Von Ackermann bis Zimmermann

Die deutschen Tour-Starter 2024

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Die deutschen Tour-Starter 2024"
John Degenkolb (dsm - firmenich - PostNL) startet in seine 12. Tour de France. | Foto: Cor Vos

29.06.2024  |  (rsn) – Mit acht deutschen Profis und damit einem mehr als im vergangenen Jahr beginnt am 29. Juni im italienischen Florenz die 111. Tour de France.

Über die meiste Erfahrung verfügt der 38-jährige Simon Geschke (Cofidis), für den die 12. zugleich auch die letzte Teilnahme sein wird. Pascal Ackermann (Israel – Premier Tech) und Nico Denz (Bora – hansgrohe) werden dagegen jeweils im Alter von 30 Jahren erstmals am Start einer Frankreich-Rundfahrt stehen.

Pascal Ackermann (Israel – Premier Tech / 30 Jahre / 1. Teilnahme):

Mit 30 Jahren wird für den Pfälzer der große Kindheitstraum wahr. Ackermann wurde von seinem Team auch ohne Sieg in dieser Saison für das Tour-Aufgebot berücksichtigt, womit sich ihm auch die Chance bietet, seine Sammlung an Grand-Tour-Etappensiegen zu komplettieren. Bisher kommt Ackermann auf drei beim Giro d’Italia und zwei bei der Vuelta a Espana. Auch wenn er zuletzt immer wieder durch Verletzungen und Erkrankungen zurückgeworfen wurde und nicht mehr mit den allerbesten Sprintern mithalten konnte, zeigte sich der Gewinner des Maglia Ciclamina des Giro 2019 nicht nur überglücklich, sondern auch ausgesprochen selbstbewusst. Ohne einen Etappensieg wolle er die Tour nicht verlassen, kündigte er an.

Tour-Debütant Ackermann will “ohne Triple nicht heimfahren“

Nikias Arndt (Bahrain Victorious / Bahrain Victorious / 32 Jahre / 6. Teilnahme):

Nach einjähriger Pause kehrt der Kölner zur Frankreich-Rundfahrt zurück – und zwar an der Seite seines Teamkollegen und besten Freundes Phil Bauhaus, den Arndt in den Sprints lancieren soll. Da er sich bei seiner sechsten Tour ganz in den Dienst der Mannschaft stellen und auch für Klassementaspirant Santiago Buitrago arbeiten wird, dürfte sich für Arndt kaum eine Chance auf die Vervollständigung seiner Grand-Tour-Sammlung bieten, nachdem er 2016 eine Giro- und 2019 bereits eine Vuelta-Etappe hatte gewinnen können.

Bauhaus und Arndt jagen ersten gemeinsamen GT-Etappensieg

Phil Bauhaus (Bahrain Victorious / 29 Jahre / 2. Teilnahme):

Bei seinem Tour-Debüt im vergangenen Jahr verpasste der schnelle Kölner gleich dreimal nur knapp einen Etappensieg. Am nächsten dran war Bauhaus bereits am dritten Tag in Bayonne, als er sich lediglich Jasper Philipsen (Alpecin – Deceuninck) geschlagen geben musste. Auch beim diesjährigen Giro d’Italia fehlte nicht viel zum ersten Grand-Tour-Tagessieg, als der 29-Jährige zweimal auf dem dritten Platz landete. Die Italien-Rundfahrt verließ Bauhaus planmäßig am Ende der zweiten Woche, um sich auf die Tour vorzubereiten. Die Generalprobe lief nach Wunsch, bei der Slowenien-Rundfahrt (2.Pro) sicherte er sich die 2. Etappe im Massensprint, die Tour de France kann also kommen. Sein Team traut Bauhaus offenbar einiges zu, mit Matej Mohoric, Fred Wright und Nikias Arndt wurden gleich drei Fahrer nominiert, die ihm in den hektischen Sprintfinals beistehen sollen.

