Eine Traum-Route: Teil 1/2

So würde die Tour 2015 aussehen, wenn wir Streckenchefs wären

Von Andreas Schulz & Felix Mattis

Foto zu dem Text "So würde die Tour 2015 aussehen, wenn wir Streckenchefs wären"
Landkarten bestimmten die vergangenen Nächte von Andreas Schulz und Felix Mattis. | Foto: Cor Vos

16.10.2014  |  Wir enthüllen die Strecke der Tour de France 2015 schon heute! Aber wer wieder ein Leck bei den Veranstaltern der ASO vermutet, die das Rennen kommenden Mittwoch vorstellen, hat sich getäuscht. Hier haben wir uns selbst mit Landkarte und Goople Maps, mit Geschichtsbuch und GPS ans Werk gemacht und uns eine eigene "Traum-Tour" für die 102. Auflage ausgedacht. 

Mit Klassikern und neuen Highlights, Wieder-Entdeckungen und Traditionen, Jubiläen und Premieren, schwindelerregenden Höhen und tiefen Schluchten. Das ganze verteilt auf eine deutlich kürzere Gesamtstrecke als üblich, mit möglichst wenig kräftezehrenden Transfers und wohldosierten Belastungen. Und wieder wie früher mit zwei Zwischensprints pro Tag, damit auch wieder die Sprinter mit den meisten Etappensiegen im Kampf um das Grüne Trikot leichter mit ganz vorne dabei sind. 

Los geht's, viel Spaß wünschen Felix Mattis & Andreas Schulz - wir freuen uns über Vorschläge, Kritik, Ergänzungen. Und den zweiten Teil gibts morgen an selber Stelle! 

Sa. 4.7.: Prolog Frankfurt/Main, 7,6km Genau 50 Jahre nach dem ersten Tour-Auftakt in Deutschland in Köln 1965 wieder ein "Grand Départ" östlich des Rheins. Diesmal in Frankfurt am Main, wo vor 35 Jahren schon einmal die "Große Schleife" ihren Anfang nahm. Los geht’s endlich wieder mit einem Prolog: nach zwei Jahren ohne Zeitfahr-Auftakt an der Zeit - und in der Heimat von Tony Martin auch irgendwie Ehrensache. Die Strecke führt nach Start am Messeturm kurz auf die andere Mainseite, dort das Museumsufer entlang und über die Alte Brücke zurück direkt auf den Römerberg, um anschließend die Zeil entlang zum Ziel an der Alten Oper zu gelangen. Berg- und Sprintwertungen: keine 

So. 5.7.: 1. Etappe Wiesbaden – Heidelberg, 170km Eine Klassiker-Etappe mit weltmeisterlichem Vollgas-Flair: Genau eine Woche nach Nico Rosbergs 30. Geburtstag startet die Tour in seiner Geburtsstadt Wiesbaden auf die 1. Etappe. Von dort geht es flach nach Darmstadt zum ersten Zwischensprint der Tour direkt am Residenzschloss, bevor die Berg- und Talfahrt durch den Odenwald beginnt. Hier geht es über einige der lokalen Berühmtheiten wie Burg Frankenstein oder die Bergrennstrecke von Zotzenbach, die den Tag in der Summe richtig hart machen. Den zweiten Zwischensprint erreicht das Peloton bei einer kurzen Kletterpause in Heppenheim zu Ehren von Sebastian Vettel, der zwei Tage zuvor Geburtstag feiert. Anschließend geht es zurück in die Hügel und über weitere Bergwertungen nach Heidelberg, wo das Ziel zur Begeisterung der Fans in USA und Fernost direkt am Heidelberger Schloss liegt - am Ende einer gut einen Kilometer langen, knackigen Steigung. Berg- und Sprintwertungen: Darmstadt (Sprint) - Burg Frankenstein (3.Kat.) - Stettbachtal (3.Kat.) - Col d’Ober Beerbach (4.Kat.) - Kuralpe (4. Kat.) - Heppenheim (Sprint) - Juhöhe (3. Kat.) - Bergrennstrecke Zotzenbach (3. Kat.) - Ober Abtsteinach (4.Kat.) - Kohlhof (3.Kat.) - Wilhelmsfeld (3.Kat.) - Heidelberger Schloss (4.Kat.) 

