11. Tour-Etappe stand im Zeichen der Ausreißer

Majka widmet Sieg Basso! Buchmann kaputt, aber glücklich

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Rafal Majka (Tinkoff-Saxo) ist auf der 11. Tour-Etappe ein Ausreißersieg gelungen. | Foto: Cor Vos

15.07.2015  |  (rsn) – Nachdem Chris Froome (Sky) alle seine Konkurrenten gleich auf der ersten Bergetappe der 102. Tour de France einen womöglich schon vorentscheidenden Schlag versetzt hatte, hielten am zweiten Tag in den Pyrenäen die Favoriten von einer kleinen Ausnahme abgesehen still.

Die sich so bietende Chance ließ sich eine kleine Ausreißergruppe nicht entgehen und machte den Sieg auf dem elften Abschnitt unter sich aus. Überraschend mischte dabei auch Tour-Debütant Emanuel Buchmann (Bora-Argon18) kräftig mit und kam nach schweren 188 Kilometern von Pau nach Cauterets als Dritter ins Ziel.

Der Deutsche Meister, dessen Kapitän Dominik Nerz mit Magenproblemen im ersten Renndrittel vom Rad stieg, musste nur zwei namhaften Konkurrenten den Vortritt lassen: dem Polen Rafal Majka (Tinkoff-Saxo), der mit seiner Attacke am Tourmalet die zu diesem Zeitpunkt sechsköpfige Spitzengruppe gesprengt hatte und der einen ungefährdeten Solosieg einfuhr, und dem Iren Daniel Martin (Cannondale-Garmin).

„Ich bin richtig glücklich und auch super kaputt. Es war ein harter Tag, denn ich war immer in der Spitzengruppe“, sagte Buchmann in der ARD nach seinem bisher besten internationalen Ergebnis bei den Profis. Die Überfahrt über den legendären Tourmalet, der in diesem Jahr zum 80. Mal im Programm der Frankreich-Rundfahrt stand, konnte der Ravensburger sogar genießen, wie er anfügte: „Ich bin meinen Rhythmus hochgefahren. Das war gei...,“ um sich dann sofort zu verbessern: „toll“.

Ähnliche Gefühle hatte Majka, der seinem gebeutelten Team – nach dem mit Diagnose Hodenkrebs bereits ausgeschiedenen Italiener Ivan Basso musste heute auch dessen Landsmann Daniele Bennati nach einem Sturz die Segel streichen – das erste Erfolgserlebnis dieser Tour bescherte. „Dieser Sieg ist für meine Teamkollegen, für Ivan Basso, der jetzt daheim ist, und für Daniele Bennati“, sagte der 25-jährige Pole nach seinem insgesamt dritten Tour-Etappensieg.

Auch wenn es für ihn nicht zum zweiten Tour-Tagessieg langte, war Martin mit seinem Auftritt durchaus einverstanden. „Im Finale ging es richtig gut. Am Tourmalet hatte ich nicht die Beine, um Rafal zu folgen. Aber Zweiter am Ende einer solchen Etappe ist schon nicht schlecht“, so der Cannondale-Kapitän, der bereits am Samstag an der Mûr de Bretagne Etappenzweiter geworden war und der heute zum kämpferischsten Fahrer gewählt wurde. „Ich darf morgen zum ersten Mal die rote Rückennummer tragen, und das bei meiner dritten Tour-Teilnahme, damit bin ich schon zufrieden.“

An der Spitze der Gesamtwertung gab es nur kleinere Verschiebungen, da fast alle Favoriten gemeinsam mehr als fünf Minuten hinter Majka – der sich wiederum 59 Sekunden vor Martin und 1:23 Minuten vor Buchmann durchsetzte – in einer elfköpfigen Gruppe ankamen. Nicht dabei war allerdings Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Astana), der sein Team am Tourmalet noch in die Offensive geschickt hatte, dann aber im nicht sehr langen und nur fünf Prozent steilen Schlussanstieg zurückfiel und sich 50 Sekunden Rückstand auf die Gruppe um Spitzenreiter Chris Froome (Sky) einhandelte, der mit erneut formidabler Unterstützung seines Teams souverän sein Gelbes Trikot verteidigte und unverändert 2:52 Minuten vor Tejay van Garderen (BMC) und 3:09 Minuten vor Nairo Quintana (Movistar) führt.

Nibali wurde vom Niederländer Bauke Mollema (Trek), der im Finale aus der Spitzengruppe heraus attackiert und sich einige Sekunden Vorsprung hatte herausfahren können, vom zehnten auf den elften Platz verdrängt und hat nun schon 7:47 Minuten Rückstand auf Froome.

In der Punktewertung musste André Greipel (Lotto Soudal) seine Führung an Peter Sagan (Tinkoff) abgeben, der nun wieder im Grünen Trikot unterwegs ist und sieben Zähler Vorsprung auf den 32-Jährigen hat.

