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Pömers Bora-Tour / 21. Etappe

Nach der Tour ist vor der Tour!

Von Christian Pömer

Foto zu dem Text "Nach der Tour ist vor der Tour!"
Bora-Argon 18-Sportdirektor Christian Pömer | Foto: Bora-Argon 18

27.07.2015  |  (rsn) - Nach der 21. Etappe: Jetzt ist sie also rum, unsere Zeit im bekanntesten Wanderzirkus Europas. Nach einer kurzen Nacht sitze ich nun am Flughafen in Paris und überlege mir, wie das mit dem weisen Spruch „Nach der Tour ist vor der Tour“ eigentlich gemeint ist und vor allem, wann sich bei mir das „Nach-der-Tour-Gefühl“ einstellt? Wahrscheinlich wird es erst langsam kommen, wenn ich zurück bei meinen zwei Mädels bin und in der Früh' nicht direkt nach dem Zähneputzen die Akkreditierung umhänge, keinen Koffer packen muss und - vor allem - nicht mit einem schlitzohrigen Hoteldirektor dessen kreative Rechnungslegung zu diskutieren habe. Na, und dann gilts ja auch noch rasch die Abrechnung für 27 Tage on the road zu machen, und wenn ich da schon mal dabei bin, lege ich gleich eine Liste mit all jenen Dingen an, die ich im nächsten Jahr optimieren möchte. Und jetzt hab ichs begriffen: „Nach der Tour ist tatsächlich vor der Tour“… Danke, liebe Leser von Radsport News, dass sie uns die letzten drei Wochen begleitet haben und vielleicht lesen wir uns ja am 2 Juli 2016 wieder. Denn dann steigt der „Grand Départ“ zur 103. Tour de France.

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Vor der 21. Etappe: Es fällt mir ja nicht leicht es zuzugeben, vor allem wenn ich an die Leiden der Rennfahrer denke, aber wenn ich ganz ehrlich bin, bin auch ich froh, dass die Tour heute zu Ende geht. Auch für das Betreuerteam waren die letzten 26 Tage sehr anstrengend… Jetzt geht’s erstmal via Bus und Flugzeug Richtung Start und danach weiter nach Paris. Ich hoffe nur, dass die letzte Etappe tatsächlich zur Ehrenrunde wird und der Kampf um den Etappensieg nicht zu früh beginnt, denn José Mendes hat eine ganz schlechte Nacht hinter sich. Er konnte die Nahrung nicht behalten und hat auch bei Bummeltempo einen weiteren Höllentag vor sich... Drücken wir ihm die Daumen, dass er ss schafft!

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Nach der 20. Etappe: Mein schlimmster Albtraum wäre heute fast noch wahr geworden. Beinahe hätte ich am Schlussanstieg nach Alpe d’Huez eine Zuschauerin schwer verletzt. Die Dame hat sich auf eine Radmütze gestürzt, die Oleg Tinkov höchstpersönlich aus dem Begleitwagen vor uns geworfen hat, und hätte mein heutiger VIP-Gast nicht laut Achtung gerufen, wäre ich der unvorsichtigen Zuschauerin mit voller Wucht gegen den Kopf geknallt… Sportlich gesehen hat die Etappe das geboten, was sich Organisatoren und Fans gewünscht haben. Hochspannung bis zum letzten Meter. Übrigens: Ich finde nicht, dass Quintana die Rundfahrt durch zu späte Attacken verloren hat. Meiner Meinung nach hat das Sky-Team mit Captain Chris die Tour in der ersten Woche gewonnen.

Vor der 20. Etappe: Noch einmal das schöne Spiel, weil es uns so gut gefiel. Dass mir als Sportlicher Leiter weder die gestrige noch die heutige Etappe gefällt, habe ich ja schon angedeutet. Wobei ich nochmals sagen muss, die Fahrer sind auch ein wenig selbst an ihren Leiden Schuld… als Fan muss ich zugeben, dass die beiden kurzen Bergetappen zum Schluss eine dramaturgische Meisterleistung sind und trotz erdrückend klarer Kräfteverhältnisse einen guten Grund bieten, den Sonnenstuhl gegen die Fernsehcouch zu tauschen.