Mo. 6.7.: 2. Etappe Karlsruhe – Kaysersberg, 208km Jetzt sollten endlich auch die reinrassigen Sprinter auf ihre Kosten kommen. Nach dem Start am Schloss der Fächerstadt geht es zum ersten Zwischensprint an der Galopprennbahn von Iffezheim und weiter durch das Rheintal. Zwei kleinere Bergwertungen an den Ausläufern des Schwarzwaldes ermöglichen vielleicht einen Wechsel in dieser Sonderwertung, sollten die Sprinter aber nicht schrecken. Kurz hinter Baden-Baden (von 1945-1955 Sitz der französischen Besatzungsverwaltung) wird an den Hängen des Fremersberg die erste davon ausgetragen, bei Offenburg an der Brandstetter Kapelle wartet die zweite. Dann geht es via Freiburg (Zwischensprint) und Breisach über Rhein und Grenze nach Colmar und weiter zum Ziel im elsässischen Örtchen Kaysersberg: Zu Ehren des 50. Todestages von Arzt und Humanist Albert Schweitzer endet die Etappe unweit seines Geburtshauses im selbsternannten "schönsten Städtchen der Welt". Berg- und Sprintwertungen: Galopprennbahn Iffezheim (Sprint) - Fremersberg (4.Kat.) - Brandstetter Kapelle (4.Kat.) - Freiburg (Sprint) 

Di. 7.7.: 3. Etappe Mannschaftszeitfahren auf dem "Rheinring", 18km Auf der Motorsport-Rennstrecke zwischen Colmar und Mulhouse ist Teamwork gefragt. Sechs Runden auf der 3km-Variante des Kurses ohne zu extreme Kurven sind zu absolvieren – in einem neuen, für die Fans besonders attraktiven Format: Sie können einerseits die Profis entlang der ganzen Strecke anfeuern, und andererseits am TV die Tempo-Unterschiede besser als zuvor verflogen: Je zwei Teams starten an entgegengesetzten Enden der Strecke, exakt 1,5km voneinander entfernt. Aus der Vogelperspektive wird der Abstand zwischen den Zügen während des Mannschaftszeitfahrens so bestens sichtbar und nicht nur durch die nackten Zwischenzeiten angezeigt. Im Ablauf ist dieses Format nur minimal länger als ein klassisches Teamzeitfahren – für Fans und Fahrer aber ein völlig neues, eindrucksvolles Erlebnis. Berg- und Sprintwertungen: keine

Mi. 8.7.: 4. Etappe Colmar – Ballon d’Alsace, 155km Nach zwei flachen Tagen ist es nun Zeit für die erste echte Kletterpartie: Durch die Vogesen führt die Strecke erstmals hoch hinaus und am Col de la Schlucht über die 1000-Meter-Marke. Anschließend folgt sie ein Stück die bilderbuchartige Panoramastraße Route des Cretes entlang in Richtung Bergankunft am Ballon d’Alsace – wo 110 Jahre zuvor die Tour-Pioniere erstmals bis auf 1178m hinauf mussten. Unterwegs passiert das Peloton neben einigen kleineren Bergpreisen die Stadt Remiremont, den Heimatort des fünffachen Mountainbike-Weltmeisters Julien Absalon, zu dessen Ehren dort ein Zwischensprint ausgefahren wird. Berg- und Sprintwertungen: Col de la Schlucht (2.Kat.) - Route des Cretes (Sprint) - Col de Grosse Pierre (2.Kat.) - Remiremont (Sprint) - Cote de Remiremont (3.Kat.) - Col d‘Oderen (3.Kat.) - Col de Bussang (3.Kat.) - Ballon d’Alsace (1.Kat.) 

Do. 9.7.: 5. Etappe Belfort – Lausanne, 188km Neue Chance für die Sprinter – diesmal in der Schweiz, wo die Eidgenossen 2015 dreier großer historischer Daten (1315/1515/1815) gedenken. Grund genug, um Lausanne nach 15 Jahren Pause wieder die Aufwartung zu machen. Von Belfort geht es direkt gen Süden ins Jura, doch die Überquerung des Mittelgebirgsmassivs sollte die schnellsten Beine im Feld nicht stoppen. In Montbeliard (1. Sprint) kam die Tour 1997 an, als von den dunklen Seiten des Sports viele noch wenig wissen wollten - auf jener Etappe, die durch "Quäl dich, du Sau" unvergessen bleibt. Mit dem Zwischensprint in Pontarlier wiederum soll an die denkwürdige Regenetappe von 2001 erinnert werden, auf der eine Spitzengruppe dort mit fast 36 Minuten Vorsprung auf das Hauptfeld ankam. Die Zielankunft in Lausanne liegt direkt am Seeufer beim Olympia-Museum – und wem das alles nicht gefällt, der kann sich direkt im Zielort an den CAS wenden... Berg- und Sprintwertungen: Montbeliard (Sprint) - Cote de Maiche (3.Kat.) - Pontarlier (Sprint) - Cote de Cossonay (4.Kat.) 

