Däne kassiert statt Bergtrikot & Etappensieg eine Geldstrafe

Begleitmotorrad reißt Fuglsang am Glandon zu Boden

Von Felix Mattis aus Saint Jean de Maurienne

Foto zu dem Text "Begleitmotorrad reißt Fuglsang am Glandon zu Boden"
Jakob Fuglsang (Astana) war am Col du Glandon auf einem guten Weg, bis ein Motorrad von hinten kam. | Foto: Cor Vos

23.07.2015  |  (rsn) - Er fuhr stark und er war auf dem Weg in Richtung Bergtrikot. Doch dann zerschellten Jakob Fuglsangs Hoffnungen rund zwei Kilometer vor dem Gipfel des Col du Glandon (1924 m) auf dem Asphalt. Was die TV-Bilder bereits vermuten ließen, bestätigte der Däne radsport-news.com schließlich im Etappenziel in Saint Jean de Maurienne, das er 59 Sekunden nach Tagessieger Romain Bardet (Ag2r) als Fünfter erreicht hatte:

„Etwa zwei Kilometer vor dem Gipfel hat Pierre Rolland attackiert und Bardet und ich sind mitgegangen. Für mich ging es dabei in erster Linie um die Bergpunkte. Das war am Glandon mein Ziel, und deshalb war ich froh, Rodriguez und Pauwels abzuhängen. Als ich dann aus der Führungsarbeit ausscherte, kam ein Motorrad von hinten, fuhr mir gegen den Lenker und riss mich zu Boden."

Der Däne sprang schnell wieder auf und setzte seine Fahrt fort, doch Bardet (Ag2r) war bald außer Reichweite. Während Fuglsang um den Anschluss an die Verfolgergruppe um den Luxemburger Bob Jungels (Trek) kämpfte, schüttelte der spätere Etappensieger seinen Landsmann Rolland (Europcar) ab und fuhr allein zur Bergwertung des Glandon.

Zwar kam der Däne - offenbar mit der Hilfe seines Teamfahrzeuges, denn sowohl er als auch sein Sportlicher Leiter Dimitri Fofonow wurden mit einer Strafe von 50 Schweizer Franken belegt, weil sich der Däne zu lange festhielt, als ihm eine Trinkflasche gereicht wurde - noch rechtzeitig an die Anderen heran, doch mehr als Rang vier und somit 14 Punkte konnte er nicht mehr erkämpfen.

Wäre er bei Bardet gewesen und nur an dessen Hinterrad als Zweiter über den Gipfel gekommen, so hätte er damit die Führung in der Bergwertung übernommen, die nun Joaquim Rodriguez (Katusha) inne hat. Der Spanier hat genau wie Bardet 68 Punkte, Fuglsang als Drittplatzierter 64. Und vielleicht wäre für den ehemaligen Mountainbiker sogar noch mehr drin gewesen.

„Ich wollte auch um den Etappensieg kämpfen, und ich glaube, ich hätte ihm (Bardet, d. Red.) folgen können. Das letzte Mal, als wir gemeinsam in der Ausreißergruppe waren, war ich am Ende stärker. Deshalb bin ich überzeugt, dass ich heute um den Sieg hätte kämpfen können", so ein enttäuschter Fuglsang. Am Plateau de Beille war er auf der 12. Etappe 1:12 Minute hinter Rodriguez Tageszweiter, Bardet mit 1:49 Minute Rückstand Dritter.

Besonders schlimm verletzt schien sich Fuglsang nicht zu haben, doch zumindest seine Wunde am Ellbogen blutete stark. „Wir müssen im Hotel schauen, ob ich genäht werden muss, oder ob ein Verband reicht. Außerdem habe ich eine kleine Wunde an der Hüfte und das Gefühl, dass ich mir vielleicht einen Muskel oder ein Band im Bein gezerrt habe", erklärte er.

Auf jeden Fall möchte er es auf den verbleibenden zwei Etappen erneut als Ausreißer versuchen: „Wenn ich das Bergtrikot oder einen Etappensieg holen will, muss ich. Es wird natürlich schwer, aber ich gebe nicht auf." Immerhin: Nachdem ihn seine Freundin am Mannschaftsbus getröstet hatte, konnte Fuglsang zumindest wieder lächeln.


Jakob Fuglsang im Video-Interview mit Felix Mattis für radsport-news.com (auf Englisch):

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