Bauhaus und Arndt jagen ersten gemeinsamen GT-Etappensieg

John Degenkolb (dsm-firmenich – PostNL / 35 Jahre / 10. Teilnahme):

Auch bei seiner Jubiläumstour wird der Oberurseler bei seinem Team in erster Linie als Road Captain und als einer der Anfahrer von Sprinter Fabio Jakobsen gefragt sein. Sein größtes persönliches Ziel könnte die Schotteretappe rund um Troyes sein, die Degenkolbs Stärken entgegenkommen dürfte. Zwar verfügt der mittlerweile 35-Jährige in den Sprints längst nicht mehr über die Endgeschwindigkeit früherer Zeiten. Doch mit all seiner Routine – in den vergangenen beiden Jahren belegte der Paris-Roubaix-Gewinner von 2015 bei der “Königin der Klassiker“ die Plätze sieben und elf – ist ihm auch auf dem neunten Abschnitt der diesjährigen Tour ein Spitzenergebnis zuzutrauen. Allerdings müsste schon viel zusammenkommen, damit zu einem zweiten Tagessieg nach 2018 reicht, als Degenkolb die damalige Kopfsteinpflaster-Etappe in Roubaix für sich entscheiden konnte.

Degenkolbs Tour-Job: Jakobsen wieder zum Sprinten bringen

Nico Denz (Bora – hansgrohe / 30 Jahre / 1. Teilnahme):

Wie Pascal Ackermann, so gibt auch der zweimalige Giro-Etappensieger des vergangenen Jahres im eher fortgeschrittenen Radprofialter sein Debüt bei der Frankreich-Rundfahrt. Auch für Denz wird damit spät ein Kindheitstraum noch in Erfüllung gehen. Allerdings wird auf den 30-Jährigen viel Arbeit bei dieser Tour de France warten, schließlich stellt Red Bull – Bora – hansgrohe mit Primoz Roglic einen der Favoriten im Kampf um das Gelbe Trikot. Der groß gewachsene Denz wird vor allem auf flacherem Terrain gefragt sein, wo es darum geht, seinen Kapitän aus dem Wind zu halten.

Für seinen Tour-Traum stellt Denz eigene Ambitionen hinten an

Simon Geschke (Cofidis / 38 Jahre / 12. Teilnahme):

Lange Zeit war unklar, ob der Freiburger nach dem Giro d’Italia auch noch die Tour de France würde bestreiten können. Nun macht Geschke das Dutzend voll und wird sich in seinem letzten Profijahr auch von der Frankreich-Rundfahrt verabschieden. Mit seinen 38 Jahren ist der gebürtige Berliner nicht nur der älteste, sondern auch der routinierteste der acht deutschen Tour-Starter. In seiner Cofidis-Equipe wird der Etappensieger von Pra-Loup 2015 in den kommenden drei Wochen vor allem als zuverlässiger Berghelfer für Guillaume Martin benötigt, kann aber auch eigenen Ambitionen nachgehen.

Geschke nimmt das Bergtrikot gerne - wenn es zu ihm kommt

Nils Politt (UAE Team Emirates / 30 Jahre / 8. Teilnahme):

Bei seinen bisherigen Teilnahmen gehörte der Kölner zu den angriffslustigen Fahrern, die über Ausreißergruppen zum Erfolg zu kommen versuchten. Das gelang Politt vor drei Jahren, als er in Nimes die damalige 12. Etappe in imponierender Manier für sich entscheiden konnte. Nach seinem Wechsel zu UAE Emirates im vergangenen Winter war aber klar, dass sich Politts Rolle bei der Tour grundlegen ändern würde. Diesmal ist der Deutsche Zeitfahrmeister, der am Wochenende in Bad Dürrheim souverän seinen Titel verteidigen konnte, als Helfer für Tour-Favorit Tadej Pogacar vorgesehen. Politt soll vor allem auf den Flachetappen seine Stärken ausspielen und den Slowenen sicher unter anderem durch die Schotteretappe rund um Troyes bringen. Für persönliche Ambitionen bleibt diesmal also keine Zeit.

