Nach größtem Karriere-Sieg in Turin

Arndt zeigt Mitgefühl für "Verlierer" Nizzolo

Von Daniel Brickwedde

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Nikias Arndt (Giant-Alpecin) auf der Sieger-Pressekonferenz nach der Schlussetappe des 99. Giro d´Italia | Foto: Cor Vos

29.05.2016  |  (rsn) - Plötzlich Etappensieger beim Giro d’Italia, ohne als Erster über den Zielstrich gefahren zu sein - ein ungewohntes wie seltsames Gefühl für Nikias Arndt (Giant-Alpecin). Entsprechend verhalten fiel seine Reaktion bei der Siegerehrung aus, kurz nachdem er erfahren hatte, dass er unerwartet die prestigeträchtige letzte Etappe des 99. Giro d’Italia in Turin gewonnen hatte.

„Ich überquerte die Linie als Zweiter und dachte auch, ich wäre Zweiter. Aber hinterher wurde erklärt, dass ich gewonnen hätte. Das war eine Überraschung für mich“, so der 24-Jährige nach dem turbulenten Finale. Schon der  zweite Platz wäre für Arndt ein hervorragendes Resultat zum Abschluss einer guten Rundfahrt für ihn gewesen, doch die Rennjury sorgte noch für eine verspätete Krönung seines Auftritts in Italien.

Denn zunächst hatte Giacomo Nizzolo (Trek Segafredo) die Etappe im Schlusssprint für sich entschieden. Doch mit dem Druck von neun zweiten Etappenplätzen in seiner Giro-Vita und dem unbedingten Willen, dieser endlosen  Serie ein Ende zu setzen, wollte der Italiener im Finale zu viel: Kurz vor der Ziellinie fuhr Nizzolo eine Welle, versperrte Sacha Modolo (Lampre-Merida) im Sprint den Weg und hätte seinen Landsmann beinahe in die Bande gedrückt.

Ein Verhalten, das die Rennjury nicht duldete und den 27-Jährigen auf den zwölften Platz zurückstufte. Arndt rückte nach und darf plötzlich mit dem größten Erfolg seiner noch jungen Karriere vom Giro abreisen.

Die Szene selbst hatte Arndt aber gar nicht mitbekommen. "Ich hab den Vorfall nicht wirklich gesehen. Sie waren auf der linken Seite und ich war rechts. Ich war mehr fokussiert auf meine eigene Linie. Ich sah, dass Nizzolo zumachte, aber nicht wie weit. Ich habe es mir bislang auch noch nicht in der Wiederholung angeschaut", erklärte Arndt auf der Pressekonferenz fast eineinhalb Stunden nach Ende der Etappe.

Der 24-Jährige zeigte aber auch Mitgefühl für seinen Kontrahenten: "Ich sah ihn hinter dem Podium und er sah nicht glücklich aus. Ich dachte, soll ich zu ihm hingehen und mit ihm sprechen? Aber letztendlich war es ja nicht meine Entscheidung und so habe ich bislang noch nicht mit ihm gesprochen. Ich kann mir aber vorstellen, dass er wirklich enttäuscht ist. Aber ich hoffe, er kann genießen, was er hier erreicht hat!" Als Trostpreis durfte Nizzolo im Ziel zum zweiten Mal nach 2015 das Rote Trikot des besten Sprinters entgegennehmen – das tat er aber mit versteinerter Miene.

Auch wenn der Sieg bei Arndt durchaus gemischte Gefühlen hervorrief, so wusste er dessen Wert dennoch einzuschätzen. "Sicher ist es der größte Erfolg meiner Karriere. Ich bin für die Sprints hier her gekommen und konnte bis zu dem Sieg zwei gute Resultate einfahren. Es fühlt sich durch die Entscheidung der Jury anders an, aber am Ende bin ich nur ein Fahrer, der sein Bestes gegeben hat, um den Sprint zu gewinnen", so der Giant-Alpecin-Profi und fügte hinzu: "Wir werden diesen Sieg genießen."

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