Nach der 19. Etappe: Was für ein Tag. Den Kampf um den Etappensieg habe ich nur durch den Funk miterlebt, dafür war ich beim Leiden der Sprinter direkt vor Ort. Unglaublich, welche Dramen sich da heute abgespielt haben. Viele Rennfahrer waren von Kilometer Null weg zwischen den Autos und selbst Klassefahrer wie André Greipl dürften auf der 19 Etappe echt an ihre absoluten Grenzen gestoßen sein. Da fragt man sich nur wofür. Denn am Ende kamen fast 100 Rennfahrer mit ziemlich genau einer halben Stunde Rückstand ins Ziel und wenn sie sich noch eine halbe Stunde mehr Zeit gelassen hätten, wäre auch nix passiert. Aber für solche Aktionen bräuchte es einen echten Patron im Feld und den gibt es im Moment einfach nicht….

Vor der 19. Etappe: „Grupettooooo“ - dieser Schrei ist für viele Rennfahrer die Erlösung von den größten Qualen einer Bergetappe. Denn ab diesem Zeitpunkt dauert es oft nicht mehr lange, bis sich der „Autobus“ bildet und möglichst gemütlich ins Ziel rollt... Heute könnten die ersten Rufe nach der rettenden Schutzgruppe bereits vor dem Start laut werden. Angesichts des Streckenprofils mit einem 15,4 Kilometer langen Anstieg der 1. Kategorie direkt nach dem „départ réel“ würde es mich nicht überraschen, wenn die Sprinter geschlossen eine Art Bummelstreik einlegen würden. Noch dazu weil vom Start weg mit einem Großangriff von Movistar zu rechnen ist.

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Nach der 18. Etappe: Heute hats für uns endlich wieder mit der Spitzengruppe geklappt. Leider war die Besetzung die falsche. Denn anstatt Verzweiflungstätern wollten einige Klassementfahrer die Gunst der Stunde nutzen, um etwas an Boden gut zu machen, oder gar in die Top Ten vorzustoßen. Darum wurde der Abstand für unseren tapfer kämpfenden Jan Barta nie groß genug… Apropos Verzweiflungstäter: Im Ziel konnte ich einen Dieb gerade noch daran hindern, eines unserer ARGON 18 Bikes zu klauen. Seelenruhig ist der Typ zu unserem Auto geschlendert, hat ein Rad vom Dach genommen und ist damit weiter spaziert. Obwohl, eines muss man dem Gauner lassen. Geschmack hat er!

Vor der 18. Etappe: Für die Rennfahrer läutet der 2000 Meter hohe Col du Clandon heute die schwierigste Phase der Tour de France ein: das Finale im Hochgebirge. Und einige werden die unzähligen hohen Zacken im Höhenprofil als nahezu unüberwindbare Mauer erleben. Als Sportlicher Leiter sieht man vom Col du Glandon hingegen schon fast bis nach Paris… in meinem Fall hoffentlich als Betreuer eines unserer Fahrer in der Spitzengruppe, denn eine solche hat heute wieder beste Chancen auf einen Etappensieg.

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Nach der 17. Etappe: Eigentlich würde ich jetzt gern mal wieder über einen Lichtblick berichten. Leider gabs auch heute keinen, obwohl die Jungs mit aller Kraft in die Gruppe wollten. Der Lohn dafür: Paul und Jose waren nach unzähligen Versuchen so platt, dass sie nach der schnellen Startphase mit Ach und Krach das Gruppetto erwischten, anstatt mit Simon Geschke um den Sieg zu fighten. Aber auch der Mann mit dem Bart musste viele Niederlagen einstecken, bevor er heute mehr als verdient gewonnen hat. Das sollte auch uns Ansporn sein.

Vor der 17. Etappe: Ruhetag bei der Tour de France ist der reinste Etikettenschwindel - zumindest für das Betreuerteam. Denn bis auf den Hotelwechsel ist die Arbeit genau dieselbe wie an normalen Renntagen. Zusätzlich dazu gilt es Medientermine zu absolvieren, mit Sponsoren zu plaudern oder wie in meinem Fall die Reisen für die nächsten Rennen zu planen… und auch, wenn man das vorher natürlich genau weiß, ist man trotzdem enttäuscht, denn im Unterbewusstsein ist man ja auf einen echten Ruhetag eingestellt. Schön, dass es nun in die Alpen geht, denn da sind wir auf die sprichwörtlichen „Leiden“ vorbereitet.

