McNulty reicht Rotes Trikot an Vine weiter

O´Connor und AG2R bezwingen UAE-Übermacht am Jebel Jais

Von Felix Mattis

Foto zu dem Text "O´Connor und AG2R bezwingen UAE-Übermacht am Jebel Jais"
Ben O´Connor (Decathlon - AG2R) bejubelt seinen Sieg am Jebel Jais. | Foto: Cor Vos

21.02.2024  |  (rsn) – Ben O'Connor (Decathlon – AG2R) hat die erste Bergetappe der 6. UAE Tour (2.UWT) gewonnen. Der Australier setzte sich am Ende des 176 Kilometer langen dritten Teilstücks hinauf zum Jebel Jais mit einer harten Attacke auf dem Schlusskilometer, lanciert durch Teamkollege Valentin Paret-Peintre, von der Konkurrenz ab und erreichte den Zielstrich in 1.491 Metern Höhe fünf Sekunden vor seinem Landsmann Jay Vine (UAE Team Emirates) sowie dem Belgier Lennert Van Eetvelt (Lotto – Dstny).

Der Brite Max Poole (dsm-firmenich – PostNL) wurde im Sprint des Verfolgerfeldes zum Zielstrich vor Belgiens Ilan Van Wilder (Soudal – Quick-Step) und dem Ungarischen Meister Attila Valter (Visma – Lease a Bike) Vierter.

Jason Osborne (Alpecin - Deceuninck) kam als bester Deutscher zeitgleich mit Vine und Co. als 13. über den Zielstrich. Ben Zwiehoff (Bora - hansgrohe) wurde mit 20 Sekunden Rückstand auf Sieger O'Connor als bester Bora-Profi auf Platz 21 gewertet.

"Es ist eine Weile her, dass ich eine Bergankunft gewonnen habe. Es ist toll: Die Jungs waren supergut heute – der zweite Sieg des Jahres schon, ziemlich cool", strahlte O'Connor, der vor elf Tagen bereits sein erstes Saisonrennen in Murcia gewonnen hatte, im ersten Sieger-Interview und erklärte auch den Doppelangriff zusammen mit Paret-Peintre in den Schlusskilometer hinein:

"Ich dachte mir: Warum versuchen wir es nicht so? In einem Sprint am Ende bin ich nicht besonders zuversichtlich. Also habe ich ihm gesagt, er muss Vollgas fahren – und das hat er getan. Er hätte mich beinahe sogar abgehängt, aber es war toll, um die Lücke zu bekommen. Es gibt keine bessere Motivation als zu sehen, dass alle voll hinter Dir stehen."

Der am Dienstag im Zeitfahren erfolgreiche Gesamtführende Brandon McNulty (UAE Team Emirates) konnte den Besten auf dem Schlusskilometer nicht mehr folgen und musste sein Rotes Trikot an Teamkollege Vine weiterreichen. Ein weiterer Top-Kletterer des Gastgeber-Teams, Adam Yates, gab die Rundfahrt elf Kilometer vor dem Ziel auf, nachdem er zuvor in der Anfahrt zum Schlussanstieg gestürzt war.

Yates steigt nach Sturz aus

"Es war traurig, Adam stürzen und das Rennen deshalb aufgeben zu sehen. Aber sobald einer der großen Klassementfahrer raus ist, ist das eine Chance, die man nutzen muss", so O'Connor zum Aus von Yates.

Vine führt die UAE Tour nach der 3. Etappe nun mit elf Sekunden Vorsprung vor O'Connor an. McNulty (+ 0:13) ist Gesamtdritter vor Van Wilder (+ 0:21) und dem Spanier Pello Bilbao (Bahrain Victorious / + 0:22).

Als Etappenzweiter rückte Vine auch auf Rang zwei der Punktwertung um das Grüne Trikot vor, das aber der Brite Mark Stewart (Corratec – Vini Fantini) auf der 3. Etappe eroberte. Der ist auch Besitzer des Schwarzen Trikots der Zwischensprint-Wertung, das auf der 4. Etappe stellvertretend sein Teamkollege Marco Murgano tragen darf. Bester Jungprofi und damit Träger des Weißen Trikots ist Van Wilder.

Auf den Etappen 4, 5 und 6 wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Massensprints gerechnet - wenn nicht der Wind für Kantenrennen sorgt. Die Schlussetappe am Sonntag aber endet auf dem Jebel Hafeet, der als noch schwerer geltenden zweiten Bergankunft des Rennens.

