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15.04.2019 | (rsn) – Zurück in den Frühling! Nach zwei Austragungen im Herbst kehrt die Presidential Tour of Turkey in diesem Jahr zurück in den April und sucht auf sechs Etappen nach dem Nachfolger von Eduard Prades (Movistar), der 2018 im Oktober die 54. Austragung gewann. 993,4 Kilometer sind von Dienstag bis Sonntag zu absolvieren, der Streckenverlauf führt einmal gegen den Uhrzeigersinn um das Marmarameer und die Etappen sind fair aufgeteilt zwischen Sprintern, Puncheuren und Bergspezialisten.
Trotzdem fand der neue Termin des WorldTour-Rennens nur wenig Anklang zwischen den Kopfsteinpflaster-Klassikern und den Ardennen-Rennen. Nur sechs WorldTeams sind 2019 am Start, zehn ProContinental-Mannschaften und das türkische Nationalteam füllen das Starterfeld auf.
Überzeugender als das Starterfeld ist hingegen der Streckenverlauf. Angelehnt an die Tour of Marmara, welche 1963 der Erstaustragung der Rundfahrt war, führt der Kurs die Starter einmal rund um das Binnenmeer und verbindet damit die Kontinente Europa und Asien.
Start- und Zielort ist die Millionenstadt Istanbul. Vor allem auf das Finale durch die wunderschöne Altstadt mit dem Ende am Sultanahmet Platz dürfen sich die Zuschauer schon freuen. Passiert werden aber auch historische Plätze wie die Halbinsel Gallipoli oder Troja.
Die Strecke:
In 993,4 Kilometern, aufgeteilt in sechs Etappen, wird bei der 55. Austragung der Türkei-Rundfahrt das Marmarameer umrundet. Damit steht in diesem Jahr der Nordwesten des Landes im Blickfeld der Radsportwelt und die Veranstalter gehen damit zu den Ursprüngen der Rundfahrt zurück, die 1963 als Tour of Marmara ins Leben gerufen wurde.
Der erste Tag führt von Istanbul aus in den Westen. Dort wartet nach 156,7, fast flachen Kilometern das Ziel in Tekirdag. Gerade einmal zwei Bergwertungen der 3. Kategorie sind zu befahren, wobei die zweite knapp vor dem Ende vielleicht den Sprintern das Finale vermiesen könnte. Allerdings ist der Anstieg nicht allzu schwierig und es sollte mit einem Spurt des Hauptfeldes zu rechnen sein.
Hügelig präsentiert sich die 2. Etappe, die auf die Halbinsel Gallipoli, vor über 100 Jahren Schauplatz einer der blutigsten Schlachten im ersten Weltkrieg, endet. Die letzten drei der 183,3 Kilometer verlaufen aufsteigend. Maximal sieben Prozent verzeichnet das Finale auf den letzten Metern. Hier könnten starke Klassikerspezialisten die Topsprinter fordern.
Es folgt am dritten Tag der kürzeste Abschnitt der Rundfahrt und das Peloton wird an den Golf von Edremit überführt. Zwar wartet eine längere Bergwertung der 3. Kategorie im letzten Renndrittel, jedoch folgen noch 30 Kilometer nach der Abfahrt bis in das Tagesziel, wo erneut ein Sprint zu erwarten ist.
Die 4. Etappe ist der längste Tagesabschnitt und führt die Fahrer in die Millionenstadt Bursa. Diese ist am Fuße des Berges Uludag (2.542 Meter) gelegen und deshalb erwartet die Teilnehmer erneut ein ansteigendes Finale. 2,7 Kilometer mit einer durchschnittlichen Steigung von 4,25 Prozent werden nicht mehr jedem Sprinter entgegenkommen.
Für die Gesamtwertung entscheidend wird der fünfte Tag. Zwölf Kilometer lang geht es im Finale bergauf. Das Etappenziel in Kartepe liegt auf 1.300 Metern Seehöhe und der Schlussanstieg beginnt auf Meeresniveau. Bis zum Anstieg geht es aber bretteben dahin, und so könnte auch eine Ausreißergruppe mit einem guten Vorsprung an diesem Tag gewinnen. Definitiv zur Sache geht es aber für die Favoriten auf den Gesamtsieg, denn mit durchschnittlich 9,15 Steigungsprozenten geht es steil bergauf.
Am letzten Tag geht es von Sakarya aus zurück nach Istanbul, wo in der historischen Altstadt das Finale ausgetragen wird. Der letzte Kilometer führt leicht bergauf zum Sultanahmet Platz, wo die letzte Etappe entschieden wird, vermutlich im Massensprint nach 172,4 Kilometern.
Die Favoriten:
Blau ist das Trikot des Gesamtführenden. Kein ehemaliger Gewinner der Rundfahrt, welche seit drei Jahren den WorldTour-Status hat, findet sich in der Startliste. Aus der Reihe der WorldTeams ist sicherlich der aus Eritrea stammende Merhawi Kudus (Astana) zu nennen. Der 25-Jährige gewann in diesem Jahr die Tour of Ruanda und könnte sich vor allem am Ende der 5. Etappe und der langen Bergankunft in Kartepe wohlfühlen.