Fr. 10.7.: 6. Etappe Montreux – Chamonix, 161km Mitten während des weltberühmten Jazz-Festivals startet die Tour von Montreux aus in einen Tagesabschnitt für Klassiker-Jäger. Vorbei am UCI-Sitz in Aigle und Morzine (1975 erstmals Tour-Ort), wo die beiden Sprints des Tages stattfinden, führt die Strecke über Cluses und Sallanches nach Chamonix. Dabei geht es schon in der Anfangsphase über den Pas de Morgins nach Frankreich, ansonsten stehen aber keine längeren Anstiege im Weg. Die Tour kommt fast auf den Tag genau 50 Jahre nach der Eröffnung des Montblanc-Tunnels an dessen Nordende an. Allerdings liegt die Zielankunft am Fuß der Ski-Pisten der Olympia-Stadt selbst und nicht am Tunneleingang – auch die Tour kann schlecht mitten in der Urlaubszeit die Verbindung nach Italien kappen und die Tunnelröhre blockieren. Das Finale läutet kurz hinter Sallanches die bis zu 16 Prozent steile Cote de Domancy ein, an der Bernard Hinault vor 35 Jahren zum WM-Titel stürmte. Berg- und Sprintwertungen: Aigle (Sprint) - Pas de Morgins (1.Kat.) - Morzine (Sprint) - Cote de Domancy (3.Kat.) - Cote de Combloux (3.Kat.) 

Sa. 11.7.: 7. Etappe Sallanches – Grand Colombier, 168km Heute wird Klassement gemacht: Anfangs führt die Etappe flach um das Aravis-Massiv herum zu den Zwischensprints in Cluses und Annecy – kann Christophe Lemaitre, der einzige Weiße, der die 100 Meter je unter zehn Sekunden lief, es in seiner Heimatstadt mit dem Mann im Grünen Trikot aufnehmen? Doch das Vorgeplänkel täuscht. Zwar geht es auch von Annecy weitgehend flach weiter, doch vor den Toren von Bellegarde-sur-Valserine ändert sich das Terrain an der 110-Kilometer-Marke drastisch. Es geht mit dem Col de Richemond und dem Col de la Biche über zwei von der Tour bislang kaum besuchte Anstiege zum Grand Colombier. Trotz "nur" 1501m Höhe hat es der Schlussanstieg (17,4km/7,1%) mächtig in sich: Die erste HC-Bergankunft der Tour 2015 wird mit ihren 1200m Höhenunterschied schon ein unschönes Erwachen aus manchen Podiumsträumen bringen. Berg- und Sprintwertungen: Cluses (Sprint) - Annecy (Sprint) - Col de Richemond (2.Kat.) - Col de la Biche (2.Kat.) - Grand Colombier (HC) 

So. 12.7.: 8. Etappe Annecy - Die, 202km Ein Augenschmaus durch atemberaubende Landschaft führt das Feld erstmals ins Städtchen Die. Durch Chartreuse und Vercors warten wunderschöne Bilder auf die Zuschauer und eine anspruchsvolle Achterbahnfahrt auf die Profis - alles andere als ein Sonntagsspaziergang. Die erste große Schwierigkeit ist der Anstieg zum Mont Revard (21km/6%), wo vor 50 Jahren Felice Gimondi im Bergzeitfahren seinen Tour-Sieg besiegelte. Danach geht es über Chambery mitten durch die Chartreuse nach Grenoble – wobei gleich drei weitere Pässe überquert werden müssen - und über Villard-de-Lans zum vierten Mal in der Tour-Geschichte zum Col de Rousset (14km/3,3%). Dabei ist es weniger der Anstieg als die kurvige Abfahrt hinunter in den Zielort, die für Abstände unter den Top-Favoriten sorgen könnte. Berg- und Sprintwertungen: Mont Revard (HC) - Chambery (Sprint) - Col du Granier (1.Kat.) - Col du Cucheron (2.Kat.) - Col de Porte (2.Kat.) - Grenoble (Sprint) - Lans-en-Vercors (2.Kat.) - Col de Rousset (2. Kat.) 

Mo. 13.7.: RUHETAG in Gap 

Di. 14.7.: 9. Etappe Gap – Col de la Bonette - Restefonds, 150km Mit frischen Kräften am Nationalfeiertag zur höchsten Bergankunft der Tour-Geschichte: Von Gap führt der Kurs erst südlich Richtung Tallard, dann östlich an den Lac de Serre-Poncon. Der malerisch gelegene Stausee wird einmal fast umrundet, dabei geht es über Chorges nach Embrun – und zwar exakt entgegengesetzt der Zeitfahr-Strecke der Tour 2013. Im Anschluss geht es weiter an der Südseite des Sees Richtung Barcelonette. Dann macht die Strecke einen Schlenker zum Zwischensprint am Fuß des Pra-Loup-Anstiegs. Dort holte sich vor 40 Jahren Bernhard Thevenet den Etappensieg und damit auch den Tour-Sieg von Eddy Merckx, in Barcelonnette startete der Franzose tags darauf erstmals im "Maillot jaune". Unser Parcours aber führt die Fahrer weiter über Jausiers zum Col de la Bonette - Restefonds. Erstmals wird am höchsten Pass Europas (2715m/22km bei 6,8%) eine Bergankunft der Tour ausgetragen. Berg- und Sprintwertungen: Cote du Lac (3.Kat.) - Cote de Reallon (2.Kat.) - Cote de Puy Sanieres (2.Kat.) - Embrun (Sprint) - Barcelonette (Sprint) - Col de la Bonette-Restefonds (HC) 

Der 2. Teil folgt am Freitagnachmittag...

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