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Nach der 16. Etappe: Autsch! Das hat heute wehgetan…. Wenn auf Radio Tour die Nummern der Spitzengruppe verkündet werden, man gespannt auf die 190er Nummern wartet und dann kein einziger Fahrer dabei ist, dann schmerzt das auch im Betreuerfahrzeug. Noch mehr tuts aber ganz sicher den Sportlern selbst weh, denn jeder Rennfahrer weiß, dass heute ein guter Tag war, um mit einem schönen Resultat den Marktwert mehr als zu verdoppeln. Ganz zu schweigen davon, dass es für jeden eine Ehre und Kindheitstraum ist bei der Tour als „tete de la course“ geführt zu werden. Gut, dass alle unsere Jungs noch fünf Chancen haben, sich diesen Traum doch noch zu erfüllen.

Vor der 16. Etappe: Statistisch gesehen ist die Etappe nach Gap natürlich für Ausreißer prädestiniert. Aufgrund der recht klaren Verhältnisse an der Spitze des Klassements bin ich mir aber nicht ganz so sicher, denn einer der angeschlagenen Teamleader könnte den letzten Anstieg und die anspruchsvolle Abfahrt nutzen, um mit vollem Risiko nicht nur einen Etappensieg zu landen, sondern auch das Podium in Paris anzuvisieren…

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Nach der 15. Etappe: Unglaublich, wie schnell heute wieder gefahren wurde. Die ersten eineinhalb Rennstunden müssen echt die Hölle gewesen sein. Sam hat sich trotzdem extrem gut geschlagen. So gut, dass ich schon gehofft habe, dass er es zum Sprint schafft… Leider war der Berg 60 Kilometer vor dem Ziel dann doch zu schwer für ihn. Mit André Greipl hat aber ein Fahrer gewonnen dem man den Sieg von Herzen vergönnt. Gratulation!

Vor der 15. Etappe: Zu behaupten, dass das Ziel der heutigen Etappe für Sam Bennett bereits nach 18,5 Kilometer am Col de la Pierre liegt, wäre etwas übertrieben. Wenn unser junger Sprinter den ersten Anstieg des Tages aber halbwegs gut übersteht, bringt ihn das Paris wesentlich näher als nur diese 18,5 tatsächlich abgespulten Kilometer.

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Nach der 14. Etappe: Ehrlich gesagt, war das heute die erste Etappe, bei der ich mit unserem Abschneiden hadere. Beim Frühstück habe ich nämlich noch recht selbstbewusst geglaubt, dass wir den Ausgang des Rennens entscheidend beeinflussen würden. Aber wie mein ehemaliger Chef so treffend predigte: Glauben sollte man nur Sonntags in der Kirche… Am Ende des Tages bleibt mir nur, vor den MTN-Jungs den Hut zu ziehen und unsere Fahrer zu motivieren, weiter um jede Chance zu kämpfen.

Vor der 14. Etappe: Beim Lesen der Streckenschreibung zur heutigen Etappe habe ich richtig Lust bekommen, mal wieder selbst in die Pedale zu treten. Von atemberaubenden Panoramen und bunten Felsen ist da die Rede und ebenso von der Tatsache, dass die Gorges du Tarn ein Paradies für Kletterer ist… und damit ist mir die Lust aufs Radfahren gleich wieder vergangen. Sieht man sich das Streckenprofil nämlich genauer an, erkennt man rasch, dass das 14. Teilstück eines ist, auf dem kletterstarke Ausreißer ihre Chance haben werden. Und genau so einen Fahrer haben wir ja im Team. Somit sitze ich dann doch lieber im Begleitfahrzeug als am Rennrad und wenn alles gut geht, wird mein Durchschnittspuls im Auto heute ähnlich hoch sein wie normal auf dem Fahrrad…

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Nach der 13. Etappe: Es war ein ziemlich emotionaler Moment, als ich Zak Dempster heute Morgens am Bahnhof in Toulouse ablieferte und er mir eine seiner Startnummern mit einer recht persönlichen Widmung schenkte…. Vielleicht war ich deshalb besonders konzentriert, als ich Sam Bennett bei der nachmittäglichen Hitzeschlacht mit seiner „Schutzgruppe“ Richtung Ziel lotste. Einen weiteren Abschied möchte ich uns wirklich ersparen…

Vor der 13. Etappe: Sprinter oder Ausreißer lautet heute die Frage. Ich selbst tippe übrigens auf einen Puncheur. Ein, zwei Fahrern würde ich aber trotzdem die Möglichkeit geben, sich in einer Spitzengruppe zu platzieren, denn alles auf die Ankunft einer großen Gruppe zu setzen, wäre ist mir zu riskant….