Ein weiterer junger Fahrer mit Potential auf den Gesamtsieg ist Felix Großschartner (Bora - Hansgrohe). Der junge Österreicher bestritt nur zwei Renneinsätze in diesem Frühjahr, wurde aber Fünfter bei der Vuelta a San Juan in Argentinien und Zwölfter bei Paris-Nizza.
Gespannt blicken darf man auch auf den aktuellen Juniorenweltmeister Remco Evenepoel (Deceuninck - Quick-Step) in seinem zweiten Einsatz auf der WorldTour. Er stellte schon unter Beweis, dass er bei solchen Rundfahrten gute Ergebnisse erzielen kann.
Die wohl besten Karten haben aber Ryan Gibbons und Ben O’Connor (beide Dimension Data). Der Südafrikaner Gibbons wird wohl am harten Anstieg hinauf nach Kartepe seine Probleme haben, die schnellen Bergaufsprints werden ihm auf den Etappen davor aber perfekt entgegenkommen. Sein australischer Teamkollege hingegen nimmt die Rundfahrt als Vorbereitung auf den Giro d’Italia. So richtig in Schwung gekommen ist O’Connor allerdings seit seinem schweren Sturz bei der letztjährigen Austragung der Italien-Rundfahrt noch nicht. Er hat jedoch wohl die besten Anlagen für die Bergankunft.
Dort sollten dann auch die Kletterspezialisten wie Valerio Conti (UAE Team Emirates) oder die Spanier Delio Fernandez, Javier Moreno (Delko Marseille), Benat Intxausti, Juan-Jose Lobato (Vini Fantini) oder Raul Alarcon (W52 – FC Porto) ihre Karten ausspielen können.
Dies wird aber wohl auch der einzige Tag sein, der den Sprintern bei der 55. Austragung der Rundfahrt so richtig missfällt. Denn die schnellen Männer sollten viele Möglichkeiten finden, um sich in Szene zu setzen. Angeführt wird die Liste der Topfahrer von Mark Cavendish (Dimension Data). Der 30-fache Gewinner von Tour de France-Etappen und Weltmeister von 2011 ist nun schon seit über 14 Monaten sieglos. Sieben Etappen gewann er in seiner Karriere schon bei der Rundfahrt am Bosporus.
Auch in 2019 muss er sich gegen starke Konkurrenz durchsetzen. Denn auf ebenfalls sieben Etappensiege kommt Sam Bennett (Bora - hansgrohe). Der Ire gewann in diesem Jahr schon vier Sprints, wirke vor allem zuletzt bei Paris-Nizza in starker Form. Er kann auf einen starken Zug vertrauen, denn das deutsche Team aus Raubling hat mit Lukas Pöstlberger, Erik Baska und Shane Archbold starke Teamkollegen nominiert.
Perfekt für die Spurts aufgestellt ist auch Deceunick – Quick-Step, das mit Alvaro Hodeg und Fabio Jakobsen gleich zwei schnelle Männer in die Türkei entsendet hat. Mit Michael Morkov und Maximiliano Richeze haben sie außerdem zwei der weltbesten Anfahrer in ihrem Aufgebot. Man darf gespannt sein, wie das belgische Team die Etappen unter seinen Sprint-Youngstern aufteilen und harmonieren wird.
Immer auf der Rechnung haben muss man auch Caleb Ewan (Lotto Soudal). Der Australier hat mit Roger Kluge seinen vorletzten Anfahrer und Zimmerkollege in der Türkei mit dabei, und das Duo wird sich vor allem auch im Hinblick auf den Giro d’Italia in guter Form präsentieren wollen. Der 24-Jährige aus Sydney ist nämlich der einzige Sprintspezialist in der Türkei, der in einem Monat die Italien-Rundfahrt in Angriff nehmen wird.
Etappen:
16/04/2019 1. Etappe Istanbul – Tekirdag 156,7 Kilometer
17/04/2019 2. Etappe Tekirdag – Eceabat 183,3 Kilometer
18/04/2019 3. Etappe Canakkale – Edremit 122,6 Kilometer
19/04/2019 4. Etappe Balikesir – Bursa 194,3 Kilometer
20/04/2019 5. Etappe Bursa – Kartepe 164,1 Kilometer
21/04/2019 6. Etappe Sakarya – Istanbul 172,4 Kilometer
Teams:
WorldTour (6): Astana, Bora – hansgrohe, Lotto Soudal, Deceuninck – Quick-Step, Dimension Data, UAE Team Emirates
ProContinental (10): Burgos – BH, Caja Rural – Seguros RGA, Delko Marseille Provence, Euskadi – Murias, Manzana Postobon, Neri Sottoli – Selle Italia – KTM, Nippo – Vini Fantini – Faizane, Rally UHC Cycling, Sport Vlaanderen – Baloise, W52/Porto
Nationalteam (1): Türkische Nationalmannschaft
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