei der Tour de Suisse zuletzt viel Selbstvertrauen. Anders als beim Giro, wo Fabio Sabatini ihm die Sprints vorbereitete, befinden sich nun wieder Michael Mørkøv und Maximiliano Richeze als Anfahrer an seiner Seite – diese Konstellation funktioniert offenbar besser für Viviani.
Als Tempobolzer in der Verfolgung von Fluchtgruppen befinden sich Yves Lampaert und Tour-Debütant Kasper Asgreen im Aufgebot. Asgreen ist nach Teamaussagen in erster Linie zum Lernen bei Tour. Der junge Däne gilt jedoch als Alleskönner, der im Einzelzeitfahren, im Sprint kleinerer Gruppen und auch auf bergigen Etappen Spitzenresultate einfahren kann. Zuletzt erreichte er bei der Tour de Suisse drei Top-fünf-Platzierungen, im Frühjahr beendete er außerdem die Flandern-Rundfahrt auf Platz zwei und die Kalifornien-Rundfahrt mach einem Etappensieg als Dritter. Dem 23-Jährigen ist bei seiner Tour-Premiere also deutlich mehr zuzutrauen. Lampert und Asgreen dürften die Rolle von Gilbert einnahmen und auf lohnenswerten Etappen eigene Chancen erhalten. Lampaert zeigte seine gute Form mit dem Zeitfahrsieg bei der Tour de Suisse.
Der 24-jährige Mas gibt ebenfalls sein Tour-Debüt. Der Spanier katapultierte sich im Vorjahr mit Platz zwei bei der Vuelta a Espana in den Fokus der Öffentlichkeit und soll nun seine Fähigkeiten auch in Frankreich unter Beweis stellen. Dafür stellt ihm das Team als Guide und Aufpasser den erfahrenen Belgier Dries Devenyns an die Seite. Der letzte Formtest bei der Tour de Suisse fiel mit Gesamtrang neun gegen eine überschaubare Konkurrenz jedoch dürftig aus. Außerdem bleibt abzuwarten, wie Mas mit den im Vergleich zur Vuelta deutlich längeren und höheren Anstiegen der Tour zurechtkommt. Dennoch kann Mas unter Umständen ein Kandidat für die Top Ten und die Wertung des besten Nachwuchsfahrers sein.
Fazit: Alaphilippe setzt seine Show aus dem Vorjahr fort und fokussiert sich auf die Bergwertung. Außerdem ist er ein heißer Tipp auf mindestens einen Etappensieg. Für die Ambitionen in den Sprints sieht sich Viviani mit Dylan Groenewegen, Caleb Ewan und Peter Sagan starker Konkurrenz entgegen. Kleinigkeiten dürften hier am Ende den Ausschlag geben, ein Etappensieg ist aber auch hier gut möglich. Die Ziele in der Gesamtwertung könnten dagegen zu optimistisch sein. Sollten sich der Plan mit Mas nicht wie erhofft umsetzen lassen, wäre das aber kein Desaster. Wie Lampaert und Asgreen verfügt Mas über die Klasse, erfolgreich auf Etappenjagd zu gehen. An Erfolgsgaranten mangelt es Deceuninck – Quick-Step also nicht.
Eckdaten:
Land: Belgien
Hauptsponsor: Deceuninck, Quick-Step
Branche: Fenster- und Türenhersteller, Fußböden
Teamchef: Patrick Lefevere
Radausrüster: Specialized
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