Großschartner gewinnt Türkei-Rundfahrt

Ewan wusste was Bennett plant und siegt in Istanbul

Von Peter Maurer aus Istanbul

Foto zu dem Text "Ewan wusste was Bennett plant und siegt in Istanbul"
Caleb Ewan (Lotto Soudal) gewann auch die letzte Etappe der Türkei-Rundfahrt| Foto: Cor Vos

21.04.2019  |  (rsn) – Mit einem eindrucksvollen Sprintsieg von Caleb Ewan endete die 55. Ausgabe der Tour of Turkey 2019. Der Australier im Dienste der belgischen Lotto-Soudal-Mannschaft gewann einen langen Bergaufsprint durch die engen Straßen in Istanbul. Er demonstrierte mit seinem dritten Saisonsieg seine schon jetzt starke Form in Hinblick auf den Giro d’Italia. Der Österreicher Felix Großschartner (Bora – hansgrohe) wurde Tagesachter beim Finish am Sultanahmet-Platz und feierte den ersten Rundfahrtssieg seiner Karriere.

"Wir haben uns am ersten Tag schon das Ziel der letzten Etappe ansgesehen. Außerdem habe ich mir auch die letzten Zielankünfte in Istanbul auf Video vorgenommen. Ich war mir ziemlich sicher, dass Sam es wie 2018 wieder früh probieren würde. Da habe ich die Fahrer von Deceuninck benützt und als sie nicht mehr konnten, bin ich angetreten", verriet Ewan im Ziel sein Erfolgsgeheimnis. Souverän sprintete er zum Tagessieg in der Millionenmetropole.

Zweiter hinter dem Australier wurde der Niederländer Fabio Jakobsen (Deceuninck – Quick-Step) vor Sam Bennett (Bora – hansgrohe), der tatsächlich wie im letzten Jahr schon 1,2 Kilometer vor dem Ziel den Sprint eröffnete und Ewan in die Falle ging. Denn vor der letzten Kurve stellten der Lotto-Soudal-Kapitän und Jakobsen den Bora-Sprinter, der bereits zwei Etappen bei der diesjährigen Ausgabe für sich entscheiden konnte.

Für Bennett geht es nun in wenigen Wochen zum Giro d’Italia, seinem ersten großen Saisonhighlight: "Ich habe nicht erwartet, hier etwas gewinnen zu können. Von dem her bin ich mit den zwei Tagessiegen sehr zufrieden. Es ist super für mich, aber auch für die Stimmung im gesamten Team", fügte der Australier an. Auch groß aufjubeln durfte der Tagesachte Felix Großschartner, der die Gesamtwertung der Rundfahrt für sich entschied: "Die Form war gut hier und das ist mein größter Erfolg bis jetzt. Ich hoffe, dass jetzt noch mehr folgt."

Für den Oberösterreicher geht es jetzt eine Woche nach Hause ehe dann die Tour de Romandie und die Kalifornien-Rundfahrt im Programm folgen. "Ich hatte schon im letzten Jahr ein paarmal die Möglichkeit, auf das Gesamtklassement zu fahren. Heuer hatte ich gute Chancen in Argentinien und bei Paris-Nizza. Ich bin dem Team dankbar, dass es auf mich vertraut hat. Mit dem Sieg konnte ich  alles zurückgegeben", erzählte er weiter. Der finale Sprint in Istanbul ließ wie erwartet die Gesamtwertung unverändert. Zweiter wurde Merhawi Kudus (Astana) vor Valerio Conti (UAE Emirates) und Jungstar Remco Evenepoel (Deceuninck – Quick-Step)

So lief das Rennen:

Die Abschlussetappe der 55. Türkei-Rundfahrt von Sakayra, Austragungsort der Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaften 2020 nach Istanbul war eine Tour d’Honneur für die Trikotträger. Denn falls nichts unvorhersehbares passierte, waren mit Ausnahme des Bergtrikots alle Sonderwertungen fix vergeben. In der Gesamtwertung führte Großschartner mit 19 Sekunden auf Conti. Auch die Sprintwertung war fest in Hand der deutschen Bora – hansgrohe Mannschaft, denn mit seinen zwei Etappensiegen und den Rängen zwei und drei hatte Bennett einen souveränen Vorsprung auf Ewan und Jakobsen.

Das zweite Sprint-Sondertrikot, der Schönheiten der Türkei, also jener Tageswertung an exponierten touristische Stellen, ging an einen Lokalmatadoren. Der 25-jährige Istanbuler Ferit Samli holte sich dieses, in weiß gehaltene Trikot. Am Start in Sakayra, für dessen lokales Team er normalerweise unterwegs ist, hatte er schon einen noch größeren Auftritt gehabt. Bei der Einschreibung bat er seine Freundin auf die Bühne und machte ihr einen Heiratsantrag, den sie freudestrahlend annahm

Vergeben war lediglich die Bergwertung noch nicht, welche der Gesamtführende Felix Großschartner nach seinem Etappenerfolg in Kartepe anführte. Denn Thimo Willems (Vlaanderen – Baloise) lag nur zwei Punkte hinter dem Österreicher. Als sich das Feld auf den Weg nach Istanbul machte, startete der stellvertretend im Führungstrikot fahrende Belgier auch seine Attacke und gemeinsam mit Emerson Oronte (Rally UHC Cycling), Ahmet Akdilek (Türkisches Nationalteam), Lorenzo Fortunato (Neri Sottoli – Selle Italia – KTM) und Hayato Yoshida (Nippo Vini Fantini) bildete er die Gruppe des Tages.

Die erste Sprintwertung auf der 172 Kilometer langen Etappe holte sich der Italiener Fortunato, die Bergwertung gewann Willems, der sich damit das Grüne Trikot final sicherte. 5:10 Minuten betrug der Maximalabstand des Quintetts, welcher dann langsam von den Sprinterteams reduziert wurde. Mit 30 Sekunden gingen sie in die letzten 10 Kilometer, die abschließende Sonderwertung gewann Willems als es in die Millionenstadt am Bosporus ging.

Fünf Kilometer vor dem Ziel wurden die Ausreißer dann gestellt und in schnellen Tempo ging es in Richtung der Zielgerade zwischen der Sultanahmet-Moschee und der Hagia Sophia im Herzen Istanbuls. Am letzten Kilometer attackierte dann Bennett, versuchte einen langen Sprint, wie im letzten Jahr, als er sich die Schlussetappe sicherte. Doch Jakobsen und Ewan blieben am Hinterrad des Iren und zogen 200 Meter vor dem Ende, an ihm vorbei. Der Australier im Trikot von Lotto Soudal feierte seinen zweiten Tagessieg in der Türkei vor dem Niederländer und dem Fahrer von Bora – hansgrohe. Als Tagesachter fixierte Großschartner den ersten Rundfahrtssieg für die Raublinger auf der WorldTour.

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