So lief die 3. Etappe der UAE Tour:

Sofort nach dem Start auf Al Marjan Island setzten sich der Brite Mark Stewart (Corratec – Vini Fantini) und der Schweizer Silvan Dillier (Alpecin – Deceuninck) aus dem Peloton ab. Das Duo fuhr gut zwei Minuten Vorsprung heraus und Stewart sicherte sich nach 24 Kilometern in Ras-al-Khaimah den ersten der beiden Zwischensprints des Tages, um acht Punkte für sein Schwarzes Trikot einzusammeln.

In der ersten Rennstunde blieb es ruhig, doch rund 100 Kilometer vor Schluss begann der Wind eine Rolle zu spielen. Das Tempo im Hauptfeld stieg sofort an und es bildeten sich Windstaffeln, so dass das Peloton zerriss. Rund 80 Mann blieben vorn beisammen und holten kurz darauf die Ausreißer Stewart und Dillier ein.

Rund 30 Kilometer Hektik durch Windstaffeln

Unter den Abgehängten befanden sich mit Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe), Oscar Rodriguez (Ineos Grenadiers), Louis Meintjes (Intermarché – Wanty) oder Simon Carr (EF Education – EasyPost) und Mauri Vansevenant (Soudal – Quick-Step) auch einige prominente Namen. Bora – hansgrohe gab im zweiten Feld daher Vollgas und kämpfte über mehr als 25 Kilometer darum, den Anschluss wieder herzustellen, was 67 Kilometer vor Schluss endlich auch gelang.

Das Streckenprofil der 3. Etappe der UAE Tour. | Grafik: UAE Tour

Als die Windkantengefahr abgewendet war, beruhigte sich das Peloton wieder und erneut riss Stewart aus – diesmal mit Dilliers Alpecin-Teamkollege Jonas Rickaert im Schlepptau. Das Duo fuhr rund anderthalb Minuten heraus, bevor sich Rickaert etwa 50 Kilometer vor dem Ziel doch zurückfallen ließ und Stewart seine Flucht allein fortsetzte.

Yates stürzt und steigt aus, Stewart sammelt fleißig Punkte

46 Kilometer vor Schluss kam es zu einem Sturz von vier Fahrern im hinteren Teil des Feldes – mit betroffen: Adam Yates (UAE Team Emirates). Alle Gestürzten konnten das Rennen aber schnell fortsetzen und waren bald wieder im Peloton. Stewart passierte 35 Kilometer vor dem Ziel den zweiten Zwischensprint mit 3:15 Minuten Vorsprung und baute damit nicht nur seine Führung ums Schwarze Trikot aus, sondern übernahm virtuell das Grüne Trikot der Punktewertung. Anschließend nahm der Brite deutlich Tempo raus und nur sechs Kilometer später war er zurück im Hauptfeld.

Im Schlussanstieg bestimmte dann hauptsächlich das UAE Team Emirates das Tempo bis zwölf Kilometer vor Schluss der im vergangenen Jahr am Jebel Jais erfolgreiche Einer Rubio (Movistar) attackierte und rund 1,5 Kilometer vor dem Feld fuhr, dann aber wieder gestellt wurde. Etwa zeitgleich mit dem Vorstoß des Kolumbianers entschied Yates, dass die Rundfahrt nun für ihn vorbei sei: Der Brite stoppte am Straßenrand, unterhielt sich kurz mit Teamchef Matxin Fernandez und stieg dann ins Begleitfahrzeug ein.

AG2R mit starkem Teamauftritt zum O'Connor-Sieg

Einen weiteren Vorstoß wagte sechs Kilometer vor Schluss Jan Hirt (Soudal – Quick-Step), doch Mikkel Bjerg führte das zu diesem Zeitpunkt noch rund 30 Mann starke Feld 800 Meter später wieder an den Tschechen heran. Der Däne machte den Mammutanteil der Führungsarbeit im Schlussanstieg und verabschiedete sich erst 1,2 Kilometer vor dem Ziel – zwischenzeitlich hatte ihn lediglich kurzzeitig Nicolas Prodhomme (Decathlon – AG2R) im Wind abgelöst.

Bjergs Tempoarbeit beendete 1.200 Meter vor Schluss ein Doppelangriff von Decathlon – AG2R mit Valentin Paret-Peintre und O'Connor. Das französisch-australische Duo riss sofort eine große Lücke und Paret-Peintre fuhr bis 900 Meter vor Schluss ein regelrechtes Leadout für seinen Kapitän, scherte dann aus und O'Connor zog bis zum Zielstrich durch, um die Etappe zu gewinnen.

Hinter O'Connor führte Vine das Verfolgerfeld den Schlusskilometer hinauf und wurde schließlich mit fünf Sekunden Rückstand Zweiter. McNulty aber konnte seinem Teamkollegen nicht mehr folgen und kam erst 14 Sekunden nach dem Sieger über den Zielstrich.

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