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Nach der 12. Etappe: Ginge es nach der Wattleistung, hätte Jan Barta die heutige Etappe sicher gewonnen. Und zwar überlegen. Denn vor unserem tschechischen Zeitfahrspezialisten lagen heute lediglich fünf echte Leichtgewichte. Respekt! Nun hoffen wir natürlich, dass Jan den Frust vom Auftaktzeitfahren endlich überwunden hat und vor allem, dass er für Teiltücke, die ihm mehr liegen, noch ein paar Körner übrig gelassen hat…

Vor der 12. Etappe: Nach einem bewundernswerten Kampf konnte sich Zak Dempster gestern gerade noch ins Ziel retten. Durch sein fast 70 Kilometer langes Solo auf der falschen Seite des Hauptfeldes wird’s für ihn heute aber besonders schwierig. Und damit auch für uns. Denn als Sportlicher Leiter leidet man mit den „Schwachen“ oft mehr, als wenn es vorne um den Sieg geht…

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Nach der 11. Etappe: „A new star is born“, mit diesen Worten hat mir mein Kollege Jens Zemke heute scherzhaft, aber mit sichtbarer Begeisterung und auch Respekt zur Leistung von Emanuel Buchmann gratuliert (Danke Jens). Auch wir sind beeindruckt und freuen uns riesig. Emu jetzt zum Star zu machen liegt uns aber völlig fern. Ich glaube, unser Team und vor allem Manager Ralph Denk sind für kontinuierliche, aber stets ruhige und bodenständige Arbeit bekannt, und das ist für einen jungen Typen wie Emanuel sicher das Beste. Würde Ralph nun einen Medien-Hype pushen, sähen wir womöglich bald die nächste Sternschnuppe des deutschen Radsports…. 

Vor der 11. Etappe: Die gebrochene Gabel von Eugene Christoph, die Bären, vor denen Alphones Stein sich bei der Erstbesichtigung fürchtete, und die Menschenmassen, die seit der Premierenfahrt im Jahr 1910 den 17 Kilometer langen Anstieg des Col du Tourmalet säumen, machen die heutige Etappe für mich zu wahren Pilgerfahrt… Bleibt zu hoffen, dass ich nach der Überquerung des höchsten Pyrenäenpasses die berühmten Worte „Sind gut über den Tourmalet gekommen. Stop. Straße in gutem Zustand. Stop. Keine Schwierigkeiten für die Fahrer. Stop.“ strapazieren darf. Am liebsten als Betreuer eines unserer Fahrer in der Spitzengruppe. Denn eine solche hat heute beste Chancen auch durchzukommen…

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Nach der 10. Etappe: Ruhetag hin und Teamzeitfahren her, aber dass Chris Froome die Konkurrenz dermaßen in Grund und Boden fährt, kann nicht an den stotternden Motoren seiner Konkurrenten liegen. Er und sein Sky-Team sind wohl einfach die Stärksten hier, auch wenn von einigen der heute Geschlagenen in den nächsten Tagen sicher noch was kommt.

Vor der 10. Etappe: Karten auf den Tisch heißt es heute bei der ersten Bergankunft der Tour. Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass nach einem Ruhetag und dem kurzen Teamzeitfahren heute auch einer der großen Motoren etwas stottern könnte… Es wird jedenfalls spannend. Auch für uns.

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Nach der 9. Etappe: Auch wenn wir mit der Leistung im heutigen Teamzeitfahren nicht zu 100 Prozent glücklich sind, ist die Stimmung im Team bestens. Und während der Rest der Welt langsam in den „Montagsblues“ verfällt, freuen wir uns nach einer Woche Hochspannung auf den ersten Ruhetag…. Große Analysen sind im Moment ohnehin nicht nötig, denn am Dienstag wird uns der Col de Soudet recht deutlich zeigen, wie es um unsere Ziele tatsächlich bestellt ist.

