Tourstart in Lüttich

Ullrich und Armstrong – Schluss mit Bluffen

Von Pit Weber

02.07.2004  |  Endlich! Nur noch wenige Stunden sind es bis zum Start. Um 16.01 eröffnet Pierre Bourquenoud vom französischen Team R.A.G.T. Semences die 91. Tour der France. Jan Ullrich ist um 19.07 Uhr dran, Titelvertediger Lance Armstrong folgt als Letzter eine Minute später. Der Prolog in Lüttich wird erste wirkliche Hinweise auf die Favoriten geben.

Bis jetzt übten sich die Stars im „Nebelwerfen“. Lance Armstrong machte plötzlich einen auf „bescheiden und zurückhaltend“: Anders als im Vorjahr verzichtet er Samstag sogar darauf, im Gelben Trikot von der Startrampe zu rollen. „Wenn ich es trage, will ich es verdient haben“, begründet der US Postal-Star. Auch in der Vorbereitung hat er im Vergleich zu früher keine Ausrufezeichen gesetzt. Er sei sogar zu dick, erklärte sein Team-Chef Johan Bruyneel nach dem schwachen Zeitfahren auf den Mont Ventoux. „Als ich das hörte, wusste ich das Lance nur blufft“, sagt Ullrich, der plötzlich „den Armstrong“ hervorkehrte.

Als wolle er Armstrong beeindrucken, verriet er Details seiner Vorbereitung. Er veröffentlichte, wie akribisch er sich vorbereit hatte, dass er die Bergetappen inspizierte und sogar die Kopfsteinpflaster-Passage. Mit dem Sieg in der Schweiz, zeigte er Stärke, wo er früher seine Klasse verdeckt hatte.

Verkehrte Welt! Heute muss die Wahrheit auf den Tisch! „Ein guter Einstieg ist immer sehr positiv. Deshalb werde ich voll fahren. Aber ich glaube nicht, dass ich dabei gewinnen kann. Sich gegen die Spezialisten durchzusetzen, ist sehr schwer“, verkündet Ullrich. Auch Armstrong wird schon alles geben. In der Endabrechnung könnte es um Sekunden gehen.

Denn beide fürchten nicht nur den anderen. Eine ganze Handvoll Topstars werden bei dem geänderten Reglement, das mit dem regulierten Zeitfahren und den schweren Bergen die Kletterkünstler bevorzugt, im Kampf um den Sieg mitmischen. Armstrong: Das wird die härteste Tour für mich. Jan ist viel besser vorbereitet als in den letzten Jahren. Ich denke, dass er mein größter Rivale sein wird. Dahinter sind weitere fünf, sechs gefährliche Gegner wie Hamilton, Mayo, Zubeldia und Basso“.

Die Tour 2004 verspricht Spannung wie lange nicht!

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