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12.07.2015 | (rsn) - Insgesamt kommen wir bei dieser Tour nur auf 41,8 Zeitfahrkilometer, und 28 davon finden heute im Kollektiv statt. Das Mannschaftszeitfahren ist eine der ästhetischsten Übungen im Straßenradsport - es kommt nicht nur auf die pure Kraft der einzelnen Fahrer an, sondern in erster Linie auf deren Abstimmung untereinander. Das wird heute ganz besonders deutlich, da zum Schluss noch eine kurze Steigung wartet - wen die Teamkollegen davor an die Grenze gebracht haben, den wird sie viel Zeit kosten. Denn die Uhr bleibt erst stehen, wenn der fünfte Fahrer eines Teams über die Ziellinie rollt.
TagesTour: 28 Kilometer sind für ein Mannschaftszeitfahren nicht besonders lang, doch der Kurs zwischen der Küstenstadt Vannes und dem nördlich gelegenen Ort Plumelec ist knifflig. Während die zehn Kilometer bis zur ersten Zwischenzeit noch recht flach aus Vannes hinausführen, wird es danach hügelig. Zunächst wartet eine langgezogene Steigung ins 134 Meter hoch gelegene Monterblanc, dann eine kurze Abfahrt hinunter nach Kermabolivier und sofort wieder eine Steigung nach La Croix Peinte, während der bei Kilometer 20,5 der zweite Zwischenzeit-Messpunkt wartet.
Eine langgezogene Abfahrt führt schließlich nach Cadoudal, wo die 1,7 Kilometer lange und im Schnitt 6,2 Prozent steile Schlusssteigung nach Plumelec beginnt. Teams, die sich ihre Kraft nicht gut eingeteilt haben, drohen hier auseinanderzufallen und Zeit zu verlieren.
KulTour: Der Radsport spielt in Plumelec eine große Rolle. Rund um das 2.750-Einwohner-Dorf befinden sich 50 Kilometer Mountainbike-Trails und der Ort ist die Heimat des GP Plumelec Morbihan, einem Eintagesrennen der Kategorie 1.1, das am 30. Mai Alexis Vuillermoz (Ag2r) gewonnen hat, der gestrige Etappensieger. Weniger radsportverrückt, aber ebenfalls sehr lebendig ist Vannes. Die Universitäts-Stadt gilt als sehr jung und familienfreundlich und lockt Urlauber mit dem Meerwasser-Schwimmbad Conleau sowie der Golf-Woche, einem Segelsport-Festival Mitte Mai.
HisTourie: Drei Mal endete eine Tour-Etappe bereits in Plumelec, und drei Mal lag die Ziellinie am Ende der Côte de Cadoudal. Zuletzt siegte hier Alejandro Valverde am Eröffnungstag der Rundfahrt 2008, davor war aber auch Erik Zabel 1997 im Sprint erfolgreich und baute auf der 3. Etappe seine Führung im Kampf ums Grüne Trikot aus.
Und selbst das Ziel eines Mannschaftszeitfahrens erlebte man oberhalb von Plumelec bereits - und zwar auf den Tag genau vor 33 Jahren: 1982 gewann Ti-Raleigh hier mit Fahrern wie Steven Rooks, Jan Raas oder Gerrie Knetemann nach 69 Kilometern aus Lorient kommend. Es war nur die Etappe 9a am Morgen dieses 12. Juli, nachmittags standen noch einmal 138,5 Kilometer nach Nantes auf dem Programm. Dagegen sind die 28 Kilometer heute deutlich humaner - auch wenn am Abend noch der Flug in Richtung Pyrenäen folgt.
RSN-Prognose: Man kennt die üblichen Verdächtigen für Mannschaftszeitfahren: BMC, Etixx-Quick-Step und sicher auch Sky werden vor dem kollektiven Kampf gegen die Uhr als Favoriten gehandelt werden. Dagegen ist Orica-GreeEdge wohl entscheidend geschwächt - schließlich
fehlen die bereits ausgeschiedenen Simon Gerrans, Daryl Impey und Michal
Albasini. Und Etixx-Quick-Step muss auf seinen besten Mann verzichten, Tony Martin. Bessere Chancen haben dagegen Astana und Tinkoff-Saxo, und ganz besonders: Movistar.
Die Mannschaft von Nairo Quintana ist mit sehr starken Zeitfahrern wie Adriano Malori, Alex Dowsett und Jonathan Castroviejo nach Frankreich gekommen, die vor allem an der Schlusssteigung heute glänzen könnten. Gut möglich, dass mit Quintana der auf dem Papier schwächste Zeitfahrer der vier großen Tour-Favoriten ausgerechnet im Mannschaftszeitfahren Zeit gegen Contador, Froome und Nibali gut macht anstatt zu verlieren.
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