Vor der 9. Etappe: Heute ist es wie beim Auftaktzeitfahren, nur schlimmer! Wir alle sind richtig froh, wenn der Tag rum ist. Denn auch wenn das Teamzeitfahren nur 28 Kilometer kurz ist, dauert der Arbeitstag gleich lang wie bei einer 228 Kilometer langen Bergetappe. Besonders unangenehm daran: Die Spannung bei Mechanikern und Sportdirektoren ist während des gesamten Prozederes gleich hoch wie ansonsten auf den letzten zehn Kilometern.

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Nach der 8. Etappe: Die rote Nummer für den „kämpferischsten Fahrer“ hatte für mich bislang ehrlich gesagt immer Trostpreischarakter. Heute durfte ich mich zum zweiten Mal bei der diesjährigen Tour für einen unserer Fahrer riesig über diese Auszeichnung freuen… Und immerhin bittet Zeremonienmeister Bernard Hinault ja nicht umsonst nur sechs Fahrer zur Siegerehrung. Schön, dass einer davon heute Bartosz Huzarski war. #AllezHuzar

Vor der 8. Etappe: Auch wenn ich nicht glaube, dass einer der Tour-Favoriten heute in Mur de Bretagne so richtig gegen die Wand kracht, so bin ich doch gespannt, wie es den „Großen Vier" im heutigen Schlussanstieg ergeht… und auch, ob einer unserer BORA – ARGON 18-Jungs überraschen kann. Ich hätte da schon jemanden im Auge.

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Nach der 7 Etappe: Ich kenne niemanden, der nach verpassten Chancen mehr leidet als Sam Bennett. Heute ist unsere irische Rakete aber vergleichsweise gut gelaunt, und das, obwohl ein zehnter Platz für ihn persönlich nicht mal bei der Tour de France als Erfolg durchgeht…. Ich glaube, Sam ist einfach nur froh, dass er langsam wieder in Schwung kommt. Enrico Poitschke und ich sind auch zufrieden. Denn aus unserer Sicht ist für einen Tour-Debütanten jedes Top Ten-Resultat ein Achtungserfolg.

Vor der 7. Etappe: Sam Bennetts letztes Rennen vor der Tour war der Velothon Berlin, danach kämpfte der schnelle Ire mit gesundheitlichen Problemen. Gerade von einem jungen Fahrer kann man nach 35 rennfreien Tagen keine Höchstleitungen erwarten. Trotzdem würde ich mich freuen, wenn Sam uns heute einen Achtungserfolg bescheren könnte; vor allem für ihn selbst.

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Nach der 6. Etappe: Heute kann ich nur sagen: Gratulation an das MTN-Qhubeka-Team und eine tiefe Verbeugung vor meinen beiden Kollegen Jens Zemke und Alex Sans Vega... Natürlich würden wir uns im Laufe der Tour einen ähnlichen Coup wünschen und ich bin auch recht guter Dinge dass uns noch was gelingt. Daniel Teklehaimanot und allen Fans auf dem afrikanischen Kontinent wünsche ich von ganzem Herzen eine schöne Zeit und viel Freude mit dem Gepunkteten Trikot.

Vor der 6. Etappe: Ich bin schon gespannt, ob es Peter Sagan heute gelingt, den reichen Onkel Oleg zu besänftigen… ansonsten hoffe ich, dass der nicht ganz so starke Wind und das sonnige Wetter zu einem etwas ruhigeren und kontrollierten Rennen beitragen. Die geschätzt 50 verletzten Rennfahrer hätten sicher ebenso wenig dagegen wie die Mechaniker, die den Schraubenschlüssel sicher auch gern mal wieder vor Mitternacht in die Werkzeugkoffer legen würden.

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Nach der 5. Etappe: Man wird sich ja doch auch mal was wünschen dürfen… wobei, für mich ist der Wunsch heute schon in Erfüllung gegangen und mein Tag im zweiten Betreuerauto war erholsam langweilig. Gerd Kodanik, unser Mechaniker im ersten Begleitwagen, musst allerdings ganze sechs Mal raus, weil der Radio Tour Sprecher „Chute“ also Sturz verkündete. Gott sei Dank jedes Mal umsonst. Ansonsten kann ich heute nur sagen: die armen Rennfahrer.