Politt als Pogacars Bodyguard zu seiner achten Tour

Georg Zimmermann (Intermarché – Wanty / 26 Jahre / 4. Teilnahme):

Im vergangenen Jahr verpasste der Augsburger nur knapp den größten Sieg seiner bisherigen Karriere, als er sich in Issoire am Ende der 10. Etappe lediglich Pello Bilbao (Bahrain Victorious) geschlagen geben musste. Bei seiner vierten Tour in Folge wird Zimmermann wieder den Südafrikaner Louis Meintjes als Helfer in den Bergen unterstützen, aber auch seine Chance aus einer Ausreißergruppe heraus suchen. Die bisherige Saison verlief noch nicht so erfolgreich wie die vergangene, doch Zimmermann zeigte sich zuversichtlich, dass er rechtzeitig zum Highlight des Jahres Top-Form erreichen wird.

Klappt es für Zimmermann diesmal mit dem Tour-Etappensieg?

Mehr Informationen zu diesem Thema

10.11.2024Cavendish gewinnt in Singapur den letzten Sprint seiner Karriere

(rsn) – Mark Cavendish (Astana Qazaqstan) hat das letzte Rennen seiner Karriere standesgemäß beendet. Der 39-jährige Brite ließ in Singapur beim von der ASO organisierten Prudential Critérium i

24.07.2024Geschke würde “gerne nochmal zur WM fahren“

(rsn) – Simon Geschke hat seine letzte Tour de France beendet. Bei zwölf Teilnahmen gelang ihm 2015 in Pra-Loup einer seiner drei Profisiege der Karriere, die zum im Oktober ihr Ende finden wird. V

24.07.2024Wirbelfraktur bei Roglic

(rsn) – Die 12. Etappe der Tour de France 2024 wird Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) noch länger in Erinnerung bleiben. Nicht nur, dass sein Sturz weniger Kilometer vor dem Ziel in V

23.07.2024Nach Tour-Aus noch Fragezeichen hinter Roglics Vuelta-Start

(rsn) – Nachdem er die Tour de France in Folge von zwei Stürzen binnen 24 Stunden vorzeitig verlassen musste, befindet sich Primoz Roglic (Red Bull – Bora – hansgrohe) noch in der Erholungsphas

23.07.2024Tour-Dritter Evenepoel: “Noch etwas größer als der Vuelta-Sieg“

(rsn) – Nach seinem erfolgreichen Tour-de-France-Debüt blickt Remco Evenepoel (Soudal – Quick-Step) zuversichtlich nach vorn. “Ich denke, dieser Podestplatz bedeutet für meine Zukunftspläne,

22.07.2024Titelverteidiger bezwungen, zwei Topteams gehen leer aus

(rsn) – In Nizza endete am Sonntag die 111. Austragung der Tour de France. Das Rennen rund um Frankreich, welches heuer erstmals in Italien begann, sorgte für viel Action, Dramatik, Freude und Trä

22.07.2024Pogacar: “Superdumm, etwas zu nehmen, was Dich gefährdet“

(rsn) – Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) hat nicht nur den Giro d’Italia, sondern auch die Tour de France fast nach Belieben dominiert. Der Slowene gewann beide Rundfahrten dank jeweils sechs Et

22.07.2024Pogacar und UAE auch im Preisgeld-Ranking der Tour Nummer 1

(rsn) – UAE Team Emirates hat bei der 111. Tour de France dank Tadej Pogacar auch beim Preisgeld groß abgesahnt. Dagegen ist das deutsche Team Red Bull – Bora – hansgrohe das Schlusslicht des

22.07.2024Pogacar kehrt auf den Thron zurück, Girmay Afrikas Radsportheld

(rsn) – Drei Wochen Tour de France sind am Sonntagabend in Nizza zu Ende gegangen. Erstmals fand das Finale des größten Radrennens der Welt nicht in der französischen Hauptstadt Paris statt, son

21.07.2024Auch ohne Etappensieg eine Tour-Bilanz mit Erfolgen

(rsn) – Acht deutsche Fahrer starteten vor drei Wochen in Florenz in die 111. Tour de France und sieben davon erreichten das Ziel in Nizza. Zwar müssen die deutschen Fans weiter auf den ersten Eta

21.07.2024Tadej, der Gnadenlose: Pogacar unterwirft sich die Tour

(rsn) - Die Geschichte kennt Iwan, den Schrecklichen, Vlad, den Pfähler und Eddy, den Kannibalen. Mit ersterem ist nicht der frühere Giro-Sieger Ivan Basso gemeint, sondern der grausame Zar, der sei