Nach einem ausgesprochen flotten Beginn der zweiten Pyrenäenetappe, der bei einem Tempo von 48,1 km/h absolviert wurde und zunächst die vier Ausreißer Edvald Boasson Hagen (MTN-Qhubeka), Michal Kwiatkowski (Etixx-Quick-Step), Lieuwe Westra (Astana) und Bob Jungels (Trek) mit knappem Vorsprung vorne sah, beruhigte sich das Rennen erst nach knapp 80 Kilometern.

Kurz zuvor hatte sich Sagan beim Zwischensprint hinter dem Italiener Matteo Trentin (Etixx-Quick-Step) 17 Punkte gesichert und damit Greipel, der nur Rang neun belegte, nachdem er mit dem zweiten Teil des Feldes zu spät wieder zur Spitze aufgeschlossen hatte, wieder das Grüne Trikot abgenommen.

Eine Hiobsbotschaft hatte noch vor dem Zwischensprint das deutsche Bora-Team ereilt, als nämlich der mit Magenproblemen kämpfende Kapitän Dominik Nerz das Rennen aufgeben musste. Doch kurz darauf hellte sich die Miene von Teamchef Ralph denk wieder auf, denn Buchmann gelang der Sprung in sich spät bildende Gruppe des Tages, zur der neben dem Youngster und Majka noch Thomas Voeckler (Europcar), Steve Morabito (FDJ) und Serge Pauwels (MTN-Qhubeka) gehörten.

Kurz darauf schlossen bei großer Hitze mit Temperaturen deutlich über 30 Grad noch Arnaud Démare (FDJ) Julien Simon (Cofidis) und schließlich im Col d’Aspin Daniel Martin auf, so dass insgesamt sieben Fahrer die letzten 75 Kilometer mit einem Vorsprung von mehr als sieben Minuten in Angriff nahmen. Die Bergwertung der 1. Kategorie in 1.490 Metern Höhe sicherte sich Martin in einem langgezogenen Sprint vor Voeckler und Pauwels. Buchmann und Morabito konnten kurz vor dem Gipfel der Tempoverschärfung des Iren nicht folgen, schlossen aber in der zwölf Kilometer langen Abfahrt schnell wieder auf.

Das vom Sky-Team angeführte Feld ließ es vergleichsweise ruhig angehen und überquerte fast acht Minuten nach der stark besetzten Ausreißergruppe, in die der am d’Aspin zurückgefallene Démare kurzzeitig wieder zurückfand.

Im Mittelteil des 17,1 Kilometer langen und 7,3 Prozent steilen Col du Tourmalet (HC) verschärfte Astana im Hauptfeld das Tempo, während Majka fast zeitgleich aus der Spitzengruppe heraus attackierte. Schnell schrumpfte die Verfolgergruppe auf zunächst 30, dann auf nur noch 20 Fahrer zusammen – und wie schon gestern waren große Namen dabei wie Joaquim Rodriguez (Katusha), Jean-Christophe Péraud, Romain Bardet (Ag2R) , Thibaut Pinot (FDJ), Warren Barguil (Giant-Alpecin) , Rigoberto Uran (Etixx-Quick-Step) und Andrew Talansky (Cannondale-Garmin).

Majka erreicht derweil den Skiort La Mongie fünf Kilometer vor dem Gipfel mit nur noch fünf Minuten Vorsprung auf die Favoritengruppe, aus der heraus Nibali eine Attacke ritt, die aber von Sky leicht neutralisiert werden konnte. Der Gewinner des letztjährigen Bergtrikots der Tour, Rafal  Majka, überquerte auch den Tourmalet als Erster, und zwar rund 5:35 Minuten vor der Gruppe um Froome, der als insgesamt Achter über den Gipfel fuhr, und holte sich 25 Bergepunkte. Hinter dem Gewinner des letztjährigen Bergtrikots stürzten sich Pauwels (+1:45) und Buchmann (+2:00) in die 31 Kilometer lange Abfahrt.

Froome hatte wie gestern im Finale noch Thomas und Porte bei sich, die sich in der Anfahrt auf die 6,4 Kilometer lange Schlusssteigung vor die Gruppe spannten, die zwischenzeitlich wieder etwas größer geworden war. Allerdings konnte Majka seinen Vorsprung sowohl auf die unmittelbaren Verfolger Pauwels, Martin und Buchmann als auch auf die Favoritengruppe halten.

Kurz vor dem Beginn der im Schnitt fünf Prozent steilen Côte de Cauterets (3. Kat.) schüttelte Martin mit einer kurzen Tempobeschleunigung Buchmann ab, schloss 3,5 Kilometer vor dem Ziel in den Serpentinen von Cauterets zu Pauwels auf und ließ den MTN-Profi sofort mit einer Tempobeschleunigung stehen, ohne allerdings dem souveränen Majka noch gefährden zu können. Auch Buchmann zog im Finale noch am völlig entkräfteten Pauwels vorbei und sicherte sich Rang drei und seinem Bora-Team das erste Top-Ergebnis bei dieser Tour.

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