Vor der 5. Etappe: Für heute wünsche ich den Rennfahrern und mir einfach nur einen langweiligen und monotonen Arbeitstag mit einem schönen und fairen Sprint Royal.

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Nach der 4. Etappe: Sieht man sich die Ergebnisse der bisherigen Tour an, könnte man glatt den Eindruck haben, dass sich Deutschland endgültig zur Radsportnation entwickelt hat. Zwei Etappensiege, Tony Martin in Gelb und André Greipel in Grün… Fehlt nur noch, dass Dominik Nerz dieses Ergebnis als solider Klassementfahrer abrundet. Verdient hätte er sich's, sowohl als Sportler und erst recht als Mensch.

Vor der 4. Etappe: Weil sich Chris Froome gestern das Gelbe Trikot geholt hat, habe ich für heute auf ein zumindest halbwegs kontrolliertes Rennen mit einem hektischen Finale gehofft. Nachdem nun aber starker Wind und auch Regen angesagt sind, steht uns wohl die nächste Schlacht bevor. Also wieder mal Hektik pur!

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Nach der 3. Etappe:
Über Jan Bartas Rote Nummer habe ich mich, auch wenns vielleicht lächerlich klingt, heute richtig gefreut, weil es unser erster Lichtblick hier war. Für Dominik Nerz würde ich aber am liebsten einen Tapferkeitsorden basteln. Trotz seines schweren Sturzes konnte er heute unter starken Schmerzen eine solide Leitung abrufen. Chapeau!

Vor der 3. Etappe: Ich bin neugierig, ob sich Chris Froome auf der kurzen steilen Rampe nach Huy ebenso wohl fühlt wie gestern im Wind, oder ob ein „punchiger“ Fahrer wie Valverde oder auch Nibali heute etwas Boden gutmachen kann. Die Mauer von Huy im Tour-Parcours gefällt mir jedenfalls wesentlich besser als das gestrige „offshore“ Rennen…“

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Nach der 2. Etappe: Obwohl wir immer positives Denken predigen, hat man auf der heutigen Etappe gesehen, dass Spitzensportler durchaus auch durch Frustration und Ärger zu Höchstleistungen auflaufen können. Respekt vor Jan Barta und Gratulation an Fabian Cancellara. Beide konnten sich nach der gestrigen Enttäuschung heute selbst besänftigen.

Vor der 2. Etappe: Aus unserer Sicht ist heute wieder alles möglich. Gleiches gilt aber auch für alle anderen Teams. Da heißt es von Anfang bis zum Ende fokussiert zu bleiben, die Fahrer dabei zu unterstützen, die Konzentration vom Start bis ins Ziel aufrecht zu erhalten, gerade, weil nur leichter Wind prognostiziert wurde.

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Nach der 1. Etappe: Für BORA – ARGON 18 ist der Tour-Auftakt natürlich alles andere als nach Plan gelaufen, aber es war weder Unvermögen noch Schwäche, sondern einfach mangelndes Glück, und darum braucht man auch gar nicht lange zu analysieren oder zu lamentieren…. Uns bleibt nur, den Tag abzuhaken und uns für die nächsten Tage wieder positiv zu stimmen.*

*Jan Barta stürzte nach bereits drei Kilometern, Dominik Nerz rutschte unterwegs der Lenkeraufsatz heraus. Beide erreichten mit deutlichem Rückstand das Ziel.

Vor der 1. Etappe: Alle im Tour-Tross sehnen den Start der Tour de France herbei, wir bei BORA - ARGON 18 fiebern hingegen nur dem morgigen Zieleinlauf entgegen. Mit einem Jan Barta im Aufgebot bedeutet Zeitfahren immer Höchstspannung und Stress pur. Denn obwohl Jan kein Spezialist für Auftaktzeitfahren ist, weiß jeder im Team, dass ein guter Tag von Barta für uns schon die „halbe Miete" bedeuten könnte. Gerade deshalb will keiner Fehler machen und ist froh wenn das Resultat steht.


Christian Pömer debütiert als Sportdirektor von Bora-Argon 18 bei der 102. Tour de France. Der 37-jährige Linzer gibt auf radsport-news.com täglich vor und nach jeder Etappe einen kurzen Kommentar aus Sicht seines Teams ab.

 
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