21.07.2024Vingegaard: “Unter normalen Umständen wäre ich enttäuscht“

(rsn) - Mit seinem sechsten Etappensieg vollendete Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) nicht nur das Double aus Giro d´Italia und der Tour de France, sondern stellte auch seine Anzahl an Tageserfolgen

Weitere Radsportnachrichten

29.11.2025Pogacar: Giro und Vuelta sollten Platz im Kalender tauschen

(rsn) – Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat seit 2019 nicht mehr an der Vuelta a España (2.UWT) teilgenommen – eines der wenigen großen Rennen, die im Palmarès des Dominators noch feh

29.11.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Männer 2025

(rsn) – Es ist inzwischen RSN-Tradition. Und auch wenn sich mit Christoph Adamietz der Vater der Idee vor einem Jahr aus unserem Autoren-Team verabschiedet hat, so soll diese Tradition fortgesetzt w

29.11.2025Endlich UCI-Rennsieger: Der Knoten platzte in Frankreich

(rsn) – Satolas-et-Bonce und Saint-Maurice-L’Exil – zwei Gemeinden im Départmenet Isère in Frankreich mit zusammengenommen rund 9000 Einwohnern. Abgesehen von dieser überschaubaren Personenz

29.11.2025Vingegaard über Karriereende: “Vielleicht werde ich Zimmermann“

(rsn) – Jonas Vingegaard (Visma – Lease a Bike) steht kurz vor seinem 29. Geburtstag – das Karriereende sollte für ihn also noch in weiter Ferne liegen. Dennoch hat sich der Däne bereits mit

29.11.2025Ein Ausrufezeichen nach schwierigen Monaten

(rsn) – Auf das große Ausrufezeichen – beispielsweise in Form eines Gesamtsieges bei der Portugal-Rundfahrt wie vor zwei Jahren – musste Colin Stüssi (Team Vorarlberg) in der zurückliegenden

29.11.2025Multidisziplinäre Punktesammlerinnen von Bräutigam bis Waldhoff

(rsn) – 56 Frauen haben mit dem neuen, für beide Geschlechter einheitlichen Punktesystem den Sprung in die RSN-Jahresrangliste 2025 geschafft. Wir stellen sie alle in den letzten Wochen des Jahres

29.11.2025Die Radsport-News-Jahresrangliste der Frauen 2025

(rsn) – Seit dem Jahr 2013 blicken wir am Ende der Straßenradsaison neben der Jahresrangliste der Männer auch auf das Jahr der Frauen mit entsprechendem RSN-Ranking zurück. Berücksichtigt werden

28.11.2025Viviani und Impey als Sportdirektoren zu Ineos

(rsn) - In unserem ständig aktualisierten Transferticker informieren wir Sie regelmäßig über Personalien aus der Welt des Radsports. Ob es sich um Teamwechsel, Vertragsverlängerungen oder Rücktr

28.11.2025Start in Namur, 13 Rennen: Van der Poels Cross-Programm steht

(rsn) – Wenn in der Vorbereitung alles wie geplant läuft, wird Mathieu van der Poel ist (Alpecin – Deceuninck) am 14. Dezember in die Cyclocross-Saison 2025/26  einsteigen und beim Weltcup in N

28.11.2025Die Theorie erfolgreich in die Praxis umgesetzt

(rsn) – Für Lennart Jasch stellte das Jahr 2025 nichts weniger als eine sportliche Zeitenwende dar. Die Saison war die erste, in der sich der seit kurzem 25-Jährige komplett dem Radsport widmen ko

28.11.2025Tour-Debüt für Unibet? Schlussetappe nach Kubis´ Geschmack

(rsn) – Den Unibet - Rose Rockets werden gute Chancen auf die Premiere bei der Tour de France 2026 zugebilligt. Neben der erhöhten sportlichen Qualität des Kaders – neu verpflichtet wurden unter

28.11.2025Sixdays-Legende kehrt zurück: Levy startet in Berlin

(rsn) – Rund drei Jahre nach seinem Abschied vom Berliner Sechstagerennen kehrt Maximilian Levy nochmals auf die Bahn zurück. Der gebürtige Berliner wird bei der nunmehr unter dem Namen Sixdays We

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour de Gyeongnam (2.2, KOR)