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15.02.2017 | (rsn) - Scheibenbremsen - warum die ganze Aufregung? Das scheint die Haltung im Peloton der Tour of Oman nach dem Protestbrief der Fahrergewerkschaft CPA zu sein. "Ich habe sie in meiner Zeit als Mountainbiker schon genutzt. Da war das ganz normal. Auf dem Straßenrad noch nicht. Ich weiß auch nicht, wann unser Ausrüster Argon 18 sie einbaut", sagt etwa Astana-Kapitän Fabio Aru zu radsport-news.com. Der Italiener zuckt nur mit den Achseln, als er auf die Sicherheitsprobleme angesprochen wird. "Keine Ahnung. Man muss das ausprobieren und dann sehen, was kommt."
Einige Fahrer haben sie schon im Peloton. Marcel Kittel und Tom Boonen gewannen die ersten Rennen damit in dieser Saison. Bei Quick-Step Floors sind die Ausrüster eben schneller. Andere Teams wie BMC probierten Scheibenbremsen zumindest im Training aus, aber noch nicht im Wettkampf. Für wieder andere Teams sind Scheibenbremsen Neuland. Geld spielt eine Rolle, aber auch, ob die Ausrüster die Umstellung technisch so schnell hinbekommen. Ein gemischtes Bild also.
Der Sturz vom Bremsen-Avantgardist Boonen bei der Auftaktetappe der Tour of Oman war immerhin nicht von den Scheibenbremsen verursacht. Der Belgier fuhr ins Rad seines Vordermanns. Nicht die größere Bremskraft des hydraulischen Systems war Auslöser. Kein konventionell bremsender Fahrer raste in "Braking Tom“ hinein und kreierte so einen Massensturz - das ist eine der großen Befürchtungen beim Einsatz der Technologie. Nein, Boonen fuhr auf, fiel und verlor Epidermis. Alle Nachfolgenden konnten ausweichen. Kein Thema also, kein Bremsenthema zumindest.
Ängste sind natürlich dennoch da, und zwar bei Fahrern und beim betreuenden Personal. "Es gibt Ängste wegen der unterschiedlichen Bremszeiten von Scheibenbremsen und herkömmlichen Bremsen. Und solange beide Bremssysteme im Peloton vorhanden sind, stellt das tatsächlich eine Gefahr dar", meint Valerio Piva, sportlicher Leiter von BMC und einst auch bei HTC Highroad an Bord, zu radsport-news.com. Deshalb sein Rat: "Meiner Meinung nach sollte nur eine Art von Bremsen im Peloton erlaubt sein." Der Italiener schränkt aber ein: "Man kann man aber nicht die Scheibenbremse zulassen und den Teams, die damit noch nicht ausgerüstet sind, verbieten, an den Rennen teilzunehmen. Meines Erachtens sollte man den Übergang ruhiger angehen. Man sollte warten, bis alle Ausrüster die Scheibenbremsen auch im Angebot haben und sie dann für die Rennen zulassen."
Für die bessere Technologie hält Piva eindeutig die Scheibenbremse. Da gibt es keinen Dissenz. Unter den Fahrern nicht, die sie zum Teil wie Aru schon vom Geländefahren oder aus dem Training kennen, auch nicht unter den Ex-Profis in den Begleitfahrzeugen. Manch einer scheut nur die Umstellung vom gewohnten Material. "In fünf bis zehn Jahren fährt jeder damit", prognostiziert trocken Tristan Hoffman, Ex-Profi bei TVM und CSC und als sportlicher Leiter für Bjarne Riis, Oleg Tinkov und aktuell den neuen Rennstall Bahrain-Merida tätig.
Die große Frage ist eben nur, wie man den Übergang gestaltet. Die Linie der CPA, Tests durchzuführen und erst einmal abzuwarten, findet daher viele Anhänger. Nicht jeder allerdings versteht den Alarmismus. "Das jetzt öffentlich zu diskutieren und über Interviews auszutragen anstatt direkt miteinander zu sprechen, macht keinen Sinn. Es gibt Vertreter der CPA (Fahrergewerkschaft), der AIGCP (Vereinigung der Rennställe) und der Industrie. Die sollen sich zusammensetzen und versuchen, die Ängste zu nehmen, die Sachen zu erklären und auch die Vorbehalte der Fahrer ernst zu nehmen. Dann schaut man weiter", sagt Rolf Aldag, Performance Manager vom Cavendish-Team Dimension Data, zu radsport-news.com.
Für den zweiten großen Kritikpunkt an den Scheibenbremsen - die scharfen Kanten - hat Aldag einen einfachen Rat: "Für scharfe Kanten gibt es Normen." Genau. Man fragt sich bloß, warum die Arbeitsgruppe Scheibenbremsen der UCI das nicht längst berücksichtigt hat und auch noch keinen echten Fahrplan für die Übergangsperiode entwickelte. Die hydraulischen Bremssysteme gibt es ja nicht erst seit der letzten Saison. Für einen High Tech-Sport, der der Profiradsport ja auch ist, arbeitet der Weltverband zuweilen noch auf Faustkeil-Niveau.
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