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Sieg und Sturz auf 6. Tour-Etappe

Etixx-Quick-Step: Stybar jubelt, Martin leidet

Foto zu dem Text "Etixx-Quick-Step: Stybar jubelt, Martin leidet"
Tony Martin (Etixx Quick Step) nach seinem Sturz im Ziel der 6. Etappe der Tour de France im Kreis seiner Teamkollegen | Foto: Cor Vos

09.07.2015  |  (rsn) – Begleitet von Weltmeister Michal Kwiatkowksi und zwei weiteren Teamkollegen quälte sich Tony Martin (Etixx-Quick-Step) unter Schmerzen bis ins Ziel nach Le Havre. Ein Sturz auf dem Schlusskilometer der 6. Etappe der 102. Tour de France könnte für den Deutschen das abrupte Ende seiner Fahrt in Gelb bedeuten. Die deprimierende Diagnose lautete nämlich: Schlüsselbeinbruch. Wie Martin am Abend twitterte, wolle man sich nun die weiteren Schritte überlegen.

Der 30-Jährige verteidigte seine Spitzenposition mit zwölf Sekunden Vorsprung auf Christopher Froome (Sky), weil er innerhalb der Drei-Kilometer-Marke gestürzt war – und unter anderem auch Titelverteidiger Vincenzo Nibali (Astana) mit zu Boden gerissen hatte war.

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So geriet beim Martins Team der Sieg des Tschechen Zdenek Stybar fast schon zur Nebensache. Der 29-Jährige hatte nach dem Crash, der sich 700 Meter vor dem Ziel ereignete, die allgemeine Verwirrung zunutze gemacht und mit einem trockenen Antritt alle überrascht. „Stybar hat die erste Tour-Etappe seines Lebens gewonnen. Zum Feiern kommt er heute eher wenig“, meinte Etixx-Manager Rolf Aldag angesichts des Dramas um Martin.

Stybar hatte zunächst nicht mitbekommen, dass sein Kapitän gestürzt war. „Das war mein großer Traum“, sagte der ehemalige Crossweltmeister nach dem bisher größten Erfolg seiner Karriere. Ich dachte, ich hätte auf der Kopfsteinpflasteretappe eine gute Chance, aber ich habs nun heute gepackt, deshalb bin ich sehr glücklich“, so Stybar nach der Siegeszeremonie, ohne seinen Teamkollegen zu vergessen. „Ich habe jetzt erst den Sturz unseres Leaders Tony Martin gesehen, ich hoffe, es ist nicht zu schlimm und wir können weiter das Gelbe Trikot verteidigen.“

Stybar setzte sich auf der ansteigenden Zielgeraden zwei Sekunden vor dem Slowaken Peter Sagan (Tinkoff-Saxo) durch, der mit seinem bereits dritten zweiten Platz bei dieser Tour bis auf drei Punkte an André Greipel (Lotto Soudal) heranrückte, der sein grünes Trikot knapp verteidigen konnte. Hinter dem Franzosen Bryan Coquard (Europcar) musste sich John Degenkolb (Giant-Alpecin) mit Rang vier begnügen, womit der Frankfurter weiterhin auf seinen ersten Etappensieg bei einer Frankreich-Rundfahrt wartet.

Fünfter wurde der Belgier Greg van Avermaat (BMC) vor dem Franzosen Tony Gallopin (Lotto Soudal) und dem Norwegischen Meister Edvald Boassan Hagen (MTN-Qhubeka), dessen eritreischer Teamkollege Daniel Teklehaimanot als erster afrikanischer Profi das Bergtrikot der Tour eroberte. Der zweimalige Etappensieger Greipel hatte durch den ansteigenden letzten Kilometer diesmal nichts mit dem Ausgang des Rennens zu tun und überquerte als 66. den Zielstrich.

Die Schlüsselszene des Rennens war Martins Sturz. Der Deutsche fuhr auf ansteigender, aber geradeaus führender Strecke einen Schlenker, touchierte den Franzosen Warren Barguil (Giant-Alpecin) und riss beim Sturz auch Nibali mit, und auch Tejay van Garderen (BMC) und Nairo Quintana (Movistar) landeten auf dem Boden. Alle drei kamen aber ohne größere Blessuren davon, „Ich habe gar keine richtige Erinnerung, wie es genau passiert ist. Ich habe mich an dem Hinterrad des Fahrers vor mir aufgehängt. Schade, aber das ist die Tour. Glück und Unglück liegen oft nahe beieinander“, sagte Martin im Ziel.

Aber auch Degenkolb war nicht vom Glück verfolgt. Dabei war die 850 Meter lange Passage mit durchschnittlich sieben Prozent Steigung wie gemacht für den 26-Jährigen. Doch Degenkolb verpasste wie alle anderen Favoriten auch Stybars Antritt. „Wir haben zu spät reagiert. Meine Form ist eigentlich gut, die Tour geht noch lange“, sagte er frustriert.

So dramatisch das Finale war, so ereignislos verliefen zuvor der Großteil der 191,5 Kilometer durch die Normandie, von denen ein Großteil direkt am Meer entlang führten. Fünf Kilometer nach dem Start in Abbeville machten sich bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen um die 20 Grad der Belgier Kenneth Van Bilsen (Cofidis), der Franzose Perrig Quéméneur (Bretagne-Séché) und eben Teklehaimanot auf und davon und kamen schnell auf einen Vorsprung von zwölf Minuten. Danach erhöhten die Sprinterteams im Feld das Tempo, wobei Giant-Alpecin und Lotto Soudal sich die Arbeit aufteilten. Teklehaimanot sicherte sich alle drei Bergpreise (der 4. Kat.) und somit als erster Fahrer vom afrikanischen Kontinent das Gepunktete Trikot der Tour. Zwölf Kilometer vor dem Ziel attackierte Van Bilsen seine Begleiter, wurde seinerseits aber vom aufmerksamen Feld, in dem sich nun auch die Teams der Klassementfahrer ganz vorne zeigten, auf den letzten drei Kilometern in Le Havre gestellt.

In dem technischen Finale zeigten sich wieder Giant-Alpecin und nun auch Etixx-Quick-Step vorne. Doch der folgenreiche Sturz ereignete sich, nachdem die kniffligen Passagen schadlos absolviert worden waren.

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