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12.01.2011 | (rsn) – Jens Heppner will als verantwortlicher Sportdirektor das deutsche Team NetApp im kommenden Jahr in die Erstklassigkeit führen. Im Interview mit Radsport News erklärte der ehemalige Telekom-Profi, was er seinen Fahrern in dieser Saison zutraut, warum er von einem langfristigen Engagement des Sponsors überzeugt ist und warum NetApp – noch- keine Topstars verpflichtet.
Herr Heppner, Ihr Team geht mit dem Ziel WorldTour in die neue Saison. Was trauen Sie denn Ihren Fahrern im Jahr 2011 zu?
Heppner: Ich denke, dass wir dieses Jahr in der Lage sein werden, die meisten Rennen mitbestimmen wie auch kontrollieren zu können und viele Platzierungen unter den Top 5 erreichen werden. Bei den WorldTour Rennen, die wir fahren werden, wird unser Team natürlich noch einiges lernen müssen, aber auch dort traue ich einigen Fahrern vordere Platzierungen bei Etappen durchaus zu.
Wie stark schätzen Sie Ihre Zugänge ein - wird durch Sie der Kader substanziell verstärkt?
Heppner: Ich bin sicher, dass die Neuzugänge das Team substanziell verstärken. Huzarski hat viel Erfahrung und kann auch große Rennen gewinnen. Retschke hat eine sehr gute Rennübersicht und wird sehr wertvoll für das Team sein. König ist ein Mann für das Gesamtklassement bei Rundfahrten und gilt derzeit als eines der größten Talente im Radsportzirkus. Wir hoffen, dass er in zwei bis drei Jahren die großen Rundfahrten mitbestimmen kann. Del Nero ist ein sehr guter Allrounder, so einen kann die Mannschaft gut brauchen. Cozza hat ProTour-Erfahrung und wir hoffen, dass er einige Siege für uns einfahren kann. Hesselbarth ist sehr stark in den Bergen und auch ziemlich schnell. Ich hoffe, dass er in Zukunft die schweren Klassiker mitbestimmen kann. Baer liebt das Kopfsteinpflaster und ist prädestiniert für Rennen wie z.B. Paris- Roubaix.
Als Zweitdivisionär trifft NetApp auf starke Konkurrenten - etwa Geox mit Sastre und Mentschow. Fehlt Ihrem Team da nicht noch ein erfahrener Anführer, der es mit Fahrern dieses Kalibers aufnehmen könnte?
Heppner: Diese beiden Fahrer gehören zur absoluten Weltspitze, ganz klar. Wenn wir solche Fahrer hätten, dann würden wir jetzt schon in der WorldTour fahren. Unser Konzept ist aber klar abgestimmt – wir wollen ein junges Team an die Weltspitze ranführen und nicht vorschnell Stars einkaufen, sondern unsere Fahrer zu Stars machen. Sicherlich werden wir in Zukunft natürlich auch den einen oder anderen "großen" Fahrer verpflichten, aber eben erst, wenn unsere jetzigen Fahrer an die Weltspitze herangeführt wurden und dann auch in der Lage sind, den Star oder die Stars gut unterstützen zu können.
Sie haben neben einigen erfahrenen Profis zahlreiche Nachwuchsleute im Team. Was erwarten Sie von Fahrern wie Daniel Schorn, Timon Seubert oder Michael Schwarzmann, die in ihre zweite Profisaison gehen?
Heppner: Von Daniel erwarte ich einige Siege bzw. vordere Platzierungen bei Sprintentscheidungen. Von Seubert wünsche ich mir, dass er in dieser Saison noch bessere Platzierungen im Zeitfahren bringt als letztes Jahr. Das ist seine Spezialität! Und da er gerade heute seine Prüfungen bestanden hat und seine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel abgeschlossen hat, kann er sich voll und ganz darauf konzentrieren. Und unser Youngster Schwarzmann sollte in dieser Saison so weit sein, dass er bei Sprintentscheidungen in der Lage ist, die letzten Meter vorm Ziel unsere Top-Sprinter in die optimale Position zu bringen.
Warum hat NetApp keinen Fahrer des ehemaligen Milram-Teams verpflichtet?
Heppner: Wir sind der Meinung, dass die meisten unserer Fahrer schon auf dem Niveau der ehemaligen Milram-Fahrer fahren können und die "großen" Fahrer wollen wir wie schon gesagt jetzt noch nicht verpflichten, was aber nicht bedeutet, dass wir uns nicht schon umschauen.
Bei der Teampräsentation wurden die Kalifornien-Rundfahrt und die großen deutschen Rennen als große Saisonziele genannt. Wie wichtig sind für Team NetApp, das ja nach eigenen Angaben international ausgerichtet ist, denn tatsächlich Rennen wie die Cyclassics in Hamburg, das 1. Mai-Rennen in Frankfurt oder die Bayern-Rundfahrt?
Heppner: Die deutschen Rennen sind für uns natürlich sehr wichtig und wir würden uns wünschen, wenn in Deutschland wieder Rundfahrten wie die Deutschland Tour, die Hessen-Rundfahrt, Regiotour, Niedersachen-Rundfahrt und Sachsentour stattfinden würden. Da wir ein international ausgerichtetes Team sind und der Hauptsponsor NetApp weltweit aufgestellt ist, sind große internationale Rennen aber genauso wichtig wie die deutschen.
Sie haben bei der Präsentation ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl als unerlässlich für Erfolge erwähnt. Wie schafft man das mit Fahrern aus vielen verschiedenen Nationalitäten?
Heppner: Indem man die Fahrer mehrmals im Jahr für mehrere Tage zusammenführt und sie gemeinsam leben, trainieren und nicht nur sportlich zusammen bringt, wie zum Beispiel gemeinsam kochen usw…Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass sich alle gut verstehen, zum Teil sogar befreundet sind und dadurch auch bereit sind, für andere Opfer zu bringen. Sprich - im Rennen für die Kollegen voll da zu sein! Das funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig gut kennt, respektiert und achtet!
Bei welchen Rennen rechnen Sie sich Siegchancen aus?
Heppner: Im Prinzip bei allen, außer bei Rennen im Hochgebirge.
Sie waren einige Jahre erfolgreicher Sportlicher Leiter des Wiesenhof-Teams, ebenfalls einem Zweitdivisionär. Wo sehen Sie denn für sich die Unterschiede zwischen den beiden Aufgaben?
Heppner: Die Arbeit mit den Rennfahrern ist im Prinzip die gleiche. Der Unterschied ist, dass NetApp ein klares Ziel vor Augen hat und dadurch auch viel professioneller an die Sache herangeht, als es bei Wiesenhof der Fall war. Dadurch kann man jetzt ganz anders planen und agieren.
Wie hoch schätzen Sie die Chancen, dass NetApp über 2012 hinaus Sponsor des Teams bleibt?
Heppner: Wie ich eben schon sagte, hat NetApp ein klares Ziel (World Tour) vor Augen! Deshalb denke ich, dass NetApp auch über 2012 hinaus weiter im Radsport Sponsor bleibt. Voraussetzungen dafür sind sicherlich gute Leistungen der Mannschaft, sprich Siege, Top-Platzierungen, aber auch Emotionen und Begeisterung, die wir in das Unternehmen tragen!
Nach den Dopingskandalen der vergangenen Jahre: Glauben Sie, dass es gelingt, in Deutschland wieder ein erstklassiges Team vom Kaliber T-Mobile oder Gerolsteiner zu etablieren?
Heppner: Wir sind auf dem besten Weg dahin.
Die Fragen an Jens Heppner stellte Matthias Seng.
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